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DrShatterhand

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Donnerstag, 12. Mai 2016, 17:51

The Hunchback of Notre Dame (1996)

Aus der großen Zeit Disneys in den 1990ern. Die Truppe um die Regisseure Kirk Wise und Gary Trousdale hat einen sehr guten Film hingelegt, der auch mit sehr guter Filmmusik überzeugt. Ich ertappe mich jedenfalls ab und zu dabei, die Soundtrack-CD einzustecken und im Wagen oder im Büro laufen zu lassen. Natürlich gibt es ein paar Dinge, die in jedem Disney vorkommen, etwa das Tier, daß eine Hauptfigur begleitet, oder ein fröhliches Lied im späteren Verlauf des Films, aber das tut der Qualität von "Hunchback" keinen Abbruch. Auch die Liste der Specher liest sich gut: Demi Moore als Esmeralda (die Lieder werden jedoch von Heidi Mollenhauer gesungen), Kevin Kline als Captain Phoebus oder David Ogden Stiers (M.A.S.H.-TV-Serie) als Archdeacon. Ein weiterer Vorteil der Originalversion liegt darin, daß man nicht vom Lied der Kelly Family verfolgt wird, das die deutsche Version begleitet.
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Martin

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Donnerstag, 26. Mai 2016, 01:17

In letzter Zeit zwei sehenswerte Dokus zu jeweils äußerst spannenden Epochen der Filmgeschichte konsumiert:

Easy Riders, Raging Bulls
Aufstieg und Niedergang des New Hollywood. Die Siebziger sind für viele Filmkritiker ja eine Art goldenes Zeitalter, in der zwischen dem Ende des alten Studiosystems und dem Aufkommen der Blockbuster unbeschwert zahlreiche Meisterwerke entstanden. Zum Teil stimmt das auch, allerdings kann ich als Kind der Achtziger über die von Spielberg und Lucas eingeläutete Phase der wieder simpleren, klassischeren Großproduktionen nicht nur die Nase rümpfen. Insofern fand ich es gut, dass die "Sex, Drugs & Rock'n'Roll"-Generation in der Doku nicht übermäßig heroisiert wurde, und auch Schattenseiten thematisiert wurden. Wie etwa der exzessive Drogenkonsum, der manche Produktion aus dem Ruder laufen ließ und einige frühzeitige Ableben zur Folge hatte.

Der Film ist für seine fast zwei Stunden sehr kurzweilig und bietet viele spannende Hintergrund-Informationen. Zahlreiche Protagonisten der Zeit kommen zur Sprache, wie Dennis Hopper oder Peter Bogdanovich, und man wird auch auf unbekanntere Filmperlen hingewiesen.

Von Caligari zu Hitler
Der Film zur berühmten These von Siegfried Kracauer, dass das Kino der Weimarer Republik mit seinen suggestiven, dämonischen Figuren wie Dr. Mabuse oder Caligari den Aufstieg des Nationalsozialismus vorausahnte. Wie im New Hollywood hat hier eine exzessive, von politischen Umbrüchen traumatisierte Zeit erstaunliche kreative Blüten getrieben. Wie bei praktisch jeder geisteswissenschaftlichen Theorie gibt es natürlich keine handfesten Beweise, und man könnte das auch ganz profan erklären. Sehr aufschlussreich ist hier ein Interview mit Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser im Bonusmaterial. Trotzdem kommt die Faszination von Kracauers Interpretation im Film sehr gut rüber.

Im Endeffekt scheinen den Regisseur die Beispiele für filmischen Realismus aus dieser Zeit aber etwas mehr zu begeistern als die großen Effektfilme. Was ich etwas schade finde. Der gegenwärtige deutsche Film könnte sich von der "dämonischen Leinwand" dieser Zeit viel abgucken. Realismus haben wir mehr als genug. Rüdiger Suchsland macht meiner Meinung nach auch den Fehler, selbst zu sprechen. Das wirkt manchmal ein bisschen wie abgelesen. Profi-Sprecher bekommen ihr Geld nicht umsonst. Von diesen beiden Kritikpunkten abgesehen hat mir die Doku sehr gut gefallen. Auch hier erhält man viele neue Einblicke in eine Epoche und nimmt viele gute Filmtipps mit.

DrShatterhand

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Donnerstag, 26. Mai 2016, 22:20

Galaxy Quest (1999)

Eine gelungene Parodie auf Star Trek, die auch mit einer wunderbaren Besetzung aufwarten kann: Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman (Man muss ja nun leider sagen "Bye, Grabthar´s Hammer"), Tony Shalhoub. Die Truppe spielt eine Gruppe von Schauspielern, deren Serie "Galaxy Quest" vor Jahren abgesetzt wurde und die sich nun mit Auftritten bei Conventions über Wasser hält. Außerirdische (Thermians) suchen "Captain Nesmith" (Tim Allen) auf, weil sie glauben, bei der Serie handele es sich um historische Dokumente und die Episoden stellten echte Geschehnisse dar, und sie hoffen, Nesmith und seine Besatzung könnten ihnen gegen den bösen Sarris helfen. Die Schauspieler landen letztlich alle bei den Thermians, und was zunächst wie ein riesiges Spiel aussieht, entpuppt sich bald als echte Weltraummission, bei der die Galaxy-Quest-Besatzung zeigen muss, daß sie doch mehr draufhat als nur ein paar Kulissen zu bedienen.

Der Film mag zwar schon 17 Jahre alt sein, aber er ist nach wie vor sehr ansehnlich, und man hatte auch eine Fortsetzung geplant, aber Alan Rickmans Tod hat den Plänen letztlich einen Strich durch die Rechnung gemacht.
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Sonntag, 19. Juni 2016, 17:32

Mad Max - Fury Road (George Miller, 2015)

Tolle Wüstenbilder, geile Fahrzeuge, fulminante Verfolgungsjagden - eigentlich genau mein Film. Schade nur, dass die eigentliche Hauptfigur (gespielt vom grandiosen Tom Hardy) von den übrigen Akteuren die meiste Zeit in eine Art Nebenrolle gedrängt und zudem teilweise als fahriger Depp dargestellt wird.


Jack Reacher (Christopher McQuarrie, 2012)

Spannende und elegante Verfilmung eines Thrillers von Lee Child. Einer der besten Agentenfilme, die ich in letzter Zeit geschaut habe.
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Dienstag, 28. Juni 2016, 17:35

The International (Tom Tykwer, 2009)

Klasse Agententhriller mit intelligenten Dialogen und beeindruckenden Bildern. Clive Owen bietet eine intensive Performance als verbissener, idealistischer Agent, der sich ganz dem Ziel verschrieben hat, eine kriminelle Bank zu Fall zu bringen.

Einen Eindruck, wie er als Bond gewirkt hätte, lässt sich dem Film wohl eher nicht entnehmen. Dazu ist sein Charakter hier zu wenig Lebemann. Andererseits: Dem Craig-Bond in der ersten Hälfte von CR und in QOS wirkt er in vielerlei Hinsicht gar nicht so unähnlich.

Absolutes Highlight: Der Shootout im Guggenheim-Museum, NY. Eine so ästhetisch in Szene gesetzte Ballerei kenne ich sonst nur von John Woo.
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Sonntag, 3. Juli 2016, 02:27

Ant-Man Kannte diesen Marvel Helden noch nicht. Gefiel mir. Fand die Eröffnungs Sequenz beeindruckend. Ein junger Michael Douglas. :-)

Martin

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Donnerstag, 7. Juli 2016, 01:45

Bastille Day
Solider Actionthriller mit Idris Elba, der trotz einiger Schwächen ganz unterhaltsam ist. Mittlerweile wird das Actiongenre ja leider fast komplett von Superhelden und Fantasy- oder SF-Franchises beherrscht, so dass es ganz erfrischend ist, einen normalen Actionhelden und eine in der Realität angesiedelte Handlung mit Verschwörungselementen zu sehen. Elba ist perfekt für diese Art Film und wäre vor zehn oder fünfzehn Jahren vielleicht auch sehr erfolgreich darin gewesen. Insofern verwundert es auch nicht, dass die Presse ihn ständig als potentiellen Bond verkaufen will, da es abgesehen von Bond und vielleicht noch den Bourne-, Mission-Impossible- oder Jason-Statham-Filmen nicht mehr viele Vertreter dieser Art gibt.

Die Handlung von "Bastille Day" um Terroranschläge und über das Internet aufgeheizte Unruhen hat Potential, das aber durch eine etwas zu simple Umsetzung ein bisschen verschenkt wird. Aus den historischen Parallelen zum Sturm auf die Bastille hätte man mehr machen können. Auch die Verstrickungen der Politik wirken nicht ganz durchdacht und etwas klischeehaft. Aber in dem bisher ziemlich öden Kinojahr erscheint der Film trotzdem ganz ansehnlich.

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Sonntag, 10. Juli 2016, 17:20

Im Rahmen des Junis und frühen Julis sah ich einige sehr interessante Filme, 007 sind es an der Zahl ;)

Life is sweet, 1990

Mike Leigh gebührt die zweifelhafte Ehre, einerseits meinen absoluten Lieblingsfilm geschaffen zu haben (Naked), auf der anderen Seite kann ich abgesehen von einigen wenigen Beispielen (short and curlies, Karriere girls, another year) mit nur wenigen Werken seinerseits etwas anfangen. Im Prinzip ist die in life is sweet dargestellte Welt voller Ticks, Eigenheiten und Unstimmigkeiten ungemein real, auf der anderen Seite wirken die Charaktere sehr befremdlich. 5 von 10 gibt es immerhin für die originellen Ideen und die einzigartige Umsetzung, dennoch muss ich mir diesen etwas gewöhnungsbedürftigen Film nicht allzu oft antun.

Claires Knie, 1970

Herzstück und inhaltlicher Kern dieses einen sich selbst zelebrierenden Urlauber zeigenden Werkes sind rohmertypisch ganz klar die Dialoge. Jerome, dessen Reise das Geschehen darstellt, ist in etwa so weise wie sonst niemand im gesamten Film: nämlich überhaupt nicht. Wie bei Rohmer üblich, sind es hingegen die jüngeren Charaktere, deren Äußerungen ironischerweise von weitaus stärker ausgeprägter Erfahrung und Reife zeugen. Zwar ist 'Claires Knie' für mich noch nicht mit den Bestwerken des Meisters, nämlich La collectioneuse, Ma nuit chez Maud und Sommer zu vergleichen, aber die Grundidee entspricht dem was ich von einem Rohmer-Film erwarte: Charaktere deren Probleme man gern hätte, deren sanftes Sinnieren über das Leben, während selbige von Sonne und Urlaub geplagt sind ;-) 9/10

Das Schweigen, 1963

Mag das Schweigen auch nicht Ingmar Bergman's bestes Beispiel für familiäre Konflikte in Form eines Filmes sein, so bedient sich das Werk dennoch an Altbekanntem, was Bergman schon immer auszeichnete. Die Rolle des Regisseurs, nämlich die des stillen Beobachters, nimmt innerhalb des Films ein kleiner Junge ein, der die gottlose, wenn nicht gar von Trauer durchtränkte Existenz zweier Damen zu analysieren verdammt ist. 11 Millionen Besucher hatte dieser Film in Deutschland, was für einen schwedischen Film von philosophischer Tiefe etwas ungewöhnlich sein dürfte, da könnte dann doch die eine oder andere Darstellung von Ingrid Thulin zum Ergebnis beigetragen haben ;-) 8/10

Dieses obskure Objekt der Begierde, 1977

In diesem letzten Werk von Luis Bunuel, erleben wir eine blutjunge Carole Bouquet (FYEO), einen alternden Lüstling, eine spanisch anmutende musikalische Untermalung und eine Doppelgängerin der erstgenannten Figur. Doch der Film ist kein Schund, kein Unfug, sondern führt eine sehr spannende Erzählweise herbei, die innerhalb eines Zuges Gestalt annimmt und zeitlich gesehen immer mal wieder hin- und her zu gleiten vermag. Dabei ist der Film als solcher so genial, dass das etwas einfallslose, jedoch wenigstens eine Überraschung darstellende Ende etwas enttäuscht. 8/10

Die Verachtung, 1963

Jean Luc Godard setzt sich in 'Die Verachtung' mit einer Frage auseinander, die er sich zu diesem Zeitpunkt auch erstmals selbst stellen musste:
Wie gelingt der Spagat zwischen Kunstfilm und budgetstarkem Kassenschlager, ohne dass der eigentliche Film darunter zu leiden gezwungen ist.
Dabei wird auf Basis eines Alberto-Moravia-Werkes ein wunderbar leichter, andererseits aber auch sehr nachdenklicher Film geschaffen, der fast gänzlich ohne Tempo auskommt, jedoch dennoch nicht langweilig wirkt, womit Godard hiermit sein meiner Meinung nach bester Film gelungen sein dürfte. Die schauspielerischen Leistungen von u.a. Brigitte Bardot, Jack Palance und Regielegende Fritz Lang sind durchweg positiv. 9/10

Homo Faber, 1990

Mit Homo Faber liefert Volker Schlöndorff den mit Abstand stärksten Film seiner Karriere ab, dieses Drama ist von einer derartigen Intensität, dass ich es jedem ans Herz legen kann. Ein nicht mehr gänzlich unbetagter Mensch des nüchternen Denkens, lernt auf Reisen die junge und kunstverbundene (Eli-)Sabeth kennen, welche er ursprünglich jedoch schon einmal gekannt haben MÜSSTE, mehr sei nicht verraten. Das Ende des Films ist eines der am schwersten erträglichen der Filmgeschichte und lässt garantiert kein Auge trocken. 10/10

Drake & Josh go Hollywood, 2006

Zum Abschluss noch ein Popcorn-Programm, prachtvoll im Bezug auf die Umgebung, stark hinsichtlich des Soundtracks. Ich habe den Film nächtens im O-Ton auf nicknight gesehen, gar meinen Nostalgiemodus unter Volllast laufen lassen, da ich diesen Anfang 2006 in den USA auf VHS veröffentlichten Film seit nunmehr 9 bis 10 Jahren nicht mehr sah. Besonders angetan war ich, dass trotz lustiger Zeilen im Stil von "Warum schließt du nicht einfach das Loch unter deiner Nase?" keine Hintergrundlache im Stil der Serie selbst eingebunden wurde, sondern diese in drei Episoden aufgeteilte Filmversion gänzlich ohne sitcomartige Unterstützung auskam. Auch unterhielten mich die tarantino-typischen Dialoge zwischen den "Gangstern" köstlich, Gangster etwa, die beispielsweise darüber diskutieren, wann man Bitte sagen sollte und wann nicht, wie die Haarform eines anderen Protagonisten wirkt und dergleichen mehr. Banales Geschwätz von all jenen, die im nächsten Moment wieder für Ärger sorgen, Quentin wäre begeistert. Cineasten werden diesen Quasi-Film tunlichst meiden, aber für die Generation Gameboy- und Gamecube ist dieser herrliche Spaß sicherlich der pure Kult, klare Kaufempfehlung. 7/10
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Freitag, 22. Juli 2016, 20:40

The Terminator (1984)

Kaum zu glauben, aber jetzt habe ich zum ersten Mal in ordentlicher Qualität The Terminator gesehen. Über den Inhalt muss ich keine Worte verlieren; man merkt dem Film an, daß er mitten in den 80ern gedreht wurde, besonders Linda Hamilton und ihre Filmfreundin Ginger kommen dermaßen 80s rüber, daß man eigentlich keine Info braucht, von wann der Film ist. Arnold Schwarzenegger ist wie gemacht für die Rolle, und das Drehbuch hält seine Dialoge auch auf einem brauchbaren Minimum. Kaum zu glauben übrigens, daß die Zeile "I´ll be back." um ein Haar so nicht existiert hätte, weil Arnold sie damals kaum sauber aussprechen konnte! Nur der Musik kann ich wenig abgewinnen, aber das liegt daran, daß die Keyboardmusik so billig klingt. Dagegen ist die Musik in T2 ein Quantensprung.
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Freitag, 22. Juli 2016, 21:35

Serie: Penny Dreadful, Season One

Wow! Nach all den Jahren wird Dalton endlich die Rolle zuteil, die man ihm immer wünschen konnte:
Sein Auftritt als leicht morbider, alternder und doch nach wie vor kraftvoller Weltmann im viktorianischen London, ist für Fans einfach hervorragend und ich stimme Feirefiz zu, dass es für sein NSNA-Programm noch nicht zu spät wäre, gleichwohl: kommerzielle Gründe würden für dergleichen wohl eher Brosnan herbeiführen.

Aber:
Mag Dalton auch als Grund für die Sichtung der Serie ausreichen, so wird das schauspielerische Kernelement von einer anderen Person gebildet, die hier wie ich finde zur größten Hochform ihrer gesamten bisherigen Karriere aufläuft: Eva Green!! Ein Großteil des psychologischen Hauchs der Serie geht allein von ihrem Part aus und durch die theatralischen Overacting-Passagen, läuft ein Schauspieler schnell Gefahr albern zu wirken, nicht jedoch Eva, die sich ihrer komplexen Figur mit erschreckender Hingabe widmet. Trotz aller altertümlichen Sprache und poetischen Note, ist diese Serie von allem was ich kenne das makaberste seit "The twilight zone". Atmosphärisch düster, dramatisch, drastisch. Die erste Disc konnte mich noch nicht so recht überzeugen, ab Disc 2 konnte mich die Staffel so sehr in ihren Bann ziehen, dass ich sie besten Gewissens weiterempfehle. Neben Revenge und American Horror Story die meiner Meinung nach beste Serie der gegenwärtigen Dekade. 9/10


The Lady - ein geteiltes Herz

Michelle Yeoh durfte die Rolle der Friedens-Nobelpreisträgerin 1991 spielen, einer birmesischen Dame mit Herz für das Volk, einer Frau die trotz politischen Einflusses in unberechtigte Gefangenschaft geriet und von ihrer Familie getrennt wurde. Wurde einiges hier doch etwas klischeehaft dargestellt, um sozusagen auf "Nummer sicher" zu gehen dass auch wirklich jeder Zuschauer gerührt ist, so handelt es sich doch um eine sehr bewegende Geschichte mit einer fabelhaften Hauptdarstellerin. 7,5/10
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Baron Samedi

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Sonntag, 7. August 2016, 12:39

Sicario (Denis Villeneuve, 2015)

Brutaler, quasi-dokumentarischer Film über eine außerhalb der Legalität operierende US-Spezialeinheit, die Drogenkartelle in Mexiko bekämpft. Benicio Del Toro ist als desillusionierter Söldner zu bewundern, der seinen eigenen privaten Rachefeldzug führt. Empfehlenswert.


The Hunter (Daniel Nettheim, 2011)

Willem Dafoe als einsamer Jäger, der im Auftrag eines dubiosen BioTech-Unternehmens in den Wäldern Tasmaniens ein gemeinhin als ausgestorben geltendes Tier aufspüren soll. Die beeindruckenden Bilder sprechen für den Film, dennoch war ich insgesamt etwas enttäuscht: Ich hatte eine Reflexion über das archaische Thema des Jagens erwartet, stattdessen ist der Film zu mindestens 50 Prozent langatmiges Familiendrama. Zudem stören die moralinsauren Öko-Untertöne.


Wara no Tate (Takashi Miike, 2013)

Die Story: Ein Team japanischer Polizisten soll einen Kindermörder zu seinem Prozess nach Tokyo geleiten. Da der schwerreiche Vater des ermordeten Kindes allerdings ein hohes Kopfgeld auf die Ergreifung des Mörders ausgesetzt hat, versucht jeder Hinz und Kunz, der Schutzperson an den Kragen zu gehen.
Fazit: Wegen der interessanten Backcover-Beschreibung ausgeliehen, nach einer halben Stunde Spielzeit ausgeschaltet: Ein fürchterlicher Film. Miserable, mechanische Dramaturgie, vollkommen austauschbare Charaktere, komplette Spannungsarmut und dazu noch eine seltsam-psychotische Note, die der Film durch die Verhaltensausfälle des Kindsmörders erhält. Unbedingt abzuraten.


Unknown (Jaume Collet-Serra, 2011)

Liam Neeson, der ja in den letzten Jahren viele gute Filme im Genre des Agententhrillers abgeliefert hat (allen voran Taken), mit einem weiteren qualitativ überzeugenden Streich. Hier spielt er einen promovierten Biotechnologen, der mit seiner Frau auf dem Weg zu einem wissenschaftlichen Kongress in Berlin ist. Kurz vor dem Einchecken ins Hotel fährt er allein noch einmal mit dem Taxi zum Flughafen zurück, offenbar, weil dort etwas vergessen wurde. Eine folgenschwere Entscheidung, denn auf dem Weg hat das Taxi einen Unfall, und als der Wissenschaftler nach vier Tagen aus dem Koma erwacht, ist nichts mehr, wie es zuvor schien...
Sieht man großzügig über einige Logiglücken hinweg, handelt es sich bei Unknown um einen hochspannenden Film mit wirklich überraschender Auflösung. Und Liam Neeson bei der Jagd durch Berlin nach der eigenen Identität zuzusehen ist umso toller, wenn man Berlin kennt und schätzt. Empfehlenswert.
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Montag, 15. August 2016, 13:52

Ghostbusters (2016/ 3D/ Kino)

So lange hat der Streifen gebraucht, bis er fertig war. Und dann kommt nur der teuerste Fan-Film der Welt dabei heraus. Das Ergebnis ist eine Handvoll Spaß, die als wohlige Erinnerung an Jugendtage funktioniert - spätestens wenn das originale Ghostbuster-Thema ertönt.

Aber zum Blockbuster reicht's dann nicht. Die bemühten Cameos sind leider unterirdisch schlecht. Liebte man die Originale, verzeiht man es schmallippig lächelnd. Ansonsten ist's irgendwie als trifft man den alzheimerkranken Onkel wieder, der früher mal eine Partykanone war ... jetzt aber eben nicht mehr.

Ich mag den Film. Auch die Darstellerinnen machen einen klasse Job. Aber es bleibt leider nur ein Aufguß.

Übrigens: wenn der Nachspann kommt: sitzenbleiben.

(Einen vierten (oder zweiten) Teil wird es wohl nicht geben, da die Einspielergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben.)

5/10

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Dienstag, 16. August 2016, 16:28

SAW 1-7 Teil 1 ist für mich immer noch der beste der Serie. Da sich die gesamte Handlung in einem Raum abspielt. Ich bin gespannt auf Teil 8 der im Herbst 2017 erscheint. Da Teil 7 doch irgendwie nie abgeschlossen war. Nur wieso dieser nach 7 Jahren erst erscheint, ist fraglich.

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Donnerstag, 18. August 2016, 08:51

SAW 1-7
Teil 1 ist für mich immer noch der beste der Serie. Da sich die gesamte Handlung in einem Raum abspielt.

Ich bin gespannt auf Teil 8 der im Herbst 2017 erscheint. Da Teil 7 doch irgendwie nie abgeschlossen war. Nur wieso dieser nach 7 Jahren erst erscheint, ist fraglich.


Teil 1 bis 3 sind genial, wenngleich die Auflösung aus Teil 1 sicherlich nie getoppt werden kann. Was danach kam, gehörte zur Serie, war aber nicht allzu prickelnd.

Die Besucherzahlen gingen kontinuierlich jedes Jahr zurück. Denke, das Publikum belohnt es nicht, wenn jährlich ein Film produziert wird. Sieht man ja an unserem Helden: je länger auf einen Bond gewartet wird, desto erfolgreicher ist der Streifen.

Auch ich bin auf SAW VIII gespannt wie ein Flitzebogen. Klar, es gab genug offene/ unbeendete Details im letzten Teil, um die Reihe abzuschließen. Aber was soll noch kommen, wenn es kein Reboot wird? Noch neue "Hellseher"-Tapes von Jigsaw? Ich traue den Produzenten aber genug Kreativität zu, mich nicht zu enttäuschen.

JamesBond

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Donnerstag, 18. August 2016, 15:54

Ja, das stimmt. Die Teile waren gut. Also von der Story. Was mir aber nicht mehr so nach Teil 2 gefiel, das war dieser Parkourablauf für die Opfer... da es sich danach so bewegte, das entweder eine Person oder eine Gruppe durch einen Gang gehen musste, um andere Opfer in Fallen zur retten. In Teil 1 fand ich es daher so genial, das sich eben alles in dem Klo abspielte und ringsherum, die anderen Fallen der Opfer (zB Amanda) auch in einem einzelnen Räumen abspielten. Ja, es gibt zB für mich noch die Frage. Wer sind die anderen 2 Typen unter der Schweinemaske. Aus Teil 7. Bei James Bond wartet man in der Regel aber 3-4Jahre auf einen neuen Film.

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Freitag, 2. September 2016, 22:36

So, dem Bildschirm wohnte mal wieder meine Aufmerksamkeit bei, doch da ich zugegebenermaßen schon etwas ermüdet bin, kopiere ich einfach die letzten Amazon-Rezensionen die ich diesbezüglich schrieb, um nicht jeden Gedanken rekonstruieren zu müssen, dennoch sind die Eindrücke noch recht frisch.

Otaku von Jean Jacques Beineix, 1992/1993 gedreht, '94 erstaufgeführt

Eigentlich ein für damalige Verhältnisse gut gemachter Film, der die Otakus jedoch als Unerwachsene darstellt, obwohl deren Rebellionshaltung dem Lande gegenüber angebracht war, um die Lebensphilosophie der "Spaßlosen" mal ein wenig anzuprangern.

Hier die Rezension:

"Einst ein interessanter Einblick - mit leichten Abstrichen im Bezug auf die Glaubwürdigkeit!

In weniger als einem Vierteljahr ist es nunmehr 20 (!) Jahre her, dass der Filmverlag Arthaus "Otaku" einem bedauerlicherweise nicht sonderlich breiten Publikum zugänglich machen konnte. In leicht abgewandelter Form war das reportagenartig aufgebaute Dokumentationswerk auch auf Vox und arte zu sehen, DVD-Umsetzungen folgten. Trotz einer vor viereinviertel Jahren erfolgten Veröffentlichung auf Youtube und einer seit Jahren selbst im Westen teils allgegenwärtigen Thematik, blieb diese Darbietung der Anzahl der Rezensionen nach zu urteilen eher ein Nischenprodukt. Nicht nur das Cover wirkt bereits leicht befremdlich, auch der Inhalt der Doku dürfte die Gemüter durchaus spalten.

Woran mag dergleichen wohl gelegen haben? Nun, Japan wird im Westen nicht selten - insbesondere von oberflächlichen Tabloid-Berichterstattern - als seltsam anmutende bis gar weltfremde Angelegenheit abgestempelt, auch wenn immerhin die Exotik nicht immer unerwähnt bleibt. Zudem entstand dieser Film zu einer Zeit (08/93, demnach vor sage und schreibe 23 Jahren), als man mit Themen wie interaktiver Kunst noch etwas stiefmütterlicher umging, das "neue" Medium wurde noch nicht so recht verstanden, gleichwohl: die Dokumentation behandelt natürlich nicht nur das.
Mit einer Laufzeit von stolzen 2,75 Stunden handelt es sich um einen überaus langen Beitrag, welcher etwas episodenhaft erscheinen mag. Und für welchen ich letztes Jahr extra meinen inzwischen nicht mehr intakten VHS Recorder auszugraben vermochte. Vielseitige Darstellungen sollte man zeitweise eher weniger erwarten. 7/10 Punkten würde ich dem Werk als Bewertung attestieren, diese 3,5 Sterne runde ich auf, somit sieht man bereits, dass sich meine Begeisterung eher in Grenzen hält, sehr berauschend ist die Qualität der Berichterstattung nicht. Versteht man den Film jedoch als Zeitdokument, so stellt er Einzelgänger japanischen Volkes weitaus weniger eigen dar, als es wohl bei anderen Beiträgen jener Zeit geschehen wäre, weil zumindest ansatzweise ein Verständnis für die gezeigten Charaktere aufkommt. Bedauerlicherweise stellt der Reporter nicht selten Fragen, welche die Antwortenden bewusst in unschönem Licht erscheinen lassen sollen, was wie ich finde doch recht grenzwertig ist, dennoch liegen die Dialoge diesbezüglich noch so gerade im erträglichen Bereich des Vertretbaren, sofern man beide Augen zudrückt.

Die damalige Subkultur Japans, die sich in einerseits sympathischen, andererseits aller Faszination zum Trotze teils beinahe bedenklichen Eigenheiten äußert, wurde insgesamt immerhin HALBWEGS glaubhaft dem Westen präsentiert, auf der anderen Seite ist geradezu offensichtlich, dass man sich teilweise bewusst auf Extrembeispiele gestürzt hat, die nicht notwendigerweise den asiatischen Allgemeinbildern entsprechen, sondern - und das ist mitnichten abwertend gemeint - sagen wir mal "sehr herausstechen". Die Grundthematik ist keineswegs uninteressant, die dortige Kultur ebenso wenig und eine gegenwärtige Neuinterpretation einer solchen Dokumentation wäre durchaus wünschenswert."


Freaks von 1932, Geheimtipp!

Hier die Rezension in Kurzform:

"Anders ist besser - es lebe das Groteske

'Freaks' aus dem Jahre 1932 lässt sich meiner Meinung nach nicht direkt einem Genre zuordnen, am ehesten wohl noch jenem des bizarren Horrorfilms, wobei die Bezeichnung Horrorfilm hier nicht mit den typischen Genreklischees verbunden werden sollte, sondern auf die surreale Wirkung einzelner Bilder zurückzuführen ist und nicht auf ihrem eigenen Selbstzwecke dienende Effekte. Es entsteht schlicht und ergreifend ein Gefühl des Unbehagens, die ähnlich wie in 'American Horror Story: Freak Show' authentischen und mitnichten nachgestellten Personen vor der Kamera vermitteln etwas Echtes und Unvermeidbares, sie sorgen für den letzten Hauch von Vollkommenheit dieses hervorragend gedrehten Films, dessen düstere Atmosphäre ihresgleichen sucht. Sehr löblich ist zudem, dass das Werk keineswegs einer die Gestalten vorführenden Komik des Gemeinen dient, sondern dass die Machart stets suggeriert, dass jeder Mensch ernstgenommen werden sollte, so anders er auch sein mag."


Jacob's Ladder - In der Gewalt des Jenseits

Hier die Rezi in knapper Erscheinung:

"Verwirrend, alptraumhaft und surreal

Jacob's Ladder wurde von einem Regisseur verwirklicht, der zuvor eher den typischen Hollywood-Glanz inszenierte, somit überraschte der sich im Kopfe abspielende Psycho-Horror dieses Films umso mehr. Der Film fungierte als Inspiration für viele Folgewerke des Genres, auch im interaktiven Bereich (Stichwort Silent Hill). Freunde von David Lynch oder aber auch anderen 'psychologischen Werken der Düsternis' wie etwa 'Der Mieter' von Roman Polanski, sollten durchaus geloben einen Blick zu riskieren."

Serie: Unfabulous (im Dienste der Kindheitserinnerung)

Hier die Rezension:

"Angenehmer Kult in längst vergessener Erscheinungspracht

Zugegeben:
Bereits in den 2000er Jahren waren einzelne Einfälle innerhalb des Jugendprogramms derart bunt und klischeebehaftet, dass es beinahe schmerzt (siehe Serienbeispiele ähnlicher Machart wie etwa Zoey 101). Nichtsdestotrotz behalte ich mir als ein in dieser Zeit aufgewachsener Mensch das Recht vor die kühne Behauptung aufzustellen, dass das damalige Vorabendprogramm deutlich empfehlenswerter war, da schlicht und ergreifend liebevoller gestaltet. Wer erinnert sich nicht an Ned, Drake & Josh und ähnliches? Und doch mussten die Zeiten bis zum Beginn von "nicknight" verstreichen, bis nun endlich das Präludium einer Serienrenaissance in Form einer Wiederausstrahlung in die Wege geleitet worden ist. Voller Freud' und Nostalgie kann man auf die junge Emma Roberts zurückblicken, wie sie aus ihren - durchaus guten - frühen schauspielerischen Gehversuchen einen weiten Weg in Richtung Filmgeschäft auf sich nahm. Ihre etwas tollpatschig anmutende Rolle in Unfabulous ist niedlich, sympathisch, stilprägend für das Bild der im besseren Sinne etwas anderen Teenagerin. Bedauerlicherweise nie in Deutschland auf DVD erschienen!"
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Bond '89 - Robert Davi

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (2. September 2016, 22:46)


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Donnerstag, 22. September 2016, 16:37

Im Laufe der letzten Zeit habe ich meine vier Lieblingsfilme gesehen und nun Rezensionen zu den Plätzen 3, 4 und 2 geschrieben (in dieser Reihenfolge). :) Der Bequemlichkeit wegen zitiere ich diese Texte wörtlich, auch wenn ich diesmal - so wie es eigentlich passender ist - mit Platz 4 beginne. Die Filme (Das süße Jenseits, Der Mieter, Elisa, Naked) habe ich hier schon des öfteren erwähnt und teils auch beschrieben, aber bislang noch nicht in Form von reviews und da ich die Filme kürzlich wieder habe auf mich wirken lassen dürfen, möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen. Den Text zu Platz 1 habe ich noch nicht verfasst, folgt aber eventuell in Bälde.


Lieblingsfilme: Platz 4 - Das süße Jenseits von Atom Egoyan, ein erschütterndes Drama in einem eingeschneiten Dorf des Unglücks!


Sehr geehrte Leser, werte Freunde des 'anderen' Films, nachdem ich mich am gestrigen Tage bereits Platz 3 meiner Lieblingsfilme genähert habe, nämlich dem 'Mieter' von Roman Polanski, ließe sich eigentlich erahnen dass bereits die Plätze 2 und 1 folgen, doch zuvor möchte ich in Ihrer Begleitung in ein Werk eintauchen, welches immerhin auf Platz 4 zu finden ist: The sweet hereafter. Auch hier kann ich mögliche Hinweise auf Details, die man als ein nicht den Film gesehen habender Mensch nicht lesen möchte, nicht gänzlich ausschließen!

Im Jahre 1997, dem ersten Jahr überhaupt, in welchem ich ein Medium (in Gestalt bewegter 'lebender' Bilder) mehr oder minder in Form einer Kinder-VHS-Kassette habe wahrnehmen können und somit einem für mich sehr wichtigen Jahr, entstand ein Film, welcher mich beinahe 20 Jahre darauf nicht loslassen möchte, so sensitiv und feinfühlig findet er seinen Umgang mit der behandelten Thematik, die uns zwar packt, aber auch alleine zurücklässt.

Wir befinden uns im kanadischen Raume, Rocky Mountains umgeben uns und ein winterlich verschlafenes Bergdorf unberührter Natur und scheinbaren Friedens fungiert als Kulisse. Der Film beginnt sanft, unbeschwert und leicht, setzt so oder so mitnichten auf chronologische Erzählweise, ähnlich wie bei "Exotica" erkennt man demnach auch hier, dass uns Egoyan die Geheimnisse erst lüften lässt, wenn wir schon kaum mehr an eine Auflösung glauben, gleichwohl: Exotica ist diesbezüglich mysteriöser, Das süße Jenseits zwar nicht geradlinig, aber eben weniger auf Überraschungen fixiert, als vielmehr auf die Dialoge und Monologe sowie die Charakterstudie der jungen und doch so weisen 'Nicole', brillant besetzt mit Sarah Polley. Um Umschweife zu meiden und konkrete Kurzangaben bezüglich der Handlung als solchen ins Leben zu rufen, sei gesagt welch tragische Ereignisse das Hauptgeschehen bestimmen: Folgen eines Unfalls jenen Schulbusses, welcher Junggeschöpfe des dortigen Dorfes zur Lerninstitution befördert. Ein friedliches Dorf gerät infolgedessen in eine neue Situation, als nach dem traumatischen Ereignis ein rhetorisch geschickter Anwalt herbeireist, welcher keineswegs an ein Unglück glauben möchte und juristische Maßnahmen herbeibeschwört.

Doch dieser Anwalt ist nur Anwalt "auf der einen Seite", die andere wird bestimmt von seinem ganz und gar persönlichen Schicksal, der Drogensucht seiner Tochter und seiner Flucht vor vollkommen schwierigen Situationen, deren Lösung kaum jemand gewachsen wäre. Sehr gefühlvoll geht auch der gleichnamige Roman mit den Ereignissen um, indem die Kapitel einzelnen Personen zugeordnet sind, aus deren Sicht und Ich-Perspektive man einen recht tiefen Einblick in die dortige Dorfgemeinschaft erhält. Es ist aber letztlich - neben den Charakteren - auch die Poesie, die in Egoyan's Film derart passgenau auf die Ereignisse zugeschnitten ist, dass ihr Einsatz - seitens der jungen und sehr literarisch vortragenden Nicole - eine absolute Stärke des Films darstellt. Der Unfall betrifft auch sie, Nicole wird von einer jungen Musikerin zu einer an den Rollstuhl gefesselten Person, die gezwungenermaßen über ihr Leben nachzudenken beginnt, dies womöglich gar immer tat. Tragischerweise ist der Film derart von Trauer durchtränkt, dass im Rahmen des seelischen In-die-Handlung-Eintauchens zeitweise gar übersehen wird, welch wundervolle landschaftliche Umgebung doch das Geschehen umhüllt, unterstützt wird dieser Eindruck durch den sehr sanftmütig gearteten und meditativ anmutenden Soundtrack, an welchem Sarah Polley ebenfalls alles andere als unbeteiligt war.

Die Details des Films sind über alle Maßen verblüffend, es bedarf stets einer wiederholten und nicht minder konzentrierten Sichtung, um die Facetten in ihrer Gänze zu erforschen, was wiederum bedeutet, dass auch über einzelne Zitate philosophiert werden kann, so etwa über Nicole's finales "Warum ich log, wusst' er allein", ein Satz, welcher sich nach einem abendlichen Gespräch am Vortage einerseits auf ihren nicht begrüßenswerten Vater bezöge, möchte man meinen. Auf der anderen Seite könnte sich diese kryptische Botschaft, liest man sie zwischen den Zeilen, ebenso sehr auf Gott beziehen, dessen scharfsinnigem Auge nichts zu entgehen vermag. Vielleicht findet sich unter Ihnen jemand, der diesen Satz zu entschlüsseln gewillt ist, ich jedenfalls empfand das der Busfahrerin Dolores gegenüber recht gewagte Ende anfangs als relativ suspekt, im Nachhinein entfaltet es aber durchaus seine erwünschte Wirkung und unterstreicht Nicole's und auch Greenwood's zutiefst empfundenes Bedürfnis, das Dorf von den Fesseln der Justiz zu lösen.

Ein allumfassend resümierensfreudiges Endfazit weniger Worte zu finden, fällt mir aufgrund der schieren Größe dieses von mir hoch geschätzten Films recht schwer, doch in jedem Falle ließe sich sagen, dass Egoyan nach dem prägenden "Exotica" ein Film gelungen ist, der die verführerisch bildgewaltige Poesie seines eigenen 'Vorgängers' noch übertrifft, der Exotica aber auch hinsichtlich der tragischen Elemente in nichts nachsteht, wenn nicht gar noch vollkommener ist.

In diesem Sinne:
Mögen die Tränen fließen, einer der wenigen Filme des konsequenten Die-menschlichen-Emotionen-wahrlich-an-einen-Höhepunkt-der-Hilflosigkeit-geleitens, ein Film der einen schlicht und ergreifend nicht kalt lässt, der keine natürlichen Grenzen im Bezug auf die Wirkung der Gefühle kennt, der mich nur sagen lassen möchte: Vielen Dank für diese aufschlussreiche und intensive Erfahrung, dieses Erlebnis entfachender Empfindungen.
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Donnerstag, 22. September 2016, 18:02

"Mademoiselle Choule rauchte immer Marlboro, ...sie saß auf dem Platz auf dem Sie jetzt sitzen" - ACHTUNG: Spoiler unvermeidbar!

Es geschah im Jahre 1976, dass der grandiose Regieexzentriker Roman Polanski mit dem dritten und damit finalen Abschnitt seiner Apartment-Trilogie für gespaltene Reaktionen sorgen sollte, so viel sei schon einmal verraten. Im Grunde genommen geht es um einen geradezu kleinlaut anmutenden, über alle Maßen schüchternen jungen Herrn, der sich zunächst dem Finden eines Wohndomizils und anschließend der Identifikation mit der ehemaligen Mieterin hingibt. Doch da dieses zeitlos geniale, grausam groteske und gratulationsbedürftig lobenswerte Meisterwerk so viel mehr ist als "nur" ein Horrorfilm der psychologischen Art (wenn man ihn denn gar überhaupt einem Genre zuordnen möchte), muss ich darauf bestehen äußerst weit ausholen zu dürfen, denn (Spoilerwarnung sei im Vorfeld ins Leben gerufen) hier gäbe es ausgesprochen viel Schreibbedarf, zumal dieser meiner Meinung nach intensivste und auch insgesamt beste Polanski-Film für Interpretationshöhepunkte sorgt. Und um vor dem eigentlichen Beginn der Hauptrezension kurz auf das mögliche Genre zurückzukommen:
Obskurerweise heißt es auf dem Cover der 1982er US-VHS-Version des Films, es handle sich um einen "Science-fiction-Film", dem ist wie ich finde keineswegs so, als Charakterstudie, filmisches Experiment und in deutender Form zu begutachtendes Angstkonstrukt, funktioniert der Film hingegen hervorragend.

Doch begeben wir uns zunächst zum Bereich des Beginns, zum Reiche des Ursprungs all dessen, was uns im Laufe des Films erwarten wird, wobei der Spannungsbogen sozusagen nach einem 'Stufensystem' aufgebaut ist, so vermag die düstere Einleitung mit den Außenaufnahmen des betagten Gebäudes zwar bereits bizarre Stimmungsansätze herbeizuführen, doch die Steigerung dieser Atmosphäre gelobt zu warten, versteht es sich Zeit zu lassen, den Zuschauer langsam auf die darauffolgenden Dramatisierungsexzesse vorzubereiten. Verbringt man seine Zeit also noch mit dem Präludium der Geschehnisse, ließe sich anfangs allenfalls annähernd vermuten, welch ein surreal tiefgehendes, schmerzverzerrt unangenehmes und nicht zuletzt psychologisch, interpretatorisch und deutungswissenschaftlich analysierenswertes Alptraumerlebnis auf uns wartet. Wie würde es ein Monsieur Polanski wohl lösen? Korrekt, gänzlich ohne Einsatz von Splatter und Unfug, sondern sehr subtil, stilsicher sich im Kopfe des Zuschauers abspielende "Filme" kreierend, Filme, die mit den eigenen und individuellen Gedanken des Zuschauers zu einem einer Höllenfahrt gleichenden und ähnelnden Fest der Qualen in Einklang gebracht werden. Die Vormieterin läge im Sterben, so heißt es. Sie sei aus dem Fenster ausgestiegen, um nicht zu sagen heruntergesprungen, den gebrochenen Punkt an den Brettern im unteren Glasdach sieht man noch deutlich, "die sind für mich", heißt es später. "Und was wenn sie nun wieder gesund wird?" "Keine Sorge, die wird nicht wieder", entgegnet die schwarzhumorige Concierge, erwähnenswerterweise dargestellt von Shelley Winters. Womit sie keineswegs Unrecht hat, denn bereits in Bälde ist es des neuen Mieters Wohnung. Dem zu ausgeprägtem Es-allen-recht-machen neigenden Mieter, wird wohl oder übel recht schnell ins Bewusstsein gerufen bis gar gedrängt, dass die dunkle Residenz einen Schatten über sein Leben legt, wie das vom Inneren der Angst getragene Grauen ist es, was Monsieur Trelkovsky fortan zu beobachten verdammt ist. Mysteriöserweise spiegelt sich diese tiefenpsychologisch anmutende Welt des Merkwürdigen, Makabren und misstrauisch machenden nunmehr in nahezu allen erdenklichen Details wider, sei es eine Nachbarin mit einem überaus geheimnisvollen (ausdruckslosen und zugleich ausdrucksstarken) jungen Mädchen, sei es ein Zahn (!) inmitten der Wände, seien es bedeutungstechnisch undefinierbare Schriften am Rande des Toilettenraumes, ein mumiengleiches Wesen und - deutlich später im Werke - ein der spielenden Kinder wegen fliegender Ball, worin der Mieter aber wiederum den losen Kopf seiner eigenen Gestalt zu sehen glaubt. Offen bleibt zwar den gesamten Film über, ob Trelkovsky eine derart intensive Psychose entwickelt, dass er die Dinge gänzlich falsch wahrnimmt, oder ob wir seinen Empfindungen "trauen" können, doch selbst wenn sein Urteilsvermögen ab einem bestimmten Punkt eingeschränkt beziehungsweise verzerrt sein mag, so sei dennoch in unbestritten klarer Form gesagt, dass ein SOLCHES Wohnumfeld durchaus psychische Schäden hervorrufen kann, Wohnatmosphäre beeinflusst die im privaten Raume verbrachte Freizeit schließlich nicht unwesentlich. Am prägnantesten wird das Zustandsbild der verworrenen Situation jedoch in jener Szene gemalt, in welcher ein Priester, der für gewöhnlich eher zu sanfteren Tönen berufen sein sollte, eine Predigt hält, die in dieser Form (d.h. so wie sie der Mieter zu Ohren bekommt) den (zumindest innerhalb der frühen Szenen) vielleicht unbehaglichsten Schrecken des gesamten Films verbreitet, unterstützt durch zwischenzeitliche Kamerabewegungen in Richtung des Gekreuzigten. Ich - für meinen Teil - habe nicht den Eindruck, dass des Mieters Bedenken gegenüber seiner Nachbarschaft unberechtigt sind, lediglich bei Stella (in unbetagter Blüte - Isabelle Adjani) würde man sich wünschen, seine Gedanken wären anders und unterlägen keiner Fehlentwicklung. Im Laufe des Films begegnen wir grotesken Gestalten en masse, ein Schauspielerkino par excellence, welches seiner brillanten Besetzung bestaunenswert viel abverlangt - dem Zuschauer im Übrigen ebenfalls. Wäre dieser Film interaktiv, ein Videospiel demnach, so wäre es wohl das am meisten Angst erzeugende Werk der Bewegtbild-Geschichte, denn in das morbide Geschehen auch noch selbst eingebunden zu sein, das wäre schlicht und ergreifend zu viel und würde selbst ein Silent Hill 1 auf der PSone alt aussehen lassen. Der Eindruck des Verzerrten zieht sich durch den gesamten Film, die den Inbegriff des Unschönen darstellenden Schreckensvisagen der von Trelkovsky als Feinde empfundenen Personen erinnern an jene des 25 Jahre jüngeren Films "Mulholland Drive", auch hier werden Gesichter - jedoch nicht künstlich - so sehr verändert, dass sie teils kaum noch als solche zu erkennen sind. Man lernt relativ schnell des Mieters Gefühle zu spüren, kein Gegenstand seines Apartments darf auch nur ansatzweise plötzlich mit dem Boden in Berührung kommen, Geräusche rufen Nachbarswesen hervor, wir fiebern so sehr mit, dass sich des Mieters Entwicklung zwischenzeitlich gar auf die eigene auswirken kann. Kristallklar als solche zu erkennende Liebe beweist Polanski auch für absurdes Theater, das Finale mit den zuvor hocherfreut auf dem Dach platzgenommen habenden Personen ist von einer Intensität, wie man sie in dieser Form in kaum einem anderen Film auf- und vorgeführt bekommt, nicht zuletzt deswegen ist The tenant mein drittliebstes kinematographisches Kunstwerk ÜBERHAUPT.

Im Rahmen der Rezension recht spät - im Herzen jedoch sofort - sei zur Erwähnung gebracht, dass auch der Soundtrack einen wesentlichen Teil zur einzigartig beklemmenden Atmosphäre beiträgt. All dies setzt natürlich voraus, dass man imstande ist sich auch einmal in einem Film zu verlieren, sich darauf einzulassen, denn wer Horror mit Effekten gleichsetzt, der wird diesen Film - pardon - nicht im Ansatz "einatmen" können, es ist eine Atmosphäre die förmlich dazu aufruft inhaliert zu werden, alles andere würde dem Film mitnichten gerecht. Mit nahezu minderjährigen 18 Jahren gab ich mich diesem Film 11/14 hin, nun (nach beinahe zwei Jahren) ist es nach wie vor ein Fest für mich dieses Kunstwerk zu betrachten, gleichwohl: nicht nur dass der Film nicht nachlässt, er schafft es sogar mit der Zeit an Qualität zu gewinnen, wo man dies doch schon zuvor kaum für möglich gehalten haben sollte. Sicher streiten sich an diesem Film Fans, Kritiker und im Allgemeinen alle Personen, die sich mit dem Mieter beschäftigt haben bezüglich der Aufmachnung, die teilweise auch als eine ihrem eigenen Selbstzwecke dienende Kulisse wahrgenommen wird. Da es sich um einen ausgesprochen schwierigen und bei falscher Herangehensweise auch wenig unterhaltsamen Film handelt, ist er für alles offen seienden Gemütern zwar zu empfehlen, allerdings nicht jedem. Doch betrachtet man ihn aus dem richtigen Blickwinkel und im Rahmen der eigenen genau darauf ausgerichteten Grundstimmung, entfaltet er eine Wirkung, welche keine natürlichen Grenzen kennt. Worte des Klagens dürfen nicht fehlen, daher sei darauf hingewiesen, dass ich das Ende (nach dem grandiosen Hauptfinale) als etwas dürftig empfunden habe, nichtsdestotrotz war es ein wegweisend inszenierter und unter keinen Umständen zu unterschätzender Film, dessen gegenwärtig nach wie vor zu zelebrierendes 40-jähriges Jubiläum nicht unberücksichtigt bleiben sollte und hoffentlich den einen oder anderen Zuschauer hervorbringt.

Um mich der Ausbremsung meiner selbst zu widmen, indem ich mich nun kurz fasse: DANKE für diese einmalige Reise in die menschliche Psyche. Wer diesen Film zu sehen gewillt ist, sollte eine bestimmte Eigenschaft durchaus mitbringen - nämlich die Vorliebe für Details, die hier nun wirklich regelrecht verstreut zu sein scheinen. Und was meinte meine Wenigkeit noch gleich im Bezug auf das "Stufensystem" der Angststeigerung? Nun, das gedenke ich anhand eines Beispiels zu erläutern, denn es gäbe da etwa jene Szene, die einen bei vielleicht nicht prachtvollem, aber immerhin nicht unerfreulichem Wetter am Eiffelturm vorbeilaufenden Mieter präsentiert, ABER: in der Tat folgt exakt die gleiche Szene eine gewisse Dauer darauf erneut, nun jedoch nicht mehr am hellichten Tage, sondern zum Entstehungszeitpunkt der Dunkelheit, was wohl sinnbildlich für die inneren Veränderungen unseres Protagonisten steht...
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (22. September 2016, 18:26)


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Donnerstag, 22. September 2016, 20:13

Lieblingsfilme: Platz II - Elisa von Jean Becker, DAS Ausnahme-Familiendrama mit einer herausragend ausdrucksstarken V. Paradis!

Seien Sie gegrüßt und lassen Sie sich nach "Das süße Jenseits" und "Der Mieter" zur nunmehr dritten Reise ins Reich der Lieblingsfilme einladen, diesmal bewegen wir uns so sehr im französischen Raume, dass selbst ein Eric Rohmer verblüfft gewesen sein dürfte: "Elisa" von Jean Becker, dem - er dürfte langsam genervt sein von dieser ständigen Zusatzerwähnung - Sohn von Jacques Becker. Willkommen in der Welt des Dramas, der inneren Düsternis, des zu uns durchdringenden, des unbändigen Schmerzes in Form von Liebe, Hass und Undefnierbarem dazwischen. Der Pfad des Lebens wird für Marie, die Hauptprotagonistin, etwas anders gezeichnet, doch zunächst zu den ersten Ursprüngen:

Über ein Jahr, so hieß es einst in einem Presseheft, habe sich Vanessa Paradis im Vorfelde auf die Rolle der mit ausgeprägter Intelligenz, jedoch auch überdurchschnittlich sensibler Empfindsamkeit versehenen Marie Desmoulis vorbereiten dürfen, Vorbereitungen also, welche weit über jene ihrer ersten Rolle in 'Noce Blanche' hinausgingen, gleichwohl: letzterer (von 1989) sei Ihnen ebenfalls wärmstens empfohlen. Vorbereitungen waren es, die Paradis wiederholt mit dem Regisseur in Kontakt haben treten lassen, Vorbereitungen, die eine allgegenwärtige Stimmung der "Wir-erschaffen-etwas-ganz-besonderes"-Haltung herbeiführen und jene Erwartungshaltung der Menschen hervorbringen, die nur sehr schwer zu erfüllen ist, doch es gelang mit bravourösem Glanz und Gloria, das vielleicht intensivste Familiendrama der Filmgeschichte war 1994 geboren und erblickte 02/95 erstmals das Licht der Welt beziehungsweise das der Spielhäuser von selbigem, nun war es vollbracht!

Entgegen der bei Dramen entstandenen Klischees des nicht vorhandenen Happy-Ends, ist es hier hingegen der Beginn, der des Zuschauers Aufmerksamkeit einnimmt, ihn erst einmal innehalten lässt, bis er realisiert was er gerade sah. Spoiler sind nicht auszuschließen, bitte geben Sie sich nicht dem Zorn hin, falls ich dazu neigen sollte zu viel zu verraten. Was genau während des Beginns zu sehen ist, halte ich zunächst im Verborgenen, in jedem Falle sollte dieser Szene jedoch die Ehre gebühren als die "am tiefsten ins Mark treffende Anfangsszene der Filmgeschichte" wahrgenommen zu werden, auch wenn diese Empfindung natürlich individuell ist. Infolgedessen lernen wir Marie erst kurz darauf kennen, wenige Minuten später, d.h. nach filmischer Sicht auf die Zeit erst etwa 1,5 Jahrzehnte später, als sie von ihrem Lebensbeginn an einem Weihnachtstage berichtet. Aufgrund des über alle Maßen bitteren Geschehnisses der anfänglichen Sequenz, wächst Marie in einem Waisenhaus auf, lernt in eben diesem Heime die naive, jedoch herzensgute Solange kennen und in nicht allzu ferner Bälde den Jungen Ahmed, dessen Art Marie zeitweise stört, dessen Anwesenheit ihr allerdings dennoch ein wonniges Gefühl des Wohlbefindens beschert. Da wir hier nun schon bei drei tragenden Charakteren sind und der neben Marie wichtigste von allen noch nicht einmal erwähnt wurde, wäre es sinnvoll auch das "Buch zum Film" zu lesen, die komplexen Verbindungen zwischen einzelnen Protagonisten dürften auf diesem Wege noch detailreicher zu entschlüsseln sein, da es einem eine neue Perspektive auf die Dinge gewährt. Mit Solange und Ahmed begibt sich Marie nicht selten auf den Pfad des kleinkriminellen Gangstertums, das Überleben der nur sich selbst habenden Figuren vollkommener Chancenlosigkeit wird offenbar ausschließlich durch dubiose Aktivitäten gewährleistet. Doch selbst auf der Straße existieren warme Momente, so etwa die personifizierte Stütze für die drei Jünglinge, der Buchhändler Samuel, in dessen Obhut sich unsere Figuren zwischenzeitlich aufhalten, jedoch nicht des Wohnens wegen, sondern nur für kurze Besuche. Die Chronologie im eigentlichen Sinne ist nicht vorhanden, Blicke auf Vergangenes werden mithilfe von Rückblenden in Schwarzweiß wiedergegeben, der Film ist wie ein Puzzle aufgebaut und präsentiert somit auch jene Person, welche in der ursprünglichen Anfangsszene das Zeitliche segnete. Der gewissermaßen in zwei Hälften aufgeteilte Film setzt in der zwar melancholischen, jedoch immerhin 'direkt' inszenierten ersten Hälfte auf rasches Voranschreiten des Geschehens, erst die zweite Hälfte, nämlich die des Wiedersehens und die der noch stärker ausgeprägten Dramatik, dürfte Nichtfans des französischen Kinos missfallen, ich hingegen finde sie ausgezeichnet - wie auch auf ihre Art den ersten Teil des Films, der Part, mit welchem wir noch nicht abgeschlossen haben.
Denn neben kriminellen Aktivitäten, Besuchen bei dem Buchhändler und Zeichen des Zusammenhalts dreier Protagonisten, formt sich auch hier schon stellen- und teilweise jenes Bild, welches Marie nach all den Jahren wieder ausmalen möchte, neu entdecken will. Wo erfahren wir recht viel bezüglich ihrer Vergangenheit?, jawohl, im Hause ihrer Großeltern, die sie im Beisein von Solange und Ahmed aufsucht, die in anderen Zusammenhängen aber auch in den Rückblenden auftauchen. Der gegenwärtige Besuch bei den Großeltern offenbart einerseits die damalige Hilflosigkeit selbiger, die es schlicht und ergreifend "nicht böse gemeint" haben, die aber derart uneinsichtig sind, dass bereits hier eine sehr intensive Szene entsteht, die Paradis schauspielerisch einiges abverlangt und erstmals deutlich macht, wie viele Gefühle verlorener Liebe, entstandenen Hasses und überfälligen Vorgetragenwerdens dieser sich aufgestaut haben im Laufe der 17 Jahre des Lebens der jungen Marie.

Doch es sind nicht die Momente der Wut ihrerseits, die mich zu dem Schluss führen, dass Paradis die beste weibliche Hauptrolle aller Zeiten gespielt hat, sondern es sind die Szenen der Nachdenklichkeit, der Tränen und der Melancholie, etwa die in welcher Marie zufälligerweise (oder des Schicksals wegen?) ein junges Mädchen sieht, welches sie in frappierender Weise an sie selbst erinnert, was Marie mit sofortiger Wirkung einen Gesichtsausdruck des Enttäuschtseins, des Bedauerns entlockt. Denn mag sie auch oftmals falsch gehandelt haben und teils unschuldigen Personen unrecht tun, so ist sie am Ende des Tages doch ein zartes Wesen, eine zwar bildschöne und zauberhafte Gestalt der Oberflächlichkeit auf der einen Seite, aber eben das einfühlsam empfindsame und über hervorragendes Gespür und Urteilsvermögen verfügende Genie auf der anderen - und liebevoll ist sie zweifelsohne, nur mutet es schwer an ihr diese Seiten zu entlocken, zu tief sitzt der Schmerz, zu vergänglich ist ihr nie da gewesenes Glück. Alles was sie sagt ist ambivalent, an vielschichtiger Doppeldeutigkeit unübertrefflich und doch so deutlich. Zynisch, kühl und ignorant wirkt sie auf die einen, hingebungsvoll warmherzig ist sie für die anderen, ein Kontrastgeschöpf oberster Güte. Einen Teil ihrer Selbstoffenbarung gesteht sie ehrlicherweise ein, es sind Kommentare ihrerseits aus dem Off zu hören, "Immer müssen es diejenigen einstecken die es gut mit dir meinen, klar, weil es die einzigen sind die sich für dich interessieren", so sprach sie, nachdem sie Samuel gegenüber unfaire Reaktionen hervorbrachte. Oder auch ihr Abschlussvideo für Solange, in welchem sie sich verabschiedet und trotz gewisser Differenzen zwischen den beiden gesteht, wie sehr sie Solange doch ins Herz geschlossen habe, was die Abschiedssituation für letztere noch schwerer zu verdauen macht, als es das sowieso schon ist. "Marieeeeeeee!!", ruft Solange daraufhin in wiederholter Deutlichkeit der Verzweiflung, obwohl sich Marie nicht in ihrer Nähe befindet, sondern bereits auf dem Wege zu jener Insel ist, auf welcher ihr Vater lebt.

Hier beginnt die sogenannte "zweite Hälfte" des Films, welche wohl noch tragender für die Handlung sein dürfte, als es bei der ersten der Fall war. In dem Glauben gezwungen zu sein sich dem Hasse hinzugeben, begibt sich Marie auf die Reise, bis sie letzten Endes feststellt, dass ihr Vater Jacques (Name des Regisseursvaters, ein Zufall?) ein eigentlich nicht zu verachtendes, sondern eher armes und bedauernswertes Wesen ist, welchem man sich noch so sehr mit Kälte nähern möchte, es jedoch nicht zu realisieren vermag. Nachdem sie Personen demoralisierte, eine einsame Psychologin gekonnt analysierte, einen Familienvater seines Selbstbewusstseins beraubte, eine Erzieherin (wenn auch nicht grundlos) erpresste und zwei unreifen gleichaltrigen Partygängern das Fürchten lehrte, ist es für sie wohl nun an der Zeit mit sanfteren Methoden ihren Standpunkt zu verteidigen, so steht sie unter peitschendem Regen mit der Waffe (siehe mein Avatar hier im Forum), gerichtet auf den im Alkohol nahezu ertrinkenden Vater, doch der Abzug bleibt ungedrückt, der Tag ist vollendet, der darauffolgende wird etwas wärmer.
Am Folgeabend ist Marie (noch) entschlossen ihren Ideen zu folgen, sie beobachtet das mögliche Opfer, während es betrunken zu "caruso" von Lucio Dalla über den Strand wandelt, jämmerlich und halb dem Tode geweiht und doch mit einem Funken Hoffnung gesegnet. Der von Depardieu dargestellte und hervorragend porträtierte Vater beginnt LANGSAM in Ansätzen zu erahnen, dass es sich um seine Tochter handeln könnte, ach gar, dass ihm das nicht bewusst ist erwähnte ich ja noch gar nicht, pardon, nun ist das Mysterium offenkundig.

Die späten Szenen die folgen, sind von einer Intensität und Aussagekraft, der ich auf schriftlicher Ebene nicht gerecht werden könnte, ich belasse es daher dabei und erspare Ihnen hiermit weitere Hinweise, spätestens hier jedoch wird deutlich, von welch einer tiefgründigen Brillanz Paradis' Darstellung ist, aber auch von welcher Kraft und emotionaler Wucht der Soundtrack lebt. Mein einziger Kritikpunkt an "Elisa", und auch das ist Jammern auf hohem Niveau, ist der Abspann des Films, der für eine sanfte Melodie perfekt geeignet gewesen wäre, stattdessen ertönt erneut Gainsbourg's kinderkarusselhafter Chanson-Song "Elisa", der zwar texttechnisch interessant ist, jedoch im Bezug auf seine Klänge nicht zum eher ernsten Grundton des Films passt und ebenso wenig zur an Melancholie und engelgleicher Schönheit kaum zu übertreffenden Schwermütigkeit von "Elisa", dem Film, nicht dem Lied. Mag meine Kritik auch polarisieren, so ist Elisa im Gesamtbild besagte Nummer 2 meiner Liste, ein Drama von hintergründiger und über unzählige Ecken erzählter Geschichte, ein Kunstwerk, wie es französischer kaum sein könnte!





PS: Für mich nicht zu empfangen, aber vielleicht hat das ja jemand: Film läuft morgen um 14:05 (Uhrzeit an einem Werktag natürlich reichlich bescheuert) auf rtv/Kinowelt TV
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (22. September 2016, 20:28)


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Freitag, 23. September 2016, 18:03

So, die Rezension zu Naked habe ich zur gestrigen Abendstund' noch rasch verfasst, nun folgt nach den Plätzen 4 bis 2 also endlich das Endwerk, nämlich Platz 1!
Viel Vergnügen


Lieblingsfilme: Platz 1 - Mike Leigh's Sozialdrama Naked - nackter Nihilismus eines missverstandenen Idealisten und Philosophen!

Im Jahre 1992, so geschah es, haben sich verschiedene Ausnahmetalente zusammengefunden, um den komplexesten, vielschichtigsten und intensivsten Film der Kinogeschichte zu erschaffen, der mit David Thewlis als Johnny die stärkste schauspielerische Leistung aller auch nur erdenklichen Zeiten hervorruft, DAS übertrifft selbst Vanessa Paradis in "Elisa"! Johnny ist der personifizierte Wissensspeicher ohne Leben.

Der im Mai 1993 bei den Filmfestspielen in Cannes erstmals präsentierte und vollkommen berechtigt mehrfach ausgezeichnete Ausnahme-Film beginnt bereits verstörend, möchte zwischen Zuschauer und Protagonist zunächst das maximale Maß an Abstand herbeiführen, damit es später ein umso lobenswerteres Kunststück ist, dass es dennoch gelingt eine Annäherung zwischen Johnny und seinen Zuschauern zu erzielen. Bereits im Vorspann werden wir an die grandiose und nervlich sehr schwer auszuhaltende, sich immer wiederholende musikalische Untermalung und in einer Endlosschleife ablaufende Melodie herangeführt, sie kann als Metapher verstanden werden, steht sinnbildlich für die sich ebenfalls täglich stets wiederholenden Dinge, die Johnny sagt, tut, spürt, weiß und vorträgt, welche ihn aber aller Bemühung zum Trotze dennoch nicht ein einziges Mal zum Ziele führen. Nach dem verstörenden Filmbeginn ist eine Flucht vonnöten, was wir sahen ist ein Grenzakt, es ist weder eine Vergewaltigung, noch ist es ein gänzlich einvernehmliches Erlebnis, es ist eine Erfahrung zweier Menschen, die im Laufe ihrer selbst ihren Grundton verändert und nur noch von ihm als fortsetzensakzeptabel empfunden wird, Wut entsteht bereits hier - sie bildet sich auf allen Seiten. Nur 3-4 Tage nimmt der Film insgesamt ein, dabei ist er aufgebaut wie ein einziger Monolog von David Thewlis, andere Menschen haben in ihrem gesamten Leben weniger gesprochen. Johnny ist - so idiotisch dies auch klingen mag - zu klug um zu leben, zu nachdenklich um aktiv sein zu können, zu tiefgründig um eine Beziehung zu führen, zu weise um sich weise zu verhalten. Wer gesteht sich mit seinem Verhalten zu identifizieren, muss nicht zwangsläufig ein Unmensch sein, gleichwohl: szenenweise wird Johnny sehr beängstigend porträtiert, zu lernen ihn zu verstehen, ist die Kernaufgabe eines jeden Zuschauers, kein Psychologe dieser Welt wäre seinen Ausführungen gewachsen. Nach der ergriffenen Flucht befindet er sich in einem menschenleer morbiden Teil von London, eine trostlose Ankunft ist die Folge einer trostlosen Reise, "take me back to Manchester" heißt es erst deutlich später, allerdings in gesungener Form der gefühlt letzten Atemzüge zweier Protagonisten. Sophie, eine drogenabhängige junge Frau, die aber herzensgut ist, lässt sich sofort von Johnny faszinieren, versucht verzweifelt mit seinen Ausführungen mithalten zu können, die Reaktion darauf: "Eines würde ich gern wissen wollen: Bist du dir eigentlich über die Wirkung bewusst, die du auf das durchschnittliche, männliche, aus Manchester stammende, xy-chromosomierte, gierige, sabbernde, zu den Säugetieren gehörende Mitglied dieser Gattung hast?" "Äh, ja." "Dacht' ich's mir."
Aber auch ein "Have you ever thought, right, I mean you don't know, but you might already have had the happiest moment of your whole (F-Wort) life and all you have to look forward to is sickness and purgatary?", bekommt sie beispielsweise von ihm zu hören. Allgemein redet er sehr viel vom Kosmos, vom Universum, von der Menschheit. Und eben einen solchen, einen eigenständigen Kosmos, bildet er gewissermaßen selbst, niemand darf in selbigen eindringen, niemand versteht ihn, nur Johnny definiert ihn. Johnny ist der an Wissen reiche und an Liebe und Geldern arme Kontrast zu dem gut betuchten, jedoch widerwärtigen Yuppie Jeremy G. Smart alias Sebastian Hawks, der im Rahmen des Films eine noch gewalttätigere Figur verkörpert. Man könnte ihn als eine reiche und weniger philosophische, dafür noch überzeichnetere Version von Johnny wahrnehmen, doch ich persönlich warne davor diese beiden Personen miteinander zu vergleichen, so sehr man auch szenenweise dazu neigen mag. Louise, eine weitere tragende Figur, ist Johnny's ehemalige Begleiterin und Lebensgefährtin, sie tut sich überaus schwer mit des Redemeisters Rückkehr, wärmere Momente folgen erst später und auch diese werden von Tod, innerer Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit begleitet. Wer behauptet, der Film richte sich gegen Frauen, hat alles gesehen, nur nicht den Film selbst. Johnny's Sarkasmus ist gewissermaßen sein letzter Selbstschutz vor dem endgültigen Betreten der Klippe des Abgrundes. Eine Antwort kommt von ihm grundsätzlich in unerreichter Schnelligkeit und mutet nicht selten sehr "ursprünglich" an, auf Louise's "Wie bist du hergekommen" antwortet er mit einem extrem langen Monolog bezüglich der Theorie des Urknalls, ein Monolog wie ich ihm in schriftlicher Form nicht gerecht werden könnte, man muss ihn höchstpersönlich aus dem Munde Thewlis' hören, nur so entfaltet er seine Wirkung. Die Oliver-Stritzel-Synchronisation ist hervorragend, das Dialogbuch dagegen weniger, teils eloquente Zeilen des Originals sind leicht fehlerhaft eingedeutscht worden. Mit giftiger und dennoch nicht boshafter Direktheit geht Johnny (wissend was folgt) auf das Schicksal des Umfeldes ein, fragt Louise nach ihrer Arbeit und ob es war wie sie es sich vorgestellt habe, sie antwortet mit Ja, wird aber anschließend von Johnny dazu aufgerufen diese Begeisterung beispielhaft zu erläutern, es folgt vollkommene Stille der Ahnungslosigkeit, denn die Menschheit weiß nicht was sie zu erleben gewillt ist. Seinen tief sitzenden Schmerz kompensiert er mit dem vielleicht schwärzesten Humor der Filmgeschichte, Beispiel gefällig? Mit Vergnügen!
"Wie geht es deiner Mutter, säuft die immer noch wie ein Loch?", wird er gefragt. Was er wohl entgegnet? "Sie ist tot, aber sie (...F-Wort...) immer noch gut, ich meine, ihre Preise sind reinste Halsabschneiderei, aber ich als ihr Sohn kriege Rabatt!"
Er kann nicht anders als empathisch sein, sonst wüsste er mitnichten so genau, wie er es fertigbringt sein Gegenüber derart treffsicher zu kränken, so etwa die Besichtigung von Louise's Zimmer: "Ist ja bezaubernd, wie ich sehe hast du unten 'nen Fußboden, oben eine Decke und eine Wand auf jeder Seite, aber nur ein Einzelbett, traurig eigentlich."
Sein Zitieren anspruchsvoller Literatur und obendrein oftmals der Bibel, ist allgegenwärtig. Wohlwissend dass sein Gegenüber meist nicht weiß wovon er spricht, versprüht er hemmungslos das einzige was ihm bleibt: Wissen. Die inzwischen demoralisierte Sophie verachtet er nicht, nur kam sie ihm zu nahe, im Inneren will er sie vor ihm selbst schützen, einem "normalen" Wesen keinen Partner wie ihn antun, was er nun benötigt ist Zeit. Der widerwärtig grinsende und um Welten weniger zu tolerierende Jeremy gesteht im Beisein einer Dame seinen Suizidwillen, infolgedessen bringt er die Lady aber wieder zum Schweigen, lediglich im Bezug auf die inneren Dämonen kann er Johnny das Wasser reichen, erfährt ähnlich viel Leid, nur eben nicht auf materieller Ebene. Er demütigt Frauen, um sich seiner eigenen - sonst zu entstehen drohenden - Demütigung feige zu entziehen, sich ihrer zu entledigen. Er ist phänomenal gespielt worden von Greg Cruttwell, er spielt diesen Charakter mit einer derart hintergründigen Brillanz, dass man keinen tieferen Wunsch verspürt als Jeremy zu beseitigen, Respekt, chapeau! Das Haus von Louise, in welchem sich ein großer Teil der frühen Handlung abspielt, verdient einen Preis als das trübseligste Apartment der Filmgeschichte, hier könnte sich selbst die Wohnung von Roman Polanski im 'Mieter' eine Scheibe abschneiden. Nach wie vor kennen Johnny's Zitate keine natürlichen Grenzen der Genialität, so wird er gefragt ob er aus Manchester kam weil er sich gelangweilt habe, seine Antwort:
"Was I bored? No, I wasn't bored. I'm never bored, that's the trouble with everybody - you're all so bored. You have nature explained to you and you're bored with it, you have the living body explained to you and you're bored with it, you have the universe explained to you and you're bored with it, so now you just want cheap thrills and like plenty of them, and it does not matter how tawdry or vacuous they are, as long as it's new, as long as it's new, as long as it flashes and bleeps in 40 different colors. So whatever else you can say about me, I'm not bored!"
Und niemand ist so wissbegierig wie er, er stellt den Menschen - zwischen seinen eigenen Monologen - mehr Fragen als ein Kleinkind seinen Eltern oder gar einem Fremden. Er öffnet sich Sophie, bedauert es kein Arzt zu sein, obwohl er insbesondere auf psychologischer Ebene ein wahres Genie ist. Zwar nimmt sie ihn ernst, doch sie schwebt im siebenten Himmel und hat kein Ohr für ernste Töne. Auf Johnny's Streifzug, nächtens im verlassenen Teil von London, begegnet er personifizierten Existenzlosigkeiten, so etwa dem hilflosen und nicht lesen könnenden Archie, dessen Johnny auf 40 statt 27 Jahre schätzenden Freundin Maggie, einer alternden Tänzerin sowie einem ihn vorübergehend aufnehmenden Security Guard, der mit Johnny das philosophischste Gespräch der Menschheitsgeschichte führt, diese Unterhaltung bezeichne ich in nicht verklemmter Freiheit als den Orgasmus der Erkenntnisse. Eine sich aufbauende Romanze hätte das Fräulein aus dem Café sein können, doch anstelle normaler Fragen eines ersten Dates, bekommt sie von Johnny zu hören:
"Willst du beerdigt oder verbrannt werden?"
Johnny beißt, Johnny schreit, Johnny versagt, doch es ist schwer nicht auch die guten Seiten in ihm zu sehen, er ist der Inbegriff eines Opfers schlechter Bildungssysteme und eines Wesens des ungerechten Post-Thatcher-Englands. Mike Leigh hatte immer ein Herz für die Arbeiterklasse, für die oftmals vergessenen Gestalten im Strudel verloren gegangener Fairness.

Auch wenn es mir noch so sehr unter den Nägeln brennt, da einzelne Szenen teilweise vollkommen unkommentiert geblieben sind und es Zitate gäbe, über welche ganze Bücher zu schreiben wären, so pausiere ich an dieser Stelle dennoch, denn ich bin so frei die kühne Behauptung aufzustellen, dass es schlicht und ergreifend unmöglich ist, ein Werk wie Naked zu rezensieren. Nach wenigen warmen Momenten der Erinnerung, folgt am Ende des Tages ein Filmfinale, welches verstörender nicht sein könnte, welches erneut eine ungewisse Zukunft hervorruft und welches noch übertroffen wird von der vielleicht trostlosesten Abspannmusik der Filmgeschichte. Ich gratuliere Ihnen:
Wenn Sie hier angekommen sind, haben Sie den Film Naked überlebt - und doch verlangt er der diversen Details wegen danach ausgesprochen oft angesehen zu werden, es ist ein wichtiger Film, dessen Botschaften auf interpretatorischer Ebene ein Fest des Denkens hervorrufen.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (23. September 2016, 18:24)