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Freitag, 2. September 2016, 19:52

Die Filme von Quentin Tarantino

Hier herein bitte alles zum Kult-Regisseur Quentin Tarantino und seine bisherigen Werken:

01. Reservoir Dogs (1992)
02. Pulp Fiction (1994)
03. Jackie Brown (1997)
04. Kill Bill: Vol. 1 (2003)
04. Kill Bill: Vol. 2 (2004)
05. Death Proof (2007)
06. Inglourious Basterds (2009)
07. Django Unchained (2012)
08. The Hateful Eight (2015)

Außerdem hat Tarantino bei dem Segment "The Man from Hollywood" des Episodenfilms Four Rooms, der Emergency Room-Folge "Motherhood" und dem zweiteiligen CSI: Vegas-Staffelfinale "Grave Danger" Regie geführt. Unvollendet blieb My Best Friend`s Birthday und bei Sin City fungierte Tarantino als Gastregisseur. Als Hauptautor zeichnet er sich außerdem für die Filme True Romance, Natural Born Killers und From Dusk Till Dawn entscheidend mitverantwortlich.

Jüngst hat der Exzentriker immer wieder betont, nur noch zwei Filme drehen zu wollen. Ob es dabei bleibt...?
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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2

Freitag, 2. September 2016, 21:10

Quentin Tarantino - kaum ein anderer zeitgenössischer Regisseur versteht es so sehr "die Gemüter zu spalten". Anfangs war ich eher auf Robert Rodriguez fixiert, konnte mich mit Tarantino nur in begrenztem Maße identifizieren und war noch nicht so recht Teil seines Universums. Inzwischen ist er einer meiner Favoriten der Branche, da er auf eine extrem ungewöhnliche, zeitweise brutale und dennoch irgendwo augenzwinkernde Art den Kern eines Eric Rohmer Films in die Gegenwart versetzt: Dialoge der außergewöhnlichsten Art, die sich scheinbar um nichts drehen, in den Details jedoch interpretatorische Spiele zulassen. Für mich ist From Dusk Till Dawn der beste "Tarantino-Film", wenn man so will. Berücksichtigen wir jedoch ausschließlich sein ureigenes OEuvre, so ist es erstaunlicherweise ausgerechnet bei mir "The Hateful Eight", welchen ich am Besten finde. Erstaunlich deswegen, da ich eigentlich ein Vertreter der Früher-war-alles-besser-Fraktion bin (beziehungsweise der Ansicht bin, dass Filme für das Entlocken von Faszination bei mir einen Altersbonus benötigen, weshalb ich übrigens auch bei Spectre noch nicht gänzlich schwarz sehe).
Doch warum Hateful Eight? Nun, als Agatha Christie Freund finde ich die Idee einer spannungstechnisch klassisch aufgebauten Detektivgeschichte, aber tarantinotypisch in ein absurd heftiges Szenario eingebettet recht originell. Hinzu kommen kristallschöne Landschaftsaufnahmen längst vergessenen Glanzes. Im Übrigen liebe ich das "Der-Schnee-peitscht-auf-die-idyllische-Hütte"-Setting, welches ich in ähnlicher Form in meinem Lieblingsspiel "D2" von 1999 vorfinde.

Hier nun meine Tarantino-Reihenfolge:

1. Hateful Eight (10/10, wenn auch sehr sperrig)
2. Pulp Fiction (9,5/10, die Abschlussszene im Café halte ich für eine der 10 besten der Filmgeschichte)
3. Kill Bill I & II (9/10, Teil 1 perfekt, aber am Ende zu schwertintensiv, ab dem 250. Gegner wird es albern. Teil 2 dialoglastiger, aber weniger visuell)
4. Death Proof (8,5/10, ähnlich wie Jackie Brown war dies einst mein Favorit, nahm aber ab. Die Dialoge sind brillant, der V8-Charakter bullig!)
5. Resevoir Dogs, Jackie Brown, Django Unchained (8/10, Resevoir Dogs spielt nur an einem Ort, sonst sehr sehenswert. Jackie ist eine einzigartige Reinkarnation von Foxy Brown und Django beweist, dass das Westerngenre nicht ausschließlich im 20. Jahrhundert funktioniert hat)
6. Inglorious Basterds (7/10, ein eigentlich recht interessanter Beitrag zum Tarantino-Universum, aber trotz meines rabenschwarzen Humors tue ich mich sehr schwer mit dem NS-Setting, hinzu kommt zudem, dass der Film ohne die Szenen von Waltz meiner Meinung nach recht durchschnittlich wäre)
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Dr. moVe

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Montag, 5. September 2016, 13:49

Tarantino ist wohl einer der wenigen Regisseure, die nicht nur Filmemacher sind, sondern als regelrechtes 'Phänomen' bezeichnet werden können. Daher ist die Eröffnung eines entsprechenden Threads für dieses bedeutende Thema eigentlich lange überfällig.

Da mir gerade die Muse fehlt ein entsprechendes Essay zu verfassen (obwohl es diesbezüglich schier endlos viel zu dozieren gäbe), werde ich hier als Einstiegsbeitrag mal kurz meinen persönlichen Tarantino-Einstieg schildern: Mein allererster Kontakt mit dem Tarantinoverse geschah an einem eiskalten Januartag des Jahres 1994, als ich in einem altmodisch eingerichteten Karlsruher Stadtkino einen Film sah, auf den ich nur durch das an der Kinokasse hängende Filmplakat aufmerksam wurde. Das Poster kündigte ein surreal glamouröses Star-Ensemble an und warb außerdem mit dem Slogan "vom Regisseur von Top Gun". Eine Mischung aus Langeweile und ein bißchen Neugier (by the way: mit Top Gun verbindet mich eine dekaden-überdauernde, geradezu neurotisch anmutente Haßliebe, und Scott's Beverly Hills Cop II ist für mich das prägenste 'Guilty Pleasure'-Sequel überhaupt) ließen mich ein Ticket für den Film ziehen, und ich ahnte nicht im geringsten was für ein Feuerwerk mit True Romance auf mich wartete. Auch wenn ich 'nur' die deutsche Synchrofassung genoß, traute ich von der ersten Sekunde an meinen Ohren kaum. Mit jenen ungeahnt grandiosen True Romance-Dialogblüten, wurde ich dank Tarantino's furiosem Drehbuch, schlagartig in ein neues, aufregendes Filmzeitalter der subversiven Pulpculture katapultiert. Mit so einem Script und solch' einem Cast konnte Werbeoptik-Profi Scott wahrlich nichts mehr groß falsch machen. Wahnsinn, wie peppig und frisch das alles wirkte. So als habe Coolness eine perfekte filmische Definition erhalten. Überirdisch allein die Verhör-Szene mit Walken und Hopper. Jede Figur die durch diesen Film stapft hatte etwas, das wirkte damals neu, aufregend oder mit einem Wort: GEIL. Als ich das Kino verließ waren meine Klamotten durchgeschwitzt - und das nicht etwa weil es im Kino so heiß war, sondern aus purer Begeisterung und Euphorie. Ich möchte es fast ein pop-spirituell anmutendes cineastisches Erweckungerlebnis nennen.

Nicht zuletzt durch diese Erfahrung schaffte True Romance es bis heute sich einen festen Platz in meiner Lieblingsfilm-Top-20 (lange Zeit sogar Top 10) zu sichern. Ein Umstand, der allerdings auf plakative Weise die übliche 'Favoriten'-Zwickmühle in sich birgt, da ich die meisten der folgenden Werke des Skript-Meisters, bei denen Tarantino selbst im Regiestuhl platz nahm, als hochwertiger und bedeutender ansehe. Keiner dieser großartigen Filme findet sich jedoch in meiner Lieblingsfilm-Top-20... Tja, da kann ich nur unseren Kollegen Feirefiz zitieren, der mal so treffend schrieb: Liebe ist nicht fair. ;)

Ne' Film-Rangliste zu liefern ist natürlich Ehrensache (Vorerst aber nur mit Tarantino's Regie-Arbeiten - läuft bei der Œuvre-Wertung anderer Filmemacher ja in der Regel auch nicht anders):

1. Kill Bill (Vol. 1 & 2 - wird ja vom Meister sogar selbst als ein Film gewertet)
2. Pulp Fiction
3. Inglourious Basterds
4. Jackie Brown
5. Reservoir Dogs
6. Death Proof
7. The Hateful Eight
8. Django Unchained

Von der Allgemeinheit mit Abstand am überbewertetsten halte ich Django Unchained, was meine Liste ja auch deutlich zu Protoll gibt. Chronisch unterbewertet werden dagegen Jackie Brown (ein verkanntes Meisterwerk) und Death Proof, der imho ebenfalls deutlich brillianter als sein Ruf ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Dr. moVe« (5. September 2016, 14:33)


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Montag, 5. September 2016, 16:10

@Dr. moVe

Das ist ja echt kurios: Meine Tarantino-Favoriten sind fast haargenau die gleichen wie deine. Wie cool ist das denn? :prost:

Wie schon andernorts erwähnt, bin auch ich ein waschechter Tarantino-Fan. Mein erster Tarantino-Film war Pulp Fiction, aber nicht seinerzeit im Kino (weil Klein-Scarpine da anno 1994 niemals reingedurft hätte ;) ), sondern Mitte der Zweitausender Jahre im TV. Danach habe ich mir alle seiner bisherigen Filme angesehen. Death Proof war dann mein erster Kino-Tarantino. Ein Grund, weswegen der Film bei mir auch recht gutes Standing hat. Viele halten diesen Streifen ja für den bisher schwächsten Beitrag von Tarantino. Das wäre für mich aber auch eher Django Unchained, dessen allgemeine Beliebtheit sich mir auch nur zum Teil erschließt; und dass, obwohl ich ein sehr großer Italowestern-Fan (und damit eigentlich die ideale Zielgruppe für den Film) bin. :think:

Inglourious Basterds finde ich ein wenig überwertet, kann aber dessen große Beliebtheit wesentlich besser verstehen, weil hier diverse Einzelszenen vorhanden sind, die zum Besten gehören, was Tarantino je geschrieben und inszeniert hat. Demgegenüber ist Django Unchained streckenweise schon arg langatmig, weil solche Highlightszenen hier deutlich weniger vorkommen und dadurch Tarantinos epischer Atem und die Zitateflut auf 165 Minuten schon deutlich ermüdender wirken. The Hateful Eight empfinde ich irgendwie als filmisches Experiment und bin mal gespannt, wie sich dieser Film zukünftig in meiner Wertschätzung entwickeln wird. Wieso allerdings Jackie Brown nicht unisono als Meisterwerk gesehen wird, habe ich auch nie verstanden. Für mich sogar ein Film, der es sogar problemlos mit Tarantinos Oberkultkracher Pulp Fiction aufnehmen kann. Auch Reservoir Dogs wird mittlerweile ja deutlich stiefmütterlicher behandelt, was ich auch etwas bedauere. Es ist nämlich immer noch einer der packendsten und geradlinigsten Tarantino-Streifen.

Meine Rangliste:

1. Kill Bill: Vol. 1 & 2
2. Pulp Fiction
3. Jackie Brown
4. Reservoir Dogs
5. Inglourious Basterds
6. Death Proof
7. The Hateful Eight
8. Django Unchained
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Montag, 5. September 2016, 22:10

Schöner Thread, der das zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas schläfrige Forum eigentlich sehr gut wiedererwecken könnte, denn an Tarantino kann man nun wirklich mit sehr unterschiedlichen Ansichten herantreten. Obwohl er eigentlich kein Mainstreamregisseur im eigentlichen Sinne ist, dürften ihn aufgrund seiner vielen Zuschauer auch hier so gut wie alle Mitglieder kennen, daher hoffe ich auf einen lebhaften Thread. Tarantino ist neben Brian De Palma, Roman Polanski und einigen wenigen anderen einer der meiner Meinung nach einzigen Regisseure, welche in gewisser Weise ihr eigenes Genre erschaffen haben, für sich selbst stehen und unverkennbare Handschrift aufweisen.

Obwohl Tarantino selbst Kill Bill als ein einziges Gesamtwerk wahrnimmt und auch ich beide Teile auf denselben Platz gesetzt habe, wundert es mich doch immer wieder wie knapp aneinandergereiht beide Werke geradezu in ein- und demselben Atemzug genannt werden, sind es für mich letzten Endes doch zwei grundverschiedene Filme. Volume 1 ist eine Art Lady Snowblood 2.0, der Kapitelaufbau ist ähnlich, der kunstvolle Einsatz von Schnee, der asiatische Hauch, der geringe Gebrauch von Dialogen. Ein fabelhafter Film, aber kein Tarantino im ureigenen Sinne, denn hier zitiert er nicht wie wild in Kurzform diverse Werke, sondern bezieht sich längere Zeit über auf wenige Vorbilder. Volume II hingegen ist für mich ein Tarantino wie er im Buche steht, am deutlichsten wird dies meiner Meinung nach in der Szene, in welcher Daryl den dokumentarkommentarartig aufgebauten Vortrag bezüglich des Giftes der Schlange hält. Die Szene ist grauenhaft schmerzhaft, in ihrer makabren Absurdität jedoch so einzigartig in den Kontext gesetzt, dass sie mir doch irgendwo ein Lächeln entlockt... "Und jetzt hör' verdammt gut zu denn das betrifft dich". Ein gewöhnungsbedürftiger Stil war schon immer Tarantino's Markenzeichen, man vermag es aber bitte als Kompliment wahrzunehmen.

PS:
Da schäme ich mich ja beinahe True Romance nicht gesehen zu haben, ein überfälliges Erlebnis, wie ich finde.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (5. September 2016, 22:20)


Havanna

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Sonntag, 18. September 2016, 17:58

Quentin Tarantino...Zu sagen, dass ich ein Fan bin, traue ich mich nicht, weil ich gleich zu Beginn dieses Posts zugeben werde, dass ich drei seiner bisherigen acht Filme noch gar nicht gesehen habe, nämlich Reservoir Dogs, Jackie Brown und Death Proof.

Auf ihn aufmerksam geworden bin ich während meiner Schulzeit, zu einer Zeit, als ich seine Filme alterbedingt noch gar nicht sehen durfe. Einige meiner Mitschüler haben das aber natürlich trotzdem getan und aufgrund ihrer Schilderungen war "Tarantino" für mich immer etwas Mysteriös-Verbotenes, war aber gerade deshalb interessant. Den ersten Film mit ihm war einer, bei dem er gar nicht Regie geführt hatte: From Dusk Till Dawn. Der hatte mich dann aber auch gleich enttäuscht. Zwar gab es ordentlich Splatter, aber insgesamt finde ich ihn auch heute noch zu langatmig und nichts Besonderes.

Dafür haben mich die anderen Filme, die ich nach und nach im Fernsehen (Pulp Fiction), auf DVD (Kill Bill, Hateful Eight) oder im Kino (Inglourious Basterds, Django Unchained) gesehen habe, umso mehr begeistert.


Tarantino vereint in seinem Stil mehrere Elemente, auf die ich total anspringe:

- Absurder Humor: Ein Captain erklärt einem Jungen "kindgerecht" wie er und der Vater des Kindes eine Uhr in ihren Hinterteilen versteckt haben; zwei Killer unterhalten sich vor ihrem blutigen Auftrag über Burgerbezeichnungen; ein sadistischer SS-Offizier freut sich mitten in einer spannenden und entscheidenden Szene des Films wie ein Kind über ein "Bingo"; Goebbels stellt seine Assistentin vor und in dieser Szene wird für halbe Sekunde eine Sexszene zwischen den beiden eingeblendet.

- Das Spielt mit der Gewalt: In jedem seiner Filme gibt es mindestens einen Gewaltexzess, in dem das Blut in Strömen fließt. Diese extreme Gewalt ist aber oft so übertrieben dargestellt und stilistisch überhöht, dass sie auch dann nicht ernsthaft schockt, wenn jemandem die Genitalien weggeschossen, der Kopf gespalten oder bis zur Unkenntlichkeit von Kugeln durchsiebt wird. Viel schockierender, weil intensiver sind da die zurückhaltender inszenierten und weniger blutigen Szenen wie der Tod von Bridget von Donnersmark oder von D'Artagnan.

- Charaktere und Besetzungen: Dieser Punkt passt teilweise zum Humor, Tarantino hat ein Gespür für schräge, aber nicht überdrehte Charaktere. Zudem hat er ein super Händchen für die Besetzung seiner Rollen. Christoph Waltz hatte vor Inglourious Basterds wohl niemand auf der Rechnung und dann brilliert er in der Rolle aber sowas von! Dass Waltz seitdem gefühlt nichts Anderes mehr spielt (Django Unchained, Der Gott des Gemetzels) oder es versucht (Skyfall) zeugt nur noch mehr von Tarantinos Auswahl. Ein weiteres Beispiel ist John Travolta.

- Dialoge: Dies muss ich kaum mehr weiter ausführen, das haben meine Vorposter schon genug getan. Von den Filmen, die ich bisher von ihm gesehen habe, erreicht er meiner Meinung nach die Perfektion in "Inglourious Basterds": Die Eröffnungsszene und die in der Kellerbar KANN man nicht besser schreiben.


Durch all diese Faktoren gelingt es Tarantino mehr als jedem anderen Regisseur, auch in vordergründig harmlos (erscheinenden) Szenen eine angenehm-unangenehme, förmlich greifbare Spannung aufzubauen, deren Entladung man förmlich herbeisehnt, auch wenn man weiß, dass das wieder sehr blutig wird.:) Ich zögere wohl auch deshalb die Sichtung der drei noch fehlenden Filme heraus, weil ich jeden Film nur einmal zum ersten Mal sehen kann.


Anbei noch die derzeitige Hitliste:
1) Inglourious Basterds
2) Kill Bill
3) Django Unchained
4) Pulp Fiction
5) Hateful Eight
Dabei möchte ich aber ausdrücklich erwähnen, dass der letzte Platz dieser Liste nicht heißt, dass es ein schlechter Film ist. Ganz im Gegenteil!

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Sonntag, 18. September 2016, 21:35

Welchen der drei noch nicht gesehenen Beiträge zum Tarantino-Universum sollte man da an deiner Stelle wohl zuerst nachholen:

Nun, Death Proof ist in meinen Augen ein durchaus nicht uninteressanter Film, aber mit dieser Meinung stehe ich womöglich recht allein da und solltest du keinen Gefallen am 70er Jahre Grindhouse-Kino, bulligen Fahrzeugen und ausufernden Dialogen aus Frauensicht finden, kannst du diesen angeblichen Ausrutscher getrost ignorieren, ich finde ihn wie gesagt phänomenal, wenn auch zu verfolgungs- und rennlastig.

Jackie Brown solltest du dir als wahrer Tarantino-Fan schon eher zu Gemüte führen, seine Passion für das Blaxploitation-Genre wird hier in einzigartiger Art und Weise zelebriert, im Übrigen wird fleißig zitiert und referiert, etwa "Die Reifeprüfung" und "The killer" (John Woo). Man muss aber wissen, dass der Film auf einem nicht tarantinoesken Roman basiert, somit ist zwar des Meisters Einfluss spürbar, nicht jedoch seine Hingabe in ihrer drehbuchtechnischen Gänze.

Resevoir Dogs dürfte sich allein schon aufgrund des Debüt-Charakters lohnen, hier hingegen gestaltet sich das Debüt zwar ebenfalls etwas krude (was bei den meisten Regisseuren unbeabsichtigt sein könnte), es scheint aber gewollt zu sein. Seine vorherigen Kurzfilme sind nicht erhältlich, bei Robert Rodriguez hingegen durchaus ("Bedhead").



Bemerkenswert:
Pulp Fiction vergleichsweise recht weit unten, das nenne ich mal mutig, ich würde an deiner Stelle nur noch mit schusssicherer Weste herumlaufen :D
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Havanna

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Montag, 19. September 2016, 15:45

Bezüglich der Einteilung von Pulp Fiction will ich auf jeden Fall sagen, dass derzeit selbst der schlechteste Tarantino-Film immer noch verdammt gut ist, insofern sagt das Ranking nichts über die Qualität der Filme an sich aus, zumal sie bei mir alle nur minimal auseinander liegen. Außerdem kann es wie bei den Bondfilmen in einer Woche schon ganz anders aussehen.:)

Zudem kann es sein, dass ich speziell Pulp Fiction Unrecht tue, da es schon ein paar Jahre her ist, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Wird vielleicht mal wieder Zeit.:D

Martin

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Samstag, 24. September 2016, 01:42

Ein expliziter Fan von Tarantino bin ich nicht, aber zwei Dinge mag ich an ihm sehr. Zum einen sein absolut geniales Gespür für kultige Filmmusik, wie der Surfersound in 'Pulp Fiction', 'Across 110th Street' in 'Jackie Brown', diverse Morricone-Stücke, 'Battle without Honor or Humanity' in 'Kill Bill' oder 'Cat People' in 'Inglourious Basterds'. Teilweise liebe ich die Soundtracks mehr als die entsprechenden Filme.

Die zweite Sache ist sein Faible für das Medium Film und das Trägermaterial Zelluloid an sich, das auch dessen Romantik und den Charme mit einschließt, der sich auch aus der mangelnden Perfektion ergibt. Überhaupt schätze ich Werke, bei denen ein Bewusstsein für die Sinnlichkeit des Trägermediums durchscheint. Deshalb mag ich auch Schallplatten und werde mit eBooks nicht warm. Tarantinos .Arbeitsweise mit teilweise chronologisch vertauschten Kapiteln ist ja von dem Umstand inspiriert, dass in Billigkinos früher auch mal Filmrollen vertauscht wurden. Dieses Billigkino-Gefühl hat er auch in 'Death Proof' wunderbar eingefangen, und richtig genial finde ich den Showdown von 'Inglourious Basterds', wo der Kopf von Mélanie Laurent in den Rauch projiziert wird. Sehr gespannt war ich deshalb auch auf 'The Hateful 8', wo er auf 70 mm mit jahrzehnte-alten, schon verstaubten Objektiven gedreht hat. Aber das Ergebnis fand ich dann etwas enttäuschend und sogar verschenkt.

Die beiden Lieblingswerke sind 'Inglourious Basterds' und 'Django Unchained'. Beide haben einen Ansatz, die Filmwelt für eine Art idealisierte Geschichte zu nutzen, in der sich die Juden beziehungsweise die Schwarzen gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen und letztlich siegreich sind. Das ist an sich schon eine Hommage an das Kino und den Film allgemein. Allerdings haben beide auch den Makel, dass diese Grundidee zugunsten anderer Charaktere und Storys etwas in den Hintergrund tritt. In IB finde ich die Story um Shosanna und Landa interessanter als die Basterds-Truppe, und in DU King Schultz interessanter als Django, obwohl letztere jeweils die Titelhelden sein sollen.

Eine Rangliste sieht in etwa so aus:

1. Inglourious Basterds
2. Django Unchained
3. Pulp Fiction
4. Jackie Brown
5. Kill Bill 1 & 2
6. Death Proof
7. Reservoir Dogs
8. The Hateful 8

Sean

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10

Donnerstag, 2. März 2017, 11:40

Für mich ist Quentin Tarantino der beste Regisseur aller Zeiten. Ich finde seine Filme einzigartig. Einfach niemand kommt an seinen Ideenreichtum heran. Aber auch die Bildführung finde ich jedes Mal überwältigend.
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Mister Bond

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Donnerstag, 2. März 2017, 23:16

Auch wenn ich einige Filme von ihm mag, finde ich ihn als Regisseur nicht wirklich gut. Zu plakativ und mittlerweile auch berechnend. Dazu nimmt er sich selber viel zu wichtig.

Meine Favoritenliste:

1. Pulp Fiction - 10/10... Also wer den Film nicht als Tarantinos Nr. 1 anerkennt, da kan nich auch nicht mehr weiterhelfen. Der einzige ohne wenn und aber.
2. Kill Bill Vol. I - 10/10... Der macht mir am meisten Spaß. Uma Thurman geht ab, toller, wie fast immer geklauter, Soundtrack, tolle Farben und und und.
3. Django Unchained - 9/10... Wäre Jamie Foxx nicht, wäre der Film auf der 2. Waltz, Di Caprio und Jackson sind großartig. Und natürlich wieder der zusammengestellte Score.
4. Inglorius Basterds - 8/10... Aber wirklich gut nur in der Mischsynchro, sprich in der jeder seine tatsächliche Sprache spricht. Zu geil Pitts Ami-Dialekt.
5. Kill Bill Vol. II - 7/10... Nicht mehr, weil ich persönlich das Finale enttäuschend war und der Film sich ein wenig schleppt.
6. Jackie Brown - 6/10... Hervorragende Charaktere, aber selbst für einen Tarantino zu redselig und teilweise lahm.
7. Reservoir Dogs - 6/10... Weiß nicht, mich packte der Film nie besonders.
8. Dead Proof - 2/10... cooler, böser Kurt Russell. Den Rest finde ich ätzend.
9. The Hateful 8 - 2/10... die wenige Landschaftsaufnahmen sind imposant, auch Morricones Score ist gut, obgleich es ein Frevel ist, dass er für eines seiner schwächeren Werke endlich den Oscar erhielt und seine ganzen wirklich grandiosen Sachen zum Teil noch nicht mal nominiert waren. Ansonsten finde ich den Film abscheulich und selbst für Tarantino Verhältnisse ist die Gewalt einfach nur da um Gewalt zu zeigen. Der Idiot penetrierte mich 45 Minuten mit einer elend langen Kutschenfahrt mit Null Aussagewert, weitere 45 Minuten mit ätzendem Gehabe in der Hütte, dann ist ihm wohl nicht mehr viel eingefallen und er ließ die ekelhafteste zweite Filmhälfte der Filmgeschichte vom Stapel. Natürlich alles rein aus meiner Sicht. Selbst meine 2 Punkte sind noch gnädig.

Somit spielte einer meiner Lieblinge, Kurt Russell, leider in den zwei von mir mit Abstand als schlechtesten empfundenen Filme Tarantinos mit.