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Count Villain

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Dienstag, 16. Juli 2013, 16:57

Der Fall ALSACIER

Der Fall ALSACIER



Ian Flemings
James Bond 007


in


einer
Kurzgeschichte


von


AVTAK



London ist an einem kalten, trüben Tag am schönsten. Das möchte man jedenfalls glauben, wenn man die ganzen Touristen beobachtet, die dann über die nebelverhangene Towerbridge gehen oder durch die Pfützen am Trafalgar Square waten, in denen sich die dunkle Statue von Admiral Nelson bisweilen spiegelt.

Doch nicht längst jeder Engländer schätzt dieses Wetter so sehr, wie es die Touristen tun. Zu ihnen zählte sich auch James Bond. Er hatte es vorgezogen seinen längst überfälligen Urlaub bei M zu beantragen und seine Londoner Wohnung gegen das Ferienhaus auf Jamaika einzutauschen. So war es zumindest geplant. Denn M hatte den Urlaub genauso schnell wieder gestrichen, wie er ihn bewilligt hatte. Ein Anruf bereits zwei Tage nach seiner Ankunft in Jamaika war dafür verantwortlich, dass er jetzt nicht auf der Veranda seines Hauses sondern in seinem Aston-Martin DB 5 saß, auf dem Weg von Heathrow zum Hauptquartier des Secret Service. Entsprechend missmutig stellte er nun den Aston auf dem Parkplatz im Innenhof des Gebäudes ab und nahm den direkten Weg zu Ms Büro im obersten Stock.

Bond ging durch die erste Tür in Ms Moneypennys Büro. Sie sortierte gerade Akten und drehte sich erfreut um, als sie aus den Augenwinkeln den Hut auf den Kleiderständer fliegen sah. „James, schon aus dem Urlaub zurück!“ „Ich würde zwei Tage noch keinen Urlaub nennen, Penny, aber was soll man machen wenn die Pflicht ruft…“ Moneypenny setzte das mitfühlensde Gesicht auf, dass sie parat hatte „Du Ärmster, aber das kommt davon weil du mich nie mitnimmst, James.“ „Ich verspreche dir, dass ich dich das nächste Mal mitnehmen werde“ „Das hört sich gut an, aber selbst wenn du Dein Versprechen ausnahmsweise halten würdest, könnte ich nicht weg. Ich ersticke förmlich unter den Bergen von Akten.“ Sie deutete verzweifelt auf ihren Schreibtisch „Immer muss ich alles machen. Der Alte schreibt ja nicht mal einen einfachen Brief selbst…“ „Der Alte, wie Sie sich ausdrücken, wird auch nicht fürs Briefeschreiben bezahlt, Ms Moneypenny.“ M war durch die große Doppeltür aus seinem Büro gekommen „Genauso wenig wie Sie dafür bezahlt werden 007 aufzuhalten. Also verabschieden Sie sich von ihm und sehen sie lieber zu, dass sie die Memos an Station G abtippen“ „Natürlich, Sir“ antwortete Moneypenny etwas verschämt, während Bond M in sein Büro folgte.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 16:58

M setzte sich an seinen Schreibtisch und Bond nahm ihm gegenüber Platz. Bedächtig nahm er seine Brille ab und polierte sorgfältig die Gläser. „Was wissen Sie über eine Gesellschaft namens ALSACIER“ „Eine der größten Montangesellschaften in Westeuropa. Kohle und Stahl, wenn ich mich nicht irre. Hauptsächlich aktiv in Lothringen und an der Grenze zu Luxemburg. Aber laut dem Wirtschaftsteil der Times auch in Brasilien, Nordamerika und so weiter. Warum fragen Sie, Sir.“ „In letzter Zeit traten dort einige Unregelmäßigkeiten bezüglich der Effektivität auf. Ganze Waggonladungen mit Stahl verschwanden spurlos, mysteriöse Budgetlöcher in den Büchern. Gott sei Dank ist das ganze noch nicht publik geworden. Ich muss ihnen ja wohl nicht sagen, wie sich das auf dem Aktienmarkt und auf andere Unternehmen dieser Branche auswirken wird. Wir sprechen immerhin nicht von irgendeinem Kleinbetrieb“ Bond rückte etwas ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her. „Verzeihung, Sir, aber was haben wir damit zu tun. Ich meine, selbst wenn ALSACIER illegale Geschäfte tätigen sollte ist das in erster Linie Sache der Franzosen. Ich bin sicher, die haben fähige Wirtschaftsspezialisten, die diese Sache aufklären können.“ „Ich fürchte Sie irren sich, 007. Die französische Regierung verharmlost die Sache, obwohl ich mir sicher bin, dass sie Nachforschungen anstellen. Sie fürchten wohl ihr Gesicht zu verlieren. Immerhin ist die Gesellschaft zu 40% Prozent staatlich.“ „Und die anderen 60%“ „Nun, etwa 25% verteilt sich auf die Kleinanleger, 15% gehören einem westdeutschen Unternehmen und die restlichen 30%, und das ist der Haken an der Sache, verteilen sich auf das Vereinigte Königreich und die Britische Stahl- und Kohlelobby. Unsere Firmen wollten wohl ein paar Pfund auf dem Kontinent investieren. Die Sache ist also zu 30% eine Angelegenheit der Regierung ihrer Majestät.“ Bond verstand immer noch nicht, weshalb er wegen einer scheinbar korrupten französischen Stahlgesellschaft, in die zufällig der Staat und ein paar britische Industrielle investiert hatten, aus seinem Urlaub geholt wurde. „Warum schickt dann nicht einfach das Wirtschaftsministerium einen zivilen Ermittler, um der Sache auf den Grund zu gehen.“ „Das habe ich Moulderford vom Wirtschaftsministerium auch gesagt, als er mich um Unterstützung bat. Und das hat er auch getan.“ Auf Ms Gesicht bildeten sich langsam die Sorgenfalten, die Bond nur zu gut kannte. „Ein gewisser Peter Hannigan sollte der Sache auf den Grund gehen. Er kam gestern zurück – per Luftfracht und zwar in zwei verschiedenen Flugzeugen. Bei ALSACIER spricht man von einem Unfall in ihrem Walzwerk bei Metz, in das Moulderford Hannigan verdeckt eingeschleust hat. Daran glauben aber weder ich noch Moulderford. Besonders nicht, nachdem Hannigan vor drei Tagen das hier telegraphiert hat.“ M holte ein Blatt Papier aus der obersten Schublade und reichte es 007. „Das war seine letzte Meldung.“

Bin endlich weitergekommen STOP französischen Regierung hat Kontrolle über ALSACIER verloren STOP Neuer Mann – Jean-Patrique Neudorff - in der Firma kontrolliert gesamten Vorstand STOP Vermute organisierte Übernahme der Firma STOP Falsche Berichte für Paris (scheinbar ahnungslos) STOP Werde versuche mehr über betreffende Person herauszufinden

P. Hannigan


M seufzte. „Jetzt, wo die Sache solche Ausmaße annimmt, ist der Fall natürlich an den Secret Service gegangen. Dabei haben wir weiß Gott genug zu tun. Sie sind zur Zeit der einzig verfügbare Agent im Außendienst. Verglichen mit ihren sonstigen Einsätzen wird das wohl sowieso der reinste Urlaub.“ Natürlich wäre Bond die Fortsetzung seines richtigen Urlaubs auf Jamaika lieber gewesen, aber er fügte sich und flog noch am gleichen Tag nach Strasbourg; im Gegensatz zum armen Peter Hannigan mit nur einem Flugzeug, dafür First Class.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 16:58

Ein kalter Wind schlug Bond entgegen, als er in Strasbourg aus dem Flugzeug stieg. Er begann sich ernsthaft zu fragen, warum die Touristen das englische Wetter so außergewöhnlich fanden. Hier war es kaum besser. Aber bereits als Bond mit seinem Wagen - er hatte sich bei der freundlichen Dame von der Autovermietung für einen Renault Alpine A110 entschieden - Strasbourg verliess, klarte der Himmel auf. Als er schließlich in Metz ankam und das Industriegebiet durchfuhr, hatte sich der triste Herbsttag in einen sonnigen Frühlingstag verwandelt. Das vermutete Bond wenigstens, denn die silbrig glänzenden Hochöfen der umliegenden Schwerindustrie schleuderten soviel Russ und Abgase in die Luft, dass die Sonne, die noch kurz vor Metz die Wälder Lothringens so prächtig ausleuchtete, ein seltsam diffuses Licht abgab. Bond quartierte sich im Hôtel Molière ein, einem eher kleinen Landhaus am Rande von Metz. Er hoffte, so der Industrielandschaft, wie er sie bei seiner Ankunft gesehen hatte, zu entkommen. Moulderford hatte ihm einen Termin mit einem gewissen Philippe Legrois bei ALSACIER um 16.00 Uhr beschafft. Es blieb ihm also noch etwas Zeit für ein paar Crêpes und einem Cidre auf der Terrasse des Hôtel Molière. Gegen 15.30 machte er sich auf den Weg zurück ins Industriegebiet zum Walzwerk von ALSACIER, in dem zuletzt Hannigan recherchierte.


Als Bond sich pünktlich um 16 Uhr am Haupttor von ALSACIER als Mr Charles F. Burlington von der Tyneside Coal Company vorstellte, hatte er Monsieur Legrois als eine Art schmierigen Pressesprecher erwartet. Eines jener Geschöpfe, die mit ihrer aalglatten und seriösen Art perfekt dazu geeignet sind, Investorengruppen durch eine Firma zu führen, sie geschickt an allen etwaigen Problemstellen vorbei zu bugsieren und zum Schluss mit einem Lächeln am Haupttor zu verabschieden. All das war Philippe Legrois jedoch keineswegs. Er machte auf Bond mehr den Eindruck eines Vorstandsmitgliedes das von unten heraus den Aufstieg geschafft aber dabei niemals seine Wurzeln vergessen hatte.
„Ah, Bonjour! Monsieur Burlington, wenn ich nicht irre. Was für ein hübsches Auto sie da haben“ Legrois sprach wie alle Franzosen, das „h“ nicht aus, sondern hauchte es nur. „Am besten, wir gehen gleich in mein Büro. Ihre Zeit ist gewiss knapp bemessen, Monsieur.“
Bond bedankte sich und folgte Legrois anschließend in sein Büro, dass zwar hell und freundlich ausgestattet war, aber die Nachbarschaft zum größten Walzwerk in ganz Westeuropa, wie Legrois stolz berichtete, keinesfalls verbergen konnte. Die Scheiben waren ziemlich dreckig und durch die Wand konnte man den Krach aus den Werkhallen gedämpft hören. „Sie nehmen gewiss noch einen Schluck Kaffee, bevor wir mit der Tour beginnen, Monsieur Burlington.“ Bond nickte. „Sehr gerne, Monsieur Lagrois. Ich muss sagen, ihr Betrieb ist bis jetzt wirklich beeindruckend. Unser Walzwerk in Liverpool ist nicht annähernd so groß.“ Legrois lächelte stolz. „Ja, das sind hier andere Dimensionen“ Er beugte sich zu seiner Gegensprechanlage vor „Catherine, deux cafés, s’il vous plait.“ Nun widmete er sich wieder Bond. Warten sie erst mal ab, bis wir in die Haupthalle kommen“ „Darauf bin ich schon ganz besonders gespannt. Meine Firma ist hier hauptsächlich eingestiegen, um Erfahrungen mit einem Betrieb dieser Größe auszutauschen. Wir planen zu expandieren. Wir sind der Meinung, das ist der einzige Weg um in Zukunft eine Chance in dieser Branche zu haben.“ Bond versuchte, möglichst allgemeingültige Phrasen von sich zu geben, um sich nicht durch einen fachlichen Fehler zu verraten. „Sie haben sicherlich Recht, Monsieur Burlington. Aber zur Expansion braucht man neben Know-How in erster Linie Kapital. Deshalb sind wir ja auch so stark am Aktienmarkt vertreten. Noch vor ein paar Jahren…Ah, Catherine“ Legrois Sekretärin betrat den Raum. Sie war überaus hübsch und fürs Büro fast etwas aufreizend gekleidet, wie Bond fand. Trotzdem gefiel sie ihm überaus gut und auch sie selbst schien verschämt einen Seitenblick auf „Mr Burlington“ zu werfen während sie Legrois den Kaffee eingoss. „Etwas Zucker oder Milch, Mr Burlington?“ „Danke, ich trinke meinen Kaffee immer schwarz“ „Etwas langweilig, finde ich“ „Sie irren sich, Madame Catherine, ich beschränke mich nur gern auf das
Wesentliche“ „Mademoiselle Catherine, und ganz besonders das Wesentliche kann langweilig werden, Monsieur Burlington!“ Sie drehte sich aus dem Absatz um und verließ das Zimmer. Legrois hatte die ganze Szene amüsiert beobachtet. „Sie ist ein Goldstück, nicht wahr!“ Bond lächelte „Ihre Firma gefällt mir immer besser. Zeigen sie mir lieber die Nachteile, bevor ich zu viel Positives in Liverpool erzähle.“ Monsieur Legrois lachte. „Alors, beginnen wir mit der Führung!“
Die nächsten drei Stunden gab Legrois Bond einen Überblick über das riesige Gelände von ALSACIER in Metz. Er wollte sichtlich Bond den Eindruck vermitteln, er habe alles gesehen. Den Güterbahnhof, die Metalllagerplätze, die bereits erwähnten Schornsteine, Lagerhallen, die Verwaltungsgebäude, ALSACIER hatte sogar ein kleines Museum errichtet. Als Höhepunkt erreichten sie schließlich die Haupthalle mit zwei Walzstrassen. Mittlerweile war es etwa 9 Uhr und in der Werkhalle wäre es wahrscheinlich bis auf ein paar verrußte Oberlichter ziemlich dunkel gewesen, wenn nicht der Stahl, der sich wie ein glühendes Band funkensprühend durch die Walzen quälte die ganze Halle in ein dämonisch flammendes, zuckendes Licht getaucht hätte. Der Lärm war ebenfalls enorm, die Arbeiter der Spätschicht huschten wie dunkle Schatten durch die Halle und Legrois geleitete Bond zum größten der drei Schmelztiegel aus denen der Rohstahl zischend hervorquoll. „Das ist unser größter und zugleich ältester Schmelztiegel. Hier im Werk nennen wir ihn „Charlemagne“. Er war bereits im ersten Weltkrieg für die Waffenproduktion im Einsatz. Auch heute noch werden hauptsächlich Waffen aus unseren Stahl produziert. Die Männer sagen, solange aus „Charlemagne“ Stahl fließt, hat das Werk gute Zeiten vor sich. Wie Sie sehen, Monsieur Burlington, fließt der Stahl, sie können also beruhigt nach England zurückkehren.“ Bond sah den Augenblick gekommen, um vorsichtig nach Hannigan zu fragen. „Um ehrlich zu sein, ich bin nicht nur wegen ihrer wirtschaftlichen Lage gekommen, Monsieur Legrois.“ Der Franzose machte ein betroffenes Gesicht. “Ich hatte befürchtet, dass Sie das sagen werden. Alle anderen Teilhaber kommen immer nur wegen des Geldes. Sie wollen sich überzeugen, dass alles beim Rechten ist. Wissen Sie,“ Legrois’ Stimme wurde etwas vertraulicher “es gibt Gerüchte, dass wir unsere Bücher, wie sagt man, frisiert haben. Die Liefermengen und die Bücher passen in letzter Zeit manchmal nicht zusammen. Unter uns, wir haben vor kurzem einen neuen Chef bekommen. Monsieur Neudorff. Er hat seinen ganzen Führungsstab gleich mitgebracht. Einfach so!“ „Aber das Werk gehört doch zu 40% dem französischen Staat. Wie ist es dann möglich, dass ein Privatmann den gesamten Vorstand austauscht?“ „Ich bin mir nicht sicher, ob der Staat hier noch die Zügel in der Hand hält. Spätestens seit Neudorff hier die Zügel in der Hand hält, geht alles drunter und drüber. Nun auch noch diese Geschichte mit Hannigan, ihrem Kollegen. Das meinten Sie doch, als sie sagten, Sie seien nicht nur wegen der wirtschaftlichen Lage gekommen. Schlimme Sache, das. Ein schrecklicher Unfall. Er hatte Überstunden gemacht, und am nächsten Tag fanden wir ihn neben „Charlemagne“. Tot. Schrecklich, er muss wohl über einen Kette gestolpert sein und „Charlemagne“ ist direkt auf ihn gefallen. Das hat man mir jedenfalls erzählt. Die alten Konstruktionen sind oft sehr empfindlich. Richten Sie der Tyneside Company bitte noch einmal unser Beileid aus.“ Bond nickte. Er konnte zufrieden sein. Ohne groß nachfragen zu müssen, hatte er viele Fragen beantwortet und Hannigans letzten Brief inhaltlich bestätigt bekommen. Anschließend brachte ihn Legrois zurück zu seinem Renault. „Bleiben Sie noch lange hier, Monsieur Legrois?“ „Nein, ich habe offiziell schon seit einer Stunde Feierabend. Wenn das so weitergeht, streike ich nächstes Mal. Ich werde wohl früh zu Bett gehen. Haben Sie heute Abend noch was vor, Monsieur Burlington. Metz ist sehr schön bei Nacht. Fast wie Paris.“ Bond dachte an die wenig einladende Atmosphäre bei seiner Ankunft. „Nein, ich werde heute zu Hause bleiben“ sagte er schnell. Danach fuhr er zurück zum Hôtel Molière und duschte erst einmal. Er musste den Staub der Walzstrasse und den Ruß des imposanten „Charlemagne“ wieder loswerden.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 16:59

Um etwa 23.00 Uhr, als Bond seinen Bericht für M in London gerade beenden wollte, klingelte das Telefon. Zu seiner Überraschung war es Catherine, die Sekretärin von Legrois. „Monsieur Burlington, ich muss dringend mit Ihnen sprechen. Sie sind doch wegen dieser Sache mit Monsieur Hannigan hier. Mehr kann ich am Telefon nicht sagen. Wir treffen uns in einer halben Stunde am Güterbahnhof von ALSACIER.“ Dann legte sie auf. Ein höchst seltsamer Anruf. Was konnte sie nur mit Hannigan gemeint haben? Warum rief Sie ihn überhaupt an, immerhin riskierte sie ihre Stelle. Das der Ermittler vom Wirtschaftsministerium nicht einem Unfall, wie Legrois ihm gesagt hatte, zum Opfer fiel, lag auf der Hand. Hatte Catherine etwa neue Informationen? Oder war alles am Ende nur eine Falle und er würde Morgen vielleicht ebenfalls irgendwo auf dem Boden des Walzwerks liegen? Bond überlegte kurz, steckte dann die Walther ein, nahm den Schlüssel für den Alpine vom Tisch und fuhr zu ALSACIER zurück.

Als er sich dem Güterbahnhof, der etwas abseits lag näherte, erkannte er eine dunkle Gestalt, die am Fahrbahnrand stand. Es war tatsächlich Catherine. So weit, so gut. Bond parkte den Renault, vergewisserte sich noch einmal, dass die Walther an ihrem Platz im Lederhalfter steckte und stieg aus. Langsam ging er auf Catherine zu. Seine Schritte auf dem Asphalt waren das einzige Geräusch. Die ganze Szene hatte etwas Spannungsgeladenes, irgendwie Gespenstisches. Ein paar Meter vor ihr blieb er stehen. „Bin ich froh, dass sie hier sind Monsieur Bond.“ Bond. Sie kannte seinen richtigen Namen. Also doch eine Falle. Bond wollte die Walther ziehen, aber Catherine war schneller. „Vorsicht Monsieur, sie sollten niemals eine Frau unterschätzen. Sie hielt eine Browning in der Hand, der Lauf zielte auf Bond. „Weg mit der Waffe“ Bond folgte der Aufforderung, was sollte er auch tun. „Was haben Sie bis jetzt herausgefunden, Monsieur Bond.“ „Nicht mehr, als mir Monsieur Legrois während der Führung gesagt hat. Ist er wirklich ihr Boss, oder ist es umgekehrt.“ Catherine lachte „Lagrois, mein Boss. Sie sind wirklich schlecht informiert, Commander. Heben sie ihre Waffe wieder auf!“ „Wie bitte!“ „Sie sollen ihre Waffe wieder aufheben! Ihre Reflexe sind etwas eingerostet, Commander. Bei uns im Hauptquartier in Paris hat man sich abenteuerliche Geschichten von ihnen erzählt. Ich muss gestehen, bis jetzt bin ich ein wenig enttäuscht.“
Bond verstand nun gar nichts mehr „Welches Hauptquartier?“ „Sie sind ja noch schlechter informiert als ich dachte! Ich arbeite für die Securité. Sie glauben doch nicht im ernst, dass wir Franzosen tatenlos zusehen, wie unser größter Stahlkonzern den Bach runtergeht. Mein Name ist Catherine Fournier.“ Bond hob seine Waffe wieder auf. „Und weshalb haben Sie die ganze Show hier abgezogen, Catherine?“ fragte Bond während er sich den Strassenstaub von der Hose klopfte „Damit kann ich vor meinen Kolleginnen in Paris angeben!“ Sie lächelte triumphierend. „Bevor Sie fragen, ich weiß wenig mehr wie Sie. Aber bei Legrois’ Unterlagen war ein Memo von Neudorff. Anscheinend trifft er heute einen wichtigen ausländischen Geschäftspartner im Werk und Legrois sollte dafür sorgen, dass alle Arbeiter dann daheim sind. Sie wollen scheinbar keine Zeugen. Mehr stand leider nicht drin. Legrois ist auch nur ein kleiner angestellter. Trotzdem, klingt doch interessant, oder?“ Mit etwas verdutztem Blick hatte Bond ihr zugehört. So schnell konnte man also zu einem Partner der Securité werden. Catherine stellte ihn einfach vor vollendete Tatsachen. Ihr Eifer imponierte ihm jedoch und er musste unbedingt mehr über das Meeting von Neudorff erfahren. Dennoch konnte er ihr immer noch nicht ganz trauen. Catherine streckte ihm die Hand entgegen „Wie sieht es aus Monsieur, Collaboration?“ „Einverstanden!“ Bond schlug ein. Gemeinsam gingen sie das letzte Stück bis zum Güterbahnhof. Die Walther hielt Bond jedoch sicherheitshalber griffbereit. Man weiß nie, wozu Frauen fähig sind. Besonders, wenn man sich nicht mal sicher ist, auf welcher Seite sie wirklich stehen.

Catherine kannte sich dank ihrer Tätigkeit als Sekretärin von Legrois bestens aus. Das Tor beim Güterbahnhof war schnell überwunden und wenn man nicht ganz genau hinsah konnte man die beiden Schatten leicht übersehen, die fast lautlos, aber dennoch zügig über die Gleise huschten – immer bemüht den Lichtkegeln der Scheinwerfer und den paar Wachleuten auf dem Gelände von ALSACIER auszuweichen. An der Wand eines kleinen, zweistöckigen Anbaus an der Haupthalle suchten sie schließlich Deckung. „Sie sind eben ganz schön schnell über die Gleise Catherine. Man könnte fast meinen, sie schätzen männliche Gesellschaft zu so später Stunde nicht sonderlich.“ „Schon, Monsieur. Aber es gibt wenige Männer die mit mir Schritt halten können … Augenblick! Legen Sie sich hin, Monsieur, schnell!“ Gerade als Bond Fragen stellen wollte, fuhr die Erklärung durch das Haupttor. Vom Boden aus konnte Bond drei schwarze Limousinen erkennen. Sie hielten auf dem Hof vor der Haupthalle und der Fahrer des ersten Wagens stieg aus. Er öffnete die hintere Tür und salutierte. Ein relativ klein gewachsener Mann entstieg dem Fond und ging mit großen Schritten auf die Haupthalle zu. Aus den anderen Wagen entstiegen ebenfalls einige Männer und folgten dem kleineren. Bond konnte ihre Gesichter nicht erkennen, es war einfach zu dunkel und er war zu weit weg. „Vite, vite, Monsieur“ Catherine war bereits dabei, über die Dachrinne auf das Dach des Anbaus zu gelangen. Bond folgte ihr. Oben angekommen stiegen die beiden über ein verrußtes Fenster ein. „Das habe ich heute extra offen gelassen“ sagte Catherine triumphierend“ „Schlaues Kind“ dachte Bond während er nach Catherine durchs Fenster stieg.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 17:00

Über der ganzen Halle waren Stege aus Stahlgittern angebracht, um den Arbeitern die Inspektionen an der Lüftung zu erleichtern. Außerdem führte einer der Stege zu einer Tür, hinter der sich die Büroräume befanden, wenn Bond sich an die Führung von Legrois richtig erinnerte. Hier oben gab es viele Rohre und Kabel. Die Halle war noch dunkler wie sonst, aber die letzte Schicht konnte höchstens eine halbe Stunde her sein. An einigen Stellen glühte und glimmte es noch und auch die Stahlreste in den Tiegeln schienen Bond noch nicht ganz abgekühlt zu sein. Die beiden Agenten schlichen vorsichtig über die Stege, als plötzlich eine laute ungewöhnlich beherrschende Stimme erklang. Bond sah vor ihm, einige Meter unter dem Steg, auf dem er sich mit Catherine bewegte ein schwaches Licht. Vielleicht eine Glühbirne oder eine Neonröhre. Je näher sie dem Licht kamen desto lauter wurde Stimme. Bond sah nach unten. Durch die Bodengitter konnte er im Schein des Lichts einige Gestalten stehen sehen. Auf der linken Seite stand der Kleinwüchsige mit dem militärischen Auftritt vom Außenhof vor der Werkhalle. Er trug einen schwarzen Ledermantel um die Schultern und die Schirmmütze eines chinesischen Generals. Bond war sich im fahlen Licht nicht sicher, aber er glaubte asiatische Gesichtszüge und eine Narbe auf der linken Wange erkennen zu können. Die anderen aus den Limousinen standen etwas hinter ihm, der Kleinwüchsige schien wohl ihr Anführer zu sein. Sie trugen teils Uniformen, teils Anzüge und standen alle mit verschränkten Armen hinter dem Chinesen. Ihnen gegenüber standen 3 Mitteleuropäer. Der mit der markanten Stimme schien Jean-Patrique Neudorff zu sein. Links hinter ihm stand ein unauffälliger, eher schmächtiger Bürokrat im Nadelstreifenanzug, der sich sichtlich nervös, fast ängstlich, an seine Aktentasche klammerte. Rechts hinter Neudorff stand das krasse Gegenteil davon. Ein Bär von einem Mann – Bond schätzte ihn grob auf knappe 2 Meter und 150kg - durchtrainiert und mit einem Blick, hart und kalt wie der Stahl der hier tagsüber hergestellt wurde. Bond wollte diesem Gorilla um keinen Preis im Dunklen begegnen. Eher schon Catherine, die die ganze Zeit hinter ihm geschlichen war und nun ebenfalls gespannt den Ausführungen lauschte. „Ist der da vorne Neudorff?“ fragte Bond leise „Ja“ wisperte Catherine ebenso leise zurück „Die anderen kenne ich nicht“. Mit großen Gesten setzte Neudorff seine Rede fort. „General Wu, es ist mir eine Ehre Sie endlich hier bei ALSACIER begrüßen zu dürfen. Als sie das erste Mal zu dieser Firma kamen war sie schwach, nicht auf die Anforderungen dieser Zeit eingestellt. Glauben Sie mir, die französische Regierung vertritt mit ihrer Meinung durchaus nicht ganz Frankreich und alle Franzosen. Sehen Sie, mon Général, ich bin zur Hälfte Deutscher, zur Hälfte Franzose und ich sehe es als eine Schande an, wenn ein Betrieb dieser Größenordnung einen so lukrativen Auftrag wie den ihren aus irgendwelchen lächerlichen moralischen Gründen ablehnt. Es ist fast schon ein Verbrechen. General Wu, vor drei Jahren, als sie das erste Mal an ALSACIER herantraten wurde ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Als ich davon hörte, war ich entschlossen ihnen zu helfen, auch wenn die Montanindustrie normalerweise nicht mein Fachgebiet ist. Voilá, hier stehe ich! Dank Monsieur Sagouraffe hier…“ der „Nadelstreifenanzug“ trat hervor und lächelte verlegen “…ist es mir gelungen binnen weniger Wochen, diese Firma zu übernehmen ohne das irgendjemand wusste, was eigentlich geschehen ist. Monsieur Sagouraffe hier hat dafür seine Beziehung spielen lassen und eine lukrativen Posten im Ministerium aufgegeben. Sie werden sich fragen, General, warum dieser Aufwand! Weil ich für ihre Sache bin und Sie unterstützen will. Operation „Roter Drache“ wird ihnen viel Ruhm und Ehre bringen. Glauben Sie mir, es geht mir dabei nicht um den Profit, ALSACIER ist produktiv genug, es geht um die Verwirklichung ihres Planes. China muss wieder gehören, was China schon immer gehört hat. Für China!“ „Für China“ antworteten alle einstimmig. “Mit ihrer Leistung werden Sie sicherlich schon bald Mao überflügeln.“ „Mao ist schon bald Geschichte, er hatte gute Ideen aber wenig Mut. Er lässt sich von den korrupten Westmächten einschüchtern. Ich habe eine Vision, aber Mao will Sie nicht sehen. Nur deshalb muss ich auf ausländische Waffen zurückgreifen. Sie haben bis jetzt sehr gute Arbeit bei der Lieferung des Stahls und der anderen Bauteile geleistet. Aber für den roten Drachen fehlt noch das Wichtigste: Der Kern!“ „Auch auf diesem Gebiet haben wir seit unserem letzten Treffen Fortschritte gemacht, General Wu! Sie wären erstaunt, wenn Sie wüssten wie lasch der Uranbestand der hiesigen ALSACIER Atomkraftwerke überprüft wird. Hans, zeig dem General was wir für ihn haben!“ Der große Mann rechts hinter Neudorff drehte sich um und zog eine schwere Truhe auf Rollen hervor. „Ist sie nicht prächtig! Das ist Nr. 2, sie ist noch nicht ganz fertig. Nr. 1 ist heute von Rotterdam aus nach Shanghai ausgelaufen.“ Bond traute seinen Augen nicht. Was Hans da in die Runde schob, sah tatsächlich aus wie eine kleine Atombombe. Keine besondere Sprengkraft, aber dennoch konnte dieses Monstrum Tausende töten. Und ein Duplikat davon war bereits auf dem Weg nach Shanghai! Neudorff zeigte voller Stolz auf die Bombe. „Zusammen mit ihren konventionellen Waffen wird das Ganze ein Kinderspiel“ General Wu lächelte zufrieden. „Ich bin sehr zufrieden Neudorff! Ihr Ruf als Organisationstalent ist gewiss bemerkenswert und weltweit in unseren Kreisen einzigartig, aber sie werden ihm voll gerecht. Wir erwarten Sie dann in zwei Wochen mit Nr. 2 im Hafen von Shanghai“ General Wu verneigte sich, ebenso Neudorff und die Chinesen verließen die Halle. „Geht es ihnen wirklich nur um den Plan von General Wu, Neudorff. Um diese lächerliche ideologische Frage.“ fragte Sagouraffe, als sich die Türen der Halle geschlossen hatten. „Unsinn, Sagouraffe. Aber was soll ich diesen verbohrten Kommunisten sonst sagen. Ich bin Geschäftsmann, nichts weiter! Sollen die ihre Kleinkriege führen! Ich werde dann weit weg sein, in meinem Privatjet hoch oben in den Wolken auf den Weg nach Antigua oder sonst wohin...“ In seiner gewohnt gestenreiche Art deutete er bei dem Wort „oben“ zur Decke der Halle – worauf Bond getrost hätte verzichten können. Er entdeckte natürlich sofort die beiden Gestalten dort oben auf dem Steg. „Eindringlinge! Spione! Hans, komm hierher!!! Alarmiert den Sicherheitsdienst“ Neudorff zog seine Pistole und feuerte, er traf aber vorerst nur die Lampe. Im halbdunkel konnte man sehen wie Hans mit einer MG herbeigestürmt kam. Bond wusste, dass es höchste Zeit war um zu verschwinden. Catherine erkannte ebenfalls den Ernst der Lage „OK, wir trennen uns und treffen uns dann wieder am Auto!“ Sie liefen in entgegengesetzte Richtungen davon. In der Halle war es, nun da Neudorff das Licht ausgeschossen hatte stockdunkel. Von unten hörte man Hans die Treppe heraufkeuchen und von Zeit zu Zeit pfiff ein Schuss aus Neudorffs Pistole durch die Halle. Jetzt konnte Bond ihn sehen, da unter ihm stand Neudorff, wild in die Gegend feuernd. Jetzt nur keinen Fehler machen. Neudorff schrie immer wieder irgendwelche Befehle in die Dunkelheit: „Sagouraffe, die Notbeleuchtung!“ Auf einmal gingen überall in der Halle Lampen an. Sie war nun keineswegs hell erleuchtet, aber man konnte wieder etwas sehen. Das plötzliche Licht blendete Bond uns so traf er Neudorff um haaresbreite nicht. Dieser erschrak erst, erblickte dann Bond und erwiderte sofort das Feuer. Bond hechtete sich zur Seite und wurde seinerseits nur knapp verfehlt. Er schoss noch mal auf Neudorff, dreimal, viermal, fünfmal. Bond wusste, dass er nur noch einen Schuss hatte. Die Ersatzpatronen lagen im Renault. Er lugte vorsichtig hinter dem Rohr hervor, hinter dem er Deckung gesucht hatte. Sofort zischte keine zehn Zentimeter neben seinem Kopf ein Schuss vorbei. Er musste es riskieren! Blitzschnell sprang er aus seiner Deckung und feuerte im Flug eine Kugel auf die Stelle ab, an der er Neudorff vermutete. Tatsächlich: ein Treffer in die Schulter. Neudorff schrie auf und krümmte sich vor Schmerz. In diesem Moment sah Bond zwei Wachleute die auf Neudorff zugelaufen kamen. Jetzt hatten Sie Bond entdeckt. Sofort flogen ihm wieder die Kugeln um die Ohren. Bond rannte so schnell er konnte den Steg entlang. Nichts wie raus hier. Als er um eine Ecke kam drehte er sich um, um sich zu vergewissern, ob ihm die Wachleute gefolgt waren. Plötzlich stand sie vor ihm: Catherine. Die Browning im Anschlag und auf ihn gerichtet! Er hätte ihr also doch nicht trauen sollen. Warum hatte sie ihn nicht schon vorher erschossen? Ohne eine Miene zu verziehen, drückte Catherine ab. Die Patrone flog mit einem gewaltigen Knall aus dem Lauf und Bond hörte einen Schrei – aber es war nicht sein eigener. Er drehte sich um. Hinter ihm war gerade Hans den Steg gekommen. Jetzt lag er regungslos auf dem Gitterrost und sein Hemd färbte sich langsam blutrot. „Du hast mir gerade das Leben gerettet, Merci Catherine“ „Keine Zeit für große Worte, wir müssen zum Wagen. Los schnell, James!“. Durch das Fenster stiegen die beiden wieder aus. Die Wachen waren wohl noch in der Halle bei dem angeschossenen Neudorff und so erreichten sie problemlos über den Güterbahnhof schließlich den Alpine und Bond fuhr samt Catherine zurück zum Hôtel Moliére.
Doch als Bond den Alpine in die Auffahrt lenkte traute er seinen Augen nicht. Das Hotel stand in Flammen, brannte lichterloh. Entsetzt sah Catherine Bond an. „Das waren bestimmt Neudorffs Leute. Hannigan haben sie auch schon getötet und heute warst du dran. Bond nickte grimmig. „Auf nach Shanghai!“ sagte er schließlich und legte den Rückwärtsgang ein.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 17:00

„Guten Abend, Sir“, „Ah, endlich melden Sie sich mal, 007. Kommen Sie in der Sache bei ALSACIER voran.“ Bond rief aus Catherines Wohnung in Paris an. M zeigte sich sehr besorgt, nachdem er Bonds Ausführungen zum Gespräch zwischen General Wu und Neudorff gehört hat. „Verdammt, 007, konnten Sie in Erfahrung bringen wobei es sich bei dieser Operation „Roter Drache“ handelt?“ „Wir sind gerade dabei, Sir“ „Wer zum Teufel ist wir?“ Bond hatte ganz vergessen seine neue Partnerin vorzustellen. „Eine Mitarbeiterin der Securité assistiert mir. Wir trafen uns zufällig.“ „Schön, Bond, lassen Sie sich assistieren von wem Sie wollen, aber bringen Sie mir diesen Neudorff zur Strecke. Wir werden ebenfalls Nachforschungen anstellen. Das ganze hat sich von einer harmlosen Wirtschaftsaffäre zu einer handfesten Bedrohung entwickelt. Sie fliegen heute noch nach Shanghai, Bond. Ich gebe unserem Mann dort Bescheid. Ihm gehört dort ein kleines Restaurant. Sehr zuverlässig. Eigentlich ein emigrierter Thailänder. Sein Name ist Chang Laptop. Und 007, ...“ Ms Stimme bekam wieder diesen leicht bedrohlichen Unterton „seien Sie um Himmels Willen diskret! Sie können gar nicht ahnen, was passiert wenn die Chinesen herausfinden, dass wir auf ihrem Staatsgebiet gegen General Wu operieren.“ Er legte auf und bemerkte Catherines leicht fragenden Blick „ICH assistiere IHNEN ??? Ohne mich hätten Sie doch gar nichts von der geheimen Unterredung mitbekommen!“ Bond wiegelte „Jetzt ist keine Zeit, um über Kompetenzen zu entscheiden. Wenn du willst, kannst du ja DEINEM Chef sagen, dass du einen englischen Mitarbeiter aufgegabelt hast, der DIR assistiert. Dann sind wir quitt!“ Catherine sah wieder etwas versöhnlicher drein. „Was hältst du eigentlich davon, wenn wir Legrois einweihen. Er hat mir während meiner Zeit bei ALSACIER viele nützliche Hinweise gegeben, teils sicherlich unbewusst.“ Bond nickte „Ja, ein Informant, der uns mit aktuellen Informationen versorgt wäre sicherlich gut. Und Legrois schien mir sehr verlässlich. Er hat wohl auch keine hohe Meinung von Neudorff! Weiß er, dass du bei der Securité bist?“ „Nein, aber wenn du einverstanden bist, wird er es bald wissen!“ „Ok, sag Legrois Bescheid! Aber versuche Details zu vermeiden. Sonst verrät er sich noch und Neudorffs Schergen legen ihn glatt um!“
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Dienstag, 16. Juli 2013, 17:01

Der Air France Flug 36007 war planmäßig um 12 Uhr in Paris Charles de Gaulle Richtung Shanghai abgeflogen und befand sich gerade irgendwo über Vorderasien. Bond versuchte sich in den bequemen Sitzen der 1. Klasse, die zu seiner Verwunderung fast leer war zu entspannen. Außer Catherine, die sich ein Buch mitgenommen hatte und einem alten Mann, der direkt hinter ihnen seit dem Start in Paris vor sich hindöste, waren nur noch etwa 10, vielleicht 12 Menschen in der 1. Klasse, die stets aufmerksamen Stewardessen nicht mit eingerechnet. Aus Langeweile ließ sich Bond die aktuelle „Times“ bringen. Halbaufmerksam betrachtete er Schlagzeilen. „Premierminister besucht Kanada“ „Erneuter Streik bei den Eisenbahnern“ „Börsenwert von ALSACIER erneut gefallen. Hat britische Stahlindustrie falsch investiert?“ Scheinbar hatten einige doch schon von der mutwillig falschen Buchführung Wind bekommen. Dass der Stahl und eine kleine Atombombe in diesem Moment auf dem Weg zu einem korrupten chinesischen General nach Shanghai waren, wusste die „Times“ Gott sei Dank noch nicht.“ Er widmete sich den internationalen Meldungen „Erdbeben in Chile“, „ Amerikaner freuen sich über Weizenernte“, „UdSSR bestreitet Aufrüstung in Ostdeutschland“, „England und Frankreich stellen Concorde-Prototypen vor“, „Taiwan begeht Jubiläum zur Unabhängigkeit von China mit 3-tägiger Feier“ Bond stutzte. Taiwan feiert seine Unabhängigkeit? General Wu kauft heimlich Atomwaffen und will „China zurückbringen, was China schon immer gehört hat“? „Interessante Neuigkeiten, nicht wahr!“ Bond kannte die Stimme. Sie kam von der Sitzreihe hinter ihm. Auch Catherine schien Bonds erstaunten, fast schockierten Blick wahrgenommen zu haben. Fast simultan drehten sich die beiden um. „Q! Was machen Sie denn hier!“ „Was soll ich schon hier machen, 007! Ich soll ihnen helfen ihren Auftrag zu erfüllen. Wie üblich kann ich wohl keinen Respekt dafür erwarten, dass ich meinen Urlaub mit Ihnen verschwende“ Q war wie immer etwas mürrisch, aber für Bond, besonders bei diesem Auftrag unverzichtbar „Trösten Sie sich Q, ich sollte jetzt normalerweise auch in Jamaika sein. Das ist übrigens Catherine. Sie grinste Q an „Es ist mir eine Freude Sie kennen zu lernen, Major Boothroyd!“ „Warum können Sie mich nicht einmal so respektvoll behandeln, 007.“ „Ich gebe mir seit Jahren Mühe“ Q verdrehte die Augen „Leeres Gerede. Aber zur Sache. Sie haben tatsächlich Recht. Laut unseren Informanten und dem Außenministerium, plant General Wu Taiwan zur Volksrepublik zurückzuholen. Er will damit zum neuen starken Mann in China aufsteigen. Mao Zedong selbst würde Taiwan auch gerne zurückerobern, aber er weiß wie viele Länder dann sofort ihre Truppen nach China schicken würden. Wu ist ein absoluter Hardliner und wenn Sie mich fragen, vollkommen durchgeknallt. Er ignoriert einfach, dass bei einem chinesischen Angriff auf Taiwan die NATO als erstes auf den Plan tritt. Dann die UdSSR. Dieser Mann kann den 3. Weltkrieg beginnen, behauptet zumindest M. Neudorff hingegen geht es nur ums Geld, wie Sie schon vermutet haben, 007. Aber seine beiden Atombomben sind Wus Rückversicherung. Er hofft wohl, die USA würden dann keinen Angriff wagen. Vollkommen verrückt!“ „Woher haben wir diese Informationen, Q“ „Teils von der Securité, teils vom Secret Service. Der Tipp mit Taiwan stammt aber von einem Monsieur Legrois von ALSACIER. Angeblich sollen Sie ihn eingeweiht haben, 007“ „Der gute Legrois“ dachte Bond. Es war vollkommen richtig ihm Bescheid zu sagen. „Wie auch immer, 007, ihre Aufgabe ist es das zu verhindern. Und meine Aufgabe ist es Sie dabei zu unterstützen. Deswegen habe ich Ihnen ein paar nützliche Geräte mitgebracht.“ „Noch mehr Spielzeug, Q“ „Lass ihn doch erstmal zeigen, was er hat, James“ unterbrach ihn Catherine. „Danke Catherine! Da wäre zuerst dieser Laserzielaufsatz für Ihre Walther. Probieren Sie es ruhig aus!“ Q reichte Bond den kugelschreibergroßen Aufsatz. „Weiter. Mit diesem kleinen Thermoschneider hier, können Sie Metall bis zu 2 cm Dicke schneiden – und das fast lautlos. Neueste Technologie. Aber das Beste Teil ihrer Zusatzausrüstung liegt unten im Frachtraum. Ein Schlauchboot mit dem leistungsfähigsten Kleinmotor von ganz England. Damit sollen Sie das Frachtschiff mit der Atombombe entern.“ „Erstaunlich, Q. Sie haben sich selbst übertroffen“ „Auf ihre ironischen Spötteleien kann ich verzichten. Genauso wie Sie ab jetzt auf mich verzichten müssen. Ich würde gerne meinen Mittagsschlaf fortsetzen!“
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8

Dienstag, 16. Juli 2013, 17:01

Bond und Catherine verbrachten den Tag damit, Q, der sofort wieder nach London flog, zu verabschieden, die Koffer ins Hotel „Goldener Kranich“ zu bringen und sich Shanghai anzusehen, soweit das Ausländern in der von parteitreuen Polizisten überwachten Stadt möglich war. Letztendlich blieb einem nur der Bunt, Shanghais Flaniermeile, gesäumt von 5-8 stöckigen, steinernen Zeugnissen der Kolonialzeit, deren Fassaden leider bisweilen von riesigen Plakaten verdeckt waren, von denen einen wahlweise ein glücklicher kommunistischer Bauer aus dem Yangtse-Tiefland oder der große Vorsitzende Mao selbst anlächelte. Bond erschien das alles etwas grotesk und so war er froh, als er am Abend endlich im Restaurant von Chang Laptop, dem thailändischen Informanten, saß. Nach kurzer Zeit erschien auch schon der Kellner am Tisch “Sie wünschen“ brachte er mit starkem Akzent hervor „Eine Pekingente ohne alles, bitte!“ „Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist, Sir! Bitte folgen Sie mir. Ich werde das mit dem Chef abklären.“ Bond folgte dem Kellner in ein Nebenzimmer. Vor ihm saß auf dem Boden ein alter Mann im Schneidersitz, vor ihm eine rauchende Schale. Bond verneigte sich und der Alte erhob er sich mühsam, indem er sich auf einem knorrigen Stock stützte. „Mr. Bond, nehme ich an, mein Name ist Laptop. Sie sind wegen Informationen hier?“ Bond nickte stumm, während ihn Mr Laptop mit den alten, müden Augen durch die Rauchschwaden musterte. „Setzen Sie sich Mr Bond.“ Nachdem sich der Alte ebenso mühsam gesetzt hatte, wie er aufgestanden war, fuhr er fort „Nun, Sie müssen sich beeilen! M teilte mir mit, dass die zweite Bombe bei ihrer Verschiffung in Basel abgefangen werden konnte, aber die erste wird schon heute Nacht in Shanghai eintreffen. Das Schiff wird im Militärhafen landen, dann kommt da keiner mehr heran außer General Wu. Ein altes Sprichwort sagt: Schöpfe das Wasser, bevor die Quelle versiegt. Sie sollten sich daran halten. Aber nehmen Sie sich in Acht. Wie ich hörte ist Wus Geschäftspartner mit an Bord. Er soll zugestiegen sein, um den Transport persönlich zu überwachen, nachdem die zweite Bombe beschlagnahmt wurde.“ „Schon heute Nacht sagen Sie?“ „Ja, heute Nacht. Ich schlage vor Sie gehen sofort. Die Zeit kennt keine Ruhe!“ Bond bedankte sich und wurde vom Kellner an den Tisch zu Catherine zurückgeführt. „Da bist Du ja endlich wieder, James. Komm, bestellen wir uns was zu Essen und dann erzähl mir alles!“ „Das Essen fällt aus, die Zeit drängt. Bombe Nr 1 kommt schon heute Nacht nach Shanghai. Die zweite wurde sichergestellt! Die Frage ist also nicht, was wir essen sollen, sondern wo wir unbemerkt ein Schlauchboot aufpumpen können!“
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9

Dienstag, 16. Juli 2013, 17:02

Entgegen Bonds Erwartungen fanden sich außerhalb von Shanghai, irgendwo am südlichen Ufer der Bucht, in der der Yangtse mündete, gleich mehrere geeignete Plätze. Wenige Minuten, nachdem das Auto versteckt und das Boot aufgepumpt worden war, schoss es auch schon hinaus ins Gelbe Meer. Die Nacht bot den beiden Agenten ausreichend Deckung und dank des eingebauten Radar –Q war darauf besonders stolz gewesen- konnten sie nach etwa eineinhalb Stunden Fahrt einen dunkeln Schatten weit draußen erkennen, der sich bedrohlich durch die dunkle See tastete. Bond drosselte das Tempo und steuerte auf das Schiff zu. Ganz langsam erreichte das Schlauchboot schließlich den Rumpf von Neudorffs Frachtschiff, der „Ma Li“, der gespenstisch aus dem Wasser ragte. Bond befestigte das Boot an einem Tau und stellte den Motor ab. Die See lag wie ein schwarzer Spiegel rings um sie herum und nur das gleichmäßige Stampfen des Schiffsmotors grollte durch die Stille. An der Bordwand war wenige Meter über Ihnen eine Nottür eingelassen, die sich jedoch bald als verschlossen herausstellte. Bond zog den Thermoschneider, den Q ihm gegeben hatte aus der Tasche. Er verrichtete lautlos seinen Dienst und die Tür gab den Blick auf einen spärlich beleuchteten Gang frei. Links und rechts zweigten weitere Türen ab. „Kannst du die Bombe entschärfen“ fragte Bond Catherine “Dann sehe ich zu, dass ich Neudorff erwische!“ Catherine nickte „Ich kann es versuchen. Wo meinst du soll ich suchen!“ „Wenn ich Neudorff wäre würde ich die Bombe ganz unten im Lagerraum verstecken.“ „OK, dann sehe ich da zuerst nach. Und James“ sie sah in sorgenvoll an “sei vorsichtig!“ Bond lächelte „Du auch!“

Bond machte sich auf dem Weg zur Brücke, wo er Neudorff vermutete. Vorsichtig schlich er sich durch die halbdunklen Gänge, Deck um Deck nach oben. Doch bereits nach der ersten Biegung nachdem er und Catherine sich getrennt hatten war klar, dass die Korridore von schwer bewaffneten Wachen kontrolliert wurden. Bond schaffte es gerade so, ihnen auszuweichen und um sie herumzuschleichen, da er Schüsse trotz Schalldämpfer vermeiden wollte. Irgendwann stand er dann endlich vor der Tür zur Brücke, die oben mit einem kleinen Bullauge versehen war. Bond lugte vorsichtig hindurch. Er erkannte den Kapitän, einen dicken Chinesen, den Steuermann, sowie Neudorff, der durch ein Fernglas von Zeit zu Zeit die See beobachtete. Jetzt musste alles sehr schnell gehen. Bond versuchte die Tür möglichst lautlos zu öffnen. Aber es gelang ihm nicht. „Die Ma Li“ war in einem so maroden Zustand, dass die Tür bei der leisesten Bewegung zu ächzen begann. Die Geräusche blieben natürlich auch bei den drei Männern auf der Brücke nicht unbemerkt. Der Kapitän sagte irgendetwas auf Kanton zum Steuermann, der daraufhin in Richtung Tür ging. Bond entschied sich die beiden Lampen in diesem Gang auszumachen und betätigte den Lichtschalter. Er hoffte die Dunkelheit würde ihm Deckung geben. Dann zog er sich in einen Winkel neben der Tür zurück, gerade rechtzeitig, bevor sich diese öffnete und sich der Steuermann mit einer Pistole in der Hand vorsichtig durch den Spalt schob. Bond hielt den Atem an. Nur wenige Zentimeter neben ihm konnte er den Steuermann sehen. Jetzt nur nichts überstürzen. Der Steuermann tastete sich weiter in Richtung Lichtschalter vor. Jetzt oder nie. Bond stürzt aus seinem Versteck und zieht dem Steuermann die Walther über den Schädel. Dieser sinkt sofort mit einem dumpfen Ton auf den Metallboden. Bond verstaut den bewusstlosen Körper und in seinen Versteck und wartet die Reaktion von der Brücke ab, die nicht lange auf sich warten lässt. Neudorff schickt als nächstes den Kapitän, um nach dem Rechten zu sehen. Er bewaffnet sich ebenfalls mit einer Pistole, gelangt bis zum Lichtschalter, betätigt ihn - und erstarrt. Eine kräftige Hand hat die seine gepackt und im Licht der Lampen kann der Bonds Gesicht erkennen. Der Kapitän will schreien, kann aber nicht. Bonds eiskaltes, mitleidloses Gesicht ist das Letzte, was er sieht bevor auch sein Hinterkopf Bekanntschaft mit der Walther macht. Erneut schaltet Bond das Licht aus. Von der Brücke hört Bond Neudorff nach seinem Kapitän schreien. Er scheint beunruhigt, aber zu allem bereit, um das Schiff nach Shanghai zu bringen. Rasend vor Wut, dass er keine Antwort erhalten hat, nimmt er eine Schrotflinte aus einem Kasten an der Wand und feuert wahllos ins Dunkel des Ganges. Bond kann sich gerade noch retten, indem er sich flach auf den Boden legt. Schließlich muss Neudorff die Patronen wechseln. Bond nutzt die Gelegenheit, steht auf und macht das Licht wieder an. Im Halbdunkel des Ganges sieht Neudorff plötzlich eine Gestalt stehen. Vollkommen unversehrt und mit einer Walther PPK im Anschlag. Neudorffs Kopf ist blutrot vor Zorn, er schwitzt und sieht entsetzt Bond an. „Monsieur Bond, immer noch am Leben wie ich sehe!“ Bond antwortete nicht „Sie sind sicherlich gekommen, um die Atombombe sicherzustellen und mich zu töten. Ihren armen Mr. Hannigan zu rächen. Wissen sie wie er geschrieen hat, als der kochend heiße Stahl aus „Charlemagne“ auf ihn herabfloss.“ Bond ließ sich für seine Antwort Zeit „Das macht ihre Situation nicht besser Neudorff. Lassen wir das Gerede. Sie haben Hannigan auf dem Gewissen und mich hätten sie in Metz auch beinahe erwischt. Außerdem sind Sie bereit, für Geschäfte einen Weltkrieg zu riskieren. Mich ekeln Leute wie Sie an, Neudorff.“ Unbemerkt von Bond hatte Neudorff seine rechte Hand in die Tasche seiner Jacke gleiten lassen. Darin befand sich eine Pistole, Neudorffs letzte Chance. Mit einem spöttisch herablassenden Ton, wie ihn nur Franzosen an den Tag legen können fuhr er fort: „Sie sind eine traurige Gestalt, Monsieur Bond. Traurig und in einer ebenso aussichtslosen Situation wie ich.“ Mit diesen Worten zog er die Pistole aus der Tasche und feuerte ohne zu zielen auf Bond. Der erste Schuss pfiff knapp an Bonds Schulter vorbei, der sofort das Feuer erwiderte. Die Kugel traf Neudorff in den Oberkörper. Er sank zum zweiten Mal nach der Schießerei in Metz zu Boden. Aber diesmal war es ernster. „Ihre Geschäfte sind vorbei Neudorff!“ Bond drückte ein weiteres Mal ab. Neudorffs verkrampfter Körper schien sich zu entspannen und der röchelnde Atem wich einer seltsamen Stille – Totenstille.
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Dienstag, 16. Juli 2013, 17:02

Von draußen hörte Bond plötzlich Stimmen, er sah rote Lichter, Scheinwerfer. Mehrer große Kriegsschiffe hatten an Neudorffs Frachter festgemacht, chinesische Kriegsschiffe. Von der Brücke aus, sah er die Wachen aus den Gängen nach draußen laufen. Gehörten die Chinesen zu einem Empfangskomitee von General Wu? Als der erste Schuss fiel, war seine Frage beantwortet. China hatte von Wus geheimen Machenschaften Wind bekommen und die Marine gesandt. Was würden Sie wohl sagen, wenn Sie zwei westliche Agenten an Bord entdecken würden. Er musste hier weg und zwar schnell. Bond rannte durch die Gänge zurück zur Nottür, unter der das Boot festgemacht war. Catherine war noch nicht da. Sollte er auf Sie warten oder nicht? War sie am Ende den Chinesen in die Hände gefallen? Dunkle Vorahnungen beschlichen ihn. Für solche Fälle gab es im Handbuch des Secret Service klare Vorschriften: Nicht warten, Rennen! Aber irgendetwas tief in ihm hielt ihn zurück. Da hörte er hinter sich eine der Seitentüren knarren. Er zog die Walther. Aus der Tür kam Catherine. Bond steckte die Walther wieder ein. „Da bist du ja endlich, wo warst du so lange!“ Sie war sichtlich außer Atem „Von wegen Lagerraum! Wer ist auch schon so blöd und transportiert eine geheime Bombe im Lagerraum! Ich habe das ganze Unterdeck durchsucht, bis ich die Bombe schließlich in der Kombüse gefunden habe. Aber nicht nur die. Überall an Bord sind jetzt chinesische Soldaten. Sie liefern sich Schießereien mit Neudorffs Leuten. Der Rückweg war richtig anstrengend. Was macht Neudorff!“ „Tot, und das werden wir auch sein, wenn wir hier nicht schleunigst verschwinden“ Beide drehten sich um, um durch die Tür wieder ins Boot zu steigen. „Ihr irrt euch. Ihr werdet einfach so tot sein, den Teil mit dem verschwinden könnt ihr getrost weglassen.“ Bond und Catherine drehten sich erstaunt um Legrois! Philippe Legrois lachte „Ja, ganz Recht!“ Er stand mitten im Gang und hielt eine Maschinenpistole in der Hand. „Ihr seid zwei Narren! Werft die Waffen zur Tür hinaus.“ Die beiden hatten keine Wahl. Die Walther und die Browning fielen in die Wellen des Gelben Meeres. „Nun zu euch! Catherine, hast du dich nicht mal gefragt, warum es so einfach war, meine Chefsekretärin zu werden. Jean-Patrique und ich dachten, es wäre das beste einen „Insider“ zu haben, der der Securité unwissentlich falsche Informationen zuspielt. Leider hast du irgendwie von dem Meeting erfahren. Das war nicht geplant.“ „Wo waren Sie bei diesem Meeting, wenn Sie die ganze Zeit Neudorffs Partner waren.“ „Langsam Monsieur Burlington, oder sollte ich Bond sagen. Eins nach dem anderen. Wir konnten nicht ahnen, dass Catherine von dem Meeting erfährt und noch weniger, dass sie Sie einweihen würde. Wir dachten Sie würden friedlich in ihrem Bett im Hôtel Molière schlafen. Sie haben doch bestimmt das Feuer gesehen. So ein Hotel fängt natürlich nicht von allein an zu brennen. Ein Jammer, dass ich das Benzin umsonst geschleppt habe. Sie waren ja außer Haus. So hat es wieder nur Zivilisten erwischt. Bedauerlich, wirklich!“ Bond konnte es immer noch nicht glauben „Sehen Sie es ein, Legrois. Ihr und Neudorffs Plan sind fehlgeschlagen. Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Die halbe chinesische Marine ist an Bord und General Wu wahrscheinlich auf dem Weg in ein Staatsgefängnis oder zu seiner Exekution.“ Legrois lachte verächtlich „Mag sein. Ich bin Realist genug, um das zu sehen. Zu ihrer Information, dass Schiff fliegt in genau 1:23 Minuten…“ Legrois schaute auf seine Uhr “Verzeihung in 1:20 in die Luft. Der Deal ist geplatzt. Die Chinesen werden mit der Bombe untergehen. Ich werde mit der Bombe untergehen, aber sie beide, Sie werden mit mir untergehen!!!“ „Lassen Sie Catherine gehen“ Bond versuchte zu verhandeln, da es absolut keine Chance gab zu entkommen. „Netter Versuch, Monsieur, sehr edel von ihnen! Aber keine Chance! Bedauere!“ Legrois fuchtelte mit der Pistole in der Luft herum. „Noch ein paar Sekunden. Dann versinkt hier alles im Meer.“ Diese Leichtsinnigkeit konnte er sich erlauben, da ja beide unbewaffnet waren. Aber Bond fühlte plötzlich etwas in seiner Tasche. Der Thermoschneider! Er musste es riskieren. Noch während Legrois mit der Pistole artikulierte warf Bond den Thermoschneider auf ihn. Die heiße Spitze bohrte sich in Legrois Brustkorb. Das gab Bond und Catherine die Sekunden, die sie brauchten. „Jetzt! Spring!“ Beiden sprangen aus der Tür. Bond kappte das Seil des Schlauchbootes. Da erschien Legrois in der Türöffnung. Sein schmerzverzerrtes Gesicht war voller Hass. Er hatte immer noch die MG bei sich. Er legte an. Da explodierte irgendwo im Schiff der Sprengsatz und ein Feuerstrahl schoss aus der Türöffnung. „Schnell ins Boot!“ Bond und Catherine schafften es gerade noch davonzufahren, bevor das mächtige Schiff langsam zu sinken begann. Die Chinesen bemerkten nichts von dem kleinen Schlauchboot, sie waren viel zu sehr mit der plötzlichen Explosion beschäftigt.

Ein paar Stunden später trieb das kleine Boot ruhig auf den Wellen des chinesischen Meeres. Catherine hatte wie Bond ihren Taucheranzug abgelegt und lag nun in einer Ecke des Schlauchbootes. „Meinst du Sie werden die Bombe bergen“ „Das glaube ich kaum, die dürfte nach dem ganzen Salzwasser vollkommen unbrauchbar sein, zumal du sie entschärft hast.“ Catherine nickte. Bond spürte, dass die Bergung wohl nicht das Thema war, auf das sie hinauswollte. „James, weißt Du noch in Metz. Als ich im Büro von Legrois sagte, dass das Wesentliche langweilig sei…“ Bond sah ihr in die saphirblauen Augen „Ich habe mich getäuscht. Das Wesentliche kann sehr aufregend sein!“ Bond kam langsam auf Catherine zu „Bleibt nur noch eins zu klären: Was ist das Wesentliche!“ Sie saßen ganz nah beieinander. Bond konnte nun ihren Atem an seinen Wangen spüren. Catherine flüsterte leise „Das ist von Moment zu Moment verschieden“ Bonds Hand fuhr langsam ihren linken Oberschenkel hoch „…und in diesem Moment?“ fragte er. Catherine küsste ihn.






Ende
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