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Feirefiz

The Other Fellow

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Samstag, 23. November 2013, 20:18

Fiktive Schauplätze – Pro und Contra

Zu den größten Kritikpunkten, die sich LALD und LTK gefallen lassen müssen, gehören die fiktiven Handlungsschauplätze San Monique und Isthmus. Die immer wieder gegen solche geographischen Fiktionen vorgebrachten Einwände berufen sich vor allem darauf, dass Bond zumindest theoretisch geerdet sein muss, dass er zwar in den Weltraum fliegen, aber nicht in einem erdachten Staat, so sehr selbiger auch ein reales Land ersetzen mag, ermitteln darf. Das Argument dahinter ist, dass Bond bei aller Abgehobenheit auf unseren Planeten gehört.

Ich will dem widersprechen! Für den Realitätsbezug Bonds ist es völlig egal, ob er in Miami, in Mexiko, oder von Kuba aus operiert. Der Name seines Einsatzortes ist mir gänzlich gleichgültig, solange die Handlung nur einigermaßen realistisch ist und nicht irgenwelche Elben um Bond herumhüpfen. (Der neueste Bond-Roman hat ja ähnliche Kontroversen ausgelöst.) Ob Sanchez also von Mexiko oder Isthmus aus sein Unwesen treibt – mir egal. ABER: Wenn schon echte südamerikanische Länder genannt werden, will ich – um QOS als Beispiel zu nehmen - mehr sehen als Boliviens nächsten Präsidenten in Paradeuniform und Paladine in entsprechenden Kutten, selbst wenn diese halbwegs authentisch sein sollten.

Ist Isthmus exotischer als der Mond oder der Mars? Eure Meinungen?
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (23. November 2013, 23:28)


  • »Mr. Fogg« ist männlich

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Sonntag, 24. November 2013, 06:15

Die Bond-Verfilmungen umgab von Anfang an eine kosmopolitische Aura, d. h. in diesem Fall ein relativ geringes Interesse an der einzelnen Nation, Geschichte, Politik, Folklore, Mentalität, etc. Die Welt wurde als Bühne gebraucht, in einer Mischung aus Staunen, Toleranz, aber auch Desinteresse. Bond geht in 7-Meilen-Stiefeln über den Planeten und bleibt nie lange genug stehen, um Wurzeln zu schlagen. Deshalb tendiere ich ebenfalls dazu, den geographischen Realismus für nicht unbedingt notwendig zu halten - jedenfalls nicht in Verfilmungen, die, wie die uns bekannten, an Einzelheiten wenig Interesse zeigen und immer darauf bedacht sind, ein möglichst großes Publikum zu erfreuen und niemandem/ keiner Nation weh zu tun.

Andererseits habe ich mir immer einen Wechsel der Bühne gewünscht: Ich würde gern einen nüchternen Agenten-Film mit Bond als Protagonist sehen. Um das zu illustrieren möchte ich ein Bild verwenden, das G. K. Chesterton malte: In Abgrenzung zu Rudyard Kipling bezeichnete Chesterton seine eigene Rolle als einen Zwerg, der den Vorgarten als Dschungel erlebt, wohingegen Kipling wie ein Riese mit so großen Schritten über die Erde geht, dass er seine Erkenntnisse nie im Staunen über die kleinen Dinge gewinnen kann. Als Beispiel schwebt mir der Spielfilm Geheimagent Barrett greift ein (1965) vor. Sowohl Set als auch Skript und Score verleihen diesem Bond-Epigonen eine Nüchternheit, die ich als erfrischend empfunden habe. Der Film ist kein Meilenstein, jedoch besonders die sehr ausgedehnte Anfangssequenz, die - glaube ich - in der kalifornischen Wüste spielt und nichts weiter als Routine-Abläufe im Hochsicherheitstrakt eines Giftgaslabors darstellt, reflektiert in ihrer akribischen Genauigkeit den Mut zur Kleinheit, den ich bei den Bond-Filmen vermisse. Ich hielte es für ein spannendes Experiment, das Haupt-Gewicht also nicht mehr auf Bond und/oder schillernde Exotik zu legen, sondern eine eher nüchtern-deskriptive Form der Betrachtung anzupeilen.
Dies würde dann auch besonders einen geographischen Realismus erfordern, der allerdings a) die Gefahr mit sich brächte, die Gesetze der Diplomatie zu missachten und b) vermutlich kein Blockbuster werden könnte. Was damit käme, "das mag Ihnen schmecken oder nicht, ist normale, solide Alltagsarbeit." (M in DAF) Ein anderes Bild zum besseren Verständnis dessen, was ich meine: Meine absolute Bond-Lieblings-Szene: Gumboldts Büro!
God save the Queen!

AnatolGogol

Supernase

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Sonntag, 24. November 2013, 09:16

Ich hatte nie ein Problem mit den beiden fiktiven Schauplätzen aus LALD und LTK, im Gegenteil fand ich haben sie sich immer nahtlos ins Bonduniversum eingefügt. Und das Stichwort „Bonduniversum“ ist vermutlich auch genau der Grund dafür, denn ich habe die Welt in der sich unser aller Lieblingsagent bewegt nie als Abbild der realen Welt gesehen sondern immer als Paralleluniversum, in dem zwar vieles ähnlich oder gar gleich ist wie „in echt“, aber diverses eben auch überspitzt, übertrieben oder gleich ganz anders. Da passen dann die beiden fiktiven Nationen prima rein, genau wie ein Ausflug zu ner Stadt im Weltall. Ehrlich gesagt war ich sogar verblüfft, dass man in QOS soweit gegangen ist mit Bolivien ein reales Land als direkt beteiligt am Schurkenplot zu wählen und nicht wie seinerzeit die Noriega-inspirierte Story von LTK in ein fiktives Land versetzt hat. Man kann hier sicherlich argumentieren, dass der Anspruch der Craig-Filme Figuren und Handlung geerdeter als in der Vergangenheit zu zeigen die Wahl eines realen Hintergrundes notwendig machte um auch hier einen eindeutigen Realitätsbezug aufzuzeigen. Zudem hätte gerade in QOS durch das extreme „Location-Hopping“ und das damit einhergehende Stilmittel der eingeblendeten Namen der (realen) Orte mit der Wahl eines fiktiven Landes statt Bolivien ein gewisser Bruch entstehen können. Allerdings hätte ich persönlich gerade durch die Tatsache, dass sich QOS so kurz an so vielen verschiedenen Handlungsorten aufhält wie kein anderer Bondfilm kein Problem darin gesehen dann das Schlüsselland fiktiv zu gestalten, denn zumindest bei bei mir blieb aufgrund der kurzen Verweildauer ausser ein Paar Sehenswürdigkeiten wenig hängen vom Flair der jeweiligen Länder.

Abschliessend noch ein Ausblick in die Zukunft: möglicherweise bieten ja gerade fiktive Orte und Länder in Zukunft den Bondfilmen eine Möglichkeit die Exotik früherer Filme wiederzubeleben, die durch den globalen Tourismus und die damit verbundene Tatsache, dass mittlerweile Ottonormalverbraucher praktisch selbst schon in jedem Teil der Erde war doch ziemlich flöten gegangen ist. Als gutes Beispiel denke ich hier zB an Herges Tim und Struppi-Comics, in welchen er liebevoll das fiktive Balkan-Ländchen Syldavien zum Leben erweckt hat oder auch die südamerikanische Bananenrepublik San Theodoros. Hier könnte man sich dann wieder richtig austoben in Punkto Exotik und zurückkehren in das anfangs angesprochene „Paralleluniversum“. Gleichwohl ist mir natürlich durchaus bewusst, dass bei der aktuell eingeschlagenen Linie der Ära Craig das wohl so ziemlich das Letzte ist, was die Macher momentan anstreben. Aber Trends und Moden sind schnelllebig und wer weiss, ob in einer Post-Craig-Ära nicht doch wieder der Trend in Richtung überbordender Eskapismus-Abenteuer a la Moore geht, in welchen fiktive überexotische Ortschaften dann sicherlich überhaupt kein Problem darstellen würden.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »AnatolGogol« (24. November 2013, 09:21)


4

Sonntag, 24. November 2013, 10:19

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Zwei kleine Querverweise:

Ich finde es immer wieder interessant, dass das fachkundige Publikum „San Monique“ und „Isthmus City“ als Fiktion sofort erkennt während Dr. Nos Insel Crab Key anscheinend (eher) als real wahrgenommen wird.

Auch wenn in „Quantum of solace“ (2008 ) hinsichtlich der Filmhandlung von Bolivien die Rede ist, so entstanden dort keine Szenen vor Ort, sondern prekäre Einstellungen des Films wurden in Chile aufgenommen.



Wie die Einheimischen vor Ort diese oft unnötige Zweckentfremdung ihres Wohnortes ansehen, dürfte vom Absurditätsgrad dessen abhängen, was dem Zuschauer vorgegaukelt wird. Während die Wiener mit einer Doppelbelegung ihrer Metropole als Österreichs Hauptstadt und fingierte heutige slowakische Grenzstadt Bratislava in "The living daylights" (1987) noch gut leben konnten, dürften etwa die Bregenzer über den „falschen“ (= Farnborough Airfield)-Flughafen in "Quantum of solace" schon weniger begeistert gewesen sein.

Richtig unangenehm empfinde ich persönlich den Montenegro-Aspekt in „Casino Royale“ (2006) wo noch nicht einmal der Name der eigentlichen Stadt genannt wird. Hier zeigt sich meines Erachtnes ganz böse wie eine Hollywood-Produktion mit der Unwissenheit eines Millionenpublikums Schindluder treibt wobei es überhaupt keinen Grund gegeben hätte Karlsbad als Realiter sich zu nutzen.

So habe ich weniger mit fiktionalen Orten in den Bond-Filmen ein Problem als eher mit bestimmten Schauplätzen innerhalb der Filmreihe die andere zu doubeln haben und nicht immer "glücklich" passen.


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AnatolGogol

Supernase

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5

Sonntag, 24. November 2013, 10:42

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Zwei kleine Querverweise:

Ich finde es immer wieder interessant, dass das fachkundige Publikum „San Monique“ und „Isthmus City“ als Fiktion sofort erkennt während Dr. Nos Insel Crab Key anscheinend (eher) als real wahrgenommen wird.

Ich glaube es ist noch nicht mal so sehr ein Nicht-Wahrnehmen als mehr das Akzeptieren von kleineren Freiheiten, die sich die Drehbuchautoren erlauben. So ist - zumindest in meinen Augen - ein fiktives Land wie San Monique schon ein anderes Kaliber als eine fiktive Insel (Crab Key) innerhalb eines realen Landes (Jamaika) oder ein fiktives kleines Alpennest (Berngarten) im realen Österreich (wenngleich ja auch hier weit weg gedreht wurde) und entspricht für mich eher erfundenen Personen oder Organisationen. Wenn beispielsweise in einem Bondfilm der aktuelle britische Premierminister mit einer fiktiven Persönlichkeit eingeführt werden würde, so empfände ich dies auch als weit größere Fiktion als zB ein fiktiver Verteidigungsminister - obwohl der Sachverhalt ja beides mal identisch ist. Aber die Größenordnung der Fiktion und auch der Bekanntheitsgrad des realen Spiegelbildes spielen da für mich schon eine erhebliche Rolle. Da man sich geographisch ja ganz gut auskennt weiss man idR, dass es keinen karibischen Staat namens San Monique gibt. Eine kleine Insel wie Crab Key könnte es ja aber zumindest geben - man kennt ja nicht alles. Analog dazu verhält sich auch das Beispiel mit Premierminister/Verteidigungsminister. Man "kauft" die kleineren Freiheiten einfach leichter - unabhängig davon ob man sie sofort als fiktiv oder nicht identifiziert.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

6

Sonntag, 24. November 2013, 11:45

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Abschließend noch ein Ausblick in die Zukunft:
Möglicherweise bieten ja gerade fiktive Orte und Länder in Zukunft den Bondfilmen eine Möglichkeit die Exotik früherer Filme wiederzubeleben, die durch den globalen Tourismus und die damit verbundene Tatsache, dass mittlerweile Otto Normalverbraucher praktisch selbst schon in jedem Teil der Erde war, doch ziemlich flöten gegangen ist. Als gutes Beispiel denke ich hier z. B. an Hergés Tim und Struppi-Comics, in welchen er liebevoll das fiktive Balkan-Ländchen Syldavien zum Leben erweckt hat oder auch die südamerikanische Bananenrepublik San Theodoros. Hier könnte man sich dann wieder richtig austoben in Punkto Exotik und zurückkehren in das anfangs angesprochene „Paralleluniversum“.
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Hinsichtlich der Kreation fiktiver Stadtveduten oder Landschaften gibt es leider keine ästhetischen Vorgabe-Richtlinien, wo etwas zu viel des Guten ist. Gerade in Zeiten der Digitaltechnik neigen doch einige Regisseure dazu über die Stränge zu schlagen.

Während George Lucas seine zweite Star Wars-Trilogie (1999 – 2005) in Teilen als Teilmixtur verschiedener realer Elemente mit Sets und digitalem Matte-Painting kombinieren konnte um ‚neue Welten‘ zu erschaffen, finde ich etwa die Verfremdung der Iquazu-Wasserfälle durch abstruse Verlängerungen in „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" (2008 ) völlig unangebracht.

Ein ausgewogeneres Beispiel findet man beispielsweise in „Quantum of solace“. Das Ende der Fußverfolgungsjagd über den Dächern von Siena endet in einer fingierten Kunstwelt wenn Bond auf dem Kirchturm versucht Craig Mitchell zu stellen und beide anschließend durch die Glaskuppel fallen. Hier fällt manchem Zuschauer eher auf, dass die einmontierte digitale Stadtvedute im Bildhintergrund nicht wirklich sauber erscheint, er sich aber weniger Gedanken macht ob die Optiken in der Realität existieren.
Hier wird man erst als Zuschauer eines Besseren vor Ort belehrt dass der Anschluss(fall) so wie er im Film gezeigt wird, unmöglich ist.


und entspricht für mich eher erfundenen Personen oder Organisationen. Wenn beispielsweise in einem Bondfilm der aktuelle britische Premierminister mit einer fiktiven Persönlichkeit eingeführt werden würde, so empfände ich dies auch als weit größere Fiktion als zB ein fiktiver Verteidigungsminister - obwohl der Sachverhalt ja beides mal identisch ist.


Hinsichtlich manch‘ bedeutender, fiktiver Schein-Person, die in Bond-Filmen präsentiert wird, halte ich auch hier immer den Schweregrad der Realperson für entscheidend, wie sehr man die im Bond-Universum dargebotene Kunstperson als Zuschauer annehmen möchte oder wie unseriös die Eigenwahrnehmung mit der dargebotenen Täuschung vorlieb nehmen mag, bei der man erkennt, dass die Macher nicht mutig genug waren Realitäten die Stirn zu bieten.


  • So funktioniert meines Erachtens der Auftritt mit dem real existierenden Ehepaar Thatcher in „For your eyes only“ (1981) ohne Probleme.

  • Leonid Iljitsch Breschnew als Parteichef der KPDSU, der eine Geheimsitzung in „Octopussy“ (1983) leitet, bei der General Orlov das Konzept (s)eines militärischen Erstschlags propagiert, fiel bei mir gleich bei der Uraufführung des Films durch, weil der Staatschef im November ´82 verstorben war und somit als Untoter auf der Bond’schen Leinwandwelt spukte.

  • Besonders problematisch ist für mich beispielsweise der „Moon“-Clan in „Die another day“ (2002), da die reale Diktatoren-Dynastie in den Nachrichten nun einmal überpräsent war und ist und ich diese Drehbuchscheinfiguren doch als zu abgeschmackt finde allein durch das Wissen was in Nordkorea an der Tagesordnung ist und in den Medien verbreitet wird als dass die bitterböse Realität nicht doch gravierend im Film immer noch durchscheint und die echten Verbrecher dadurch negiert.



Daher ist es. so glaube ich, sicherlich auch in diesem Punkt nicht ganz einfach, wann Scheinfiguren im Bond‘schen Kosmos einen Berechtigungsgrad haben und wann man reale Personen der Geschichte ins Boot nehmen sollte.


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Django

Der Andere

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Montag, 25. November 2013, 08:18

Mit Isthmus und San Monique habe ich keine Probleme, obwohl's natürlich nicht optimal ist. Viel störender finde ich da eher, wenn reale Staaten völlig realitätsfremd dargestellt werden - z.B. das bereits erwähnte Montenegro (da kann man noch darüber hinwegsehen) oder (und viel schlimmer) das ebenfalls erwähnte Nordkorea...

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Montag, 9. Dezember 2013, 10:09

Dann oute ich mich mal als jemand, der keine fiktiven Schauplätze mag. Zumindest fiktive Staaten stören mich, da Bond für mich das Maximum an Machbarem in einer möglichst real scheinenden Welt sein sollte (bei fiktiven Städten, Inseln, Personen oder auch Flughäfen bin ich da durchaus nachsichtiger - da schließe ich mich Anatols Argumentation an).
Aber gerade das, was Anatol so treffend "Paralleluniversum" genannt hat, funktioniert bei mir nur, wenn diese Welt mit der gleichen "Architektur" ausgestattet wird wie die "echte" (um es mit Nolans "Inception" zu sagen).

Wenn ich z.B. den fiktiven Staat "San Monique" nehme:
Dieser soll angeblich in der Karibik liegen. Bond möchte von dort aus, nachdem er zusammen mit Solitaire auf Quarrel Juniors Boot eingetroffen ist, nach New Orleans. Quarrel Junior sagt zu ihm "Tampa is closer", also Tampa/Florida ist näher (dass in der deutschen Fassung "Tampa ist geschlossen" draus wird, ist ein übler Fehler der Übersetzung). Wo soll also dieser Ort liegen, der näher an Tampa als an New Orleans liegt? Doch bestimmt nicht in der Karibik. Wohl eher im Golf von Mexiko. Von der Karibik bräuchte man mit einem solchen Boot sicher eine Woche bis New Orleans - wenn man denn jemals ankäme.

Noch gravierender finde ich allerdings den fiktiven Staat "Isthmus" in LTK. Alles bezüglich Isthmus deutet auf Mexiko hin: "Wir sind hier südlich der Grenze", Mexiko war Drehort (Mexiko-City doubelte Isthmus-City), die antike Anlage etc.
Der Begriff "Isthmus" würde aber eher auf Panama hindeuten (Stichwort "Isthmus von Panama"), da gerade Ende der 80er, als LTK gedreht wurde, Panama mit seinem von den USA erst geförderten, dann inhaftierten Diktator Noriega stark in den Medien war.
Und diese Fiktion passt einfach nicht zum nüchternen und bodenständigen LTK. Da ist es für mich dann auch kein Argument, dass man real existierende Staaten nicht "besudeln" möchte. Das hat man mit Nordkorea (DAD), Montenegro (CR) oder Bolivien (QOS) schließlich auch getan.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Maibaum

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Montag, 9. Dezember 2013, 11:04

Die Craigs haben hier ganz offensichtlich eine etwas andere Philosophie. Ich fand das in QoS schon etwas überraschend. nicht nur Bolivien sondern auch was Hawai betrifft.

Ansonsten war es in den alten Bonds ja so, daß allenfalls Länder die schlecht wegkommen dann direkt benannt wurden, wenn die ohnehin keinen Markt für Bond darstellten. Also die damals kommunistischen Länder. Die UDSSR, China, Nordkorea.

Mit der Karibik oder mit Mittelamerika dagegen wäre das sicherlich auch kein wirkliches Problem gewesen. Isthmus klingt allerdings nicht wirklich wie ein Ländername, San Monique schon.

Batman

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Montag, 9. Dezember 2013, 13:43

Ansonsten war es in den alten Bonds ja so, daß allenfalls Länder die schlecht wegkommen dann direkt benannt wurden, wenn die ohnehin keinen Markt für Bond darstellten. Also die damals kommunistischen Länder. Die UDSSR, China, Nordkorea.
Wozu man allerdings auch sagen muss, dass die Schurken jeweils Einzeltäter waren. Die eigentlichen hochrangigen Figuren der Länder wurden stets positiv dargestellt. Wie zum Beispiel Gogol, Pushkin, General Moon, Dimitri Mishkin usw.

Maibaum

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Montag, 9. Dezember 2013, 13:53

Ja sicher ,generell versuchten die Bonds immer möglichst unpolitisch zu sein. Und eben auch auf der religiösen Ebene niemand zu vergraulen.

Das macht die Serie einerseits beliebig, hilft aber dann auch wieder langfristig betrachtet in Bezug auf die Zeitlosigkeit. Da war es schon ein Segen daß Fleming selber bereits mit Spectre (anstatt von Smersh) in Vorleistung getreten war.

Feirefiz

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Freitag, 12. September 2014, 21:50

Dann oute ich mich mal als jemand, der keine fiktiven Schauplätze mag. Zumindest fiktive Staaten stören mich, da Bond für mich das Maximum an Machbarem in einer möglichst real scheinenden Welt sein sollte (bei fiktiven Städten, Inseln, Personen oder auch Flughäfen bin ich da durchaus nachsichtiger).
Dann drehe ich nach meiner jüngsten Sichtung von QOS den Spieß mal um. QOS ist zweifellos einer der realistischsten Bonds, anders als LTK nennt er den Staat, in dem er spielt, sogar beim Namen, aber garantiert das wirklich einen höheren Realitätsgrad? In dem einen Fall wird einem klar umrissenen geographischen Bereich stellvertretend ein fiktiver Name gegeben, im anderen Fall erhält ein realer Staat fiktives Führungspersonal. Solange man Bond nicht dermaßen an die Realität heranführt (und ich hoffe, dazu wird es niemals kommen), dass er (derzeit) Dankesschreiben von David Cameron erhält, reicht es mir, wenn Bond in realen Verhältnissen wirkt. Ob dann die Namen der Politiker oder der zumindest "exotischen" Staaten erfunden sind, ist mir in beiden Fällen gleichgültig.
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Felix Leitner

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Donnerstag, 18. September 2014, 19:15

Daher ist es. so glaube ich, sicherlich auch in diesem Punkt nicht ganz einfach, wann Scheinfiguren im Bond‘schen Kosmos einen Berechtigungsgrad haben und wann man reale Personen der Geschichte ins Boot nehmen sollte.


Der Knackpunkt ist wohl der, dass in LALD und LTK die Bösewichte bereits an den Schaltstellen des Staates sitzen bzw. mit der Führung im Geschäft sind. In QOS soll in Bolivien "nur" ein Putsch vorbereitet werden, was dann doch etwas anderes ist. Und Nordkorea gilt ja quasi offiziell weltweit als Schurkenstaat, um eventuelle Kino-Einsätze musste man sich 2002 genauso wenig Gedanken machen wie 2014.
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Havanna

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Samstag, 10. Januar 2015, 15:01

Ich habe mir die Diskussion gestern mal durchgelesen und finde sie sehr interessant.

Ich hätte es auch schöner gefunden, wenn man statt den fiktiven Isthmus und San Monique reale Orte als Schauplätze gewählt hätte. Es stört mich aber auch nicht wirklich, da die Bondfilme für mich in einer Parallelwelt spielen, die unserer zwar sehr ähnlich, aber eben nicht deckungsgleich mit ihr ist/war. Was mir dabei aber wichtig ist, ist, dass die Orte realistisch wirken, d.h. dass es sie so geben könnte und Bond nicht in "Fantasien" ermittelt.

Ich verstehe die Argumente der Realismusbefürworter, aber da Realismus in Filmen nie zu 100% zu erreichen ist, ist die Grenze für die Filmmacher schwer zu ziehen. Wenn wir nur reale Länder umsetzen wollen, warum dann nicht auch nur reale Städte und Landschaften (ciao Berngarten und PTS von TSWLM)? Oder nur Darstellungen realer Personen (warum hat z.B. nicht Theresa May dem Ausschuss in SF vorgesessen, bei dem M ihr Gedichtchen vorgetragen hat)?