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DrShatterhand

Ministerium für kulturelle und intellektuelle Tiefschläge

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901

Donnerstag, 22. März 2018, 20:26

Winnetou II (1964)

Der Nachfolger von "Winnetou I", und er ist temporeicher als der erste Film. Lex Barker und Pierre Brice sind natürlich mit von der Partie, dazu sieht man aber noch andere interessante und bekannte Gesichter: Mario Girotti (bevor er sich den Künstlernamen Terence Hill gab), Klaus Kinski (natürlich als einer der Bösewichter) und Karin "You only live twice" Dor.

Auch Eddi Arent ist dabei als Castlepool. Ihn kennt Old Shatterhand offensichtlich, denn er spricht Castlepool auf eine frühere Begegnung an, zu der Castlepool als Schmetterlingssammler unterwegs war. Ich wunderte mich erst, worauf sich das bezog, doch als Old Shatterhand vom Silbersee sprach, dämmerte es mir. Und es passte, denn "Der Schatz im Silbersee" stammt aus dem Jahre 1962. Ein schönes Continuity-Element. Castlepool ist in "Winnetou II" das Comic-Relief-Element, ist aber bei weitem nicht so anstrengend wie Chris Howland zuvor.

Auch diesmal ist der Hauptbösewicht schnell zu erkennen, es ist Bud Forrester, der im Indianergebiet nach Öl gräbt und kompromisslos die Ölarbeiter unterdrückt und Indianer und seine Gegner töten lässt. Natürlich rennt auch er die meiste Zeit in Schwarz herum. Gegen Ende des Films trägt er andere Kleidung, doch dafür wird er zunehmend unrasierter. Und genau wie Santer stirbt auch er durch die Hand der Indianer, in diesem Fall der Assiniboins; er kommt letztlich in einem Pfeilhagel um.

Winnetou verliebt sich in diesem Film in Ribanna (Karin Dor), und sie planen auch zu heiraten, doch Leutnant Merril (Mario Girotti) macht ihm unabsichtlich einen Strich durch die Rechnung. Um seinen Willen zum Frieden zwischen den Weißen und den Indianern zu beweisen, bittet Merril Ribannas Vater um ihre Hand. Winnetou ist schwer getroffen, lässt aber um des Friedens willen von Ribanna ab. Pierre Brice stellt die entsprechenden Emotionen sehr gut dar.

Auch "Winnetou II" hat den Charme von damals behalten, und ich habe ihn mir genauso gerne angesehen wir früher. Ein sehr guter Film.
The needs of the many outweigh the needs of the few or the one.
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  • »TheSilencer« ist männlich
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902

Freitag, 23. März 2018, 10:22


Die Atelieraufnahmen springen einen förmlich an, besonders in den Szenen, die im Saloon in Roswell spielen, denn das, was als "draußen" dienen soll, ist so offensichtlich gemalt, daß man vergeblich hofft, es merke keiner.


Das könnte auch ein wenig an dem Hyper-HD-Kult liegen, jedes Bild immer schärfer anzubieten. Konnten sich die Filmemacher damals noch darauf verlassen, daß einige Bilder von der Unschärfe lebten und man einige Tricks so unbemerkt unterbringen konnte, werden sie jetzt auf dem 4K-TV (oder was auch immer) gnadenlos enttarnt.

Raumschiff Enterprise oder Mit Schirm, Charme und Melone sind auch Opfer dieser Technik.

Nicht ohne Grund wurde Make-Up dieser Entwicklung angepaßt, merkten doch einige Akteurinnen besorgt an, man sehe mittlerweile jede Pore und Falte.

Mister Bond

Felix Leiter

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903

Freitag, 23. März 2018, 21:38

Ich bezweifle allerdings dass die Filme damals in SD Qualität der DVDs auf den großen Leinwänden zu sehen waren ;)

Zum Thema Winnetou:
Habe die drei Filme und "Der Schatz im Silbersee" zuletzt vor 1 1/2 Jahren gesehen, auch nach langer Zeit. Kann Silencer nur Dr. Shatterhand in allen Punkten nur beipflichten :)
Sind ja auch die vier besten aller Karl May Filme. Und neben Pierre Brice war für mich natürlich immer Lex Barker eine Bank, dazu noch mit G.G. Hoffmanns Stimme (außer im "Silbersee").

Baron Samedi

MI6 Staff

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904

Samstag, 14. April 2018, 09:21

Tomb Raider (R: Roar Uthaug; 2018 )

Ähnlich wie die Batman- und James-Bond-Filmreihen wurde auch die Tomb-Raider-Videospielreihe mit einem Beitrag neu gebootet, der durch einen neuen und ernsthafteren Stil (härterer Gangart) gekennzeichnet war und die Anfänge der Hauptfigur erzählte. Dies geschah im Jahr 2013 mit dem schlicht "Tomb Raider" genannten Titel, an den der Nachfolger "Rise of the Tomb Raider" im Jahr 2015 anknüpfte.

Während die beiden Verfilmungen mit Angelina Jolie Anfang der 2000er Jahre lange vor dieser stilistischen Neuerfindung der Videospielreihe entstanden und das für Videospielverfilmungen häufige mittelmäßige Niveau aufweisen, basiert der aktuelle Film mit der neuen Hauptdarstellerin Alicia Vikander wesentlich auf dem Videospiel-Reboot von 2013. Entsprechend ernsthafter ist bei dieser filmischen Umsetzung auch das Bemühen, eine spannende Story mit guter und glaubhafter Action zu erzählen.

Und genau das gelingt dem Film! Ich war richtig begeistert, dass das Ende - ohne zuviel zu verraten - auf eine filmische Fortsetzung oder sogar eine Filmreihe deutet. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die Abenteuerfilme mit der Jagd nach mystischen Artefakten mögen... und definitiv besser als Indiana Jones 4.


Blade Runner - Final Cut (R: Ridley Scott; 1982)

Ich habe eine große Schwäche für Cybernoir und Blade Runner dürfte dieses Genre in filmischer Hinsicht - gemeinsam mit dem anderen großen Cybernoir-Klassiker der ersten Hälfte der 80er Jahre, Terminator - definiert haben. Insgesamt natürlich ein guter Film, weswegen ich auch mit seinen Schwächen beginnen will, um mit den Stärken schließen zu können.

Zunächst einmal: Harrison Ford ist eigentlich kein übermäßig begabter Schauspieler und hier sieht man es ziemlich deutlich. Sein Gesichtsausdruck wechselt die meiste Zeit zwischen einem verknautschten Grinsen und ungläubig-kindlichem Blick, ohne dass etwas davon sonderlich überzeugend wirken würde. Nicht einmal ein Gähnen im Aufzug gelingt im glaubhaft. Auch von den übrigen Schauspielern liefert allenfalls Rutger Hauer eine wirklich beeindruckende Performance ab.

Der ganze erzählerische Komplex um J. F. Sebastian hat mich persönlich immer gelangweilt, wohl weil ich diesen Techniker mit seinem selbst erschaffenen Puppenkabinett auf eine unangenehme Weise als merkwürdig empfinde. Hier geht mir auch die Szenerie zu sehr ins Disney- und zuckerkuchenhafte, was einen unpassenden Kontrast zu der im übrigen vorherrschenden Noir-Atmosphäre des Films darstellt.

Letztere - die (Cyber-)Noir-Atmosphäre - ist die große Stärke des Films. Das Setdesign ist eine Augenweide, eine faszinierende Mischung aus futuristischen Elementen und - so zumindest mein rein subjektiver und von keinem Fachwissen gestützter Eindruck - der Architektur altertümlicher Tempelanlagen und Totenstätten. Besonders beeindruckend finde ich Decker's Apartment, das mich an eine Pyramidenkammer erinnert, zugleich aber so gestaltet ist, wie man es in einer dystopischen Zukunft wohl von einem städtischen Apartment erwarten würde. Diffus im Hintergrund auf- und abblendende Licher sorgen in vielen Momenten für eine perfekt zur Filmstimmung passende Ausleuchtung der Szenerie.

Überhaupt braucht sich ein Noir-Fan nicht zu beklagen: Die Elemente - ein heruntergekommener Detektiv, eine Femme Fatale, rätselhafte Dialoge - sind alle da, perfekt ausgeführt und passen stimmig zusammen. Apropos rätselhafte Dialoge: Ob sich Skyfall vom Voight-Kampff-Test hat inspirieren lassen?

Jetzt bin ich wirklich gespannt auf Blade Runner 2049, den ich noch nicht gesehen und mir bestellt habe.
"Good morning Boss, it's sure going to be a beautiful day, yes a beautiful day."

Django

Der Andere

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905

Montag, 16. April 2018, 07:46

Jetzt bin ich wirklich gespannt auf Blade Runner 2049, den ich noch nicht gesehen und mir bestellt habe.

Ich denke, er wird Dir auch gefallen :thumbup:

DrShatterhand

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906

Donnerstag, 19. April 2018, 17:45

Beauty and the Beast (2017)

Was CGI doch so alles erreichen kann! Das war ein Gedanke, der mir beim Gucken dieses Films in den Sinn kam. Natürlich kann ein Film solcher Machart heute nur mit CGI bestritten werden, und es ist ein Verdienst der Produzenten, daß es nicht stört, weil die Effekte eventuell eher schludrig fabriziert wurden. Das ist überhaupt nicht der Fall.

„Beauty and the Beast“ orientiert sich eng an seinem Zeichentrick-Vorgänger von 1991 und versucht erst gar nicht, eine deutlich andere Richtung einzuschlagen. Dennoch hat dieser Film einige neue Elemente, die im Zeichentrickfilm nicht vorhanden waren. Da ist zum Beispiel Lefou, der hier deutlich cleverer ist als sein Zeichentrick-Pendant; er erkennt zum Beispiel gegen Ende des Films, wer das wahre Biest ist. Der 2017er Lefou ist auch schwul, letztlich findet er seinen passenden Partner nach dem Kampf auf dem Schloss. Es handelt sich dabei um einen von Gastons Schlägern; als er im Schloss vom lebenden Garderobenschrank in Frauenkleider gehüllt wird, merkt er, daß ihm das sehr gefällt, und er entdeckt seine weibliche Seite.

Der 2017er Film verschafft sich leider einen schlaffen Start, als die Erzählerin aus dem Off berichtet, wie es zu dem Fluch für das Biest kam. Die Stimmführung hält leider dem Vergleich mit dem Zeichentrickfilm nicht stand, mir ist die Erzählung zu abgehackt, und die Stimme ist nicht „märchentantenhaft“ genug.

Die Zauberin, die den Prinz mit dem Fluch belegt, entpuppt sich im Verlauf des Films als eine Bewohnerin des Dorfes; sie hört auf den Namen Agatha (allerdings heißt sie in den end credits Agathe). Sie hat ein Auge auf das, was im Dorf geschieht, und zieht am Ende auch mit zum Schloss, aber nicht, um wie Gaston und die anderen das Biest zu töten. Zwischendurch rettet sie auch Belles Vater Maurice, den Gaston an einen Baum fesselt und den Wölfen zum Fraß überlässt.

Eine gute Idee der Produzenten ist die Entwicklung des Wetters. Um das Schloss herum herrscht ewiger Winter. Mit den Veränderungen, die im Biest vor sich gehen, verändert sich aber auch das Wetter, und der Winter zieht sich langsam zurück. Auch gut ist die Idee, einen direkten Effekt zu zeigen, wenn die Rose ein Blatt verliert. Das Schloss bröckelt sofort etwas ab, und die verzauberten Diener verlieren ein weiteres Stück ihrer Menschlichkeit.

Eine weitere interessante Zugabe zum Fluch der Zauberin ist ein Buch, das es dem Biest gestattet, überall hinzureisen. Was aber so herrlich erscheint, unterstreicht nur, daß das Biest in seinem Schloss und in seiner Form gefangen ist. Das Biest nutzt das Buch, um mit Belle nach Paris zu reisen, und zwar in die Zeit, als Belles Mutter starb (an der Pest). Dies gibt uns den Hintergrund, weshalb Belle alleine mit ihrem Vater lebt. Daraus ergibt sich auch eine Verbindung zum Biest, dessen Mutter auch früh verstarb; sein Vater übernahm die Erziehung, die allerdings bekanntermaßen völlig nach hinten losging.

In die Schlusssequenz haben die Macher auch etwas Humor untergebracht. Beim Tanz im neu glänzenden Schloss fragt Belle den Prinzen, ob er sich nicht einen Bart stehen lassen will. Er antwortet mit einem biestartigen Grollen.

Was die Musik angeht, hat der neue Film mit „Evermore“ einen sehr guten Song hinzubekommen. Es war auch eine gute Idee, dieses Lied nochmal in den end credits unterzubringen, denn die neue Version von „Beauty and the Beast“, die in den end credits zunächst ertönt, überzeugt mich leider nicht. In den end credits werden (ebenfalls eine schöne Idee) alle Hauptcharaktere genannt und – was die verzauberten Diener angeht – auch als Mensch und als Objekt gezeigt.

Unterm Strich liegt hier ein guter Film vor, der natürlich Vergleiche mit seinem 1991er Vorgänger aushalten muss, sich aber alles in allem gut aus der Affäre zieht.
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MilesM

Agent

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907

Freitag, 20. April 2018, 11:56

Jetzt bin ich wirklich gespannt auf Blade Runner 2049, den ich noch nicht gesehen und mir bestellt habe.

Ich denke, er wird Dir auch gefallen :thumbup:
Vor allem das Production Design von Dennis Gassner, der ja auch QOS, SF und SP gemacht hat, fand ich teilweise beeindruckend.