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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Beiträge: 4 291

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

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Samstag, 25. Mai 2013, 22:57

The Black Trap

Bond Staff:


MI6

James Bond ---- Pierce Brosnan

Miss Moneypenny ---- Samantha Bond

Urs Messler ---- Rowan Atkinson

M ---- Judi Dench


Q
---- John Cleese


Smithers
---- Mark Gantt


Britische Botschaft in Nigeria


Sir Arthur Harris ---- Richard
Griffiths



Agnes Harris, seine Frau ----
Dianne Wiest



Gilbert,
Sekretär ---- Ralph Fiennes






Aide contre Aids:


Sally,
Sekretärin ---- Whoopi Goldberg


Reverend
Archibald Stone ---- Timothy Dalton


Dr. Morton ---- Peer Jäger


Krankenpfleger ---- Edward Norton


Nelson Mbeki, nigerianischer
Gesundheitsminister ---- Morgan Freeman



Dr. Francine Belleville ---- Demi
Moore



Tudor ---- Laurence Fishburne


Julie Zorbo, Sicherheitschefin
---- Nathalie Portman





Andere:

Claire Livingston ---- Thandie Newton


Richard
Colombier (Coloschek) ---- Joseph Fiennes


Clarissa
Field, C.O.U.N.T. ---- Angelina JolieDie Autoren





(V) = Count Villain


(K) = Kronsteen


(O) = Kristatos (Onkel Ari)


(Z) = ZIEGELEI


(C) = Commander Otze


(A) = AVTAK


(T) = Tim





Die Story





(V) James Bond ging schweigsam und in Gedanken versunken durch
einen Gang im MI6-Hauptquartier. Er war auf dem Weg zu M. Ein neuer Fall, wie
es hieß.



Bond ging langsam. Der letzte Fall lag nun auch schon zwei Monate zurück. Von
C.O.U.N.T. hörte man nichts mehr. Glücklicherweise? Irgendwer hatte definitiv
überlebt und bestimmt war dies Odin selbst. Odin! Bond erschauderte, als er an
ihn dachte. Ein Name schlimmer als Blofeld, fast schlimmer als Blofeld. Bond
seufzte. Tracy. Er war in Odins Hauptquartier vorgedrungen, er hatte sich
vorführen lassen, er war zu jeder Sekunde in Odins Hand gewesen und er hatte
ihn nicht zu Gesicht gekriegt! Es war nicht so wie damals in Japan, Auge in
Auge mit Blofeld. Es war auch nicht so wie in Scaramangas Höhle, Schnickschnack
konnte ausgetrickst werden, Odin nicht. Ein grausiges Phantom!

Bond zwang sich an etwas anderes zu denken. Dr. Love. Ohne sie wäre er
gescheitert. Nun war sie schon wieder weit weg. Sie übernahm Dr. Astons
Laboratorium in Kanada und wird wohl bald einen Nobelpreis bekommen. Manche
Liebe kann man nicht für ewig halten, hatte sie gesagt.



Bond hatte die Tür von Moneypennys Büro erreicht und trat ein. Zu seiner
Überraschung erblickte er außer Moneypenny auch noch Messler in dem Büro.






(K) "Hallo Moneypenny, hallo Messler! Messler,
wir haben uns ja eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Was machen Sie hier?
Nicht mehr in Stockholm eingesetzt?"



"Nein, da in Schweden vom Walhallaberg nur noch ein riesiger Haufen von
Steinen übrig ist, sind die verbrecherischen Aktivitäten unserer
"Freunde" dort nicht mehr aktiv. Die müssen jetzt irgendwo im Ausland
sein, um etwas Neues aufzubauen. Ich bin jetzt hier in London eingesetzt und mache
zur Zeit – na ja - Schreibtischarbeit. Ich habe einige Dokumente vom
Inlandsgeheimdienst rübergebracht. Eine recht heiße Sache."



Moneypenny, vom Warten auf Messlers Schlusssatz etwas genervt, bringt sich ein.
"Hallo James, wie ich sehe, haben Sie ihren Trip nach Schweden gut
überstanden. Und Ihre 4 Wochen Urlaub genossen. Es ist besser, Sie gehen gleich
rein. Es scheint dringend zu sein."



Bond verabschiedet sich von Moneypenny und Messler. Messler verlässt das
Vorzimmer in Richtung Ausgang.



Bond betritt das Büro von M.



"Hallo 007! Nehmen Sie Platz! Wollen Sie einen Drink?"



"Ja, sehr gerne! Was war denn so dringend, dass man mich aus meinem Urlaub
zurückgeholt hat?"



M reicht Bond einen Bourbon. "Was sagt Ihnen das Programm
'Chamäleon'?"



"Das Programm beinhaltet, dass übergelaufenen ausländischen Agenten eine
neue Heimat gegeben wird. Das heißt, dass sie eine neue Adresse und eine
komplett neue Identität bekommen. Also auch einen neuen Namen."



"Richtig. Die dafür zuständige Abteilung im Geheimdienst ist der MI5, der
die Sache von uns übernimmt, sobald der Wechsel zu uns abgeschlossen ist, wofür
ja wir, der MI6, zuständig sind."



"Und was ist daran so dringend", fragte Bond, während er einen
Schluck seines Bourbons nahm.



"Wir haben aus dem MI5-Büro eine E-Mail abgefangen, wonach jemand, der
Zugang zum Hauptrechner hat, von dort aus per E-Mail mit jemandem aus dem
Ausland kommuniziert hat. Wir wissen leider nicht, wer mit wem, da auf der
einen Seite der MI5-Rechner von mehreren Leuten, die den Zugang dazu haben,
benutzt werden kann, und auf der anderen Seite die E-Mail-Adresse aus dem
Ausland chiffriert ist, was natürlich für eine sehr hohe Qualität des
Interessenten spricht. Denn: Wer hat schon die Möglichkeit, eine E-Mail-Adresse
so zu chiffrieren, dass wir sie nicht dechiffrieren können?! Wir befürchten,
dass eine ausländische Regierung dahintersteckt. Daher fällt es in den
Dienstbereich des MI6, also in unseren. Und deshalb sind Sie hier!"



Bond stellte sein Glas ab, stand auf und ging zum Fenster, das ihn auf die
Themse blicken ließ. "Was war der Inhalt der E-Mail?"



"Der MI5-Mann will heute Nacht um 3 Uhr in das Geheimdienst-Archiv
einbrechen, das sich direkt unter dem Buckingham Palast befindet. Von dort will
er die Daten aller am Programm 'Chamäleon' beteiligten Agenten aus den letzten
25 Jahren stehlen. Alle Codes und Geheimnummern dafür habe er sich schon
besorgt, die Überwachungskameras könne er problemlos außer Gefecht setzen,
schrieb er. Somit könnte der Käufer der Daten, die wohl auf Diskette abgespeichert
werden, alle zu uns übergelaufenen Agenten ausfindig machen und gegebenenfalls
töten."



"Oder er könnte sie nach Informationen über uns, unseren Plänen und
Strukturen oder sonst was ausquetschen. Hm..., das muss natürlich verhindert
werden. Der MI5-Mitarbeiter müsste nicht einmal die Straße benutzen, um ins
Archiv zu gelangen. Die unterirdische Kanalisation ist meines Wissens nach so
gebaut, dass ein Weg von dort aus direkt ins Archiv führt. Was bekommt der
MI5-Mitarbeiter von dem Interessenten?"



"10 Millionen Pfund! Da muss was Großes geplant sein. Er wird die Daten
aber nicht unbeobachtet stehlen können..."



"Und warum nicht?"



"Weil Sie da sein werden, Bond! Sie werden den Vorgang beobachten und den
Mann oder die Frau dann beschatten. Der MI5-Mitarbeiter interessiert uns
momentan nur am Rande. Uns interessieren viel mehr die Hintermänner. Der
MI5-Mitarbeiter wird dann bestraft und wegen Landesverrats angeklagt werden,
sobald wir wissen, wer hinter dem Komplott steckt."



"Das heißt, dass ich erst mal nur beobachte und erst eingreife und aktiv
werde, sobald wir die Mittelsmänner und den Auftraggeber haben."



"Ganz genau!"



***





(V) Ein
Missionskrankenhaus in Nigeria.


Ein kleines spärlich ausgestattetes Büro, in dem hinter dem
einfachen Schreibtisch eine schwarze Sekretärin sitzt. Vor dem Schreibtisch
steht ein älterer Mann, der trotz der Hitze schwarz trägt. Die Sekretärin
wendet sich ihm zu. „Ich muss es einfach einmal aussprechen, Reverend Stone.
Und sie sind wohl der einzigste, dem ich hier ganz vertrauen kann.“





„Natürlich.“ Die Stimme des Reverends klingt sanft.
„Sprechen sie nur.“





„Ich... Ich glaube hier geht etwas Unheimliches vor. Etwas
Kriminelles. Ich spüre es einfach. Dieser neue Arzt... Er hat etwas
furchteinflößendes an sich. Ich muss dieser Sache einfach auf den Grund gehen.“





„Sie sollten lieber nichts unternehmen, Sally. Es ist
bestimmt alles in Ordnung.“





***





Währenddessen reden einen Raum weiter, im Zimmer des Arztes,
der Arzt und ein kräftiger Krankenpfleger miteinander. „Warum müssen wir
eigentlich unbedingt von hier aus agieren, Dr. Morton?“





„Weil es der ausdrückliche Wunsch des Chefs ist. Außerdem
ist es doch eine perfekte Tarnung.“





„Da haben sie recht. Ach ja“, der Pfleger macht eine Pause
und holt ein Kuvert aus seiner Tasche, „hier sind die neuen Dokumente.“ Er
reicht sie dem Doktor.





„Schön. Sie werden an den Meistbietenden versteigert. Was
macht London?“





„Unser Mittelsmann hat eine Nachricht von seinem Mann in
London erhalten. Die Lieferung wird wohl bald erfolgen.“





„Das ist gut. Viele dürften an diesen Informationen
interessiert sein. Aber schauen wir erst einmal wie viel uns dieses hier
bringt.“ Dr. Morton hielt das Kuvert in die Höhe. „Das wäre es dann fürs Erste.
Sie können gehen.“





Der Krankenpfleger verließ den Raum. Dr. Morton schob das
Knüpfwerk eines Eingeborenen zur Seite, öffnete den dahinterliegenden Safe und
legte das Kuvert hinein. Dann setzte er sich an seinen Schreibtisch, seufzte
und betätigte die Sprechanlage. „Sally? Wie sieht es mit den Neuzugängen aus?“
„Ich bringe ihnen die Akten sofort herein.“ „Gut.“ Er stellte die Sprechanlage
wieder aus, goss sich Wasser in ein Glas, nahm einen Schluck und schaute aus
dem Fenster.





(O) Dr. Morton
sinnierte über das Gespräch als das Telefon zu klingeln begann.

Nach dem dritten Klingeln hob er den Hörer ab und sagte "St. Josephs
Missionsstation, Dr. Morton." Eine Stimme am anderen Ende sprach ganz kurz
und er antwortete: "Sind sie noch bei Trost mich hier anzurufen?" Die
Stimme wurde energischer und Dr. Morton bekam einen roten Kopf. "Wollen
Sie mir etwa drohen?" Die Stimme am anderen Ende behielt ihre Lautstärke
bei "Gut, dann treffen wir uns heute Abend um 18 Uhr in Lagos." Der
Anrufer war immer noch ungehalten und Dr. Morton sagte "Jetzt bleiben Sie
ruhig. Wir treffen uns am üblichen Platz". Er legte den Hörer wieder auf
und stand auf.



***





(K) Bond kam gerade aus der Dusche. Er hatte sich am Nachmittag
etwas hingelegt und konnte zwei Stunden schlafen. Zu mehr kam er angesichts der
Anspannung, die seine nächtliche Aufgabe mit sich brachte, nicht. Er schaute
auf die Uhr. Es war bereits 21 Uhr. Bond zog sich leger an und machte sich mit
seinem Aston Martin DB5 auf den Weg.





Die Straßen im Londoner Stadtteil Chelsea waren an jenem Abend noch gut belebt,
als er losfuhr. Das vom Wetteramt für diesen Abend angekündigte Gewitter schien
die Leute aber doch zu beeindrucken, da die Fußwege um den Big Ben herum schon
fast menschenleer waren, als Bond ihn nach einer halben Fahrtstunde erreichte.
Er stellte seinen Wagen in einer Seitenstraße ab und spürte, wie die ersten
Tropfen zu Boden fielen, als er sich auf den Weg zu einer verriegelten Tür im
uralten Gemäuer der berühmten Kirche machte.

Er sah sich kurz um und holte dann den Schlüssel aus der Tasche, den ihm M
heute Mittag noch mitgegeben hatte. Bond öffnete die Türe und verschloss sie
wieder hinter sich. Er musste jetzt noch einen Fußmarsch durch die Kanalisation
Londons von einigen hundert Metern zurücklegen, bevor er unter dem Buckingham
Palast ankommen würde.

Bond watete 20 Meter auf einem schmalen dunklen Gang, dem nur sein spärlich
leuchtendes Feuerzeug etwas Helligkeit verschaffte.

Nun kam Bond zu einer kleinen gitternen Seitentür des Ganges. "Das muss
die Tür sein, von der M berichtete", dachte sich Bond und griff zu dem 4. Mauerstein
von unten, der rechts neben der Türe war. Er drückte kurz auf diesen Stein,
wodurch dieser sich zur Seite hin öffnete und einen kleinen Scanner offenbarte.
Bond legte seinen Daumen drauf und die Türe öffnete sich. M hatte ihn für das
Tor heute Nachmittag frei schalten lassen.

Bond verschloss die Türe wieder hinter sich und begab sich jetzt auf den Weg
direkt unter den Palast. Sein jetziger Gang war hell beleuchtet und nichts
deutete mehr auf den stinkigen Geruch der Kanalisation hin. Alles war schön
gepflastert und in regelmäßigem Abstand aufgebaute Lampen gaben Bond das
Gefühl, sich schon auf königlichem Gebiet zu befinden. Wie er es vorher erklärt
bekam, stieß er nach weiteren 200 Metern auf eine weitere Türe, die durch einen
Fingerabdruck-Scanner verschlossen war. Als Bond auch dieses Ziel überwunden
hatte, befand er sich in dem Raum, in dem in nunmehr nur noch 2 Stunden der
Dieb aus dem MI5-Büro eintreffen sollte.

Bond nahm sich einen Stuhl und setzte sich hinter einen der vielen Pulte, die
sich in dem großen Archivraum befanden. Er hatte sich ein Buch über
westindische Vögel mitgenommen, das er lesen wollte, bis der Dieb eintreffen
würde.

Bond war tief in die Seiten vertieft als er plötzlich ein Geräusch hörte, das
von jenseits der Türe kam. Bond legte sein Buch weg und bezog hinter einem
Schrank Stellung, der weit genug vom PC wegstand und zudem noch von einigen
alten Jacken umgeben war. Er schaute auf die Uhr. Es war 2:57 Uhr.






(Z) Die Klinke wurde heruntergedrückt, während Bond noch immer
in seinem Versteck kauerte, wie ein Tier, eingepfercht in einen Käfig.



Die Gestalt fuhr den Computer hoch, und klickte sich in die
Sicherheitsbereiche, welche sie mit den erhaltenen Passwörter und
Zahlenkombinationen passieren konnte.



Bond musste sich zurückhalten, nicht einzugreifen, es kam ihm wie eine Ewigkeit
vor, doch nach knapp zehn Minuten griff die Gestalt in die Innentasche ihrer
Kordjacke und zog eine Diskette hervor, die auch prompt in das
Diskettenlaufwerk geschoben wurde. Bond vernahm das Klicken. Die Diskette wurde
nach wenigen Minuten eifrig herausgezogen, die Gestalt schlich zur Tür, der
eigentliche Diebstahl war abgeschlossen.



Bond stülpte einige Jacken zur Seite und kroch aus seinem Versteck, um die
Verfolgung aufzunehmen. Er hastete zur Tür und blieb in dieser stehen, von wo
aus er links und rechts in den Korridor blickte, aber niemanden ausmachen
konnte. „Wenn er nicht auffallen will, wird er den Weg wählen, den alle Agenten
zurücklegen müssen, wenn sie ins Archiv wollen“, dachte Bond.



Auf dem Rückweg zur alten Holztür, durch die er in den Sicherheitskomplex
eingedrungen war, passierte er den Fingerabdruckscanner und weitere
Sicherheitsmaßnahmen, immer auf der Hut, der Gestalt nicht zu dicht auf den
Fersen zu sein.



Die Kanalisation war erreicht. Jetzt waren es nur noch gute hundert Meter bis
zum ersten Etappenziel.



Nach Minuten der Vorsicht und der Zurückhaltung erreichte Bond die alte, mit
Bronze verzierte Tür. Er drückte die alte verrostete Klinke hinunter und befand
sich im Freien.

Es schüttete wie aus Eimern. Er stapfte die Treppe hinauf, bis er eine kleine
Seitenstrasse erreichte, in der sein Aston Martin stand. Er schloss auf, um im
Trockenen nach der Gestalt zu suchen. „ Der Dieb benutzte sicherlich nicht den
gleichen Ausgang wie ich. Er muss in der Kanalisation eine Leiter zur
Oberfläche in Anspruch genommen haben“, so Bond.



Er drehte den Zündschlüssel um und fuhr zur Hauptstrasse, in Erwartung, den
Dieb zu stellen. Kaum angekommen,
öffnete sich auf dem Gehsteig der Gullideckel. Er wurde mit einem lauten
Kratzen zur Seite geschoben, und Bond wunderte es gar nicht, als ein
Lederhandschuh die Gullikante ergriff.
Die Gestalt zog sich behände nach oben und schlenderte gemächlich zur
nahegelegenen Busstation. Dort angekommen, stieg sie in die Linie 73, welche
direkt den Hauptbahnhof ansteuern sollte.






Es schüttete unaufhaltsam und man konnte den Eindruck
gewinnen, die Tropfen würden auf der Windschutzscheibe des Wagens einen
heiteren Tanz aufführen. Die Scheibenwischer des DB5 waren heillos überfordert,
den Regen im Zaum zu halten. Doch Bond folgte dem Bus.

Nach guten vier Minuten sah Bond den Bahnhof vor sich. Dort auf dem
Bahnhofsvorplatz, wo sonst Verkäufer ihre Maiskolben und Maronen anpriesen und
das öffentliche Leben tobte, herrschte jetzt gähnende Leere. Bond setzte den
Blinker und parkte an einer Nebenstrasse. Er öffnete den Kofferraum und zog
eine silbernen Regenschirm mit der Aufschrift „Universal Exports“ hervor.
Nachdem er seine Aston Martin DB 5 abgeschlossen hatte, klappte er den
Regenschirm auf und schlenderte zum Bahnhof, der einladend hell erschien.

Bond öffnete die Türen und schaute sich in der riesigen, von einer
triumphierend wirkenden Kuppel überdachten, Wartehalle um. Er setzte sich auf
eine Bank und studierte die nahe gelegenen Zeitungsstände: „Immer noch kein
Zeichen von C.O.U.N.T“, titelte zum Beispiel die Londoner Post und die Newsweek
stellte sogar die These auf, dass der „Morgen“ von einem ausländischen Investor
wieder aufgekauft werden würde. Doch Bond interessierte sich nur für die
Diskette, sodass er erleichtert aufatmete, als die Gestalt, völlig durchnässt,
die Wartehalle betrat. Bond musterte sie: die langen Beine, die schmale Taille
und das lange schwarze Haar, welches tropfend aus der Kapuze gezogen wurde,
ließen darauf schließen, dass Bond es hier mit einer Meisterdiebin zu tun
hatte.



Die Frau bog nach rechts zu einem kleinen Lokal ab, wo sie sich zur Erwärmung
einen Kaffee bestellte. Bond folgte ihr auch ebenfalls, mit dem Schirm unter
dem Arm, als die Frau in das Bahnhofshotel schritt, einem kleinen, aber feinem
Hilton.



Mit einem Blick auf die Uhr, es war jetzt 4:25, entschloss sich Bond, für eine
Nacht zu buchen. „Sagen sie, welches Zimmer hat diese Frau dort eben gebucht“.
Bond setzte der Empfangsdame gegenüber einen entschlossenen, maskulinen Blick
auf.



„Tut mir Leid, Mister...“



„Bond. James Bond“, ergänzte er eifrig und abgeklärt.



„Es liegt nicht in meinem Aufgabenbereich, Vertrauliches über die Kunden
auszuplaudern“.



Bond griff in seine Hosentasche und zog 150 ₤ hervor, welche er schnippig über
den Tresen gleiten ließ. „Nun...?“



Die Empfangsdame ergriff das Geld, ihr war es anzusehen, dass ihr die ganze
Sache ziemlich peinlich war. „Zimmer 214, doch sie sagte, dass sie keinesfalls
länger als 9:00 hier bleiben würde.“



„Gut, dann bitte Zimmer 221. Das liegt doch noch auf dem gleichen Flur, oder?“



„Sehr wohl. 2 Etage, den Gang durch und dann vorletzte Tür links. Wie wollen
sie denn zahlen?“



„Schicken sie die Rechnung an Universal Exports. Ach übrigens, sie haben ein
sehr süßes Gesicht.“ Bond nahm den Zimmerschlüssel entgegen und schlenderte
gedankenversunken auf Zimmer 221 zu.







"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 22:59

***



Dort angekommen inspizierte er sein Appartement und konnte freudig feststellen,
dass es die Möglichkeit bot, seine nassen Sachen in einem separaten Raum zu
lagern. Nachdem Bond sich seinen Nachtpyjama übergestreift hatte, kroch er sich
erschöpft unter die Bettdecke. Es war 4:45 Uhr.

Keine zwei Stunden später, es war gerade kurz vor 7 Uhr morgens, ließen die
quietschenden Bremsen einer alten Dampflok, welche im Hauptbahnhof ausgestellt
werden sollte, Bond aus dem Bett schrecken. Sein Weckruf hätte sich ohnehin
eine halbe Stunde später bemerkbar gemacht. Bond ging zum Balkon, schob die
beigefarbenen Vorhänge zur Seite und öffnete die Doppeltür, die über den Balkon
hinaus Blick auf den Bahnhofsvorplatz gewährte, auf dem jetzt schon reges
Treiben herrschte.



Nachdem Bond geduscht hatte, zog er seine Hose an und schnürte den Gürtel,
anschließend knüpfte er sich sein Hemd. „Heute ein mal ein blaues. Für einen
besonderen Anlass“, dachte er sich. Auf sein Sakko verzichtete er. Bond
schauderte es, wenn er daran dachte, sein Sakko könne durch einige
Marmeladenflecken verunstaltet werden. Er schloss die Zimmertür hinter sich, schloss
ab und ging den Gang gen Aufzug.



Nach guten 15 Metern blieb er stehen: Zimmer 214 war erreicht. Er horchte,
konnte aber nichts weiter vernehmen, als das Plätschern einer Dusche. Er stieg
in den Aufzug und drückte den Knopf „L“ für „Lobby“.



Am Tresen stand die gleiche Dame wie in der Nacht zuvor. Mit einem schelmischen
Grinsen schritt Bond auf sie zu. “Guten Morgen. Wie ich sehe, hat ihr hübsches
Gesicht die Nacht gut überstanden.“



„Sie Charmeur. Aber jetzt sagen sie ja nicht, sie wollen weitere Informationen
?!“



„Im Grunde genommen nur zwei: wo kann ich hier etwas zu essen finden?“



„An der Leseecke den Gang entlang und anschließend direkt links. Dort befindet
sich ein kleines Cafe. Das Restaurant öffnet leider erst um 12.00 Uhr.“



„Das hört sich doch schon mal gut an.“



„Und ihr zweiter Wunsch ?“ Die Empfangsdame schaute Bond mit einem
verführerischen Hundeblick an, in der Hoffnung, er würde sie zum Essen oder
Ähnlichem einladen.



„Die Frau die gestern hier eingecheckt hat, wie ist ihr Name?“



„Wenn ich nicht wüsste, dass sie nichts Kriminelles vorhaben, würde ich es
nicht sagen.“ Sie blätterte im Check-In-Verzeichnis und präsentierte Bond
prompt die Antwort.



„Ihr Name ist Claire. Claire Livingston.“



„Vielen Dank. Jetzt werde ich aber erst mal etwas essen.“ Bond verfolgte den
Weg, der ihm von der Empfangsdame geschildert wurde und erreichte auch prompt
das Café „London Morning“.



Nach einer guten Dreiviertelstunde kippte Bond den letzten Rest seines
Orangensaftes hinunter und wollte gerade sein Tablett, auf dem sich noch die
Krümel seiner drei Croissants und zwei Toasts befanden, als Claire Livingston
das Cafe betrat. Bond merkte ihr an, dass sie nicht die Absicht hatte, zu
frühstücken. Er verfolgte sie unauffällig, als sie noch einmal hoch auf ihr
Zimmer ging, um die letzte Utensilien, wahrscheinlich Make-Up, Handtasche,
vielleicht auch die Diskette, einzustecken.





Bond nutzte die Gelegenheit und schlenderte zu seinem Zimmer, wo er sich sein
Sakko überstreifte, seine Walther reinigte und die Vorhänge schloss. Angst,
Livingston aus den Augen zu verlieren, hatte er nicht. „Bei denen dauert das
alles immer etwas länger“, bewitzelte Bond das Verhalten der Frauen.

Er ging zurück zur Rezeption, wo er der Empfangsdame versprach noch mindestens
einmal wiederzukommen und wartete anschließend in der Leseecke, wo die
Morgenausgabe des „Mirror“ lag, auf Livingston. Bond zündete sich eine Morlands
an und wartete



Nach drei Minuten kam sie. Sie trug eine braune Hose und eine hellblaue Bluse,
darüber eine beige Kordjacke. „Relativ unauffällig für eine Frau, die von einem
Mann bezahlt wird, dem die Diskette 10 Millionen ₤ wert ist.“ Doch von der
Diskette war keine Spur. Erst als Livingston heimlich einen Kontrollgriff unter
ihre Bluse durchführte, war Bond sich sicher:„Die Diskette klebt unter ihrer
Bluse. Hm, ein lauschiges Plätzchen.“

Bond verfolgte sie, als Livingston das Hilton verließ und über die Wartehalle,
an deren Kuppel über Nacht Reinigungsarbeiten begonnen worden waren, auf Gleis
12 zusteuerte. 10, 11 und 12 waren für Auslandsreisen bestimmt. Bond stapfte,
in gebührendem Abstand, der allerdings nicht die Gefahr bot, Livingston aus den
Augen zu verlieren, ihr hinterher und nahm schließlich, 40 Meter von ihr
entfernt auf einer Bank Platz.

Bond bewunderte gerade die Architektur des riesigen Glasdaches, auf dem noch
einige tapfere Tropfen der vergangenen Nacht perlten, welche im Sonnenlicht
glitzerten, als sich vom zu Bonds Rücken befindlichen Gleis 11 vertraute
Schritte näherten. „Diese Architektur ist wirklich großartig. In Lyon soll
dieses Glasdach nachgebaut werden“, so die Stimme.



„Ja, aber im Moment ist die Stadt doch ziemlich pleite, die Pläne wurden erst
mal auf Eis gelegt.“ Bond ließ sich immer auf ein solches Spielchen ein, wenn
er vertraute Agenten zappeln lassen wollte. „Hallo Messler, was tun sie denn
hier ?“



„Ach, mein Schreibtisch wartet erst heute Nachmittag auf mich, da hab ich mal
gedacht, ich stell Nachforschungen über ihren Aufenthaltsort an.“



„Und wer hat ihnen dabei geholfen ?“. Bon war wirklich neugierig.



„Miss Money... äh”, Messler gab sich wirklich redlich Mühe. Doch die letzten
Silben des Namens wollten ihm einfach nicht einfallen.



„Moneypenny. Sie macht wahrscheinlich auch wieder Sorgen. Gibt es was neues aus
Kanada?“



„Ich bleib jetzt erst mal für 4 Jahre hier in Good-Old-England. Im ersten Jahr
wartet Schreibtischarbeit auf mich. Aber dann ruft die große weite Welt.“



„Also dann werden wir uns wohl mal öfters sehen ?“. Bond erwartete ein
vorfreudiges Ja.



„Ja, dass kann man so sagen.“



„Dann sagen Sie doch James zu mir, äh, Kollege.“



„Urs Messler, gebürtiger Schweizer.“ Er reichte Bond die Hand, welche dankend
angenommen wurde.



„Was tun sie, ich meine du, hier, James ?“



„Die Frau dort drüben. Sie heißt Claire Livingston.“ Bond wollte gerade
weitererzählen, als ihm die Geheimhaltungspflicht einfiel. „Sag mal Urs, wie
genau sieht dein Aufgabenbereich aus ?“



„Nun, man könnte sagen, ich bin ein sogenannter 00-Bürokrat. Ich bearbeite
einige Informationen, die lebensnotwendig für die 00-Abteilung sind:
Bestellungen für die Q-Branch, Auswertungen von Geheimoperationen und so
weiter.“



„Chamäleon, Akte FYEO 2356. Sagt ihnen das was?“



„Ja, davon hab ich gehört. Heute Nachmittag soll ich beginnen, Informationen
über das Projekt zu sammeln. Dabei kooperiere ich mit den Belgiern.“



„Warum denn das?“ Bond witterte die erste neue Information am heutigen Tage.



„Das erzähle ich ihnen später, James.“






Bond wusste, dass sich auf jeden
Fall noch Gelegenheit bieten würde, auf das Thema genauer einzugehen und so
beließ er es bei einem kurzem „Natürlich, Urs.“ Bond wollte gerade noch ein
wenig mit Messler über das Leben eines Geheimagenten und die Unterschiede
zwischen MI6 und fachsimpeln, als ein grauer EuroStar einfuhr.





Der EuroStar. Ein Zug, der Westeuropa mit Mittel- und Südeuropa verbinden soll.

Spitzengeschwindigkeit 325 km/h. Im Eurotunnel aber leider nur 192 km/h. Die
Bremsen mussten gerade erst frisch geölt worden sein. Anders war die weiche
Bremsung, die an das Ausklingen eines Streicherorchesters erinnerte, nicht zu
erklären. Livingston erhob sich, fasste sich noch einmal kurz an die Bluse und
schritt auf den EuroStar zu.






(C) Der Zug wirkte prächtig, ja majestätisch. Die Außenhaut
schimmerte in der morgendlichen Sonne und spiegelte die Eleganz des Innenraums
wieder. Sichtbar entspannte Fahrgäste traten auf den Bahnsteig, nachdem sich
die Türen geöffnet hatten, doch Claire Livingston schenkte der Pracht keine
Aufmerksamkeit. Noch während Leute aus den Türen drängelten, schob sie sich
zwischen ihnen hindurch und musste mehrmals ihre Ellenbogen benutzen, um sich
Platz zu schaffen.

Bond beobachtete die Situation aus den Augenwinkeln und schätzte, dass sie
etwas angespannt war. Messler unterbrach jedoch seinen Gedankengang.



„Ich werde mich mal wieder auf den Weg machen“, sagte Messler. Sie
verabschiedeten sich und Bond machte sich mit einem schlendernden Gang auf zum
wartenden Zug. Als er diesen betrat, erinnerte er sich daran, wie gerne er
eigentlich dieses Fortbewegungsmittel benutzte, es aber in den letzten Jahren
nicht mehr getan hatte.

Bond fand einen gemütlichen Fensterplatz in der Nähe von Claire, von dem aus
sie ihn nicht sehen konnte. Mit einem leisen Zischen begannen sich die Türen zu
schließen und kurz darauf machte sich der Zug auf seinen Weg. Claire sah sich
oft um und reagierte gereizt auf unbekannte Geräusche. Mehrmals trafen sich
ihre Blicke und Bond stellte fest, dass sie mehr als nur nervös war. Hatte sie
ihn schon bemerkt? Er schaute für fünf Minuten nur aus dem Fenster und sah die
Landschaft an sich vorbeifliegen. Dabei dachte er darüber nach, wohin Ihn seine
Reise wohl bringen würde, und wie dieses nicht mal unattraktive Mädchen – sie
mochte Mitte dreißig sein – auf die schiefe Bahn geraten war. Die
Sicherheitsprüfungen bei den Eignungstests waren nach einem Zwischenfall mit
einem 00-Agenten drastisch verschärft worden. Als sich Bond selbst aus den
Gedanken riss und nochmals einen Blick zu Claire riskierte, bemerkte er, dass
sie gerade aufgestanden war und den Waggon verließ.






(O) Claire blickte sich nervös um, als sie den Waggon verließ
und den nächsten betrat. Bond ließ ihr etwas Vorsprung, damit sie keinen
Verdacht schöpfen sollte. Er stand auf und sah ihr nach, wie sie den nächsten
Waggon entlang lief, immer wieder den Leuten ins Gesicht sah und vorsichtig
weiterging. Bond dachte sich, dass sie wohl mit jemandem verabredet war und
nicht genau wusste, wie die Kontaktperson wohl aussah. Bond folgte Claire in
den nächsten Wagen und sah, dass sie sich im Raucherbereich auf einen freien
Platz gesetzt hatte und sich eine Zigarette ansteckte. Er dachte sich, sie ist
wohl sehr nervös. Da sie immer noch in seinem Blickbereich war, setzte sich
Bond wieder auf seinen Platz. Für einen kurzen Augenblick wurde er durch ein
paar Jugendliche abgelenkt, die plötzlich anfingen „We are the Champions“ zu
singen und sich als Pulk an ihm vorbeidrängten. Als er wieder aufschaute, sah
er Claire wieder auf ihn zukommen, mit einem blauen Briefumschlag, den sie
langsam in ihre Handtasche steckte.

Bond ärgerte sich, dass er wohl den Kontakt zwischen Claire und ihrem
Auftraggeber oder Kontaktmann verpasst hatte. Claire setzte sich wieder auf
ihrem Platz und der Rest der Zugfahrt bis Paris verlief ohne weitere
Besonderheiten.



Um 11.32 Uhr vormittags kam der Eurostar aus London im Bahnhof, gare du Nord ,
in paris an. Da der Zug ziemlich stark belegt war, dauerte es sehr lange bis
alle Reisenden sich auf Bahnsteig 2 des Bahnhofes ergossen. Bond ließ Claire am
Ausgang mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht den Vortritt. Sie bedankte sich
mit einem scheuen Blick zurück. Bond dachte sich, dass er wohl bis jetzt nicht
enttarnt wurde, aber er musste aufpassen, da er nicht wusste, mit wem er es
tatsächlich zu tun hatte.



In Paris war es doch einige Grad wärmer als in London und Bond holte sich aus
seiner Jackentasche eine Ray Ban Sonnenbrille und setzte sie auf.

Claire eilte ziemlich schnell in Richtung Ausgang, aber Bond hatte keine Eile,
da er den Bahnhof auch sehr gut aus früheren Aufträgen in Paris gut kannte. Am
Ende des Bahnsteigs wandte sich Claire nach links und ging in den Bereich der
Schließfächer. Bond blieb im gehörigen Abstand hinter ihr.

Bei den Schließfächern angekommen, öffnete Claire ihre Handtasche und brachte
den blauen Briefumschlag zum Vorschein. Bond schlenderte an ihr vorbei in
Richtung einer gegenüberliegenden Telefonzelle. Claire öffnete den
Briefumschlag und heraus fiel ein Schlüssel für ein Schließfach.

Bond nahm den Hörer in die Hand und begann energisch in englischer Sprache mit
einer imaginären Person zu telefonieren. Claire schaute kurz auf und schüttelte
mit dem Kopf über diese ungehobelte Art des Mannes, denn sie von seinem
gepflegten Äußeren her als sehr anziehend empfand. Aber sie hatte jetzt keine
Zeit über diesen Mann nachzudenken. Richard hatte ihr eingeschärft, dass Sie
sich so schnell wie möglich in paris mit ihm in Verbindung setzen sollte.
Claire öffnete nun das Schließfach und nahm einen schwarzen Eastpak-Rucksack
heraus. Bond beobachtete die ganze Szenerie aus seinen Augenwinkeln, während er
weiterhin mit der imaginären Person telefonierte.

Claire sah sich kurz um und steuerte direkt auf die nächstliegende
Damentoilette zu. Bond legte den Hörer wieder auf und überlegte, wie er jetzt
am Besten weitergehen sollte. Er dachte sich, dass er auf jeden Fall M Bescheid
geben sollte, wo er sich befindet. Immer ein Auge in Richtung Damentoilette
gerichtet, rief er seinen alten Freund Rene Mathis an und bat diesen, MI6 über
seinen aktuellen Aufenthaltsort zu informieren.

Bond begann sich in Richtung Damentoilette zu orientieren, als er an einem
Zeitungskiosk vorbeikam. Beherrschendes Thema war die weiterhin andauernde
konjunkturelle Schwäche in Europa, als ihm ein Foto in einer
schwarz-afrikanischen Zeitung auffiel. In dem Artikel wurde berichtet, dass ein
Brite namens Mike Donovan in Lagos auf offener Strasse erschossen wurde. Bond
wurde es ganz heiß und kalt, denn er kannte Mike Donovan aus einer früheren
Zusammenarbeit und er fragte sich, ob der Mord im Zusammenhang mit seinem
Auftrag stehen würde.

Fast hatte er ganz seinen Auftrag vergessen, als er gerade noch sah, wie Claire
wieder aus der Damentoilette herauskam. Sie sah ganz verändert aus, aus der
sportlichen Britin in Jeans war eine junge Französin geworden, die ein
sportliches Top zu einem Minirock trug.

Bond fiel sofort auf, dass Claire den Rucksack nicht bei sich hatte. Aber er
musste sich entscheiden und verließ sich auf seinen Instinkt und folgte Claire,
da er vermutete, dass sie die wertvolle Diskette nicht auf der Toilette
übergeben würde. Bond folgte Claire in gemessenen Schritten, die dem Ausgang
Nord zusteuerte. Bonds Gehirn arbeitete auf Volltouren, aber er konnte sich
keinen Reim auf dieses Verhalten machen. Auf dem Weg zum Ausgang wurde es immer
schwieriger für Bond relativ nah hinter Claire zu bleiben, da die Rolltreppen
von der Metro immer große Menschenmengen auswarfen. Vor dem Bahnhof angekommen,
sah sich Claire kurz nach links und rechts um und ging dann direkt auf den
Taxistand zu. „Mein Gott,“ dachte Bond, „das ist ja schlimmer als in London zur
Rush Hour“. Immer mehr Menschen versperrten ihm den Weg, damit er Claire folgen
konnte. Er sah gerade noch wie sie in ein Taxi einstieg und wegfuhr. Immerhin
konnte sich Bond noch das Nummernschild des Taxi auf seine Manschette notieren.



Bond drehte sich um und ging
zurück in die große Halle des Gare du Nord und überlegte, wie er dieses
Desaster noch abwenden könne. Kurz entschlossen ging er in die Damentoilette,
wo kurz zuvor noch Claire war. Die anwesenden Damen schrieen laut auf, als er
mit einem freundlichen Lächeln an ihnen vorbei in Richtung der Kabinen
vorbeiging. Vom Ende des Ganges kam ihm die Toilettenfrau entgegen und
schimpfte wie ein Rohrspatz auf ihn ein. Aber er hatte nur eines im Sinn: Wo
ist der Rucksack?



In der 4.Kabine hatte er endlich
Glück und fand den Rucksack vor. Darin befand sich die Kleidung, die Claire
anhatte, als sie die Reise nach Paris begonnen hatte. Von der Diskette war
keine Spur. Ganz unten im Rucksack lag ein zerknäulter Plastiksack, mit der
Aufschrift „Meubles de Paris“, mit einer Anschrift in der Nähe von der Kirche
Sacre Coeur. Bond murmelte nur vor sich hin, dass das wohl auch eine Sackgasse
war, aber er nahm den Rucksack an sich und verließ die Damentoilette unter dem
Beifall der anwesenden Damen.



***





(A) Die Kirche von Sacre-Coeur, eines der vielen Wahrzeichen
von Paris, befindet sich mitten im Künstlerviertel Montmartre.

Bond nahm die Metro, fuhr zwei Stationen Richtung Port Dauphine uns stieg an
der Haltestelle Anvers wieder aus. Die Metro war der ganze Stolz von Paris, das
Netz wurde kontinuierlich erweitert, alte Strecken stillgelegt oder renoviert,
neue Haltestellen eröffnet. Zusammen mit den RER-Linien bildet es ein fast
lückenloses Nahverkehrsystem für die Metropole. Allerdings gibt es auch im
besten System einige Punkte, die nicht abgedeckt werden. Einer dieser Punkte
ist Montmartre und Bond war froh, dass die Metro einen kleinen Bogen um diese
Viertel machte, denn so konnte er auf dem Weg von der Metrostation zu dieser
ominösen Adresse in Montmartre noch ein wenig die Frühlingssonne genießen.
Vielleicht würde er sogar ein kleines Café finden oder eines dieser
farbenfrohen Bilder von Sacre-Coeur für sein Apartment in London.



Wer schon einmal in Montmarte war, weiß, dass hier beides zahlreich vorhanden
ist und daher war es nicht verwunderlich, dass Bond für die etwa eineinhalb
Kilometer lange Strecke von der Metrostation zum Hügel von Sacre-Coeur
geschlagene 3 Stunden brauchte.



Zwei Café au lait und ein Croissant später stieg Bond dann doch endlich die
breite, von Touristen überflutete Treppe zur Kirche hinauf. Er versuchte sich
einen Überblick zu verschaffen, was aufgrund der vielen Menschen um ihn herum
nicht einfach war. Glücklicherweise bahnte sich gerade eine Gruppe
kleinwüchsiger Japaner, alle mit mindestens einem Fotoapparat bewaffnet, ihren
Weg die Treppe hinauf, über die Bond problemlos hinwegschauen konnte. Er
betrachtete noch einmal den Zettel, auf den er den Namen und die Anschrift des
Geschäfts notiert hatte "Meubles de Paris" und ließ seinen Blick über
den Platz vor Sacre-Coeur schweifen.



Plötzlich erblickte er es, ganz in der Nähe, genau am Fuße des Hügels, auf dem
er gerade stand. Es war eines dieser typischen kleinen Kunsthandwerksbetriebe
in Montmartre. Vor dem Geschäft hatten Maler ihre Leinwände aufgestellt und
versuchten sich an Bildern von der Kirche. Nicht weiter ungewöhnliches, war
doch um diese Zeit Montmartre voll von Malern. Deshalb war Bond das Geschäft
wohl auch nicht aufgefallen, obwohl er sich auch schon unten gründlich
umgesehen hatte.

Was Bond nicht gemerkt hatte, war, dass einer der Japaner, ganz im Gegensatz zu
allen anderen nicht die Kirche, sondern Bond mehrmals fotografiert hatte.
Gleich danach hatte sich dieser Japaner von der Touristengruppe getrennt und an
seiner Kamera einige Knöpfe gedrückt. Interessiert beobachtete er nun das
Display seines Fotoapparats auf dem jetzt ein Text auftauchte:



"Idetification confirmed: James Bond --- You'll be rewarded soon"

"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:00

Der Asiate lächelte, steckte
seinen Fotoapparat wieder ein und beobachtete Bond, der sich gerade einen Weg
zum Eingang von "Meubles de Paris" bahnte.






(O) 007 stand vor dem Haus am Place du Tertre als ihn einer der
Maler ansprach „Hallo Monsieur. Original Bilder von Sacre Coeur.“ Bond wandte
sich dem Mann zu und sah einen typischen Aussteigertypen und sagte ihm „ Danke
nein. Wissen Sie ob, jemand da ist, von dem Geschäft hier“ der Mann wandte sich
um, zuckte mit den Schultern und sagte „Nein, Monsieur“. Er dreht sich um und
versuchte einen anderen Kunden für eines seiner Bilder zu ködern.

007 ging in Richtung des Tür des Geschäftes und stellte fest, dass die Tür
verschlossen war.

Er ging zu einem der beiden Schaufenster und sah in das Innere des Ladens. Er
sah einen Schreibtisch aus den 20ern des letzten Jahrhunderts. Im hinteren
bereich des Ladens brannte ein Licht.

In diesem Moment fuhr ein Renault Minivan mit der Aufschrift „Meubles de Paris“
an dem Laden vorbei und bog in die direkt danebenliegende Hofeinfahrt ein.

Der Fahrer stieg aus und pfiff dabei das Lied La vie en rose und ging in das
Gebäude.

007 folgte dem Fahrzeug und sah sich in dem Hof um. An die Wand gelehnt lag ein
BMW Motorrad. Er sah auch noch mal in das innere des Fahrzeuges, konnte aber
nicht besonderes entdecken, außer dass der Schlüssel noch steckte und auf dem
Beifahrersitz ein Umschlag lag, mit der Aufschrift einer Hilfsgemeinschaft für
Aidskranke „Aide contre Aids“. „Die sind aber hier sehr vertrauensselig“,
dachte er sich und machte sich daran, noch den Hof zu untersuchen, wo mehrere
große Kisten offen herumstanden. 007 dachte schon, dass er wohl hier auch
nichts finden würde, als er weibliche Schritte im Hof hörte und sich ganz
schnell in der Kisten versteckte. Einen Spalt noch offen, hatte er einen guten
Überblick über den Hof und da, tatsächlich kam Claire Livingston in den Hof. Er
hatte sich doch nicht ganz getäuscht. Aber er wunderte sich schon sehr, da es
hier ganz und gar nicht nach Spionen aussah.





Claire öffnete die hintere Haustür und ging hinein. Der Flur war sehr dunkel,
aber am Ende sah man ein Licht, in dem angrenzenden Büro. Sie ging
zielgerichtet auf das Büro zu und öffnete die Tür. Das kleine Zimmer enthielt
nur einen Schreibtisch und drei Stühle. Auf dem Bürostuhl hinter dem
Schreibtisch saß mit dem Rücken zur Tür ein Mann, der gerade telefonierte.
Claire schloss die Tür hinter sich, ging zu dem Mann und umarmte ihn von
hinten. „Oh my Love. Richard, hier bin ich.” Der Mann drehte sich um, immer
noch telefonierend und schüttelte sie mit einer ärgerlichen Bewegung ab.
„Moment noch, Claire“

Sie erschrak über diesen Tonfall. So hatte er mit ihr noch nie gesprochen,
seitdem sie sich vor 3 Monaten in ihrem Urlaub in Spanien kennen gelernt
hatten. Es war eine wunderbare Zeit gewesen und Claire war sich sicher, den Mr.
Perfect getroffen zu haben. Deshalb hatte sie sich auch bereit erklärt, ihr
eigenes Land zu verraten und ihre Möglichkeiten ausgenutzt.

Der Mann drehte sich wieder weg und sprach extrem leise in das Telefon. „Ok,
Claire ist jetzt auch da. Gut dass Sie mich informiert haben!“

Er drehte sich jetzt nach vorne, legte das Handy auf den Schreibtisch und erhob
sich.

„Hallo, mein Schatz. Endlich bist du da! Ich musste noch was organisieren.
Entschuldige, wichtige Geschäfte“ Sie stotterte und sagte dann „Ist schon gut,
Richard. Wir leben ja auch gefährlich.“ „Ist dir jemand aus London gefolgt,
Claire. Ist Dir was aufgefallen?“ „ Nein, Richard, ich war sehr vorsichtig.“
Sie dachte, zwar noch an den anziehenden Briten vom Bahnhof, aber sie dachte
sich, dass der bestimmt keine Gefahr war und bevor sie Richard eifersüchtig
machte, biss sie sich lieber auf die Zunge.

Richard Colombier stand jetzt direkt vor Claire und durch das Fenster hinter
ihm, konnte Claire seine feinen Züge gut erkennen. Richard war geboren in
Nizza, jetzt 35 Jahre alt, arbeitete mit alten Möbeln und machte nebenher noch
so ein paar Deals, wie er das nannte. Das war alles was Claire von ihm wusste.
Und für mehr hatte sie sich nicht interessiert, denn er machte sie glücklich,
der wilde Franzose, wie sie ihn immer schmunzelnd nannte. Was Sie nicht wusste,
dass Richard sich sie als Opfer für seine Pläne ausgesucht hatte und eigentlich
Tscheche war und früher für den KGB gearbeitet hatte. Jetzt war er Freelance
Agent, keiner Staatsräson und politischen Zielrichtung mehr verpflichtet,
sondern nur noch seinen Aufträgen und Auftraggebern, die überall in der Welt
saßen und einen flinken und vielseitigen Mann brauchten.

„Gut, Claire, Dann gib mir bitte die Diskette. Sie muss heute noch weiter ans
andere Ende der Welt!“ Richard schmunzelte über seine blumenhafte Sprache.
Währenddessen arbeitete es fieberhaft in seinem Kopf , denn er wusste jemand
war auf ihn aufmerksam geworden, der ihm sehr gefährlich werden konnte. Seine
lebenden Spionagekameras Michiko und Pierre hatten ihm berichtet, das der
britische Spion James Bond in sein Reich eingedrungen war.



Claire öffnete den Reißverschluss an ihrer Bluse und machte einen Schmollmund
in Richtung Richard. „Willst Du Sie dir nicht selbst holen?“ „Claire, wir haben
jetzt keine Zeit dafür“. Claire merkte sofort, dass etwas nicht stimmte und
sagte „Richard, was ist denn los?“

Er ging zu seinem Schreibtisch und drehte den Monitor in ihre Richtung. Auf dem
Monitor konnte man 007 sehen, wie er die Treppe zu Sacre Coeur heraufkam. „Der
ist dir also nicht aufgefallen?“ „Doch den Mann hab ich gesehen.“ „ Und wo?“
„Äh, im Eurostar und am Bahnhof... aber... aber der ist doch ungefährlich.“
„Das ist ... James Bond.“ Claire erschrak

„...der... der.. James Bond?“ „Ja und er ist hier.“

In dem Moment öffnete sich die Tür und James Bond kam herein. „Ganz recht,
Monsieur Colombier. Für wen arbeiten Sie?“ Richard und Claire drehten sich
erschrocken zur Tür. Aber der Schreck dauert nicht lange. Denn hinter Bond
tauchte Philippe, der Fahrer des Minivan auf , und bedrohte 007 mit seiner
Waffe.

„Ah. Monsieur Bond, ich habe Sie schon erwartet. Und dieses dumme Girl hat sie
nicht bemerkt.“ Richard ging auf Claire zu und entriss ihr die Diskette, die
sie zwischenzeitlich in der Hand hatte.

Bond überlegte wie er sich aus dieser Situation wieder herauskam, die so
plötzlich eskaliert war. Er war unvorsichtig gewesen und ärgerte sich darüber.
Ob er langsam alt würde und seine Instinkte ihn im Stich ließen. Das Ganze war
eine perfekte Falle gewesen und als er sein Bild auf dem Monitor sah, wusste
er, dass dieser Auftrag doch weitaus grösser und gefährlicher war, als er
gedacht hatte. Solche Situationen hatte er sich schon öfters gegenüber gesehen
und war bisher recht gut mit klar gekommen. Philippe stand immer noch hinter
ihm und die Tür stand immer noch offen. Wie viele Leute würde Colombier noch
befehlen, da draußen in dieser feindlichen Stadt?

„Mr. Bond es ist mir eine Ehre, dass Sie sich wegen mir, hierher begeben haben,
aber das wird Ihr Ende sein.“ „Das haben schon viele behauptet, Mr. Colombier.
Miss Livingston, wachen Sie auf. Dieser Mann hat sie nur benutzt. Er hat sie
nie geliebt..“ Claire schaute zwischen den Männern hin und her und erkannte
langsam, was hier gespielt wurde.

„Ach Claire, so ein bisschen“, sagte Colombier und ging zu seinem Schreibtisch
um seine Walther aus der obersten Schublade zu nehmen. 007 wusste, dass es nun
ernst wurde, sich aus dieser Situation zu befreien. Glücklicherweise hatte er
Q`s neuestes Meisterwerk mit nach Paris genommen. Bond drückte seinen Fuß
innerhalb des Schuhs nach hinten, ein Schuss löste sich und Philippe schrie
laut auf. 007 nutzte diese Chance, drehte sich um und schlug Philippe auf die
Hand, sodass er seine Waffe fallen ließ. Er reagierte und fing die fallende
Waffe auf und dreht sich um. Colombier schoss das erste Mal und traf den
verdutzten Philippe in der Schulter. Dieser fiel hin und schrie vor Schmerzen.
Claire sprang auf und wollte 007 schützen, aber Colombier schoss im Stakkato.
007 warf sich hinter einen der Stühle und schoss auf Colombier. Claire konnte
nicht rechtzeitig den Kugeln von Colombier ausweichen und wurde von mehreren
Kugeln getroffen. 007 sprang auf und schoss auf Colmbier, der sich hinter
seinem Schreibtisch verschanzte. Claire lag auf dem Boden und rief „Laufen Sie
, ich halte ihn auf, das bin ich meinem Land noch schuldig.“ Bond nickte und
sprang auf in Richtung Ausgang. Colombier schoss wieder und Claire rappelte
sich wieder auf und stürzte sich mit voller Kraft auf den Angreifer.

007 nützte die Unterbrechung, sprang über den am Boden liegenden Philippe
hinaus in den dunklen Flur und rannte in Richtung Haustür. Seine Muskeln waren
angespannt und er wusste nicht, was noch auf ihn draußen wartete.

Claire stürzte sich mit ihrer letzten Kraft auf Colombier und biss ihm in die
Hand, sodass er seine Waffe fallen lassen musste. Sie griff sich die Diskette
und wollte sich schon abwenden, als sie die volle linke hand von Colombier ins
Gesicht bekam. „Du wirst mich nicht aufhalten“, schrie Colombier sie an und
griff sich mit der schmerzenden Hand wieder seine Waffe. Sie fiel rückwärts auf
den Boden und die Diskette flog durch den Raum.

Bond kam in den Hof und wunderte sich, dass da niemand auf ihn wartete. Er
hatte zwischenzeitlich seine Walther aus dem Halfter geholt.

Colombier sprang auf und rannte in Richtung Tür. Claire klammerte sich an sein
Bein und er stolperte. Er drehte sich um und schoss Claire mitten in die Brust.
Diese starb mit einem erschreckten Ausdruck und weit aufgerissenen Augen. Er
nahm die Diskette auf und rannte weiter in Richtung Hof.

Bond war schon im Hof und erinnerte sich, dass der Schlüssel im Minivan noch
stecken musste. Er rannte zum wagen, öffnete die Tür und tatsächlich steckte
der Schlüssel immer noch.

Mit einem lauten Knall schlug 007 die Tür zu und startete das Fahrzeug. Er
schaute nach vorne und sah, dass der Maler eine Waffe auf ihn richtete. Er
duckte sich und der Schuss ging durch die Scheibe und über seinen Kopf hinweg.
Er gab Gas und Pierre landete auf dem Kühler. Bond Kopf brannte und er
überlegte ganz angestrengt, wie er am schnellsten von diesem Platz wegkam.
Hinter dem Wagen kam Colombier aus dem haus und schoss auf den Wagen. Dieser
schoss aus dem Hof und bog nach rechts in Richtung Sacre Coeur. Pierre rappelte
sich wieder auf und griff zu seinem Handy und rief Michiko an.

Colombier rannte zum BMW Motorrad und startete es.



Bond kam nicht so schnell voran, da die ganzen Flaneure vor ihm waren. Er
drückte auf die Hupe und fuhr mit 60 an dem Bauwerk vorbei in die Kurve. Wie
komm ich hier raus. 007 wusste, dass es und um die Kirche nur lauter kleine
Strassen und viele Sackgassen gab. Aber bevor er weiter nachdenken konnte.,
wurde er von einem Renault Megane bedrängt und der Japaner schoss auf ihn. 007
bremste und machte eine Volldrehung. Es ging wieder zurück zu Sacre Coeur,
Mehrere Schüsse schlugen in das Chassis ein und Bond bedauerte, dass er nicht
seinen Aston Martin unter sich hatte. Der Minivan ächzte unter der Belastung.
Bond bremste und ließ den Megane links an sich heran. Als sie gleichauf waren,
schoss Bond dem Japaner in den Arm und drängte ihn ab. Der Japaner konnte nicht
mehr reagieren und der Wagen überschlug sich und fiel die ganze Freitreppe
herunter. Auf dem Place St. Pierre angekommen, explodierte der Wagen. 007 hatte
keine Zeit sich darum zu kümmern, denn 2 Motorräder kamen ihm entgegen. Auf
ihnen saßen Colombier und Pierre. Sie wollten ihn auch abdrängen, aber er kam
ihnen zuvor und bremste sie aus. Beide mussten scharf bremsen, um nicht
zusammen zu stoßen. Bond wich ihnen aus und fuhr in Richtung Place du Tertre
weiter. Er drückte auf die Hupe und Dutzende von Flaneuren und Malern retteten
sich an den Straßenrand, während der Minivan reihenweise die Staffeleien und
Bilder abräumte. 007 stellte schnell fest, dass das auch nur eine Sackgasse
ist. Er wendete wieder und begegnete wieder den Motorradfahrern. Colombier
schoss auf den Van und verfehlte ihn knapp. Bond wusste, dass er sich nur
retten konnte, wenn er die große Freitreppe runterfahren würde. Aber schon
wieder waren ihm Pierre und Colombier auf den Fersen. Vor der Sacre Coeur
atmete 007 tief durch und die große Ruckelpartie begann. Pierre wollte ihm
folgen , aber hatte keine Chance und flog an dem Van vorbei auf den Place St.
Pierre. Colombier bremste ab und drehte um, da er einen kleinen Weg an der
Funiculaire kannte und da runter fahren wollte. Der Minivan sprang teilweise
gefährlich , aber Bond schaffte es bis unten. Auf dem Platz angekommen,
streifte er noch kurz den Megane und fuhr haarscharf am Karussell vorbei. Am
Ende des Platzes hörte man schon die Polizeisirene und Bond dachte sich, dass
er mit denen nicht auch noch diskutieren wollte. Er bog am Ende des Platzes in
die Rue des trois Freres ein und Colombier kam von oben angeschossen. 007 gab
Gas und schoss in Richtung Colombier. An der nächsten Kreuzung kam schon ein
Polizeiwagen auf Bond zu. Wer riss den Wagen nach links in den Boulevard
Rocheouart. Bond sah auf die Uhr im Minivan und erkannte, dass der nächste
EuroStar in 15 Minuten vom gare du Nord abfahren würde. Er ärgerte sich, dass
der ganze Auftrag so schief gegangen war, aber er musste raus aus Frankreich.
Colombier wich dem Polizeiwagen aus und bog auch in den Boulevard ein. Er
beschleunigte und schaffte es neben den Minivan. Bond schaute nach links und
sah, Colombier neben sich und er sah die leidige Diskette. Er riss seine Waffe
nach oben und zerschoss die Diskette. Colombier war schwer getroffen und fuhr
mit dem Motorrad auf ein parkendes Fahrzeug. Mittlerweile verfolgten 3 Citroen
Xsara den Minivan und Bond konnte schon den Rand des Bahnhofs erkennen. Mit der
Beschleunigung bog er in die Rue Dunkerque, die zum Bahnhof führte. Bond war
glücklich, dass er doch noch erfolgreich war.

Er sah wieder auf die Uhr. Noch 7 Minuten. Er drückte aufs Gas und der wagen
schleuderte. Er stieß mit einem parkenden Auto zusammen. Aber der Wagen konnte
weiterfahren und der Bahnhof war schon in Sicht. Ein betäubender Lärm umgab
007, aber er fuhr unbeirrt über den Bahnhofsvorplatz und in den Bahnhof rein.
Er musste zum Bahnsteig 2. Jetzt!



Wieder kam ein Polizeiwagen quer. Die Wagen stießen zusammen. Bond öffnete die
Tür und rannte in Richtung Bahnsteig 2. „Stehen bleiben“ hörte er noch hinter
sich, aber er erreichte gerade noch den EuroStar, der gerade abfuhr.

***





(A) Bond suchte sich ein leeres Abteil für sich allein, hängte
seine Brioni-Jacke an einem Haken auf und ließ sich erst mal in einen der
bequemen Sitze fallen.. Nach etwa zehn Minuten kam der Schaffner, ein junger
Franzose (Bond schätzte ihn auf Anfang 30) und fragte nach Bonds Ticket.
Glücklicherweise hatte er nichts vom Chaos mit den Polizeiwagen am Gare du Nord
mitgekriegt und machte, was noch viel wichtiger war, keine Umstände bei der
Nachzahlung des Tickets. Bond bekam seine Fahrkarte und der Schaffner war
gerade dabei das Abteil wieder zu verlassen, als Bond fast beiläufig nach dem
Zielbahnhof des Zuges fragte. Ein leicht irritierter Blick verriet Bond, dass
der Schaffner mit dieser Frage nicht gerechnet hatte, dennoch gab er Bond bereitwillig
Auskunft: "Brussels, Monsieur" und fügte als Rat hinzu
"Normalement on s'informe de la direction avant de prendre le train! (Normalerweise informiert man sich über die
Richtung bevor man in den Zug steigt)
" Bond musste lächeln "Je
suis de votre avis (Sehe ich auch so!)".
Der Schaffner zog die gläserne Abteiltür hinter sich zu "Alors, bon
voyage, Monsieur!" Diese Diskretion auch in den seltsamsten Situationen
war eine der Sachen, die Bond an den Franzosen schätzte; die kleinen Cafés und
der exzellente Rotwein waren andere.



Brüssel also. Es hätte schlimmer kommen können. Hauptsache, er war raus aus
Frankreich, raus aus dem Einzugsbereich der französischen Polizei. Bond wollte
gerade Versuchen sich ein wenig auszuruhen, als sein Handy klingelte. "Wo
zum Teufel sind Sie, 007?" M's Stimme am anderen Ende ließ ihn sofort
wieder munter werden. "Ich habe einen neuen Auftrag vom
Verteidigungsministerium und wie immer keinen freien Agenten. Wie weit sind sie
mit dieser Disc-Sache!"





"Momentan sitze ich im Eurostar nach Brüssel."



"Sie sollten lediglich den Diebstahl der Disc verhindern, was suchen Sie
dann in Brüssel! Ihre letzte Meldung kam aus Paris - oder wollen sie eine
Rundreise durch alle europäischen Hauptstädte machen!"



Bond merkte, dass M einen schlechten Tag hatte. Vermutlich hatte sie wieder
Post vom Finanzministerium bekommen. Es versuchte seit Jahren das , sowieso
schon zu knappe Budget des Geheimdienstes zu kürzen und sendete M deshalb mit
ermüdender Regelmäßigkeit Briefe. M besuchte dann meistens noch am selben Abend
den Premierminister, zu dem sie relativ gute Kontakte pflegte und konnte so
bisher die Budgetkürzung abwenden. Aber diese Briefe bedeuteten immer unnötige
Büroarbeit und letztendlich landeten sie sowieso dort, wo sie nach M's Meinung
auch hingehörten: Im Aktenshredder! Bond
versuchte daher erst mal M zu beruhigen. "Die Sache hat sich
verkompliziert..."



"Verkompliziert, verkompliziert! Haben sie die Disc?"



"Die Disc liegt irgendwo in Montmartre - zersplittert in tausend Stücke! Aber
die Spur führt weiter ..." Bond schaffte es M zum Zuhören zu bewegen und
konnte ihr die Situation erklären.



"Nun gut, 007" murmelte M. "Ich schicke ihnen einen Kontakt nach
Brüssel!"



"Was ist mit dem anderen Auftrag, M’am?"



"Vergessen Sie's, 007. Diese Sache hier ist wichtiger. Sollen sich die vom
Verteidigungsministerium ihre eigenen Agenten suchen! Downing Street wird das
verstehen!"



"Also gut! Danke für ihre Hilfe!"



M legte auf. In diesem Moment passierte der Zug die belgische Grenze. Früher war
dies immer ein heikler Moment für Agenten auf der Flucht, jetzt hätte Bond es
gar nicht gemerkt, wenn ihn nicht eine Durchsage darauf aufmerksam gemacht
hätte. Noch 1 Stunde bis Brüssel.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:00

***





(V) Dr. Mortons Büro in Nigeria, das Telefon klingelt.


Dr. Morton hebt ab. „Ja?“ Am
anderen Ende ist Sally. „Ein Gespräch für sie aus Frankreich.“ „Stellen sie
durch.“ Es klickt in der Leitung. „Morton.“






„Hier ist Colombier, ich habe
schlechte Nachrichten.“






„Was ist passiert?“





„Der britische Geheimdienst ist
auf unserer Spur.“






„Geht es noch etwas präziser?“
Morton wurde ungeduldig.






„James Bond! Er hat die Disc
vernichtet. Miss Livingston ist tot, na ja, sie hatte ihre Brauchbarkeit
sowieso überlebt.“






Morton
fuhr hoch. „James Bond!!! Was ist jetzt mit
ihm?“






„Er... er ist geflüchtet, wir
konnten ihn nicht aufhalten.“






„Er hat sie abgehängt? Heften sie
sich gefälligst wieder an seine Fersen!“






„Versuchen sie das mal mit
diversen Knochenbrüchen! Zudem bin ich unabhängiger Mittelsmann und keiner
ihrer Untergebenen, die sie bei so einer Jagd in den Tod schicken können! Wir
wissen aber, dass er zur Zeit im Eurostar Richtung Brüssel sitzt.“






„Brüssel? Das trifft sich gut.
Unsere Leute dort werden sich schon um Bond kümmern und ihn liquidieren.“






„Na ja, wie auch immer. Das ist
jetzt ihre Sache. Ich werde jedenfalls schnellstmöglich aus Frankreich
verschwinden. Ich muss jetzt Schluss machen.“ Colombier legte auf.






***





Im Nebenzimmer hörte Sally alles
was Dr. Morton sagte durch die Gegensprechanlage mit. Als Dr. Morton einen
Namen erwähnte und dabei aufschrie, notierte sie auf ihrem Notizblock ‚James
Bond?’. Dann schaltete sie rasch die Gegensprechanlage ab, weil sie Schritte
hörte. „Ach, sie sind es Reverend Stone.“






Der Blick des Reverend fiel auf
den Notizblock. „Hat Dr. Morton gerade Zeit?“






„Nein, noch nicht, soweit ich weiß
telefoniert er gerade.“






Dr. Mortons Stimme ertönte durch
die Gegensprechanlage. „Sally? Ich brauche eine Verbindung nach Brüssel. Zur
Stiftung ‚Aide contre Aids’.“






„Okay, Dr. Morton. Ähm, Reverend
Stone ist hier und hätte sie gerne gesprochen.“






„Er soll noch einen Augenblick
warten.“ Morton unterbrach die Verbindung.






„Sie haben den Doktor gehört“,
lächelte Sally den Reverend an.






***





(O) Als der EuroStar aus Paris um 15.30 Uhr im Gare du Midi in
Brüssel ankam, hatte James Bond zu ersten Mal seit ein paar Tagen ganz
seelenruhig geschlafen. Die Anspannung der Ereignisse aus Paris war gewichen
und auch das Telefonat mit M hatte ihn weniger beschäftigt, als es das sonst
getan hätte. Nach kurzer Zeit auf seinem Platz war er eingeschlafen.

Der Zug kam zum Stehen als 007 die Augen wieder öffnete und der Schaffner zu
ihm kam. „Monsieur Bond ?“ 007 schaute ihn überrascht an. “Äh ja, ?” “Wir sind
jetzt in Brüssel angekommen. Ich habe eine Nachricht erhalten, dass Sie
abgeholt werden.“ Bond rappelte sich auch und sah den Mann unverwandt an. „Und
von wem werde ich abgeholt?“ „Excuse, das wurde mir nicht mitgeteilt...“ Der
Schaffner drehte sich ab und ging zum nächstgelegenen Ausgang. Bond wurde sich
seiner Situation wieder gewahr und versuchte rational zu ermitteln, wer oder
was ihn da erwarten würde. Er stand auf, nahm seine Sachen und stieg aus dem
Zug.

Auf dem Bahnsteig standen Trauben von Leuten, die die Reisenden aus Paris
empfingen, aber 007 erkannte kein bekanntes Gesicht. Er dachte sich, dass sich
der Schaffner einen Scherz mit ihm gemachte hatte und strebte dem Ausgang zu.
Plötzlich wurde er von hinten angesprochen.

„Halt, Mister Bond, wo wollen Sie hin?“ 007 zückte mit einer schnellen
Handbewegung seine Walther P99 aus dem Schulterhalfter und drehte sich
blitzschnell zu dem Mann um, der ihn angesprochen hatte. Der Mann war 1.85
groß, hatte braunes Haar und ein ebenmäßiges Gesicht. Bond erkannte das Gesicht
und lachte laut auf. „Also mit Ihnen hätte ich nicht gerechnet!“ „Ja, wir haben
uns schon lange nicht mehr gesehen“ Der Mann, mit dem Bond sprach, setzte jetzt
seine Sonnenbrille ab. „Lassen Sie uns gehen, wir haben viel zu tun.“ „Wo
steckt denn Q?“ „Er wartet draußen im Wagen auf uns. Und er bereitet den
Identigraphen für Sie vor.“ Bond murmelte etwas vor sich, während Smithers das
Gepäck an sich nahm. Ach ja der Identigraph, kam es Bond in den Sinn, hat uns
schon viele Aufgaben erleichtert. Besonders kam ihm die Geschichte mit Locque
in den Sinn, als der IDGraph, wie er zwischenzeitlich hieß, noch in den
Kinderschuhen steckte. Mittlerweile war das Gerät ein virtueller Raum, wo man
sich der gesuchten Person gegenüberstellen und mittels Gehirnwellen die andere
Person zusammenstellen konnte.



Was 007 und Smithers nicht merkten, war dass ein Mann hinter Ihnen stand und
sie die ganze Zeit beobachtete und dann fotografierte.



Smithers und Bond hatten den Ausgang des Gare du Midi erreicht und Bond suchte
schon nach dem typischen Rover-Modell, mit dem der MI6 seit 3 Jahren
ausgestattet wurde. Aber auf dem Parkplatz war es nicht zu sehen. Smithers ging
auf ein Wohnmobil zu, was am Rande des Parkplatzes stand. Bond runzelte etwas
die Stirn, aber sie waren wohl richtig, als die Tür des Wohnmobils aufging und
Q herauskam „Ah 007, da sind Sie ja endlich. Na mal wieder in hoffnungsloser
Mission unterwegs?“ „Q, machen Sie Urlaub in Belgien? Wegen der Pommes Frites
oder den Pralinen?“ „Nein,007, M hat mich geschickt um Ihnen zu helfen. Bisher
ist ja in diesem Projekt alles schief gelaufen.“ „Na ja, nicht alles, den
Drahtzieher, Richard Colombier habe ich enttarnt und die Disc wurde auch
zerstört. Aber jetzt mal ehrlich, Q, Was machen Sie in einem Wohnmobil?“ „Liest
denn hier keiner mehr meine Memos. Das ist der neue mobile IDGraph, für
Außeneinsätze wie diesen. Jetzt aber rein hier.“ Smithers hatte die Tasche von
Bond bereits verpackt und setzte sich hinter das Steuer.

Bond stieg in das Wohnmobil und Q schloss hinter ihm die Tür. Smithers startete
den Motor und fuhr los.

Im Inneren des Wohnmobils gab es zwei Bereiche. Im hinteren Teil war die Kabine
für den virtuellen Raum und vorn gab es einen PC-Arbeitsplatz, an dem Q sofort
Platz nahm. „So, 007, gehen Sie mal da hinten rein. Ich starte jetzt den
IDGraph und in ein paar Minuten, werden wir das Ergebnis haben. Der IDGraph ist
ja ständig online verbunden mit den Archiven des MI6, CIA, dem deutschen
Geheimdienst und dem Mossad in Israel.“ 007 schaute auf Q runter und dachte
sich „Ganz genauso wie sein Vorgänger.“

Laut sagte er „das haben Sie mir doch schon hundert Mal erzählt.“ „So hab ich
das... oder mein Vorgänger“ Q schaute ärgerlich hoch und sagte „Jetzt aber
schnell“ Bond öffnete die Tür zur Kabine und ging hinein. Das Wohnmobil
schaukelte einige Male als der Wagen um enge Kurven in der Innenstadt fuhr. 007
schloss sich an das neurologische System an und begann sich an Richard
Colombier zu erinnern. Vor seinen Augen erwuchs langsam aber die Statur des
Franzosen, der dunkle Teint, die edle Nase und das schwarze Haar. Und in ihm
wuchs stetig der Hass, den er für diesen Mann hegte, da er so kaltblütig Claire
Livingston erschossen hatte.

Die Kabinentür öffnete sich und Q kam herein. „Nicht träumen, 007, was soll es
jetzt werden, ein Mann oder eine Frau?“ Bond öffnete die Augen und er erkannte,
dass er jetzt statt Colombier Claire erstellt hatte.

„Bringen Sie Ihr Liebesleben endlich mal in Ordnung, 007, aber keine Panik, ich
hab den Mann zwischengespeichert.“ Q betätigte einen Schalter und wieder kam
Colombier zum Vorschein. „Das ist er also, 007?“ „Ja, das ist Richard
Colombier.“ „Falsch, das ist Richard Coloschek. Ein Tscheche. Arbeitete früher
für den KGB. Ist offiziell seit 1992 unbekannten Aufenthalts. War beim KGB für
Missionen in Afrika zuständig.“ „Und was haben wir über ihn als Colombier?“
„Monsieur Mathis war so freundlich, uns mal seine Unterlagen des Surete
zukommen zu lassen. Monsieur Colombier ist 1994 in Paris aufgetaucht und hat
dort das Geschäft « Meubles de Paris « gegründet. Er ist der Surete vor 3
Jahren aufgefallen, weil er sehr viele Import- und Exportanträge nach Afrika
stellte..“ „Hm“, meinte 007, “das ist nicht viel was wir haben. Gibt es etwas
über diese Stiftung, deren Unterlagen in seinem Wagen lagen?“ „Hauptsitz in
Brüssel, hat einige Krankenhäuser in Afrika und lässt nach wirksamen
Gegenmitteln von Aids forschen.“ „Und wer hat die Stiftung gegründet?“ „Oh, da
muss ich nachsehen. Kommen Sie mit nach vorne.“ Q verließ die virtuelle Kabine.
Bond befreite sich von den Anschlüssen und folgte ihm. Q saß schon wieder an
seinem PC, während Bond an ihm vorbeiging und sich neben Smithers setzte. Er
musste sich erst wieder an das Licht gewöhnen, denn der ganze hintere Bereich
war abgedunkelt. „Na, Smithers wo geht die Reise hin?“ „Das ist eine
Überraschung.“ Das Wohnmobil bog um eine Kurve, das Gebäude an dem sie
vorbeifuhren erkannte 007 gerade noch als den Sitz des europäischen
Ministerrats. Hinter der Kurve kam die Zufahrt zu einer Tiefgarage. „Sie wollen
nicht hiermit da rein fahren? „007, das ist Science. Achtung, Kopf einziehen“
Smithers legte einen Schalter um und das Wohnmobil wurde in der Höhe reduziert.
Aus dem hinteren Bereich kam die knorrige Stimme von Q „007, kommen Sie her.
Hier sind die weiteren Infos“ Auf dem Monitor erschien ein Bild von einem afrikanischen
Mann so um die 50 mit blendend weißen Zähnen. „Das ist der Gründer von ‚Aide
contre Aids’, der nigerianische Gesundheitsminister Nelson Mbeki.“

"Der hat wohl dann nur Edles im Sinne..."



Bond schaute wieder nach vorne aus dem Fenster des Wohnmobils und er stellte
fest, dass sie mittlerweile im 14. unterirdischen Stockwerk angekommen waren.

Smithers hielt vor einer Panzerstahltür an und sagte „Commander, sie müssen nur
noch durch die Schleuse.“ Bond stieg aus und das Wohnmobil entfernte sich
sofort wieder.

Er zückte seine Sicherheitskarte und steckte sie in den Schlitz rechts von der
Tür. Die Tür öffnete sich und er kam in eine kleine Kabine. Hier wurden jetzt
seine Augeniris überprüft und auch sein rechter Handabdruck wurde gelesen.

Es war totenstill in dem Gebäude und Bond fragte sich, welche Überraschung auf
ihn warten würde. Das rote Licht ging aus und ein heller Ton erklang. Erst
jetzt begriff er, dass er sich in einem Fahrstuhl befand.

Die Tür ging auf und ein diffuses Licht empfing ihn in dem Raum, den er jetzt
betrat. An der linken Seite stand ein Schreibtisch, an dem Miss Moneypenny saß.
„Hallo James, wie geht’s?“ Alles mögliche hatte er erwartet, aber nicht dieses.
„Das tut mir leid, mit dieser Miss Livingston, aber sie hat auch unser Land verraten.“
Bond räusperte sich und ging an den Schreibtisch „hallo Penny. Ist M auch
hier?“ „Noch nicht, sie kommt gleich.“ Zunächst war es nur ein leises zischen,
aber es wurde stetig lauter und als sich die Stahltür an der rechte Seite
öffnete, konnte man den Stahlträger an der Decke erkennen und das Geräusch aus
dem Tunnel wurde ziemlich laut. Moneypenny hielt sich die Ohren zu und meinte:
„Das ist aber doch noch ziemlich laut.“ In diesem Moment kam ein Magnetbahn zum
stehen. Der Wagen öffnete sich und Robinson und M stiegen aus. „Das war heute
unsere Jungfernfahrt. Wir haben jetzt unseren eigenen Tunnel zum Festland.“
Robinson nickte kurz und ging an Bond vorbei zum Fahrstuhl.

„Ich dachte mir, wir sollten uns sehen, bevor Sie weitermachen. Q, hat mich schon
unterwegs instruiert über die bisherigen Erkenntnisse. Kommen Sie mit in mein
Büro.“ M betätigte einen Schalter und eine Tür glitt nach oben. Dahinter lag
ein Büro, dass M`s Büro aus London absolut glich. „Nehmen Sie platz“ sagte M,
als sie an den Schrank ging und sich ein Glas edelsten Single Malt Whisky
eingoss. Mit dem Glas in der Hand ging sie zum Schreibtisch und nahm Platz. Sie
drückte eine Taste und das Bild des Herzog von Wellington verschwand in der
Decke und ein Monitor kam zum Vorschein. Auf dem Monitor war das Bild von
Colombier alias Coloschek zu sehen. „Das ist also unser Gegner. Laut Monsieur
Mathis ist er in Paris spurlos verschwunden., so wie er gekommen ist. Ich habe
mir seine Akte angeschaut und ich vermute, er war nur Mittelsmann zu einer
Organisation. Wir stehen wieder am Anfang. Wir können nur dankbar sein, dass
Sie die Disc noch zerstören könnten. Haben Sie eine Idee, wie Sie jetzt
weitergehen wollen?“






007 setzte sich auf und war
ziemlich verwundert darüber, dass er gefragt wurde, was er zu tun gedenke. Das
hatte es bisher nicht gegeben. „Ma`am, wenn Sie das Dossier gelesen haben,
dürfte Ihnen aufgefallen sein , dass es vielleicht noch eine Spur gibt, wer
dahinter stecken könnte.“





„Sie meinen, diese Stiftung? Das wäre ja wohl etwas zu simpel. So ein Mann wie
Colombier lässt doch so etwas nicht einfach so rumliegen.“





„Ich glaube schon, dass ich ihn überrascht habe. Die waren sich Ihrer Sache
ziemlich sicher.“





„Nun gut, 007, wenn Sie meinen. Ich brauche meine volle Konzentration auch für
das andere Projekt.“






„Welches Sie vorhin schon
erwähnten?“






„Ja, es geht um
Forschungsdiebstahl im ganz großen Stil. Bei Pharmacon wurde vor 4 Wochen
eingebrochen und ein ganz neues Medikament gestohlen, was unsere Regierung in
Auftrag gegeben hatten. Die komplette Anlage wurde dann durch ein großes Feuer
zerstört.

Zum gleichen Zeitpunkt wurden in Deutschland und der Schweiz bei Bayer und Ciba
ähnliche Entwicklungen auch gestohlen und die Forschungsanlagen auch zerstört.
Ich hatte unseren Pharmaexperten, Mike Donovan, auf diesen Fall angesetzt und
er wurde vor 2 Tagen in Lagos auf offener Strasse ermordet. Aber das hat mit
Ihnen ja nichts zu tun, oder doch?“





„Was meinen Sie Ma`am???“






„Das Präparat um das es sich
handelt, sollte Aids weltweit ausrotten.“






„Das ist natürlich pikant!“






„Dann klopfen Sie mal bei der
Stiftung auf den Busch. Das können Sie doch so gut. Die Leiterin ist eine
Ärztin, Dr. Francine Belleville, eine Francokanadierin.“ M drückte auf die
Sprechverbindung mit Moneypenny und fragte „Ist Q soweit fertig mit dem Wagen?“






Moneypenny antwortete und sagte:
„Er wartet schon seit 5 Minuten hier und will endlich zurück nach good old
England.“





M stand auf, ging um den Schreibtisch und sprach 007 an. „Wenn ich mich nicht
täusche, könnte dieser Auftrag doch noch sehr gefährlich werden. Passen Sie gut
auf sich auf!“






Bond bedankte sich bei M und ging
durch die Tür in den Vorraum zu Moneypenny. „Penny, jetzt muss ich wieder
hinaus und die Welt retten.“ „Ach James, wenn Du doch nur mal meine Welt retten
würdest“, sagte sie und stand mit einem Kussmund auf.






„Dazu hat er jetzt leider keine
Zeit, meine Liebe“, funkte Q dazwischen. Er stand von seinem Stuhl auf und gab
007 die Schlüssel für sein neues Fahrzeug. „Wir haben ihn auch sehr modern
ausgestattet. Es ist ein Bentley Continental GT. Alles weitere erzählt Ihnen
der neue Assistant Quartermaster. Ich muss zurück nach England.“ Ohne weitere
Worte zu verlieren, wendete sich Q ab und bestieg die Magnetschwebebahn. Mit
lautem Getöse fuhr die Bahn an.



Moneypenny verzog das Gesicht und
meinte: „Warum muss so moderne Technik so laut sein?“ Sie wendete sich 007
wieder zu, als M durch die Gegensprechanlage sagte: „Miss Moneypenny, 007 hat
einen Eilauftrag. Also hindern Sie ihn nicht dran.“ „Nun gut“, meinte
Moneypenny und sagte: „Schade, James, dass Du immer nur auf dem Sprung bist.
Smithers wartet schon oben mit Deinem neuen Wagen.“ „Moneypenny, wenn ich mal
alt bin, dann komme ich zu Dir zurück.“ 007 wendete sich ab und bestieg den
Fahrstuhl nach oben.





Bei der Fahrt nach oben, sinnierte er darüber, wie sich der MI6 in den letzten
Jahren gewandelt hatte. Nach der Pensionierung des alten Q hatte der neue
Quartermaster ziemlich viel Personal ausgetauscht und nur ganz wenige Vertraute
von seinem Vorgänger behalten. Nur Smithers war geblieben und war vor knapp 2
Monaten zum ersten „Assistant Quartermaster“ befördert worden. Aber auch
anderes kam Bond in den Sinn, inwieweit wohl Colombier und diese Stiftung mit
der anderen Sache in Verbindung stehen würde.

Oben angekommen, stieg Bond aus dem Fahrstuhl und Smithers erwartete ihn schon
an seinem neuen Auto.






(Z) „Ihr neuer Wagen. Bentley. Sie nennen ihn wie gesagt
Continental GT. Natürlich die übliche Titanversiegelung gegen Steinschlag und
Einschusslöcher; sowie Maschinengewehre unter dem Kühlergrill. Aber hierauf bin
ich besonders stolz: wenn sie diesen Knopf hier in der Mittelkonsole betätigen,
fährt aus dem Bentley-Logo auf der Motorhaube ein kleiner Flammenwerfer heraus.
Damit wird ihr Auto zum Grill.“ Smithers war sichtlich stolz, auf die neuen
Errungenschaften der Abteilung Q.



„Natürlich.“ Bond bewegte sich neugierig um das Auto und lugte zwei-, dreimal
hinein und offensichtlich schien ihm sein neues Gefährt zu gefallen.



“Nun weiter zu den technischen Daten. Spitzengeschwindigkeit 312 km/h, von null
auf 100 in erstaunlichen 4,8 Sekunden. Angetrieben wird ihr neues Mobil von 560
PS, die der 6-Liter W12-Biturbo-Motor bereitstellt. Beeindruckend vor allem die
Kraftentfaltung , weil bereits ab 1.600 U pro Minute ein Drehmoment von 650 N
beigestellt ist. Auf die Straße gebracht wird die Kraft über eine sequentielle
6-Gang Automatik, auf die sie mittels Schaltwippen am Lenkrad Einfluss nehmen
...“



„Smithers, den Schlüssel bitte“. Bond unterbrach den Assistant und verlangte
nach dem Schlüssel, welcher allerdings mürrisch von Smithers in die Tasche
seines Kittels glitt.






Die beiden schritten nun weiter in eine andere Halle,
in der weitere Helfer damit beschäftigt waren, die verschiedensten Gadgets
auszuprobieren. Smithers, noch immer ein wenig gereizt von Bonds rabiater
Unterbrechung legte nun einen etwas ironischen Ton an den Tag, mit dem er
nochmals auf das vorige Gespräch ansprach: „Q sagte mir, es könne ihnen im
Leben nicht schnell genug gehen.“



Bond wollte gerade antworten, als er in einer Ecke des Raumes eine kleine,
circa 25 cm hohe Venusstatur, ziemlich reizend gekleidet, sah, deren Augen
offenbar aus kleinen Kameras bestand. „Och, äh, also wenn es sich lohnt“. Bond
starrte mit einem schelmischen Grinsen in Richtung Smithers, der sich leicht
fluchtend in die andere Hälfte des Raumes begab.



„Nun 007, nach was sieht das hier wohl aus ?“. Smithers deutete auf einen
kleinen Ring, der auf einem kleinen, mit Samt überdeckten Kissen lag.



„Hm, sieht aus wie ein Ring aus 925er Sterling Silber.“
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:01

„Sehr richtig, 007. Aber sehen sie
genau hin. Senden sie einen kleinen Nervenimpuls an den Ring und schon
betätigen sie den Auslöser der Kamera, die bis zu sechs Aufnahmen zulässt.
Passend dazu haben wir ihr Zigarettenetui ein wenig umgestaltet, damit sie den
Film entwickeln und gleichzeitig ansehen könne. So hier bitte.“ Smithers
steckte den Ring in einen eigens für den Ring entworfenen Fassung und schob
einen kleinen Regler, ebenfalls neu konstruiert zur Seite. Nach wenigen Sekunden
gab die andere Hälfte des Etuis einen Blick auf die Fläche preis, auf der
später das Foto erscheinen sollte. „Möchten sie es mal ausprobieren ?!“






Smithers drückte Bond den Ring in
die Hand, den er auch sofort überstreifte. „Also passen tut er schon mal ganz
ausgezeichnet.“



Bond war eigentlich ganz angetan von seinem neuen Spielzeug und machte gleich
Jagd auf ein geeignetes Fotomodell. Bond erblickte einen junge Q-
Branch-Mitarbeiterin. Mitte zwanzig, langes blondes Haar. Bond bewegte leicht
seinen Finger und vernahm ein leises Klicken. Er streifte den Ring ab und legte
ihn in die Fassung in seinem Zigarettenetui. Nachdem er den Regler betätigt
hatte, vernahm er mit einem spitzbübischen Lächeln, dass seinen Fotografie ein
voller Erfolg war: „Wirklich scharf. Das Bild natürlich.“



„Lassen sie endlich ihre kindlichen Spielchen und folgen sie mir zu diesem
Tisch bitte. Was sie hier sehen ist ein ganz normaler Herrengürtel, stilvoll
und bequem.“ Smithers reichte Bond den Gürtel, der auch prompt von Bond beäugt
wurde. Hier noch die passenden Manschettenknöpfe für ihren Anzug. Ich drehe
jetzt an einem der Knöpfe. Achten sie bitte auf die Gürtelschnalle.“ Die
Gürtelschnalle vibrierte leicht und kleine Stromschläge waren für einen
Bruchteil von Sekunden erkennbar. „15.000 Volt. Lässt jeden Gegner im Nahkampf
zu Boden sinken. Bitte folgen sie mir nun.“



Bond legte den Gürtel zurück auf den Tisch und folgte Smithers zur nächsten
Station der Q-Branch, wobei sie auch an einem kleinen, künstlichen Grasteppich
vorbeikamen, auf dem ein Mann offenbar ein wenig Erde harkte. Bond bemerkte,
dass die Harke dicker zu sein schien, als die Standartmodelle. Bond wollte dem
Gärtner keine weitere Aufmerksamkeit schenken, als dieser plötzlich aus seiner
Harke Maschinengewehrsalven abfeuerte, die eine nahegelegene Strohpuppe
durchlöcherten. „Tja ja, Gartenarbeit hält fit.“

Bond warf dem Gärtner noch einen letzten Blick zu, schritt dann aber zu
Smithers.



„Ach ja, was ich ihnen hier zeigen wollte, ist eigentlich nur eine Kleinigkeit.
Ihre neue Krawattennadel. Im Inneren verborgen befindet sich ein Dietrich, mit
dem sie eigentlich so gut wie jede Tür öffnen sollten. Und jetzt wie
versprochen der Schlüssel.“ Smithers ließ seinen Finger in seine Kitteltasche
gleiten und zauberte den Schlüssel für den Bentley hervor, welcher von Bond
wohlwollend angenommen wurde. „Ach ja, ich hab da gehört, das sie ihr
Temperament, was Verkehrsregeln und Umgang mit Staatseigentum betrifft, nicht
so sonderlich gut im Zaum halten können. Bringen sie also bitte die Ausrüstung
in wenigstens akzeptablen Zustand zurück, aber das ist bei ihrer Fahrweise ja
auch schon ein Kunstwerk. Ein Mitarbeiter wird ihren Bentley vor dem Palace
Hotel parken. Und 007, seien sie auf der Hut. Auf Wiedersehen.“



„Auf Wiedersehen Smithers und liebe Grüße an Q.“ Bond legte lässig seine Jacke
über die Schultern und ging durch einen Hinterausgang, der direkt zum Fahrstuhl
führte, welcher ihn ans Tageslicht und damit in die sanft glänzende Sonne
Brüssels brachte.






***





(T) Brüssel also. Welch wundervolle Stadt. So alt und trotzdem
so modern. Wie lange schon war Bond nicht mehr hier gewesen? Er dachte nach.
Waren es jetzt 12 oder bereits 14 Jahre, seit er der belgischen Hauptstadt
einen Besuch abgestattet hatte? Und weshalb war er damals hier?

In Gedanken versunken schlenderte er in Richtung Innenstadt. Vorbei am Musée
d’Art und Théâtre du Rideau de Bruxelles gelangte er zur sehr bekannten
Cathédrale de Saint-Michel. Bond dachte nach. Lag nicht ganz in der Nähe das
„Hotel des Colonies s.a.“, ein romantisches, kleines, aber zugleich exklusives
Hotel, in dem er damals einige heiße Nächte verbracht hatte? Er war sehr
gespannt, ob es noch existierte.

Zu seiner Freude gab es das Hotel noch und er beschloss, dort einzuchecken und
nicht Quartier im Palace Hotel zu beziehen. Die Räume im „des Colonies“ waren
modernisiert worden, aber das Hotel hatte noch immer das gemütliche Ambiente,
welches es auch vor 12 Jahren besessen hatte. Erschöpft ließ Bond sich auf
eines der weichen Doppelbetten fallen, und fand es doch sehr schade, dass er
dieses große Bett mit niemandem teilen durfte.

Nachdem er etwa zwei Stunden geruht hatte, schlug Bond den großen Stadtplan von
Brüssel auf, den er aus der geheimen MI6-Zentrale mitgenommen hatte, und suchte
die AIDE-Stiftung. Als er sie gefunden hatte, rief er im Palace Hotel an, und
bat darum, dass man seinen Bentley zum „Hotel des Colonies“ bringen möge. Eine
knappe halbe Stunde später hatte er das Auto, und gab dem Chauffeur ein
großzügiges Trinkgeld.

„Ein großartiges Fahrgefühl“, dachte sich Bond, als er sich zu seinem Streifzug
in der Abenddämmerung aufmachte. Er brauchte nicht lange, bis er die
AIDE-Stiftung fand, wurde jedoch mehrmals in Brüssel aufgehalten, weil
auffallend viele Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge an ihm vorbei fuhren.

Die Stiftung lag in einem Neubaugebiet, und das Haus, in welcher sie
untergebracht war, war ein einfaches Einfamilienhaus. Bond fuhr unauffällig
mehrere Male an dem Haus vorbei, und besah es sich von allen Seiten. Nach
hinten erstreckte sich ein großer Garten, der an der anderen Seite durch eine
große Hecke von der angrenzenden Straße getrennt war. Bond beschloss, dass es
wohl am einfachsten war, diesen Weg zu nehmen, um in das Haus einzubrechen.

Langsam aber sicher brach die Nacht über die belgischer Hauptstadt hinein. Bond
parkte den Bentley auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Supermarktes, nahm die
zur Standardausrüstung gehörende Taschenlampe aus dem Beifahrerfach und machte
sich auf den Weg zu der Hecke. Niemand verfolgte ihn oder war aufmerksam
geworden.

An der Hecke angekommen, begann Bond, diese zu untersuchen. Er stellte fest,
dass die Hecke nur einen elektrischen Zaun verbarg. Warum um Himmels willen
brauchte eine Anti-Aids-Stiftung ein durch Strom gesichertes Grundstück mitten
im Herzen von Europa?

Vorsichtig untersuchte Bond den Zaun, und stellte dabei fest, dass der Strom
von einem nahegelegenen Mast kam, der zudem mit Straßenlampen ganz in der Nähe
verbunden war. Also versuchte er, einen Kurzschluss herbeizuführen. Da zum
Standardtraining von MI6-Agenten eine Ausbildung im Umgang mit elektrischem
Strom dazugehört, war es ein leichtes für Bond, die Sicherung herausspringen zu
lassen. Und tatsächlich – plötzlich war es in der Straße dunkel, und der
Elektrozaun surrte nicht mehr.

Vorsichtig berührte Bond ihn – es war kein Strom mehr da. Er kletterte über den
Zaun und befand sich auf einer großen Wiese, die zum Hintereingang des
Stiftungs-Hauses führte. Bond konnte nichts verdächtiges im Garten entdecken,
weder Hunde noch Kameras. Geduckt schlich er sich zu einem Kellenfenster an der
hinteren Fassade. In den ersten beiden Etagen brannte noch Licht, und Bond
beschloss, Q’s neuen Dietrich einmal auszuprobieren.

Vorsichtig schlich er zur Tür, zog die Krawattennadel hervor, nahm seine
Walther in die rechte Hand und öffnete die Tür.

Es dauerte einen kurzen Moment, bis seine Augen sich an das abgedunkelte Licht
gewöhnt hatten. Er stand am Ende eines langen Flurs, der auf beiden Seiten an
der Wand mit Bildern von afrikanischen Kindern versehen war. Langsam schlich
Bond sich an der Wand entlang zum anderen Ende des Flurs hin, von wo eine
Treppe nach oben führte.

In der ersten Etage brannte Licht. Bond beschloss, das Risiko einzugehen und
nach sich nach oben zu wagen. Das Haus schien verlassen zu sein. Vielleicht
waren die Mitarbeiter auch einfach nur schon nach Hause gegangen.

Aus einem Raum im 1. Stock vernahm er jedoch eine Stimme. Bond schlich sich
langsam an die Tür, und spähte durch den Türschlitz. Was er sah, gefiel ihm
sehr gut.

Eine große, schlanke Brünette mit verdammt attraktiven Beinen stand vor einem
Fenster, zudem sie hinausblickte. Jetzt erst bemerkte Bond das Schild an der
Tür: „Dr. Francine Belleville“.

Bond überlegte gerade, wie er weiter verfahren sollte, als das Telefon
klingelte. Dr. Belleville hob ab. „AIDE-Stiftung, Dr. Belleville am Apparat.
Ah, ja. Sehr erfreut. Ja, es ist alles glatt gelaufen, der dürfte uns keinerlei
Probleme mehr machen.“ Der Anrufer schien jetzt längere Zeit zu erzählen, da
Francine ab und zu lediglich „Ja“ und „Hm“ sagte. „Es muss ganz schön heftig
gewesen sein, man hat keine Überreste gefunden.“

Bond begann langsam, sich ernsthaft Gedanken zu machen. Was meinte Dr.
Belleville? Keine Überreste? Wovon? Dann war der Anruf beendet, und Francine kam
auf die Tür zu.

Bond blickte sich hastig um: Wo könnte er sich verstecken?

Er ging hinter einem Schrank im Flur in Deckung. Francine ging die Treppe
hinunter. Diese Gelegenheit durfte Bond sich nicht nehmen lassen. Er huschte in
das Büro und sah sich nach verdächtigen Gegenständen um. Auf dem Schreibtisch
lag eine Notiz: „Lagos, Flug SN 823, 9.50 Uhr, Ticket am Schalter“. Bond prägte
sich die Notiz ein. Dann hörte er Schritte.

Dr. Belleville schien zurückzukommen. Im letzten Moment klickte Bond noch auf das
Telefon, und merkte sich die Nummer, von der aus Francine angerufen worden war.
Dann zog er die Walther, und ging hinter der Tür in Deckung.

Auf dem Flur stoppten die Schritte plötzlich. Dann erhallten sie wieder, doch
es klang, als würden sie sich wieder entfernen. Bond, immer noch die Walther im
Anschlag, spähte zur Tür heraus. Niemand da. Langsam ging er wieder die Treppe
hinunter. Dr. Belleville war nicht in Sicht. Er verließ das Haus aus der
Vordertür.

Auf dem Rückweg zum Bentley überlegte er, wie Dr. Belleville’s Äußerungen zu
verstehen sind. Und was wollte sie in Lagos? Er ging mehrere Umwege, um sicher
zu stellen, dass er nicht verfolgt wurde. Doch sein Aufenthalt in der Stiftung
schien gänzlich unbemerkt geblieben zu sein.

Im Bentley wartete eine Email-Nachricht von M auf ihn. „007, bitte melden Sie
sich, sofern Sie noch am Leben sind.“ Bond fragte sich ernsthaft, ob das ein
schlechter Scherz sei. Er beschloss, in sein Hotel zurückzukehren und sich dann
mit M in Verbindung zu setzen. Immer noch wimmelte es vor Polizei und Feuerwehr
auf den Brüsseler Straßen. Bond schaltete das Radio ein.

„Und nun noch einmal zu den Ereignissen des heutigen Abends. Im Brüsseler
‚Palace Hotel’ ging gegen 19.30 Uhr eine Bombe in die Luft. Eine für eine
Person englischer Staatsangehörigkeit gebuchte Suite schien das Ziel der
Bombenattacke zu sein. Von dem britischen Geschäftsmann fehlt jede Spur. Es
wird jedoch vermutet, dass er bei der Explosion ums Leben kam.“






Bond lief es heißkalt den Rücken
hinunter.



(A) Sie wussten also von ihm! Sie wussten in welcher Stadt er
war, in welches Hotel er eigentlich einchecken wollte, welche Suite er hatte!
Sie waren ihm einen Schritt voraus. Mindestens einen Schritt.



Der neue Bentley, bisher fuhr er sich übrigens ausgezeichnet, raste durch die
Brüsseler Innenstadt und Bond versuchte zusammenzufassen, was er eigentlich wusste. Das Ergebnis war
höchst unbefriedigend, denn sie schienen weit mehr zu wissen als er selbst.
Bond missfiel diese Situation gewaltig. Er hasste es, nicht genug Informationen
zu haben um nicht selbst die Fäden in die Hand nehmen zu können. So konnte die
Gegenseite planen und Fallen stellen. Und diese Gegenseite schien hier in
Brüssel überaus aktiv zu sein.



Entschlossen riss er das Lenkrad herum und fuhr auf dem Weg zum "des
colonies" am Palace Hotel vorbei. Er wollte sich ein Bild von der Lage
machen. Es war mittlerweile spät am Abend und Bond hielt in einiger Entfernung
von den Polizeisperren um mit dem englischen Kennzeichen nicht zuviel
Aufmerksamkeit zu erregen. Aber auch von hier aus konnte er das Ausmaß des
Schadens erkennen. Ein Meer aus Blaulichtern der Polizei und der Brüsseler
Feuerwehr gab dem Platz vor dem Palace-Hotel eine beklemmende Stimmung. Die
Sirenen hatten sie bereits ausgeschaltet und die Stille erzeugte in einem das
Gefühl, man sei zu spät gekommen. im fünften Stock klaffte ein großes Loch in
der Wand. Das war wohl mal die für ihn bestimmte Suite gewesen.



Vielleicht ließ sich von der Polizei noch irgendetwas in Erfahrung bringen. Er
wollte gerade aussteigen und hatte die Hand schon am silbernen Türgriff des
Bentley als er innehielt. So schlecht war die Situation für ihn doch gar nicht.
Immerhin wurde er für tot gehalten. Wenn er jetzt mit seinem englischen Akzent
vor dem Palace-Hotel Informationen einholte (Bond wusste, dass er den
belgischen Dialekt nicht beherrschte) wäre vielleicht seine ganze neugewonnene
Freiheit wieder dahin. So entschied er sich möglichst unauffällig ins "des
colonies" zurückzufahren. Vorher musste er jedoch M informieren. Sie
wollte heute noch zurück nach London und musste inzwischen eigentlich
angekommen sein. Er entschied sich für eine Handyverbindung (Q hatte ihm
versichert, dass sein neues Ericsson absolut abhörsicher sei) direkt zu
Moneypenny's Büro.



"Ja, bitte." Bond konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er
Moneypennys leicht schluchzende Stimme vernahm. Sie war also mit M zurück
gefahren. Im Hintergrund konnte man die Geräusche der Nachrichtensendung der
BBC hören: "Nun noch einmal zu unserem Reporter in Brüssel, wo heute ohne
Vorwarnung..." Bond vermutete, dass Moneypenny wohl schon den ganzen Abend
die Nachrichten nach Meldungen aus Brüssel durchsuchte. Er wunderte sich nur,
woher sie den Bildschirm hatte. M hatte alle privaten Fernsehgeräte im Haus
streng verboten.



"Penny?"



"James! Sie leben!"



"Noch, ja! Bitte stellen sie mich zu M durch."



"Sie ist zur Zeit wieder mal beim Premierminister, James. Sie werden sich
also noch ein bisschen mit mir unterhalten müssen."



In diesem Moment öffnete sich die Tür und M kam ins Zimmer. "Die Sitzung beim Premier war schneller
vorbei als..." Sie entdeckte Moneypenny's Fernsehprogramm.
"Moneypenny, habe ich ihnen nicht verboten den taktischen
Planungsbildschirm für ihre persönliches TV-Programm zu verwenden! Ich weiß,
wie besorgt sie um Bond sind, aber das rechtfertigt nicht, dass sie staatliches
Planungsgerät zweckentfremden." Sie überspielte geschickt, dass sie sich
sehr wohl auch um 007 Sorgen machte und auf der Fahrt von Downing Street
ebenfalls das BBC-Programm auf dem Bildschirm in ihrem Dienstwagen verfolgt
hatte. "Ich bin in meinem Büro, wenn sie was neues von 007 hören, sei es
durch die BBC oder unser eigenes Informationsnetz, will ich das sofort
erfahren!"



"Er ist gerade am Telefon, Ma'am"



"Geben sie her!" M riss Moneypenny den Hörer förmlich aus der Hand.
"007? Sie leben!"



"Ja, Ma'am. Meine Liebe zu alten Erinnerungen hat mich vor dem Tod
bewahrt."



Mittlerweile hatte sich M wieder gefasst und versuchte gewohnt sachlich zu
werden "Haben sie etwas Neues gefunden, 007?"



"Nicht viel. Vor allem nichts Konkretes. Nur ein Flugticket nach Lagos in
einem Haus dieser Aidsorganisation." Dr. Francine Belleville verschwieg er
M vorerst noch. Er wusste schließlich, dass Moneypenny immer noch zuhörte.






(K) M: "Ok, Bond! Ein alter Bekannter von Ihnen
befindet sich gerade zu verwaltungstechnischen Aufgaben in Amsterdam. Ich werde
ihm Bescheid geben, dass er noch nicht zurück nach London fliegen soll, sondern
über unser Amsterdamer Hauptbüro für die Benelux-Staaten noch ein paar Dinge
für Sie erledigen soll. Er wird Sie dann morgen früh um 10 Uhr vor dem Manneken
Pis treffen. Sie werden ihn erkennen."



Bond wusste, dass man am Telefon nicht über Namen sprechen sollte, selbst wenn
die Telefone abhörsicher waren. Das gehörte zum Einmaleins der Spionage. Bond
antwortete kurz: "Alles klar. Ich unterrichte Sie dann über weitere
Vorgehensweisen. Es wäre mir nur sehr recht, wenn der Mann schon um 8 Uhr da
sein könnte, da ich morgen früh um 10 Uhr nach Lagos, Nigeria, fliegen muss, um
einer Spur nachzugehen! Könnte der Mann dann bitte auch ein Ticket für den Flug
SN 823 nach Lagos um 10 Uhr morgen früh mitbringen?"



M: "Gut, das geht klar! Unser Mann wird Sie dann über Ihren weiteren
Auftrag informieren und ihnen ein Flugticket mitbringen. Bis dann!"



Bond verließ nun mit seinem Bentley die Stadtmitte Brüssels wieder, um seinen
"Mördern" nicht über den Weg zu laufen. Er fuhr über die Rue de Liege
in Richtung des Arbeiterviertels Anderlecht. Er passierte mehrere kleine Cafes
in den noch reger Betrieb herrschte. Die vielen kleinen Blumenläden an den
Straßen verschafften ihm ein Gefühl von Idylle, die ihn für einen Moment die
Probleme, die er hatte, vergessen ließen.

Nach einer Viertelstunde waren die Cafes und die belebten Straßen einem eher
schmutzig erscheinenden Anblick von Fabriken und Hallen gewichen. Bond wusste,
dass er hier sicher war. In diesen Arbeitervierteln würde ihm sicher kein
Großkrimineller über den Weg laufen. Die würden weiterhin von seinem Tod
ausgehen. Hier musste er sich eher vor Kleinkriminellen und Dieben in Acht
nehmen.

Bond parkte seinen Bentley auf einen großen Parkplatz der Brüsseler Stadtwerke,
der schon fast vollkommen leer war. Es war bereits 21 Uhr. "Gut,"
dachte sich Bond, während er die Ledersitze seines Bentleys auszog, "hier
werde ich also heute übernachten." Bond wollte sich gerade auf die flach
ausgebreiteten Ledersitze legen, um ein wenig zu schlafen, als ihm plötzlich
einfiel, dass er ja noch die Nummer aus Dr. Bellevilles Büro hatte.

Hastig griff er nach seinem Handy, nahm die Funktion der Übermittlung seiner
Nummer heraus, und wählte die Nummer. „Tuut-Tuut-Tuut.“ Bond wollte schon
frustriert auflegen, als nach 6-maligem Tuten ein Anrufbeantworter ranging.
Bond lauschte gespannt:
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:02

"Lieber Patient, Sie sind mit
der AIDE-Stiftung in Lagos verbunden. Dr. Morton ist im Moment leider nicht im
Büro. Hinterlassen Sie bitte eine Nachricht nach dem Piepton. Danke!"

Bond legte schnell auf, bevor der Piepton ertönte. "Ein Dr. Morton also.
Den Namen muss ich mir gut merken", dachte sich Bond. Er legte sich nun
wieder hin, nachdem er eine Decke aus dem Kofferraum nach vorne gezogen hatte,
deckte sich mit derselben zu und schlief zufrieden ein. Den Wecker in seiner
Uhr hatte er auf 7 Uhr gestellt. Ihm blieben jetzt noch 6 Stunden, um sich ein
wenig zu erholen.






***



Um 7 Uhr klingelte der Wecker los. Bond rieb sich die Augen, streckte sich und
begann langsam wach zu werden. Die Nacht war recht ruhig gewesen. Außer einigen
herumstreunenden Katzen hatte niemand Notiz von ihm genommen.



Bond fuhr nun zum Gare du Nord de Bruxelles, wo er eine Dusche nehmen konnte,
sich rasierte und einen neuen Anzug anzog, der im Koffer im Bentley war.

Nach einem kurzen Frühstück in einem Bistro, fuhr er Richtung Manneken Pis. Er
war spät dran und lief schnellen Schrittes zur Statue, nachdem er seinen Wagen
in einer Seitengasse abgestellt hatte. Schon sehr schnell erkannte er, wen ihm
M geschickt hatte. "Urs! Du hier?! Schön, Dich zu sehen!"



Nach einer freundlichen Begrüßung erklärte Messler Bond, dass er gerade in
Amsterdam war, um mit den dortigen Behörden eine Angelegenheit zu klären. Die
Drogenbehörde des Geheimdienstes Ihrer Majestät hatte eine Spur dahin verfolgt.
Messler klärte ab, dass der Schmuggler ausgeliefert werden solle. "Aber nun
zu Dir, James! M hat mir die Geschichte erzählt. Gott sei dank bist Du noch am
Leben. Ich habe getan, was ich tun konnte, um hierher zu kommen."



"Was hat M geplant?"



"Laut unseren Geheimdienstinformationen weiß niemand, wie Du aussiehst.
Wir haben die Telefonate dieses Colombier recherchiert. Er telefonierte mit
einer gewissen Dr. Belleville. Als sie über einen britischen Agenten redeten,
kam dabei zum Vorschein, dass sie wussten, in welches Zimmer Du einchecken
wolltest und wie Du heißt, aber nicht, wie Du aussiehst. M hat daher
angeordnet, dass ich Dir einen Ausweis erstelle. Du heißt jetzt James Lloyd und
bist bei der World Health Organisation angestellt und musst für die WHO die
Aktivitäten der AIDE-Stiftung überprüfen. Das sind Routine-Untersuchungen, für
die Du nur die Unterlagen anschaust und dann wieder gehst. Dich wird also
niemand auf Dein gesundheitspolitisches Wissen prüfen. Du wirst heute
Nachmittag in Lagos am Flughafen vom britischen Botschafter Sir Arthur Harris
abgeholt werden. Er wird Dir einen Wagen schicken. Ich habe mit Sir Harris
vorhin telefoniert. Er will Dich in Lagos mit Nelson Mbeki, dem
Gesundheitsminister Nigerias und Gründer der AIDE-Stiftung und deren
Geschäftsführer, Reverend Stone, bekannt machen. Es ist schließlich etwas Großes
für Nigeria, wenn ein Beauftragter der WHO vorbeischaut. Da will man nur die
hohen Tiere dabei haben."



"Sehr gut, Urs. Hast Du das Ticket für mich nach Lagos? Ich muss nämlich
langsam mal zum Flughafen."



Messler reichte Bond sein Ticket und noch einige weitere Unterlagen, die ihn
als WHO-Mitarbeiter James Lloyd identifizieren sollten. So zum Beispiel einen
Pass, einige Broschüren und weitere Papiere. "Toll, was Messler in so
kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat", dachte sich Bond. Bond übergab die
Schlüssel seines Bentley an Messler, der ihn noch zum Flughafen bringen sollte,
und danach den Bentley wieder nach London bringen musste, was Messler sehr gern
hinnahm.



Bond nahm sein Gepäck aus dem
Kofferraum und verabschiedete sich von Messler: "Bis bald, Urs. Und pass
auf den Bentley auf, sonst bringt Dich Q um!"






***



Bond kam um 8 Uhr 30 am Flughafen an, schaute sich nach Dr. Belleville um,
konnte sie aber nirgendwo sehen.

20 Minuten später wurden die Passagiere des Flugs SN 823 ausgerufen und zur Pforte
Ost gebeten. Es waren nur etwa 25 Menschen, die sich versammelten. Lagos schien
kein Touristenziel zu sein.

Jetzt endlich konnte er Francine Belleville erkennen. Er war von ihrem Aussehen
noch mehr fasziniert als er es gestern Abend in den Brüsseler AIDE-Büros
gewesen war.

Bond stellte sich neben sie und wühlte in seiner Tasche, als ob er etwas suchen
würde.

Dann zückte er sein Handy und sprach mit einem imaginären Gesprächspartner:
"Ah, hallo Sir. Ja, ich bin gerade am Flughafen von Brüssel. Ich werde
jetzt nach Lagos fliegen, um dort die AIDE-Stiftung für die WHO zu untersuchen.
Die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz klappt immer besser. Ja, Sir, ich danke
Ihnen! Wiederhören!"

Bond nahm sein Handy wieder in seine Tasche und wartete gespannt auf Dr. Bellevilles
Reaktion, die das in einer kaum zu überhörenden Lautstärke geführte Telefonat
interessiert verfolgt hatte.



Dr. Belleville trat nun auf Bond zu: "Entschuldigen Sie, ich will ja nicht
als neugierig gelten, aber ich habe gerade vernommen, dass Sie als Mitglied der
WHO zur AIDE-Stiftung nach Lagos fliegen...?!"



Bond tat überrascht, während er sich innerlich über Dr. Bellevilles Anbeißen
freute: "Ja, warum?"



Dr. Belleville: "Ich bin bei der Brüsseler Filiale der Hilfsorganisation
AIDE angestellt. Mein Name ist Belleville, Dr. Francine Belleville."



"Mein Name ist Lloyd, James Lloyd. Angenehm!"



Nach einigen Small-Talk-Gesprächen über die WHO und Brüssel kam Bond auf ein
anderes Thema zu sprechen: "Ja und jetzt geht es nach Lagos. Dr. Morton
soll dort ein sehr guter Mediziner sein?!"



Bond hoffte wieder auf Dr. Bellevilles Anbeißen und außerdem darauf, dass Dr.
Morton tatsächlich Angestellter der AIDE-Stiftung war. Sonst hätte er sich mit
seiner Aussage ziemlich in die Nesseln gesetzt. Bond hatte Glück. "Ja, wir
sind froh, Dr. Morton für unsere Zentrale in Lagos gewonnen zu haben. Er ist
einer der anerkanntesten Mediziner der Welt mit vielen Auszeichnungen. Er ist
ein großer Gewinn für unsere Hilfsorganisation."



Bond spürte mit seinem unnachahmlichen Instinkt, dass er mit Dr. Morton einen
großen Fisch an der Angel haben würde.



James Bond und Dr. Francine Belleville mussten nun zur Pass- und
Gepäckkontrolle und bestiegen danach die Maschine, die mit leichter Verspätung
das verregnete Brüssel in Richtung Süden verließ.






(Z) Bond ließ sich in einen der sehr bequemen Sitze fallen und
orderte per Signalknopf eine Stewardess zu sich.



„Was wünschen Sie, Sir ?“ Die Stewardess setzte ein freundliches Lächeln auf,
so wie immer in all den Flugzeugen und Gaststätten, in denen Bond schon so oft
bedient worden war.



„Ich hätte gerne ein Glas Ginger Ale. Mit wenig Kohlensäure, wenn möglich. Ach
ja, und dann bitte noch die heutige Ausgabe einer internationalen Zeitung.
Vielen Dank.“



Einige Minuten später schritt die Stewardess elegant auf Bond zu, reichte ihm
das Glas Ginger Ale und die aktuelle Ausgabe der Belgischen Kronenzeitung.
„Bitte schön und einen angenehmen Flug noch“.



Bond bedankte sich, stellte das Glas auf das ausklappbare Tablett und schlug
die Zeitung auf. Er blätterte ein wenig, wobei er immer wieder an seinem Ginger
Ale nippte. Plötzlich stieß er auf einen interessanten Artikel, der mit einer
kursiv geschriebenen Überschrift gekennzeichnet war: „Hintergründe und Motive
des Bombenattentates auf einen englischen Geschäftsmann weiter unklar. Die
belgischen Behörden, sowie Interpol tappen weiter im Dunkeln." Diese
Tatsache lösten in Bond ein Gefühl von Bedrückung aus, doch er wusste ja, das
die Hintermänner keinesfalls sein Gesicht und seine wahre Identität kannte und
dass er vermutlich als tot galt. Bond witterte deshalb einen gewissen Vorteil
gegenüber seinen Widersachern, der er gekonnt auszuspielen versuchte. Nach
einen kurzen Blick über die Sportergebnisse und der Erkenntnis, das die Sussex
Crocket Hunters mal wieder verloren hatten, drehte Bond seine Taille in die
Sessellehne, um ein wenig zu schlafen.

Plötzlich wähnte er sich in Gefahr. Jemand kam auf ihn zu, ganz nah. Er wollte
sich schon auf einen Kantenschlag vorbereiten, denn wer sollte schon einen
unbescholtenen Inspektor der Weltgesundheitsorganisation mitten auf einem Flug
nach Lagos belästigen?






Bond wollte gerade in diesem Moment seinen Augen
öffnen und zulangen, als ihm eine Frau tief in die Augen blickte. Es war Dr.
Belleville. Erleichtert löste sich Bond aus seiner Schlafposition und setzte
sich aufrecht in seinen Sessel. „Was zum Teufel tun Sie denn hier, Doktor? Und
wo sitzen sie überhaupt?“



“Ich wollte mir mal die Beine vertreten und raus von Platz am Beginn des
Korridors. Kein Wunder, dass Sie mich nicht sehen konnten. Immerhin saß ich
direkt vor diesem erdnussfressenden Monster aus Oklahoma. Er atmete den ganzen
Flug über tief und laut hörbar. Und als wir uns über Athen befanden, ließ er
sich auch noch den Playboy bringen, schrecklich so was.“



„Aber Sie sind ja sicherlich nicht zu mir gekommen, um sich über die anderen
Fluggäste auszulassen, oder?“



„Ach, Mr. Lloyd. Sie könnten für mich einen Information weiterleiten. An Mr.
Mbeki und den Reverend. Ich muss noch etwas Geschäftliches in einem Außenbezirk
von Lagos erledigen. Einen repräsentative Aufgabe, eine Einweihung eines
Tagesheimes für Kriegsflüchtlinge, deshalb ist es mir leider nicht möglich,
ihrem Treffen am Flughafen beizuwohnen.“ Belleville beugte sich nun ein wenig
über Bond, der wohlwollend in ihren Ausschnitt sehen konnte.



„Selbstverständlich. Das sind natürlich Argumente.“



„Bis dann, Mr. Lloyd.“ Belleville
wendete sich ab und nahm wieder auf ihrem Platz am Beginn des Korridors Platz.
Bond hingegen lehnte sich wieder in den Sessel, um noch ein wenig zu schlafen.


***



Ein dumpfer, aber zugleich lauter Gong erweckte Bond nach einer guten halben
Stunde aus seinem Schlaf. Bond schlief eigentlich nie richtig fest, aber dafür
intensiv, dennoch vernahm er ein gewisses Gefühl von Entspannung und
Leichtigkeit. Er sah auf seine Omega. Es war nun etwas später als 15 Uhr.



„Wir möchten sie darauf hinweisen, dass wie in Kürze den nigerianischen
Luftraum passieren."



Bond blickte nach rechts aus dem Fenster und erkannte einen breiten, in der
Nachmittagssonne glänzenden Fluss. Es handelte sich zweifelsohne um den Niger.
Ein Blick auf den Navigationscomputer, welcher in der Wand am Ende des
Korridors eingelassen war, bestätigte diese Vermutung. Der Navigationscomputer
ließ Bond ebenfalls wissen, das die Maschine jetzt über der Stadt Ogbomoscho
kreisen müsste. Lagos war also nur noch ca. 15 Minuten entfernt. Bond nahm
seinen Jacke vom Haken, nahm noch einen kräftigen Schluck Ginger Ale und
stellte das leere Glas, sowie die Ausgabe der Kronenzeitung auf ein
nahestehendes Tablett, ehe er, die Jacke über dem Arm hängend, den Gurt um
seine Hüfte legte.

Die Maschine holperte leicht und man konnte Rauch von den Reifen aufsteigen
sehen. Weit herum sah Bond abgesehen von den Flughafengebäuden und ein paar
Schirmakazien recht wenig. Er begab sich zum Ausgang und musste leicht
durchpusten. Es war drückend warm. Er krempelte sich die Hemdärmel hoch. Im
Schlepptau der anderen Gäste schritt Bond in Richtung Wartehalle, doch diese
erreichte er nicht mehr. Er wurde von einem etwa Mittfünfziger angehalten und
angesprochen: „Spreche ich mit Mr. Lloyd, Mr. James Lloyd ?“



“Ja, das tun Sie." Er musterte den Mann und reichte ihm die Hand und
sagte: „Dann müssen Sie wohl Sir Arthur Harris sein. Der britische Botschafter.“



„Sehr richtig Mr. Lloyd." Die beiden fachsimpelten noch etwas über ihre
gemeinsame Heimat und über das drückende Klima hier in Lagos, doch Harris blieb
plötzlich stehen und klopfte Bond leicht auf die Schulter. „Ich denke, dass ich
Sie jetzt mit Herrn Nelson Mbeki und Reverend Stone bekannt machen kann.“ Sie
schritten zu einer kleinen Leder-Sitzecke und Harris sprach einen schlacksig
gebauten, seriös wirkenden Schwarzafrikaner an: „Mr. Mbeki. Darf ich sie nun
mit Mr. Lloyd von der WHO bekannt machen ?“



„Sehr angenehm. Ich freue mich Sie in Lagos begrüßen zu dürfen. Machen sie sich
nicht all zu viele Gedanken über das Wetter hier. Es hat seit Tagen nicht mehr
geregnet, aber der nächste Schauer sollte bald kommen."






Er reichte Bond die Hände, was auch
erwidert wurde. „Freut mich, Mr. Mbeki. Und sie sind dann Mr. Stone, nicht
wahr? Ach übrigens, Dr. Belleville ist verhindert. Sie teilte mir im Flugzeug
mit, dass sie noch eine repräsentative Aufgabe im Außenbezirk wahrnehmen muss.“



„Jawohl, Archibald Stone, Geschäftsführer von ‚Aide contre Aids’. Allerdings
muss ich dazu sagen, dass ich teilweise die Geschäftsführung an meinen
Mitarbeiter Dr. Morton übertrage, einer der erfolgreichsten und anerkanntesten
Mediziner auf dem Gebiet der Aidsforschung. Zudem hat er das Amt des Chefarztes
inne. In Zukunft widme ich mich ganz der Leitung meiner persönlichen
Spendergesellschaft HELP!, die Hilfsprojekte in ganz Afrika unterstützen will.
Ob Verpflegung von Erdbebenopfern, oder die Betreuung von Minengeschädigten aus
Bürgerkriegszeiten. Trotzdem bleibt die Bekämpfung des Aidsvirus unsere höchste
Priorität. Aber das Alter lässt halt nicht beide Tätigkeiten zu. Ja, und im
Alter vergisst man auch leicht. Dr. Bellevilles Termin hab ich glatt
vergessen."



Bond studierte den Körper des Reverends. Er mochte vielleicht fünf, vielleicht
sechs Jahre älter sein als Harris, der sich zwischenzeitlich in einem
Couchsessel saß und einen Kaffee schlürfte. Er stand auf, stellte den Kaffee
auf einen gläsernen Tisch und verabschiedete sich von den beiden. „Mr. Lloyd
hat einen anstrengenden Flug hinter sich. Er möchte sich sicherlich ausruhen.
Die weiteren Details seiner Arbeit können wir ja morgen im Casino besprechen.
Also bis morgen dann.“



„In Ordnung. Sagen wir 19.30 Uhr. Ich lasse einen Tisch in der Bar bestellen.
Schönen Tag noch.“ Mbeki und Stone schüttelten Harris und Bond noch einmal die
Hände und gingen dann in Richtung Vorplatz, wo sie in ein Taxi einstiegen.



„Ach, Harris, bevor ich vergesse. Sind die Umzugskosten der Ministerien nach
Abuja eigentlich schon beglichen?"



„Sie können lachen, Mr. Lloyd, oder sollte ich lieber James Bond sagen? M sagte
mir schon, das sie Afrika lieben. Jedenfalls wurden diese Kosten mitfinanziert
durch einen Organisation, die vor ca. 3 Jahren zusammenbrach. Ihr Vorsitzender
war übrigens Reverend Stone. Kommen Sie, hier steht mein Rolls Royce.“



Bond und Harris stiegen in den Rolls Royce und fuhren gemeinsam in Richtung der
britischen Botschaft. Die Botschaften waren die einzigsten Gebäude, die noch
nicht nach Abuja verlagert worden sind.



„Julius, zur Botschaft bitte.“ Ein etwa 25 jähriger Fahrer erwiderte mit „Ja,
Sir“ und ließ den Wagen an. Eine halbe Stunde später rollte der Wagen über die
Hauptstrasse, an der die Botschaftsgebäude standen. Es waren prachtvolle
Gebäude aus der Kolonialzeit der Briten. Bond schätze das Alter der Häuser auf
circa 1865. Die britische Botschaft lag am ende der Strasse. Bond schaute aus
dem Fenster und erblickte Plantagen, auf denen offensichtlich Erdnüsse und
Kakao angebaut wurde. „Hier pulsiert das
Leben, James. Hier die herrschaftlichen Gebäude, dort wieder Plantagen und
Gärten. Einfach herrlich.“






Schließlich erreichten sie die
britische Botschaft, die blumenbeschmückten Balkonen verziert war, und durch
ein kleines Schild am gusseisernen Zaun angekündigt wurde: Nigerian Embassy Of
The United Kingdom, Lagos. Die Botschaft verfügte über einen kleinen Garten im
Eingangsbereich, indem sich zwei kleine Teiche befanden. Im Hintergrund, an der
Vorderfront des Gebäudes reckten sich zwei Union Jacks an Fahnenmasten in den
Himmel. „So, hier wären wir.“ Harris bat Bond hinaus und schlenderte mit dem
Fahrer die marmorne Treppe hinauf in die Empfangshalle, wo schon Bonds Gepäck
stand. „Julius, wenn sie so lieb wären
und das Gepäck auf das Gästezimmer bringen würden. Dankeschön.“



Bond folgte Julius und blickte in das Zimmer. Es wurde durch zahlreiche
Holzschnitzereien verziert. Über der Eingangstür des Zimmers hing, ebenso wie
an der Eingangstür zur Botschaft das nigerianische Staatswappen, sowie den
Leitspruch 'Einheit und Glaube.' Bond bedankte sich bei Julius und ließ sich in
einen Ledersessel fallen, um sich vom an der Decke befindlichen Ventilator mit
kühler Luft streicheln zu lassen und zu entspannen.



***





(A) Bond konnte es selbst kaum glauben, als er mit einem Auge
auf die Omega blinzelte, die eben zu piepsen begonnen hatte. Tatsächlich, es
war bereits 18.30 Uhr. Er war wirklich eingeschlafen, trotz der drückenden
Hitze, die einem wie ein aufdringlicher Mensch überallhin zu folgen schien.
Wahrscheinlich lag es am angenehmen Wind, den der Deckenventilator erzeugte.
Oder an seiner Müdigkeit nach dem Flug. Oder an beiden!



Gerne wäre er noch liegengeblieben, aber der Botschafter hatte ihn auf 19.00
Uhr in den Salon zum Dinner eingeladen. Natürlich konnte man ihn nicht warten
lassen, weshalb Bond auch vorsorglich den Alarm seiner Uhr angeschaltet hatte.
Er duschte, entschied sich für ein klassisches, weißes Hemd und wurde pünktlich
um 5 Minuten vor 7 Uhr von Julius in den Salon geführt. Bond war froh, dass Sir
Harris außer seiner Frau und einem gewissen Mr. Gilbert, seinem persönlichen
Sekretär, keine weiteren Gäste geladen hatte. Dem Botschafter schien vollkommen
klar zu sein, dass Bond Diskretion in diesem Fall sehr wichtig war. Man musste
ja nicht gleich ganz Nigeria über seine Ankunft in Kenntnis setzen.



Der Raum war sehr geschmackvoll eingerichtet. Das gesamte Mobiliar schien noch
aus der Kolonialzeit zu stammen. Teile davon, wie der Löwenkopf an der Wand und
das Porträt von Königin Victoria zeugten davon. Bond nahm neben Harris' Frau
Platz und wurde von ihm mit ihr und Gilbert bekannt gemacht. Leicht gedämpft
fügte er hinzu: "Ich hoffe es stört sie nicht, Mr. Bond! Aber keine Angst,
wir können hier vollkommen frei reden. Beide genießen mein volles Vertrauen -
" mit einem Blick auf seine Frau fügte er hinzu: "Gilbert
zumindest!" Hierfür bekam er von der Botschafterin einen unbeschreiblich
bösen Blick zugeworfen.



Bond versuchte die Situation zu entschärfen, indem er das Gespräch fortsetzte
"Ich weiß ihre Diskretion zu schätzen, Sir Harris."



"Das dachte ich mir schon."



In diesem Moment wurde das Essen aufgetragen. Wie Bond vermutet und gehofft
hatte, bestand es hauptsächlich aus afrikanischen Spezialitäten. Es war überaus
gut zubereitet und auch der Wein aus dem hauseigenen Keller passte hervorragend
dazu. Der Botschafter hatte ihn Bond empfohlen. Angeblich stammte er noch aus
dem Nachlass des letzten Gouverneurs. Nach dem Dinner meldete sich Gilbert zu
Wort:



"Wie gefällt ihnen Nigeria bis jetzt, Mr. Bond?"



"Viel mehr als den Flughafen und die Botschaft kenne ich ja noch
nicht."



Jetzt griff Mrs. Harris ein: "Oh, Sie werden begeistert von Nigeria sein.
Die Natur hier ist einzigartig schön. Waren sie schon am Meer, Mr. Bond?"
Man spürte, dass Mrs. Harris wirklich begeistert von Nigeria war.









"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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7

Samstag, 25. Mai 2013, 23:03

"Bis jetzt leider noch nicht.
Ich bin noch nicht dazu gekommen."



"Ja richtig, Sie müssen ja arbeiten. Sie sind beim Geheimdienst, nicht
wahr?"



"Agnes!" Der Botschafter unterbrach seine Frau schnell. Diesmal war
sie es, der der finstere Blick zugeworfen wurde. Bond konnte sehen, dass dem
Botschafter, die "offene Art" seiner Frau mit Geheimnissen umzugehen
etwas peinlich war.



"Lassen sie nur, Sir Harris! Solange die Gegenseite nichts davon
weiß!" Mrs. Harris grinste überlegen zu ihrem Mann hinüber.



"Auch ich schweige natürlich wie ein Grab" versicherte Gilbert. Bond
glaubte ihm das aufs Wort. Der Sekretär war den ganzen Abend so zurückhaltend
und korrekt gewesen, wie man das von einem Beamten im Botschaftsdienst erwarten
konnte. Er machte überhaupt einen sehr verlässlichen Eindruck auf Bond.



Durch die Unterstützung von Bond vorhin fühlte sich Mrs. Harris ermutigt, das
Gespräch fortzuführen. Sie begann von Neuem von der Schönheit des Landes zu
reden, von der Freundlichkeit der Leute und spickte ihre Erzählungen zur
Veranschaulichung mit Erlebnissen, die sie in 17 Jahren an der Botschaft
gemacht hatte. Gelegentlich wurden ihre Ausführungen von Sir Harris oder
Gilbert ergänzt. "...Aids ist allerdings ein Problem! Wie leider fast
überall in Afrika"



Der Botschafter machte ein ernstes Gesicht "Das stimmt. Glücklicherweise
kümmert sich die Organisation von Reverend Stone darum. Feiner Kerl. Finanziert
alles aus Spendengeldern. Er selbst arbeitet komplett ehrenamtlich. Eine
wirklich interessante Persönlichkeit! Nun ja, Bond. Sie werden ihn ja sowieso
morgen im Casino treffen."



"Ein Reverend im Casino?" Bond zog die Augenbrauen hoch.



"Wir haben uns daran mittlerweile schon gewöhnt. Stone sieht das nicht so
eng. Er ist einer der Geistlichen, die eher praktisch denken. Sie werden es ja
morgen selbst sehen!"



Bond war wirklich gespannt auf das Treffen morgen im Casino. Gegen 10 Uhr löste
sich die Runde auf. Gilbert ging in sein Büro um noch wichtige Unterlagen zu
bearbeiten, wie er selbst sagte. Für ihn schien es selbstverständlich zu sein,
auch noch nach Feierabend weiterzuarbeiten. Der Botschafter lud Bond noch auf
einen Bourbon in sein Arbeitszimmer ein. Sie unterhielten sich bis weit nach
Mitternacht über die politische Situation in Nigeria (Sir Harris erzählte ihm,
dass vor Kurzem wieder Wahlen stattgefunden hatten), über Bourbon, Autos (Bond
lobte den Rolls-Royce des Botschafters) und andere Dinge. Mrs. Harris
interessierten solche Themen nicht und so versuchte sie noch mindestens
dreimal, die Aufmerksamkeit wieder auf Nigeria und ihre Erlebnisse in den
letzten Jahren zu lenken. Doch diese Versuche scheiterten jedes Mal an der
steinernen Miene, die der Botschafter dann auflegte und so verließ Mrs. Harris
den Raum bald wieder.



Nach dem Gespräch mit Sir Harris ging auch Bond in sein Zimmer zurück und
versuchte einzuschlafen, was nun in der lauen Nachtluft, die durch das
geöffnete Fenster in sein Zimmer drang, viel besser ging als noch am Nachmittag.
Den Ventilator ließ er trotzdem an.






***





(Z) Mit einem lauten Piepen wurde Bond aus seinen Träumen
geweckt. Seine Omega zeigte eine Uhrzeit von 9. 45 Uhr an. Eigentlich
ungewöhnlich für Bond, der ja sonst das frühe Aufstehen liebt und diesem frönt.
Trotzdem genoss er die warme Luft, die jetzt schon teilweise drückend im Zimmer
lag. Während Bond unter einer erfrischenden Dusche stand überlegte er, wie er
den Tag bis zum Treffen mit Mbeki im Casino verbringen solle. Er war
unentschlossen. Er hätte die Möglichkeit sich weiter mit Harris über das Land
und dessen Probleme, vor allem natürlich Aids, zu unterhalten. Doch angesichts
der jetzt schon hohen Temperaturen entschied er sich, diesen Plan zu verwerfen.
Bond war schließlich ein Mann der Tat und so ließ er sein Gehirn unaufhaltsam
arbeiten, um einen Plan für den Tag zu erstellen.






Nachdem er ein dunkelblaues Hemd
und eine graue Hose angezogen hatte, begab sich zur hölzernen Treppe, die an
ihren Sockeln mit kleinen Löwenköpfen verziert war und schritt diese in einem
leicht lässigen Gang hinunter. Anschließend folgte er dem dicken beigefarbenen
Teppich und betrat das Speisezimmer, das durch Gilbert und dem Botschafter
schon recht gut gefüllt war. „Guten Morgen die Herren. Wo ist denn die Frau
Gemahlin ?“



„Guten Morgen, James .Sie wollte noch kurz in die Stadt, um ein Geschenk für
die Frau des französischen Botschafters zu kaufen. Sie feiern heute nämlich
15jähriges Dienstjubiläum.“



Bond griff nach frischen Croissants, und strich sich ein wenig Konfitüre auf,
anschließend schenkte er sich Kaffe ein. Bond hasste eigentlich Tee,
bezeichnete ihn als „dreckiges Wasser“, was untypisch für einen gestandenen
Briten war.





Nach einem ausgedehnten Frühstück blickte Bond erneut in seinen Kleiderschrank,
um das passenden Outfit für den Tag zurechtzulegen. Er wählte eine dunkelgrüne
Stoffhose und ein beigefarbenes Safarihemd, dessen Ärmel er hochkrempelte.



Dann ging er auf Gilberts Büro zu,
an das er anklopfte: „Ach Gilbert, bitte fahren Sie doch einen unauffälligen
Wagen vor. Ich würde heute gerne zur Horora-Bucht. Das liegt doch hier ganz in
der Nähe.“



„Es sind nur wenige Kilometer. Wollen Sie denn einen Wanderausflug machen?“



„Eher weniger. Also sagen wir in zehn Minuten ?“



„Geht in Ordnung, Mr. Bond. Ich bearbeite nur noch diesen kleinen Antrag.“



Bond schlenderte zu einem kleinen Teewagen, auf dem eine altertümlich Karaffe
stand, in der sich Orangensaft befand. Er schüttete sich ein Glas ein und nahm
einen kräftigen erfrischenden Schluck, als auch schon Gilbert die Treppe
hinunterkam.



„Die Sache hat sich schon erledigt. Wollen wir.“ Gilbert deutete auf die Tür
und beide gingen in Richtung des Hofes, auf dem ein ca. 20jähriger Landrover
stand.



Nach zwanzig Minuten erreichten sie endlich die Bucht von Horora, einem kleinen
Vorort von Lagos. Gilbert folgte dem Wagweiser der Tauchschule und bog nach
rechts in einen staubigen Pfad ab. Staub wirbelte auf, als Gilbert auf die
Bremse trat und den Zündschlüssel hinauszog. Am Eingang der Tauchschule
erwartete Bond schon ein Herr mittleren Alters, der einen Sonnenhut trug und
vermutlich aus Westeuropa kam. Die Tauchschule war eine kleine, urig anmutende
Strohhütte, die aber über technische Standards, wie Ventilatoren, oder Computer
verfügte.



„Eine Tauchausrüstung für vier Stunden bitte.“ Bond wusste sich nicht anders zu
helfen, als seine Universal Exports-Mitgliedskarte zu zücken und sie dem Mann
zu zeigen. Doch dieser interessierte sich wenig dafür. Er erblickte Gilbert,
der sich zwischenzeitlich an den Landrover gelehnt hatte und grüßte ihn: „Guten
Morgen Freddie, wen hast du denn da mitgebracht?“



„Ein guter Freund von mir und Mr. Harris. Sein Name ist Bond. James Bond. Er
wollte mal die Natur hier genießen.“



Der Tauchlehrer zwinkerte Bond zu und reichte im zwei Sauerstoffflaschen, sowie
die andere übliche Ausrüstung.Bond bedankte sich und ließ sich ins kühle Nass
fallen. Um Bond stiegen Luftblasen auf und schon bald erkannte er die
wunderbaren Korallen und die hell leuchtenden Fische. Das Licht der jetzt im
Zenit stehenden Sonne wurde von Wasser gebrochen und leuchtete die farbenfrohe
Unterwasserwelt aus. Nach einigen Stunden beendete Bond das wunderbare
Naturschauspiel und schwamm zur Wasseroberfläche zurück. Er stapfte in einen
kleinen Umkleideraum und legte wieder seine Strassenkleidung an, während er die
triefende Taucherausrüstung über eine Holzbarriere hing.






Bond setzte sich in einen
gemütlichen Korksessel, bestellte ein Glas Ginger Ale und blickte hinaus auf
die Bucht von Horora. Das Felsmassiv strahlte Bond rötlich entgegen und beinahe
wäre er der Natur erlegen und eingeschlafen, wenn ihn nicht Gilbert, der die
gesamte Zeit mit Gordon Francis, dem Tauchschullehrer mehrere Partien
Backgammon spielte, ermahnte: „Mr. Bond. Denken Sie bitte daran, dass Sie heute
Abend mit dem Reverend verabredet sind. Außerdem könnten wir beide glaube ich,
eine Kleinigkeit zu Essen vertragen. Vielleicht ist ja schon Mrs. Harris wieder
zurück. Sie ist eine zauberhafte Köchin.“





Bond bequemte sich aus seinem Stuhl und verabschiedete sich dann von Francis.
Bond und Gilbert stiegen ins Auto. Der Motor lief schon, als sie auch Gilbert
verabschiedete: „Mach’s gut Gordon. Setz mir den Tag heute einfach auf die
Rechnung. Vielleicht schaue ich heute Abend noch einmal vorbei.“





Bond und Gilbert erreichten nach einer halben Stund die britische Botschaft.
Auch Bond verspürte jetzt ein Hungergefühl. Vermutlich wurde es zuvor von den
wunderschönen Erlebnissen unter Wasser gedrückt.





In der britischen Botschaft orderte Gilbert das Essen für die nächste Dreiviertelstunde.
Gelegenheit für Bond, die Garderobe für den Abend bereitzulegen. Er wählte die
Standardgarderobe: ein modisches, mit schwarzen Perlen bestücktes Thurnbach und
Asser-Hemd, einen schwarzen Anzug und die dazu passende Hose. Eine an den Beinen
engere. Bond liebte dies, denn es erinnerte ihn an seine Uniformhose, die er so
oft bei der Navy trug.

Die Garderobe inklusive der schwarzen Fliege legte er auf das Bett. Bond betrat
das Speisezimmer, wo die Gerichte schon aufgebaut worden waren. Während Bond
immer wieder das leckere Essen lobte, erzählte er auch von den entspannenden
Erlebnissen des bisherigen Tages. Vor allem Mrs. Harris, die Naturliebhaberin
hörte gefesselt zu.

Nach dem vorzüglichen Essen legte Bond sich noch für zwei Stunden schlafen, um
dann um viertel vor sieben noch einen kleinen Snack zu sich zu nehmen. Bond
legte sein Abenddress an und stieg in den Wark Pard von Harris, der ihn zum
Casino brachte. „Viel Spaß dann. Und verspielen Sie nicht zu viel.“

Bond winkte Harris zu, der im Schritttempo zurück auf die Hauptstrasse und
Richtung Botschaft fuhr. Bond schritt in den Vorraum des Casinos, gab seine
Personalien an und löste seine Eintrittskarte und sah sich um. Es war fünf vor
halb acht. Er schritt über die roten Teppichen und verfolgte zeitweise das
Spielgeschehen an einigen Tischen, als er am Chemin-de-fer-Tisch den Reverend
entdeckte. Er grüßte den Reverend kurz und orderte dann einen jungen Diener:
„Besorgen Sie mir bitte Chips für zwanzigtausend Pfund.“

Der Diener tat wie ihm befohlen und kam nach einer kurzen Zeit mit einem
Silbertablett zurück, auf dem 20 rote Chips im Wert von je zehntausend Pfund
lagen. Bond steckte die Chips in seine Tasche seines Sakkos und setzte sich an
Tisch 3. Er blickte nun Reverend Stone direkt ins Gesicht . Die weiteren
Spieler setzten sich aus schwarzafrikanischen Industriellen, aber auch weißen
Diplomaten zusammen. Bonds Nachbar sprach mit einem starken französischem
Akzent, außerdem fiel Bond ein schwergewichtiger Amerikaner auf, der ständig an
seiner Zigarre paffte. Der Reverend bot dem Amerikaner zu seiner rechten mutig
banco, gewann und verdreifachte den Einsatz auf nunmehr fünftausend Pfund. Der
Reverend schien eine Glückssträhne zu besitzen., denn die nächsten zwei Runden
konnte er für sich entscheiden. Bond wusste, dass für viele Spieler die Dritte
Runde im Chemin-de-fer eine Hürde bedeutete, die oft verheerend ausgehen
konnte. Doch Bond ließ sich nicht beeindrucken. Die Bank verfügte zu Beginn der
dritten Runde über 25.000 Pfund. Wer die dritte Runde gewann konnte sich also
als sicherer Sieger fühlen. Bond verfügte noch über eine Reserve von 15.000
Pfund, der Reverend besaß 20.000 Pfund, die weiteren Spieler konnten Reserven
in einer Spanne von 10.000-15.000 Pfund verbuchen. Ein schwarzer Industrieller
wollten nun ins Spiel eingreifen und bot Bond banco. Die Chancen für den
Schwarzen standen gut: eine fünf. Die Zuschauer, die sich an Tisch 3
zusammengefunden hatten, um das Spiel zu beobachteten raunten, als sich die
Glückssträhne Bonds, der dem Reverend zwischenzeitlich den Rang abgelaufen
hatte, dem Ende zu nähern schien. Bond lugte vorsichtig auf seine Karte und
drehte sie dann blitzschnell um. Eine sechs. Wieder ein Sieg. Der Croupier
schob Bond einen Gewinn von 40.000 Pfund zu und wünschte ihm noch einen schönen
Abend.





Der Reverend folgte Bond zur Bar. „Für mich bitte einen Bacardi mit drei
Stücken Eis.“ Der Reverend schien heute in Partylaune zu sein.






„Und für mich bitte Wodka Martini.
Geschüttelt, nicht gerührt.“



„Eine ausgezeichnete Wahl. Vorhin beim Spielen hatten Sie ja wirklich Glück,
aber natürlich zeigten Sie auch ihr ganzes Können. Spielen Sie öfter?“ Die
grauen Augen des Reverends bohrten sich in Bonds Gesicht, der kein gutes Gefühl
hatte.



„Ab und zu gelegentlich, Sie waren aber auch nicht schlecht.“



„Na ja, Übungssache. Ich zittere oft vor der dritten Runde. Sagen Sie, was
würden Sie davon halten, wenn wir uns morgen in der Hauptstelle von Aide contre
Aids treffen würden? Zum Nachmittag vielleicht. Sagen wir gegen zwei. Dann
könnten Sie mit Recherchen und Inspektionen anfangen. Gegen vier können wir ja
dann gemeinsam essen. Ich werde Dr. Morton Bescheid geben und ihnen unsere
Sicherheitschefin, Ms. Julie Zorbo, zur Verfügung stellen. Sie wird Sie mit
allen wichtigen Informationen versorgen.“



„Ich denke, dass das geht. Ich freue mich schon.“



Bond und Stone plauderten noch bis spät in die Nacht an der Bar zusammen über
dieses und jenes und über die Tätigkeitsfelder des Reverends. Gegen ca. 3.00
Uhr verließ Bond das Casino und rief ein Taxi Richtung Botschaft, die er nach
einer halben Stunde erreichte. Gilbert saß noch unter dem Brennen der Bürolampe
an einigen Akten und wünschte Bond noch eine geruhsame Nacht, die er nach einem
langen tag wohlwollend in Anspruch nahm.






***





(V) Dr. Mortons Büro am nächsten Morgen.


Sallys Stimme kommt aus der
Sprechanlage. „Miss Field ist nun hier. Kann ich sie hereinschicken, Dr.
Morton?“ „Natürlich, Sally.“






Die Tür öffnete sich und Clarissa
Field trat in das Büro. Ohne Umschweife kam sie zu ihrem Anliegen. „Haben sie
die Dokumente hier?“






„Selbstverständlich.“ Dr. Morton
ging zum Safe und holte die Dokumente heraus.






„Geben sie her.“ Clarissa steckte
sie ein. „Wie immer ganz diskret 50 % für sie von dem Erlös?“






„So, war es abgemacht. Über die
andere Hälfte kann C.O.U.N.T. verfügen. Dies ist außerdem die letzte Lieferung,
Colombier ist aufgeflogen. Das Geld bitte auf das ihnen bekannte Konto.“






„Wenn der Chef von ihrem Spiel
hier wüsste und erfahren würde, dass die Erträge in Wirklichkeit doppelt so hoch
sind, wären sie sicher bald ein toter Mann.“ Clarissa drehte sich um und
verließ Mortons Büro.






***





(Z) Gegen 20.00 Uhr rollte ein silberner Jaguar vor das
Botschaftergebäude. Dr. Morton hatte Bond zuvor absagen müssen. Die Führung und
weitere Recherchen konnten nicht durchgeführt werden. Morton sprach von einem
wichtigen Treffen mit Geschäftsfreunden, unter Vorsitz von Torbjörn Lindström.
Bond kam dieser Name irgendwie bekannt vor, konnte ihn aber nicht richtig
assoziieren. Der Chauffeur, ein schlacksiger Europäer hupte zweimal, sodass
Bond leger den Wagen bestieg. Er grüßte den Chauffeur und ließ sich auf die
Rückbank fallen. „Dr. Morton erwartet Sie bereits. Er freut sich, mit Ihnen zu
dinieren.“



„Das Vergnügen liegt ganz auf meiner Seite.“ Bond fühlte sich sicher, wusste
allerdings, dass es schnell vorbei sein könnte, wenn er morgen beim Durchsuchen
der Geschäftsräume von AIDE unvorsichtig sein würde.





20 Minuten später parkte der Wagen vor dem AIDE-Hauptgebäude. Ein wirklich
prachtvoller Bau. Links und rechts flankierten ihn einige neue Bürogebäude und
kleinere Gärten, aus denen kleine Springbrunnen entstiegen. Bond wurde vom
Chauffeur hinausgebeten und schritt über den Kiesweg geradeaus zur dicken
Eichentür, an der ein gusseiserner Klopfer montiert. Der Klopfer bestand aus
einem Elefantenkopf, der an den Ohren durch zwei Straußenfedern verziert wurde.
Überhaupt schien hier alles einer Safari-Ranch zu gleichen. Der Chauffeur
stellte sich vor Bond, betätigte den Klopfer und wartete.



„Mr. Lloyd. Er wird heute mit Dr. Morton zu Abend essen.“ Ein riesiger weißer
Schläger mit rotem Irokesenschnitt und Smoking schaute auf Bond hinab und wies
ihn in die kleine Empfangshalle, in der ein kühler Luftzug wehte. Bond setzte
sich in einen Korksessel und schaute sich um. Überall standen ausgestopfte
Tiere. Von Bären über Vogelstrauße und Wildkatzen war alles zu finden. Selbst
ein Krokodil hing an der Wand. Jeder Schritt hallte durch die Halle, deren
Boden aus einem farbenfrohen afrikanischen Mosaik bestand.



„Es wurde vor 15 Jahren hier entdeckt, als Ausgrabungen durchgeführt wurden.
Damals bestand AIDE noch nicht. Es wurde bekannt, dass hier einmal ein altes
ehrwürdiges Freudenhaus stand. Aber erst einmal herzlich Willkommen, Mr.
Lloyd.“





Dr. Morton stand in einem weißen
Leinensmoking in der Türschwelle und wirkte gut gelaunt. Erst jetzt bemerkte
Bond, dass das Mosaik einen Kolonisten zeigte, der sich mit einer
Schwarzafrikanerin vergnügte.



„Wir wussten schon über die Vorzüge dieses schönen Landes.“ Morton scherzte,
kam dann aber zu einem ernsteren Thema zurück. „Schon mein ganzes Leben lang
versuche ich, den schrecklichen Kampf gegen diese tückische Krankheit für die
armen Menschen zu gewinnen. Wissen Sie, es ist furchtbar. Ich sehe tagtäglich
infizierte Menschen in den Zelten und den Krankenhäuser, wie sie doch
eigentlich ganz normal aussehen, aber dennoch dem Tode so nah sind. Aber dafür
forschen wir ja, um AIDS den Garaus zu machen. Das Wichtigste ist immer, die
Krankheit noch publiker zu machen. In den letzten Jahren haben wir aber schon
deutliche Fortschritte erzielen können. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Es
ist noch ein langer Weg.“



Morton schritt mit Bond durch einen kleinen Gang in das Speisezimmer, wo schon
die Tafel aufgebaut war. Morton erläuterte Bond die fünf Gänge und bat ihn an
seinen Platz, der von Bond wohlwollend in Anspruch genommen wurde.



„Ein ausgezeichneter Wein. Bollinger 68er. Ein edler Genuss Doktor. Sagen Sie,
verfügen Sie auch über Dom Perignon? Ich ziehe dem Bollinger bei diesen Temperaturen
einen 71er vor. Der macht nicht zu voll.“





Morton grinste. „Sie verstehen wohl nicht nur was von Casinos, Mr. Lloyd,
sondern verfügen allem Anschein nach auch über ein tiefgründiges Wissen über
Wein. Tudor? Bring uns eine Flasche Dom Perignon 71er.“



„Jawohl, Doktor.“ Der Irokese verlies den Raum und schritt eine Wendeltreppe
hinunter in den Keller.





Dann widmeten sie sich wieder dem Beruflichen.

“Ich würde vorschlagen, dass ich Sie morgen mit der Sicherheitschefin, Ms.
Julie Zorbo bekannt machen werde. Sie wird Sie dann noch ein wenig durch die
Büroräume führen. Ms. Zorbo gehört unserem Unternehmen nun schon seit zwei
Jahren an. Damals drangen feindliche Agenten von Chemiefirmen in unser Gelände
ein, um einen Prototypen eines Medikamentes zu stehlen. Ich konnte sie aber
durch meine Pfeilgiftfrösche in die Flucht schlagen.“

"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:04

Erst jetzt bemerkte Bond, dass der
gesamte Boden des Speisesaals aus einem einzigen Deckel eines Terrariums
bestand. Zuvor fiel das Licht so auf den Boden, dass man den Verdacht hatte, es
handele sich ebenfalls um ein Mosaik. „Ich sehe schon, Sie haben eine Vorliebe
für Tiere. Hoffentlich lohnt sich der morgige Besuch. Ich bin sicher, dass ich
der WHO nur gutes erzählen werde.“



Dann fuhren sie mit dem Essen fort, welches zwei weitere Stunden in Anspruch
nahm. Gegen halb elf dann verabschiedete sich Bond mit einem letzten Schluck
Dom Perignon.



„Tudor. Bring Mr. Lloyd nach Hause. Und fahre vorsichtig. Wir wollen ja nicht,
dass Mr. Lloyd etwas zustößt.“



Bond wurde von Tudor nach draußen geleitet und nach Hause gefahren, während im
Inneren des Hauptquartiers Morton an einen Tisch, dessen Beine aus Elfenbein
geschnitzt waren, trat, ein Telefonhörer abnahm und eine Nummer wählte. „Ja
Morton hier. Ah, Ms. Zorbo. Könnten Sie bitte jemanden für mich überprüfen? Ja.
Es handelt sich um einen gewissen Mr. James Lloyd von der WHO. Überprüfen Sie
doch mal bitte seine Identität. Warum? Ich habe berechtigte Zweifel daran, dass
ein bürokratischer, stinknormaler WHO-Inspektor sich so gut im Anzug macht, dem
Reverend einige tausend Pfund beim Chemin-de-fer abnimmt und so gut über Wein
bescheid weiß. Wenn Sie was herausgefunden haben, lassen Sie es mich wissen.
Gute Nacht.“






***





(V) Tudor fuhr
beim Botschaftergebäude vor und Bond stieg aus. Als Tudor um die nächste Ecke
gefahren war und Bond gerade das Botschaftsgelände betreten wollte, kam eine
Frau schnellen Schrittes und mit einer gewissen Hast auf ihn zu. Es war Sally.
„Mr. Lloyd! Sie sind doch Mr. Lloyd?“





Bond drehte sich zu der Frau um und musterte sie. „Ja, der
bin ich. Was möchten sie von mir?“





„Ich bin Sally, die Sekretärin von Dr. Morton.“ Sallys
Stimme war leise, aber aufgeregt. „Ich glaube, sie sind der richtige
Ansprechpartner für mich. Sie wollen doch hier alles unter die Lupe nehmen? Ich
habe Beweise, dass Dr. Morton ein Verbrecher ist. Ich kann mich nicht an die
Polizei wenden. Dr. Morton hat viele Beziehungen hier. Er scheint auch mit
einer Vereinigung in Verbindung zu stehen, die C.O.U.N.T. heißt. Er liefert
ihnen irgendwelche Dokumente und wird dann von ihnen bezahlt. Aber es gibt noch
weit mehr über Dr. Morton zu berichten. Einiges habe ich auch schwarz auf weiß.
Können wir uns morgen Abend treffen?“





„Selbstverständlich. Wo?“





„Im ‚Colonists’. Das ist ein kleines Lokal in der Altstadt.
Sagen wir um 20 Uhr.“





„Um 20 Uhr, gut.“ Bond nickte und Sally verschwand so
schnell wie sie gekommen war, nicht ahnend, dass wenige Meter weiter in einer
unbeleuchteten Ecke eine Person das Gespräch mitbekommen hatte, Dr. Francine
Belleville. Sobald Bond die Botschaft betreten hatte, löste sie sich aus dem
Schatten, ging eine Nebenstraße zu ihrem Wagen und fuhr zu Dr. Morton. Dort
wurde sie gleich in Dr. Mortons Büro gebeten, vorbei am Speisesaal, den sie mit
ängstlichem Blick auf den Glasboden rasch durchquerte. Dr. Morton saß am
Schreibtisch. „Nun, was gibt es, Dr. Belleville?“





„Sally hat eben Mr. Lloyd vor der Botschaft abgefangen. Sie
will ihm Beweise für ihre Verbrechen vorlegen. Morgen Abend im ‚Colonists’.“





„Wir werden rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen, seien
sie sicher.“





Das Telefon klingelte. Dr. Morton hob sofort ab. „Morton.“
Eine kurze Pause folgte. „Ach Miss Zorbo. Einen Moment.“ Dr. Morton schaute zu
Francine. „Das dürfte sie auch interessieren. Miss Zorbo hatte den Auftrag diesen
Mr. Lloyd genauer zu untersuchen.“ Er schaltete den Lautsprecher an. „Sprechen
sie, Miss Zorbo.“





„Es ist sicher, dass dieser Mr. Lloyd nicht zur WHO gehört.
Laut Profil gibt es überhaupt nur einen Mann, der auf ihn passt. James Bond,
Agent des englischen Geheimdienstes.“





„James Bond?“ Dr. Morton warf Dr. Belleville einen bösen
Blick zu. „Sie sagten doch, von ihm wäre nichts mehr übrig, Dr. Belleville?
Dafür ist dann aber recht viel von ihm hier angekommen.“





Francine wurde blass. „Die... die Bombe ist ordnungsgemäß in
seinem Hotelzimmer explodiert.“





„Und wenn er gar nicht in seinem Hotelzimmer war?“ fragte
Dr. Morton ärgerlich. „Haben wir ein Bild von Bond?“





„Nein“, ertönte es aus dem Lautsprecher.





„Colombier hat Bond doch in Paris erkannt. Er hat sicher ein
Bild von ihm“, meinte Francine.





„Colombier hat sich wer weiß wohin abgesetzt“, knurrte Dr.
Morton. „Miss Zorbo. Da gibt es noch eine Neuigkeit, die von Belang ist. Sallys
Neugierde hat gefährliche Ausmaße entwickelt. Ausmaße, die schon diesen falschen
Mr. Lloyd erreicht haben. Sie wissen Bescheid, was zu tun ist.“





„Ja, Dr. Morton.“ Miss Zorbo legte
auf. Sie saß am Schreibtisch in ihrem kleinen, recht steril gehaltenem Büro im
Verwaltungskomplex des Missionskrankenhauses der AIDE-Stiftung. Sie drückte
einen Knopf und kurze Zeit später kam der Krankenpfleger herein. „Kümmern sie
sich um Sally, sobald sie morgen früh hier erscheint“, befahl sie. Der
Krankenpfleger nickte und verließ den Raum.






***





Am nächsten Tag stand Bond mit
einer Aktentasche und einem hellen Anzug bekleidet vor dem Verwaltungsgebäude
des Krankenhauses. Als er die Eingangshalle betrat, wartete dort schon eine
äußerst attraktive Frau. Er ging langsam auf sie zu. „Sie sind Miss Zorbo,
nehme ich an? James Lloyd von der WHO.“






„Erfreut sie kennen zu lernen, Mr.
Lloyd. Am Besten beginnen wir gleich mit der Führung. Wenn es ihnen nichts
ausmacht, gehen wir erst am Archiv vorbei, dann kann ich ihnen gleich noch
einige Aufstellungen aus den letzten Jahren heraussuchen.“






„Nein, das macht mir gar nichts
aus.“






Miss Zorbo ging vor. Das Gebäude
war nicht unterkellert und das Archiv befand sich in einem Gang im Erdgeschoss.
Von der gegenüberliegenden Gangseite trat gerade Reverend Stone aus seinem Büro
und ging auf die beiden zu. „Guten Morgen, Mr. Lloyd. Kann ich ihnen auch
irgendwie behilflich sein? Aber wie ich sehe, werden sie ja von Miss Zorbo
schon glänzend versorgt. Wollten sie auch gerade in das Archiv?“






„Guten Morgen, Reverend. Ja, Miss
Zorbo kümmert sich sehr professionell um mich. Ich denke ich kann die Kontrolle
hier rasch abschließen.“






Sie hatten das Archiv erreicht.
Der Reverend holte die Schlüssel hervor und schloss auf. „Das ist ja
erfreulich.“ Er öffnete die Tür und wich sofort wieder zurück. Erschrocken
blickte er ins Archiv. „Sally!“






Bond trat vor. Sally hing an der
Decke, ein Seil um ihren Hals und einen umgestoßenen Stuhl unter sich.
Schrecken, Betroffenheit und auch etwas Schuldgefühl spiegelte sich auf seinem
Gesicht wider. Mit einem leichten Grinsen beobachtete Miss Zorbo Bonds
Reaktion. Dann wurde ihr Gesichtsausdruck sofort wieder ernst. Die drei
betraten das Archiv. Reverend Stone stellte sich etwas abseits und faltete die
Hände. „Dass es soweit kommen würde, hätte ich nicht gedacht“, meinte er
betrübt. Er sprach ein kurzes Gebet. Dann wandte er sich Bond und Miss Zorbo
zu. „Möge der Allmächtige sich ihrer armen Seele erbarmen, auch wenn sie jetzt
als Selbstmörderin vor ihm steht. Sie war eine arme Frau.“ Bond sah ihn fragend
an. „Sie litt unter Verfolgungswahn und wurde auch deshalb schon behandelt. Als
sie auf dem Wege der Besserung schien, bekam sie eine Stelle als Mortons
Sekretärin. Seither schien es ihr gut zu gehen. Dass wir so keine Anzeichen
bemerkt haben. Da muss es erst so weit kommen. Die arme Sally. Ich werde jetzt
Dr. Morton und die Polizei informieren.“ Der Reverend verließ das Archiv.






Als er gegangen war wandte sich
Miss Zorbo Bond zu. „Und was denken sie, Mr. Lloyd. War es wirklich
Selbstmord?“






„Ich kann es nicht sagen. Außerdem
steht mir eine Beurteilung auch gar nicht zu.“






Miss Zorbo schloss die Archivtür
ab und ließ den Schlüssel in ihre Tasche gleiten. „Sie können es sehr wohl
sagen. Sie wissen, dass es Mord war, Mord sein muss, Mr. Bond.“ Während dieser
Worte hatte sie einen Revolver hervorgeholt und bedrohte Bond. „Ja, wir wissen
von ihrer wahren Identität“, lächelte sie überlegen. „Wissen sie eigentlich,
dass das Archiv noch einen zweiten Ausgang zum Hinterhof hat? An der hinteren
Wand ist eine Metalltür. Und dort verschwinden wir jetzt, bevor dieser
idiotische Reverend mit der Polizei hier anrückt.“ Sie warf Bond die Schlüssel
zu. „Schließen sie auf und gehen sie auf den Hof.“






Bonds Gehirn arbeitete auf
Hochtouren, doch ihm fiel keine Möglichkeit ein, wie er sich aus dieser
brenzligen Situation befreien könnte und so führte er die Anweisungen aus. Kaum
trat er ins Freie bekam er einen dumpfen Schlag und verlor das Bewusstsein. Der
Krankenpfleger fing ihn auf und verfrachtete ihn in den Laderaum eines
geräumigen Jeeps, den das rote Kreuz zierte. Dann setzte er sich vor das Steuer
und wartete auf Miss Zorbo, die die Tür zum Archiv wieder abschloss und dann
auf der Beifahrerseite Platz nahm. Der Krankenpfleger startete den Motor und
der Jeep verließ den Hof und ließ nur eine Staubwolke zurück.






***





(Z) „Sie haben uns jetzt lange genug an der Nase herumgeführt.“
Dr. Belleville stand mit einer Browning bewaffnet vor Bonds Bett.



„Wo bin ich hier ?“ Bond richtete sich auf und fuhr sich durch die Haare. Er
hatte sich nur noch an den Schlag erinnern können und wie er anschließend zu
Boden sackte, dann musste der Film gerissen sein.



„Sie befinden sich in Dr. Mortons Villa. Geschäftspartner aus Schweden haben
sie ihm vor einem guten Jahr geschenkt. Und dazu noch viele schöne Bilder.“



Belleville deutete an die Wände und Bond wanderte mit seinen Augen die Wand
entlang. Ein Bild konnte er mit irgendetwas verbinden, er wusste nur noch nicht
genau mit was genau. Das Bild zeigte einen riesigen Berg, der von einem Zaun,
vermutlich elektrisch geladen, umgeben war. Am unteren Rand des Bildes dann
konnte Bond die schwedische Flagge und eine Widmung erkennen. „Ziehen Sie sich
bitte etwas an, schauen sie in den Schrank da, ob Sie etwas geeignetes finden.
Wir erwarten Sie dann in einer Viertelstunde. Vor dem Kamin.“



Bond legte seinen silbernen Seidenpyjama ab und stieg in seine Garderobe:
blaues kurzärmliges Hemd, helle Hose, dazu sein Gürtel. Alles schien direkt
frisch vom Schneider zu kommen, ebenfalls die Anzugjacke mit den kleinen
unauffälligen Manschettenknöpfen.

Nachdem Bond den Anzug angelegt hatte, verließ er das marmorgeflieste Zimmer
und schritt den Gang weiter entlang. Er durchschritt eine kleine überdachte
Terrasse mit Blick auf die Horora-Bucht und gelangte schließlich zum
Kaminzimmer.

Statt des flackernden Kamins vernahm Bond die kühle Luft eines sich an der
Decke befindlichen Ventilators.



„Guten Morgen Mr. Bond! Orangensaft?“



Bond antwortete Morton nicht, doch dieser ließ ein Glas für Bond bestellen.
„Warum bin ich hier?“






Bond wurde von Dr. Morton in einen
Sessel gebeten. „Sagen wir es einmal so: wir mussten Sie vorübergehend aus dem
Verkehr ziehen, aber wir werden bei kooperativen Verhalten ihrerseits
sicherlich ein oder zwei Augen zudrücken. Sollten Sie allerdings Ihre Mithilfe
verweigern, stellen wir uns blind.“



„Und dann wird es mir genauso ergehen wie dem MI6-Agenten, der in Lagos auf
offener Strasse erschossen wurde, nicht wahr ?“



„Er war halt ein wenig zu aufdringlich, Dr. Belleville hat zudem fantastische
Arbeit geleistet.“



„Wenn Sie es sagen.“






Bond empfand nichts weiter als tiefste Abneigung für
Dr. Morton. Wenn er jetzt zu seiner PPK greifen könnte wüsste Bond, für wen die
erste Kugel bestimmt wäre. Für Dr. Belleville, denn diese stand immer noch
hinter Bond, mit der Browning auf ihn gerichtet. „Genießen Sie noch ein wenig
den Sonnenaufgang. Es wird Ihr letzter sein.“



Bond hatte so etwas, wie Dr. Morton es gerade ausgesprochen hatte, schon einige
Male von seinen schärfsten Widersachern gehört. Doch momentan schien die Lage
prekär und ausweglos, doch dann erinnerte er sich an die Wort des alten Q, die
für Bond zu einem Motto wurden: „Lassen sie ihre Gegner niemals sehen, dass sie
verwundbar sind. Und immer einen Fluchtplan bereithalten.“ Etwas anderes als
die Hoffnung an das Positive blieb Bond in dieser Situation sowieso nicht
übrig.



„Jetzt ist aber wirklich Fütterungszeit. Dr. Belleville? Bringen Sie unser
Lebendfutter in den Jeep und fahren Sie zur Bucht, die Feuerquallen warten
sicherlich schon. Ich komme dann nach.“



Dr. Belleville nickte und schubste Bond vor sich her, bis sie den Jeep erreicht
hatten. Dr. Morton stieg hinter ihnen in ein separates Auto, eskortiert von
zwei Schlägern.



Die Strassen waren schlecht. Dennoch erreichten sie nach wenigen Minuten die
Bucht, an der ein Steg ins Wasser ragte.



„Die Hände über den Kopf und losgehen. Jegliche Fluchtversuche ihrerseits enden
mit sofortiger Liquidation. Sie füttern die Quallen an, damit sich ihr Magen an
das Hauptgericht gewöhnen kann.“ Dr. Belleville wirkte garstiger als noch am
frühen Morgen, selbst zu einem der Schläger, der den Auftrag ausführen sollte.

Das war Bonds Chance. Er schritt weiter auf das Stegende zu, mit dem Ziel, den
Schläger nicht zu verlieren. Plötzlich erhöhte Bond seine Schrittfrequenz,
sodass der Abstand drastisch verkürzt wurde. Er drehte an seinem
Manschettenknopf und presste sich an den Schläger, der durch einen 15.000
Volt-Treffer zusammensackte. Sofort feuerte Dr. Belleville zwei Schüsse auf
Bond ab, doch dieser benutze den Schläger als menschliches Schutzschild.

Der Schläger sackte zusammen und verdeckte Belleville die Schussbahn. Diese
Gelegenheit nutzte Bond, um hinter einen Jeep zu laufen, in dem ein weiterer
Schläger saß, der allerdings mit der Situation hilflos überfordert war. Alle
Versuche, die Maschinenpistole aus dem Handschuhfach zu holen scheiterten, denn
Bond hatte ihm schon einen Kinnhaken verpasst.

Der zusammensackende Schläger wurde von Bond aus dem Jeep geworfen. Dies schien
die Rettung zu sein, doch Dr. Morton, sowie Dr. Belleville rannten zum anderen
Jeep und nahmen Bonds Verfolgung auf, der zwischenzeitlich den Motor angelassen
hatte und einen Fluchtversuch unternahm.

Bonds Gegner am ersten Jeep rappelte sich auf, erkannte diesmal die Situation
und sprintete in großen gazellenartigen Schritten auf Morton Jeep zu. Der
Schläger sprang auf die Ladefläche und bekam von Morton eine Maschinenpistole
gereicht, mit der er auf Bonds Jeep zielte.





„Sie müssen näher ran, Dr.
Belleville.“ Dr. Morton schrie, denn der Fahrtwind peitschte gewaltig. Schon bald
waren die beiden Wagen auf gleicher Höhe. Dass nutzte der Schläger, um bei
Tempo 160 auf die Ladefläche von Bonds Jeep zu springen. In diesem Momentan gab
Bond Vollgas, sodass der Schläger über die staubige schmutzige Strasse gezogen
wurde. Allerdings gelang es Mortons Handlanger, die Ladefläche zu erreichen und
Bond in den Würdegriff zu nehmen. Dieser fuhr seinen Ellebogen aus und traf den
Handlanger im Gesicht, worauf dieser nach vorne auf den Beifahrersitz fiel.

Doch Dr. Mortons Hüne war mehr als zäh: er griff in das Lenkrad und steuerte
somit den Wagen fast in einen Graben, hätte Bond ihm keine Kopfnuss verpasst.
Ein weiterer Faustschlag Bonds traf mehrere Blutgefäße im Gesicht, sodass die
Windschutzscheibe leicht gerötet wurde.

Dr. Bellevile war außer sich vor Wut, doch sie konnte mit ihrer Browning nicht
wahllos in diesen Menschenhaufen schießen. Was wenn sie den falschen treffen
würde. Bond wäre dann endgültig entwischt.

In Bonds Jeep lehnte nun der Hüne bewusstlos auf dem Armaturenbrett. Bond kauerte
weiter am Lenkrad, in der Hoffnung, das diese Strasse, die bisher nahezu
kerzengerade verlief, endlich eine Möglichkeit zum Absprung bieten würde.

Doch als Bond in weiter Ferne am Straßenrand einen armen Bauern bei der
Heuernte bemerkte, warf er alle Wünsche über Bord und drosselte langsam die
Geschwindigkeit, um den Aufprall zu mindern. Zu allem Glück führte die Strasse
nun über eine Kuppe, wo Bond endgültig seine Chance sah und absprang. Er
landete in einem Heuhaufen und sah zurück zu Mortons Jeep, in dem Belleville
mit einer Browning wild vor Wut um sich schoss und dabei nur den Tank des
Bond-Jeeps traf, der kurz darauf in einem gleißenden Feuerball explodierte, der
jedoch keine Gefahr für Dr. Morton und Dr. Belleville darstellte, da sie
frühzeitig das Tempo erhöhen mussten und somit auch aus Bonds Sichtweite
verschwanden.

Bond, weiter hinter dem Strohballen kauernd durchdachte die Situation und
überlegte, wie er aus dieser Öde entkommen konnte. Das nächste Dorf konnte
nicht weit weg sein, immerhin arbeiteten hier Bauer und Plantagenarbeiter. Doch
diese Überlegungen waren erst einmal zweitrangig. Er lebte.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:05

(V) Bond wollte gerade hinter dem Strohballen hervor kommen,
als er ein Auto hörte. Er sah sich um. Über den Feldweg, den man kaum als
Straße bezeichnen konnte, kam eine schwarze Limousine mit dem Emblem der
AIDE-Stiftung auf ihn zu. Er konnte einen schwarzen Chauffeur und auf der
Rückbank ebenfalls einen Schwarzen erkennen.



Bond überlegte kurz, ob er sich
offenbaren sollte, aber da es kaum schlimmer werden konnte und er bisher nichts
über die Pläne von Dr. Morton, der offenbar mit C.O.U.N.T. in Verbindung stand,
wusste, offenbarte er sich.



Die Limousine hielt kurz vor ihm
an. Der Chauffeur stieg aus und öffnete die Tür für den Mann auf der Rückbank.
Es war der Minister. „Mr. Lloyd? Wie kommen sie in diese öde Gegend?“






„Eine etwas komplizierte
Angelegenheit, Mr. Mbeki. Ich müsste dringend zurück nach Lagos und zur
britischen Botschaft.“






„Dann steigen sie ein. Wir sind
auch gerade auf dem Weg zurück nach Lagos. Ich habe mir gerade für die
AIDE-Stiftung einen Standort für eine neue Krankenstation angesehen.“ Mbeki und
Bond stiegen wieder ein. Der Chauffeur schloss die Türen hinter ihnen, setzte
sich vor das Steuer und fuhr los Richtung Lagos.






Bond griff nach einem Taschentuch
und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Limousine war gut klimatisiert.
Bond klopfte gegen die Scheibe. „Kugelsicher?“






„Natürlich. Unruhen können hier
immer vorkommen. Aber bisher ist zum Glück noch nichts passiert. Die
AIDE-Stiftung wird als Hilfsorganisation eigentlich respektiert und so lebe ich
ungefährlicher als manch andere Politiker.“






„Ich sehe, sie nehmen ihre Aufgabe
als Gesundheitsminister ernst und sie werden auch ernst genommen.“






„Man tut, was man kann, Mr.
Lloyd“, lächelte Mbeki.






„Und eben hatten sie also eine
Standortbesichtigung? Das sie immer noch Zeit für die Stiftung finden, spricht
für sie.“






„Nun ja. Ich habe eigentlich
trotzdem viel zu wenig Zeit dafür, aber Reverend Stone macht seine Sache sehr
gut. Eigentlich schade, dass er sich aus meiner Stiftung zurückzieht.“






„Er sagte am Flughafen, dass er
die Geschäftsführung an Dr. Morton überträgt?“ Als Mbeki nickte fuhr Bond fort.
„Was halten sie von Dr. Morton, Mr. Mbeki?“






„Nun, er hat einen tadellosen Ruf
und ist sehr kompetent. Er wird den Reverend sicher würdig ersetzen, auch wenn
sein Engagement etwas hinter dem des Reverends zurückbleibt, aber das ist
verständlich, schließlich ist Dr. Morton ja gleichzeitig auch noch der
Chefarzt.“






Einige Zeit später fuhr die
Limousine an der britischen Botschaft vor. Kaum war Bond ausgestiegen, kam auch
schon Gilbert raschen Schrittes auf ihn zu. „Mr. ... Lloyd. Da sind sie ja
wieder. Sie wurden schon vermisst. Reverend Stone hat sich große Sorgen
gemacht, als sie und Miss Zorbo auf einmal wie vom Boden verschluckt waren. Im
Moment ist er bei Harris. Sie sollten sofort mit ihnen sprechen.“






„Das werde ich, Gilbert.
Vielleicht sollten sie auch mitkommen, Mr. Mbeki. Es geht auch um die
AIDE-Stiftung.“






„Wenn sie es wünschen, Mr. Lloyd.
Ich wollte sowieso noch mit dem Reverend sprechen wegen der neuen
Krankenstation.“






Gilbert betrat gefolgt von Bond
und Mbeki das Botschaftsgebäude. Da die Gegner nun eh Bonds Identität kannten,
konnte er ebenso gut mit offenen Karten weiterspielen.






(K) Bond folgte Mbeki in ein großes Arbeitszimmer. Es war mit
einem großen runden Tisch ausgestattet, an dem Harris und der Reverend saßen.

Bond blickte sich um und konnte sonst niemanden erkennen. Harris und Stone
schienen sich über die Vertiefung der Kooperation des Empires mit AIDE zu
unterhalten. Vor den beiden lag eine Landkarte von Yorkshire in England.

"Ja, genau da könnten wir ein Forschungszentrum unserer Stiftung
bauen" sagte Stone, als er kurz hochblickte.

"Mr. Lloyd, schön, dass sie hier sind. Ich hoffe, Ihr Urteil über unsere
Stiftung hat sich durch diesen kuriosen Suizid von Sally nicht zu sehr
beeindrucken lassen. Ich war etwas überrascht, dass sie und Miss Zorbo bereits
weg waren, als ich und die Polizei wieder kamen?!"

Bond erwiderte nur: "Miss Zorbo wollte mir etwas Wichtiges zeigen."
Bond war sich einfach nicht sicher genug, um mit der Wahrheit ans Licht zu
rücken.

Wem konnte er trauen? Mbeki? Harris? Stone? Gilbert? Keinem so richtig, nur
seinen Augen.

Bond kam sich vor wie in Las Vegas, als er vor Jahren einen Schmugglerring
zersprengte, der sich als Verbrecherorganisation höchster Gefährlichkeit
entpuppte. Er war auf sich alleine gestellt.



Plötzlich ging die Seitentüre auf und Dr. Morton kam herein.

"Guten Tag die Herren, Reverend Stone, Sir Harris, Mr. Lloyd", Morton
nickte allen freundlich zu.

Mortons sicheres und freundliches Auftreten verunsicherte Bond.

"Dr. Morton, schauen Sie! Sir Arthur und ich haben einen schönen Platz für
unser neues Forschungszentrum in England ausgehandelt. Es wird im Hinterland
von Yorkshire sein. Der Bau wird staatlich unterstützt und subventioniert. Wenn
es fertiggestellt sein wird, werden sie die Vorstandschaft von AIDE ja bereits
übernommen haben." sagte Stone, als Harris aufstand und sprach:
"Meine Herren, dürfte ich sie zum Essen nebenan in unserem Speisesaal
einladen? Es gibt einheimisches Büffelfilet."

Bond, Gilbert, Morton und Stone waren sofort einverstanden.

Harris verließ das Arbeitszimmer als erstes, gefolgt von Gilbert und dem Reverend.
Dann kam Bond, der aber in diesem Moment etwas Kaltes am Nacken spürte.
"Bond, ein Ton und Sie sind tot. Sie wissen ja gar nicht, mit wem Sie es
zu tun haben."

Plötzlich ertönte ein Schuss. Bond spürte, wie der Druck in seinem Nacken wich
und hört einen Schlag hinter sich. Er drehte sich um, sah auf den Boden und
erkannte Morton, der mit der Pistole, die Sekunden zuvor noch in Bonds Nacken
harrte, langsam verblutete.

Wer hatte geschossen? Bond blickte wieder auf und sah einen rauchenden Revolver
vor sich, der zum Boden gerichtet war und nun fallen gelassen wurde. Es war der
Reverend.

"Mr. Lloyd, ich hatte Dr. Morton schon lange im Verdacht, in krumme
Geschäfte verwickelt gewesen zu sein. Und jetzt habe ich gesehen, dass er eine
Pistole auf Sie gerichtet hat...ich wollte ihm nur in den Arm schießen, bevor
er Sie umbringt. Warum nur?" Stone war nervlich total am Ende. Er hatte
gewusst, dass es immer wieder schwierige Situationen in Nigeria geben würde, in
denen er seine Pistole würde einsetzen müssen - dazu war seine Position viel zu
wichtig und Nigeria viel zu unsicher - aber dass er ausgerechnet seinen
Nachfolger erschießen müsste, das schien ihn jetzt fertig zu machen. Die im
Botschaftsgebäude ansässigen Ärzte kamen sofort zum Unglücksort. Morton konnten
sie nicht mehr helfen und sie kümmerten
sich dann sofort um den zitternden Reverend, der ob seiner Tat - wenn auch aus
Notwehr - noch immer kaum ein Wort sagen konnte und scheinbar unter Schock
stand.



Bond war erleichtert. Der gute Reverend Stone hatte ihn vor diesem Verbrecher
Morton gerettet und dadurch zusätzlich auch seine AIDE-Stiftung vor noch mehr
Unheil bewahrt.



Bond verabschiedete sich von allen Anwesenden und nahm zur Sicherheit ein neues
Hotel in einem Außenbezirk von Lagos, da er wusste, dass Miss Zorbo und Dr.
Belleville noch am Leben sein und ihm nach dem selbigen trachten würden.

Bond nahm sich vor, morgen den Reverend zu fragen, in welche zwielichtigen
Geschichten denn Dr. Morton verwickelt gewesen sei, und legte sich hin.






(Z) Nachdem Bond durch seine Omega pünktlich gegen sechs
Uhr geweckt wurde,“ God Save The Queen“ riss in aus dem Schlaf, schlüpfte er
aus seinem Pyjama, duschte und legte seine Garderobe an. Er wollte gerade zum
Flur, um mit dem Lift in den Empfangsraum zu fahren, wo sich auch der Essraum
befand, als er ein grelles Blitzen in den Augen vernahm. Er drehte sich um,
schritt zurück ins Zimmer und von dort aus zum Balkon, von dem er in den
Horizont blickte und etwas erblickte, was ihn fast in seinen Traum
zurückversetzen zu schien: in der blitzenden Morgensonne funkelte sein Bentley.
Frisch poliert und in tadellosem Zustand. Staatseigentum halt. Bond warf ihm
noch einen zwinkernden Blick zu und begab sich anschließend in den
Empfangssaal, um an die Rezeption, die aus einem Kirschholztresen bestrand und
auf der Obstschalen standen, zu treten:



„Guten Morgen. Was kann ich für sie tun ?“ Ein Schwarzafrikaner sprach Bond
freundlich und ohne jeglichen Akzent an.



„Wer hat den silbernen Wagen geschickt, der auf dem Parkplatz vor meiner Suite
steht ?“



Der Schwarzafrikaner entschuldigte sich für einen Moment, trat in ein
Hinterstübchen und kam daraufhin mit einem Klemmbrett zurück, auf dem Listen
mit verschiedenen Namen angebracht waren.



„Ein gewisser Mr. Q aus London, von der Firma Universal Exports. Der Wagen kam
hier gegen 3.00 Uhr an. Ein wirklich herrliches Stück, nicht wahr ? Ach, ich
glaube auch, er hätte für Sie eine Nachricht hinterlassen.“



Der Rezeptionist schritt zu einem wuchtigen Holzregal, aus dem er einen kleinen
Umschlag zog.



„Hier bitte schön und viel Spaß beim Fahren.“



Bond bedankte sich, wünschte ihm noch einen schönen Tag und schritt in den
Esssaal, wo er ausgiebig frühstückte.



Eine gute Stunde später und mit einigen Portionen Rührei und Toast im bauch,
begab sich Bond zum Parkplatz. Er öffnete den Umschlag, zog den Schlüssel
hinaus und nahm den kleinen Zettel an sich, als er einstieg:







Guten Morgen 007,



Moneypenny hat sich Sorgen um Sie gemacht, da ein gewisser Mr. Mbeki
berichtete, sie auf einer Landstraße aufgegabelt zu haben. Sie bat mich Sie ein
wenig zu unterstützen. Wie sie sehen, habe ich mir Mühe gegeben und Ihnen ihr
Gefährt zukommen lassen. Geben Sie gut auf es Acht. Und passen Sie auf sich
auf.



Gruß

Q






Bond lächelte ein wenig vor sich
hin, ließ den Motor an und rollte davon, auf direkten Weg zum
AIDE-Hauptquartier.

Bonds Hotel befand sich in einem Außenbezirk von Lagos, sodass die Fahrt bis
ans Ende der Stadt viel Zeit in Anspruch nahm, da der morgentliche
Berufsverkehr einsetzte. Viele Autofahrer schaute neidisch auf Bonds Wagen,
doch der lächelte nur freundlich und ließ die Klimaanlage an.



Nachdem Bond das Zentrum von Lagos passiert hatte, vorbei an Statuen und
majestätischen Gartenanlagen, gelangte er auf eine kleinere Landstraße, auf dem
wenig Verkehr herrschte. Dem entsprechend kam Bond zügig voran. Vorbei an
riesigen Mais und kkaoplantagen dachte er nach:



Er war ganz nah dran, endlich die Lösung in diesem Fall zu finden, der ihm
soviel Kopfzerbrechen bereitet hatte. Der erschossene MI6-Agent hier in Lagos,
die Ungereimtheiten in deutschen Pharmabetrieben, die Diskette und Claire, dazu
der mysteriöse Tod von Sally und Dr. Morton.

Er war in krumme Geschäfte verwickelt, dass wusste er von Stone. Doch er würde
ihn ja jetzt treffen und anschließend den ganzen Fall aufdecken, seinen Bericht
schreiben und in die Heimat zurückkehren, um auszuspannen. Er wollte noch ein
wenig weiter nachdenken, als er das Hauptquartier erreichte.



Bond stieg aus, schritt zur Eichentür und schellte. Niemand öffnete. Auch die
erneuten Versuche Bonds, jemanden auf ihn aufmerksam zu machen, schlugen fehl.
War überhaupt jemand hier ? Der Reverend war bisher zu jedem ihrer Termine
pünktlich erschienen und nun sah Bond noch nicht einmal ein Auto auf dem
Parkplatz ? Seltsam.



Bond zückte seine Krawattennadel, öffnete das Schloss und betrat die
Eingangshalle. Es schien wirklich niemand im hause zu sein.



„Vielleicht sogar ein Vorteil“, dachte Bond. Denn dann könnte er ungestört die
Aktenschränke und Büroräume durchsuchen. Er schlenderte die große bogenförmige
Treppe hinauf in den ersten Stock, wo sich die Büroräume befanden. Mortons Büro
lag direkt neben dem von Dr. Belleville. Gegenüber zum Innenhof liegend das
Büro von Stone. Bond trat ein, in der Hoffnung einen Terminkalender oder etwas
ähnliches zu finden. Vielleicht war der Reverend ja doppelt belegt. Er schritt
zum Fenster im hinteren teil des Raumes, wo ein breiter Aktenschrank gegen die
Wand gelehnt war. Doch der Aktenschrank barg nur einige Reden von Empfängen,
sowie Baugenehmigungen und Steuererklärungen.

Bond sah sich weiter um. Er betrachtete ein bestimmtes Bild an derWand. Er
hatte es schon einmal gesehen.

Richtig. In Dr. Mortons Villa.. Es zeigte diesen riesigen monströsen Berg.
Neugierig tastete Bond das Bild an seinen Seiten ab, worauf ein Tresor
freigelegt wurde. Der Tresor war fast vollständig geleert, bis auf eine
silberne Geldkassette, die nur dürftig verschlossen war. Bonds Puls stieg.
Würde er nun belastende Beweise gegen Morton finden. Tauchte er in Stones
kleines Geheimnis ein, zu wissen, was Dr. Morton all die Jahre im Schilde
führte ?



Er öffnete die Geldkassette. Sie legte den Blick auf einen Stapel von Schecks
frei. Bond blätterte den Stapel durch:



Young, Terence: 650.000 £ Bayer

Hamilton, Guy: 650.000 £ BASF

Gilbert, Lewis: 700.000 £ Pfizer

Hunt, Peter 700.000 £ Merz-Pharma

Glen, John 700.000 £ Mediciano



Alle Schecks fein säuberlich mit einem Fischstembel versehen und in einer
unleserlichen Schrift unterschrieben. Neben den Schecks noch ein weiterer
Brief:







Liebe Jünger,



Zur Freude über Ihre tadellose Arbeit, habe Ich mich bereit erklärt, die von
Ihnen gewünschte Aufstockung Ihrer Prämien zu Akzeptieren und den neuen Betrag
auf Ihr Konto in Stockholm zu überweisen.



In Hoffnung auf weitere gute und erfolgreiche Zusammenarbeit,




Keine Unterschrift dafür aber eine kleine Zeichnung aus Tinte, die einen Fisch
darstellen sollte.





Bond war erleichtert. Jetzt schnellstens hier heraus, die Schecks im Wagen mit
seiner Ringkamera photografieren, im Etui auswerten, und die Beweise für
Mortons Schuld nach London senden. Er schaute auf die Innenseite die Rückseite
des Bildes, also die Innenseite des Tresors um etwas mehr über das Bild zu
erfahren. Eine kleine Widmung verriet ihm mehr:



Für meinen treuen und loyalen Freund in Lagos.



Mit besten Grüßen Deines Ziehvaters,

Odin



Motiv: Wallallaberg, Stockholm, um 1999.



C.O.U.N.T.! Diesen Schock musste Bond erst einmal verkraften. Was für ein
Mensch musste Morton bloß gewesen sein, um sich mit C.O.U.N.T einzulassen.
Stone hatte wohl jeglichen Grud gehabt, um Misstrauen gegen Morton zu hegen.

Er wollte sich gerade umdrehen, um den Parkplatz aufzusuchen, als er in den
Lauf einer Beretta blickte:



"Hübsches Stück. Hatte ich auch mal."





(K) "Was machen Sie hier in diesem Büro?"

Tudors Stimme klang böse und Bond erreichte ein Schaudern.

"Pack das Ding weg, Tudor. Das ist doch unser Mr. Lloyd von der WHO."
Bond war froh, die Stimme des Reverends zu hören.

1000 Gedanken waren ihm in dieser Sekunde des Schreckens durch den Kopf
gegangen. Hätte er sich doch getäuscht gehabt und Morton wäre nur eine Finte
gewesen. Und wenn ja, wer könnte dann hinter allem stecken. Das müsse die
Person mit der unleserlichen Unterschrift auf diesem Fischsymbol sein. Steckt
doch Odin dahinter...

Stones Stimme weckte Bond aus seinen Gedanken der Erleichterung.

"Entschuldigen Sie bitte diesen Vorfall, Mr. Lloyd! Tudor hat schlechte
Manieren, er ist aber für uns in dieser unsicheren Gegend ein unverzichtbarer
Mann."



"Kein Problem! Gerade weil diese Gegend so unsicher ist, muss man
natürlich auch mit allem rechnen."



"Klar", erwiderte der Reverend, "kommen Sie bitte mit rüber in
mein Arbeitszimmer. Dürften wir Ihnen was Erfrischendes zur Erholung
anbieten?"






(V) „Sie werden nirgendwo hingehen!“ Tudors Stimme war hart. Er
hatte der Anordnung des Reverends keine Folge geleistet und seine Waffe auf die
beiden Männer gerichtet. „Am Besten sie tun nur das, was ich sage, meine
Herren. Gehen sie auf den Gang hinaus. Auf dem Parkplatz wartet eine weiße Limousine.
Keine Mätzchen und die Hände schön hochhalten!“






Der Reverend schaute fassungslos
zu ihm. „Tudor?“ Dann hob er aber langsam die Hände. Bond tat es ihm gleich.
Sein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, aber es fiel ihm einfach kein
Rettungsplan ein.






„Was schauen sie so, Reverend?
Sind sie wirklich so naiv? Der geschätzte Mr. Lloyd von der WHO ist in
Wirklichkeit James Bond vom britischen Geheimdienst. Und was sie selbst
betrifft, Reverend, ich werde den Tod von Dr. Morton rächen. Aber nicht hier.
Gehen sie jetzt zur Limousine!“






Ängstlich leistete der Reverend
Tudor Folge, widerwillig Bond. Sie durchschritten den Gang, verließen das
Gebäude und gingen zur Limousine. „Auf die Rückbank!“ befahl Tudor. Nachdem
Bond und Stone Platz genommen hatten und Tudor die Tür zugeschlagen hatte,
Öffnete Tudor die Fahrertür. Ein kleines Schaltpult war dort untergebracht.
Tudor drückte einen Knopf und die Knöpfe der Fondtüren verschwanden in der
Versenkung. Ein weiterer Knopfdruck und eine stabile Glaswand trennte Hinter- und
Vorderbereich des Wagens. Ein letzter Knopfdruck und Gas strömte in die hintere
Kammer. Der Reverend fasste sich an den Kragen und holte ein Taschentuch
hervor, um es vor den Mund zu halten, während Bond vergeblich versuchte eine
der Scheiben einzuschlagen. Nach kurzer Zeit überkam beide eine tiefe
Bewusstlosigkeit. Tudor stieg nun ein und fuhr vom Hof.






***





Als Bond erwachte fand er sich
neben dem, augenscheinlich noch bewusstlosen Reverend auf einem Sofa in Mortons
Esszimmer. Tudor hockte im Schneidersitz auf dem Esszimmertisch und hielt die
Waffe auf beide gerichtet. Neben ihm Bonds Walther und ein Revolver, der wohl
vom Reverend war. „Nun, Mr. Bond, wieder einigermaßen bei Sinnen?“ fragte er
dreckig grinsend.






„Nun, es ging mir schon mal
besser“, meinte Bond trocken. „Ich nehme an, sie werden den Reverend und mich
bei Dr. Mortons Fröschen beisetzen.“






„Sie sind ein kluges Köpfchen, Mr.
Bond. Schade, dass sie nicht mehr viel davon haben werden“, lachte Tudor.






Ein Stöhnen war zu vernehmen.
Neben Bond kam gerade auch der Reverend wieder zu sich.






„So, da ja jetzt beide Herren wach
sind, bitte ich sie, sich dort vorne auf den Glasboden vor den Tisch zu
stellen“, meinte Tudor befehlend.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:06

Bond und der Reverend taten, wie
Tudor es befohlen hatte.
Sie standen nun auf
einer gläsernen Mosaikplatte, die sich wohl als Falltür entpuppen würde. Bond
erkannte die Gelegenheit, als Tudor sich gerade aus dem Schneidersitz löste um
sich auf ihn zu stürzen. Ein Schuss löste sich, doch er ging in die Decke. Bond
rang mit Tudor, während der Reverend sich noch etwas benommen am Tisch abstütze
und versuchte nach seinem Revolver zu hangeln. Tudor stieß Bond mit seinen
Füßen zurück. Gerade als der Reverend den Revolver gegriffen hatte, fuhr Tudor
herum und schlug dem Reverend die Waffe aus der Hand. Der Schuss, der sich
löste ging in die Wand. Während Bond sich wieder auf Tudor stürzte, stieß
dieser den Reverend weg. Der Reverend taumelte zur Wand und suchte anscheinend
Halt an einer Kordel, die von einem einheimischen Knüpfwerk herunterhing.
Seltsamerweise gab die feste Kordel nach und durch einen Mechanismus klappte
der gesamte Glasboden weg und die beiden kämpfenden Männer Bond und Tudor
stürzten mitsamt dem Tisch und den Stühlen in das Terrarium mit den
Pfeilgiftfröschen! Stone stand am sicheren Rand und starrte zu dem
entsetzlichen Geschehen. Tudor schrie auf. Bond allerdings konnte sich
allerdings an dem verkanteten Esstisch festhalten und versuchte, langsam
hochzuklettern.



Man hörte ein Knarren, langsam gab
der Tisch nach. Der Reverend stand hilflos auf der anderen Seite. Der Tisch gab
nun vollends nach und stürzte in die Tiefe. Bond konnte gerade noch im
richtigen Moment abspringen und hing nun am Rand, wo er sich langsam
hochhievte. Als er endlich auf sicherem Boden stand, sah er zum Reverend. „Wir
sollten raus aus diesem Gruselsaal.“ Langsam arbeiteten sich beide auf den
schmalen Rändern auf die Tür zur Eingangshalle zu, die sie kurze Zeit später
sicher erreichten. Der Reverend schaute Bond fassungslos an. Er war anscheinend
wieder mit den Nerven am Ende. „Wieso… wieso das alles?“






Bond ging zum Reverend und stützte
ihn. „Kommen sie. Wir haben wohl beide einen Drink bitter nötig.“ Zusammen
gingen sie in eine Art Gästezimmer. Bond geleitete den Reverend auf einen Stuhl
und holte von einer Kommode eine Flasche Whiskey und zwei Gläser. Er setzte
sich zu Stone, goss ein und reichte dem Reverend ein Glas. „Danke“, meinte der
Reverend und nahm einen großen Schluck. „Und sie sind wirklich englischer
Geheimagent?“






Gerade als der Reverend die Frage
stellte, wankte Dr. Belleville ziemlich zerschlagen zur Tür herein. Als sie den
Reverend erblickte lief sie freudestrahlend auf ihn zu. „Archibald! Du lebst!
Welch ein Glück! Tudor ist nach Mortons Tod ausgetickt.“






Bond blickt beide hart an. „Ich
hätte es früher wissen sollen. Der Fisch, ein christliches Symbol!“ Gerade als
Bond aufspringen wollte drückte der Reverend auf einen kleinen Knopf unter der
Tischplatte. Eisenfesseln klappten über Bonds Hände. Der Reverend ließ seine
Maske fallen. Entschlossen und kaltblütig stand er auf und schlang einen Arm um
Francine. „Sie haben vollkommen Recht, Mr. Bond. Aber sie haben es nun leider
zu spät gemerkt und sitzen in der Falle.“ Der Reverend sah an sich herunter.
„Der schwarzen Falle, könnte man sagen“, lächelte er. „Ihnen scheint der
schwarze Kontinent nicht sonderlich zu bekommen.“






Bond blickte ihn kalt an. „Sie
haben also die Kordel im Speisezimmer absichtlich gezogen?“






„Selbstverständlich habe ich das.
Eine gute Möglichkeit Tudor und sie gemeinsam zu beseitigen. Leider leben sie
noch, Mr. Bond.“






„Sie haben mein volles Mitgefühl,
Stone“, meinte Bond sarkastisch. „Wie ich sie kenne, haben sie sicher schon
eine neue Idee, dem Abhilfe zu schaffen.“






„Ach, das ist ganz einfach. Wir
werden sie gleich zu dem verblichenen Tudor schmeißen und damit das
Missgeschick von eben beheben“, lächelte Stone.






Bond sah Stone fragend an. „Aber
warum haben sie Dr. Morton erschossen?“






„Oh, das ist ganz einfach. Er hat
mich hintergangen. Er hat die Hälfte des Gewinns für C.O.U.N.T. zurückgehalten.
Dafür musste er sterben.“






„Sie gehören also nicht zu
C.O.U.N.T., Stone?“






„Nein. Ich gebe mich doch nicht
mit Weltvernichtern ab. Ich arbeite nur für mich selbst, für Gott und die
Nächsten.“






„In dieser Reihenfolge, Reverend?
Bringen sie da nicht etwas durcheinander? Was ist eigentlich genau ihr Plan?“






„Nun, da sie ohnehin gleich
sterben werden, kann ich es ihnen ja verraten. Ich beabsichtige das Monopol auf
Medikamente gegen AIDS für mich zu beanspruchen. Der Handel mit Geheimdienstinformationen,
eine Idee der guten Francine, brachte mir das nötige Geld um Agenten in die
Pharmakonzerne einzuschleusen. Ich bin kurz davor und wenn es soweit ist werde
ich unermesslich reich und man wird in mir den größten Wohltäter der Menschheit
sehen.“






„Wohltäter, pah“, spie Bond
verächtlich aus. „Sie sind größenwahnsinnig und irre. Ich habe die Menschheit
schon von einigen Verbrechern ihrer Art befreit. Erinnern sie sich an den Fall
Kananga, der das Monopol auf Rauschgifte haben wollte? Oder den Fall Zorin, wo
es um Mikrochips ging? Und überhaupt, Reichtum. Sollte ein Geistlicher nicht
nach Reichtum bei Gott suchen?“






„Ich werde beides haben, Mr. Bond.
Irdischen Reichtum und Reichtum bei Gott. Vielen Menschen wird durch mein
Medikament geholfen werden. Und Opfer müssen überall erbracht werden. Selbst
Gott opferte seinen eigenen Sohn für die Menschen.“






„Sie sind irre, Stone.“





„Nun, wenn sie meinen, aber dafür
sind sie gleich tot, Mr. Bond. Falls sie nach ihrem Ableben unseren Schöpfer
treffen sollten, können sie ihm ja berichten, was ich hier Großes für ihn
vorhabe. Und nun stehen sie auf und ab in die Eingangshalle mit ihnen.“ Stone
drückte wieder auf den Knopf und sie Fesseln lösten sich. Francine hatte
derweil einen Revolver auf Bond gerichtet.






Bond stand auf und ging in
Richtung Eingangshalle. „Ich bin sicher, der Allmächtige weiß schon ganz genau,
was sie hier treiben, Stone.“ Francine und der Reverend folgten Bond.






Francine stieß den Revolver in
Bonds Rücken. „Und nun vor bis zur Kante des Terrariums, Mr. Bond.“ Bond konnte
nichts anderes tun, als ihr Folge zu leisten. „Und nun springen sie.“






„Halt!“ ertönte es von Stone.
„Noch nicht.“ Er trat einen Schritt vor, senkte den Kopf und faltete die Hände.






Bond schaute zu Stone. „Was tut er
da?“






Francine blickte ebenfalls zu dem
Reverend. „Er betet für Tudor, nehme ich an.“ Diesen Moment nutzte Bond um sich
blitzschnell umzudrehen, Francine die Waffe aus der Hand zu schlagen und sie
umzustoßen. Stone öffnete die Augen und hechtete zu der Waffe. Er ergriff sie
und feuerte auf Bond, der durch ein Fenster flüchtete. „Mist!“ Stone ging zu
Francine und half ihr auf. „Wir müssen dringend hier weg. Er wird sicher zu
Harris laufen und bald haben wir die ganze nigerianische Polizei auf dem Hals.“






Francine erhob sich mit Stones
Hilfe. „Was machen wir mit Julie? Tudor hat sie hier irgendwo eingesperrt.“






„Die lassen wir hier. Komm.“ Stone
verschwand mit Francine durch den Hinterausgang.






***





Bond war keineswegs zur britischen
Botschaft geflüchtet, sondern hielt sich unter dem Fenster versteckt und hatte
alles mitgehört. Als er sicher war, dass Stone und Dr. Belleville weg waren,
kam er hervor und betrat das Gebäude, um nach Miss Zorbo und nach Hinweisen zu
suchen.



Er ging zum Speisesaal, überquerte
vorsichtig den Rand und betrat den Raum, indem er Mortons Arbeitszimmer
vermutete. Ein Geräusch ließ ihn um den Schreibtisch schauen. Dort lag
gefesselt und geknebelt Miss Zorbo. Bond nahm ihr den Knebel aus dem Mund. „Ah,
danke.“ Sie atmete tief durch. „Mr. Bond, was ist geschehen? Was ist mit Tudor?
Lebt der Reverend noch?“






„Ja, leider lebt er noch. Er hat
Tudor zu den Fröschen geschickt und mich fast auch zweimal. Er ist mit Dr.
Belleville geflohen.“






Hass funkelte in Julies Augen.
„Und mich lässt er hier? Dieses Schwein! Dafür wird er büßen! Machen sie mich
los!“






(Z) Nachdem Bond Julies Fesseln gelöst hatte, begaben sich
beide auf den Vorhof der Villa und von dort aus zu einem kleinen Parkplatz, auf
dem sich einige verdreckte Jeeps befanden. Beide stiegen ein und Bond schloss
den Wagen kurz, dessen Motor mit einem heftigen Husten startete.



„Hat Ihnen Stone je etwas über sein Projekt erzählt ?“



„Nein. Aber manchmal benahm er sich ganz komisch, er sprach dann immer von der
gleichen Sache. Wenn er für einen ganzen Tag die Stiftung verließ, sagte er
immer nur, dass unterwegs sei, um „Kakao zu schlürfen“. Ich hatte dem nie
besondere Bedeutung zugemessen, aber es kam mir immer ein wenig spanisch vor.



Bond hielt für einige Sekunden inne, zog dann aber plötzlich die Handbremse und
vollführte eine 180 °-Drehung. Eine riesige Staubwolke stieg von der Landstraße
empor.



„Was soll das denn jetzt ? Ich dachte, Sie hätten ebene genügend Abenteuer
erlebt ?“



Zorbo versuchte Bond ein wenig aufzuziehen, doch dieser studierte haargenau die
Landschaft, um schließlich auszusteigen und an einen Felsvorsprung zu treten.



„Wie kommen wir am schnellsten in die Innenstadt ?“



„An der nächsten Abzweigung rechts.“



Julie schien sich hier prächtig auszukennen, was Bond mit einem süffisanten
Lächeln quittierte.



Nach 20 Minuten fiel Schatten auf Bonds Gesicht: er parkte unter einem
wuchtigen Holzschild, welches über einem Torbogen hing. Das Schild verwies auf
die Kkaoplantage, die vor ihnen lag. Zügigen Schrittes durchquerten Bond und
Julie den Einfahrtsweg, der von kleineren Holzbuden, die offenbar Wohnräume der
Arbeiter darstellten, flankiert war. Dem Ende des Kieselsteinweges schloss sich
ein gigantisches Marmorgebäude an. Es erinnerte Bond an die britische
Botschaft, die nur wenige Kilometer entfernt lag. Wo man nur hinsah, überall
penibel geschnittene Hecken und fein geharkte Wege. Das durch Elefantenstauen
gezierte Gebäude lud Bond und Zorbo zum Eintreten ein.



„Es scheint so, als hätte die britische Kolonialzeit hier deutliche Spuren
hinterlassen“ Bonds Blick deutete auf das Porträit eines alten Westeuropäers,
der die Uniform eines Gouverneurs trug.



„Bleiben Sie dicht bei mir. Wollen wir doch einmal herausfinden, wie weit der
Reverend mit seiner Rettungsaktion für die Hilfsbedürftigen vorankommt.“



Bond suchte, mit Julie im Schlepptau, zuerst einige Bürogebäude auf. Er stülpte
in alten Aktenschränken und Sideboards, ohne auch die geringste Spur zu finden.
Dann wendete er sich dem Lesesaal zu, ein Relikt aus Kolonialzeit. Während
Julie in einem Sessel Platz nahm, stöberte Bond zwischen alten Büchern herum,
um anschließend festzustellen, dass die bisherige Suche keine Ergebnisse oder
selbst nur die geringste Spur über Stone zum Vorschein gebracht hatte.



Es war heiß und schwül. Daher ließ sich auch Bond auf ein okerfarbenes Sofa
fallen, um ein wenig zu verschnaufen. Sein Augen wanderten die Wand entlang.
Vorbei an traditionellen Knüpfwerken, die Arbeiter bei der Kakaoernte
darstellten und alten Kalendern, fiel sein Blick letztendlich auf einen
Lageplan des Gebäudes. Die Karte schien zwar schon arg ramponiert zu sein, doch
die wesentlichen Räume waren erkennbar. Bond schlenderte an die Wand und
studierte die Karte eifrigst und wanderte mit dem Zeigefinger über sie.



„Julie, sehen Sie sich das mal an. Sehen Sie, die Bürogebäude haben wir bereits
abgegrast, im Lesesaal befinden wir uns gerade, blieben also nur noch Küche und
Trophäenzimmer. Natürlich werden Sie in die Küche gehen, während ich das
Trophäenzimmer inspiziere.“



Julie lächelte kurz auf, begab sich dann aber zur Küche, während Bond das
Trophäenzimmer aufsuchte.



Julies Suche war wenig erfolgreich. Sie wurde zwar schlauer, was die
Zubereitung von Kugelfisch und Calamares anging, jedoch nicht über die Pläne
und deren Ausführung des Reverends. Bevor sie das Trophäenzimmer aufsuchte,
blickte sie noch einmal in die glitzernde Küche, um den Raum dann doch zu
verlassen. Im Trophäenzimmer angekommen fiel Julies Blick sofort auf einen
ausgestopften Elefanten, der auf einem Podest in der Mitte des Raumes thronte.
Seine Stoßzähne ließen den Elefanten selbst im toten Zustand noch bedrohlich
und angsteinflößend wirken. Julie faszinierte der Anblick von Fasanen, Tigern
und Krokodilen, teils an der Wand, teils im Raum platziert.



Doch wo war Bond ? Julie schritt vorsichtig durch den Raum und blickte immer
wieder nach hinten, wobei sie sich an der Wand entlang tastete, als sie
plötzlich ins leere Griff.



Ein kurzer, heller Schrei durchflutete den herrschaftlichen Raum, doch Bond
trat ins Licht und ließ ihre Hand wieder los.



Julie kam nicht dazu, die Situation zu hinterfragen, sondern starte nur auf das
Gemälde der Horora-Bucht, welches zur Decke geklappt einen kleinen
lichtdurchfluteten Gang freilegte.



Bond ahnte schon, was Julie gleich fragen würde und deutete schon auf das
Standbild einer überlebensgroßen Kakaobohne:



„Ich habe mal wieder ein wenig an dem Stiel herumgespielt und festgestellt,
dass es doch auf die Länge ankommt.“



Bond grinste schelmisch und betrat den Gang. Julie folgte ihm und pustete
kräftig durch, denn nun verspürten beide eine deutlich geringere Temperatur und
einen straffen Windzug, als noch im Gebäudekomplex zuvor, obwohl dieser doch
vorwiegend aus Marmor gearbeitet war. Der Gang wies nun ein geringes Gefälle
auf, doch immer noch wirkte der breite und helle Gang einladend.






(V) Als der Gang endete, wich Bond im ersten Moment erschrocken
zurück und sah sich dann um. Der Raum bestand komplett aus Glas und schien
inmitten einer riesigen Höhle oder Schlucht zu hängen. Sah man nach unten,
blickte man in die Tiefe und erblickte den Boden der Höhle mit Tropfsteinen und
einem Bachlauf. Sah man nach links und rechts blickte man in die Weite der
Höhle. Sah man nach oben, erblickte man die Glasdecke und darüber eine
Glaskuppel als Abschluss der Höhle. Sie schien zur Tarnung mit Pflanzen
bewachsen zu sein, ließ aber genug Sonnenstrahlen hindurch, um die ganze Höhle
zu erhellen. Man fühlte sich richtig frei in dem Raum. Überwand man seine Angst
und ließ sich in dieser Atmosphäre fallen, könnte man das Gefühl haben, selbst
durch die Höhle zu schweben, als wäre Magie im Spiel oder eine Art göttlicher
Macht.



Der Raum wirkte riesig und
unendlich, wie die Höhle selbst. Anscheinend war es ein Laborraum und
Arbeitszimmer mit gläsernen Vitrinen, Regalen, Kruzifixen und Kreuzen aus Glas
und Kristallen, gläserne Pulte, in denen Reagenzgläser vibrierten, ein
gläserner Schreibtisch und gläserne Stühle. Bond sah sich um. Neben dem
Schreibtisch stand ein weißer Lederkoffer. In der Wand zu seiner linken war
eine Öffnung, die zu ebenso einem Röhrengang führte, der sich schließlich in
die Felswand bohrt, wie dem, aus dem Bond und Julie gekommen waren und aus dem
nun ein Krankenpfleger mit einer Pistole trat, dicht gefolgt vom Reverend.
Julie wich etwas zurück und stieß an einen Revolverlauf. Dr. Belleville stand
mit gezogener Waffe hinter ihr. Sie muss sich wohl irgendwo versteckt im Hause
befunden haben und Julie und Bond dann in den Gang gefolgt sein.






„Ich fürchte, sie sind schon
wieder in die schwarze Falle getappt und die liebe Miss Zorbo haben sie also
auch befreit“, lächelt der Reverend. „Heute sind sie an ihrer eigenen
Egozentrik gescheitert. Oder ist es gar schon Egomanie? Natürlich ist der große
James Bond alleine stark genug um den ach so bösen Reverend zu stellen.
Natürlich geht er nicht zu Harris oder der Polizei, wie ich es vermutet hatte.
Und natürlich erzählt er keinem, dass nicht Dr. Morton hinter allem steckt,
sondern der Reverend. Nein, lieber eine persönliche Vendetta mit Miss Zorbo als
eine gemütliche Großfahndung nach mir. Aber sie tun ja nie das, was man von
ihnen erwartet. Aber ich will ihnen vergeben, schließlich haben sie sich mir ja
so in die Hände gespielt und ich habe eine neue Chance, alle Mitwisser zu
beseitigen.“ Der Reverend geht zum Schreibtisch und packt einige Akten in einen
schwarzen Lederkoffer. „Wie gefällt ihnen eigentlich dieser Raum? Jesus ging
über Wasser, ich gehe hiermit sogar über Luft.“






Bond sah ihn verächtlich an. „Nur
war es früher ein echtes Wunder und hier ist ein einfacher Trick mit Glas.“






Der Reverend zuckte mit den
Schultern. „Und wenn schon.“ Dann blickte er kurz zu dem Krankenpfleger. „Die
beiden sind sicher bewaffnet.“






Der Krankenpfleger trat zu Bond
und Miss Zorbo und untersuchte beide. „Nein, sie sind beide unbewaffnet.“ Dann
trat er zurück und bedrohte beide wieder.






Der Reverend lachte auf. „Also
doch Egomanie. Aber stimmt, ihre Walther dürfte ja zusammen mit meinem Revolver
bei den Pfeilgiftfröschen liegen. Ich sagte es ja schon, ihnen scheint der
schwarze Kontinent nicht zu bekommen.“ Der Reverend schloss den Koffer, als er
mit Packen fertig war.






Bond erwiderte nichts und schaute
sich im Raum um. „Hier ist also ihr Labor, wo sie an dem Medikament arbeiten?
Darf man fragen wie weit sie sind“






Dr. Belleville trat hinter Julie
hervor und zum Reverend. „Das ist Archies privater Arbeitsraum. Dass er einen
Doktortitel in der Pharmazie hat, hat er ihnen in seiner Bescheidenheit wohl
bisher verschwiegen.“ Francine gab dem Reverend einen zärtlichen Kuss auf die
Wange. „Wenn sie dem Gang zu ihrer linken folgen würden, kämen sie in einige
Fabrikräume. Die ersten Proben des Medikamentes sind schon fertig gestellt und
wir sind kurz vor der Testphase. Mag sein, dass diese noch einige Opfer
erfordert, aber danach ist es endlich soweit.“ Francine sah den Reverend
verliebt an. Bond sah angewidert zu den beiden hin.



"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:06

Der Reverend gab Francine einen
leidenschaftlichen Kuss und blickte dann wieder zu Bond. „Nun müssen sie uns
aber entschuldigen, die Boote warten und ich möchte unsere Flucht und ihren Tod
ungern weiter herauszögern.“ Dann sah er zu dem Krankenpfleger. „Wenn wir in
Sicherheit sind, kappen sie die Strickleiter und kümmern sich um die beiden.“
Dann öffnete er eine Glasluke im Boden und ließ eine Strickleiter hinab, die er
mit dem schwarzen Koffer hinab stieg. Francine nahm den weißen Koffer und
folgte ihm. „Dieses Glas ist übrigens kugelsicher, nur an die
Erdbebenfestigkeit hat man nicht so sehr gedacht. Adieu, Mr. Bond. Julie.“
Francine stieg die Strickleiter hinab, während der Krankenpfleger Bond und
Julie in Schach hielt.






Unten angekommen folgten die
beiden dem Bachlauf und verschwanden in einem kleinen Gang auf der anderen
Seite. Der Krankenpfleger bückte sich und löste die Strickleiter. Diesen Moment
nutzte Bond für einen Angriff auf ihn und er traf mit seinem Bein den Kiefer
des Krankenpflegers, der daraufhin mit der Strickleiter, seiner Pistole und
einem gellenden Schrei in die Tiefe stürzte, wo er hart und tödlich auf
Tropfsteinen aufkam. Bond atmete durch. „Den hätten wir.“






„James“, meinte Julie ängstlich
und nun spürte Bond es auch, dieses Beben, dass immer stärker wurde.






„Das hat der Reverend ausgelöst“,
meinte Bond grimmig. Schon fielen die Gänge in Trümmern zusammen und der
Glasraum zeigte erst kleine, dann immer größere Risse.






„Wie kommen wir hier nur raus,
James?“






(Z) „Das haben wir gleich“ Bonds Stimme klang ermunternd als er
auf eine lange Vitrine deutete, die fast den gesamten hinteren Raum einnahm und
eine beträchtliche Länge vorzuweisen hatte. Die Proben, welche sich in der
Vitrine befanden vibrierten stark und wiesen eine grünliche Färbung auf.



„Helfen Sie mir ein wenig. Packen Sie am hinteren Ende da an und folgen sie mir
zur seitlichen Raumbegrenzung; verstanden ?“



„Verstanden“



In der Mitte des Raumes begann sich der Schreibtisch des Reverends langsam in
kleine Glassplitter aufzulösen, teilweise fielen erste Glassscherbe aus der
Decke. Ein lautes Klirren durchflutete den Raum, als ein glitzernder
Kronleuchter aus einigen Metern Höhe zu Boden fiel und Bond nur knapp
verfehlte, der zusammen mit Julie die Vitrine zur Seitenfassade hiefte und sich
mit einer Hechtrolle in Sicherheit bringen musste.



„Stellen Sie die Vitrine senkrecht zur Wand !“



„Was haben Sie vor, wollen Sie noch den Raum ausdekorieren ?“



„Dann würde ich Sie hier lassen. Nun machen Sie schon !“

Bonds Stimme wurde befehlender. Es war jetzt einfach nicht die Zeit, um
dämliche Fragen zu stellen. Julie führte den Befehl aus, während Bond sich der
Wand näherte , sein Sakko auszog, es um seinen rechten Arm wickelte und die
Scheibe einschlug, sodass die Trümmer sausend auf die Tropfsteine auffiel.
Währenddessen nahm die Zerstörung des mythischen Raumes weiter immer weitere
düstere Konturen an. Die gegenüberliegende Seitenwand fiel komplett in sich
zusammen und auch die Decke machte einen sehr instabilen Eindruck, was Bond zu
Aufmerksamkeit aufrief.



„Jetzt nur noch leicht einlochen. Ach warten Sie. Ich mach das; kann ich
berufsbedingt einigermaßen erfolgreich. Und jetzt drauf mit ihnen. Na los
worauf warten Sie denn noch. Hopp, hopp“. Bond schrie immer lauter, als die
ersten Teile der Decke auf den Boden krachten und diesen, falls er noch nicht
komplett zerstört war, tosend durchbrach.



„Hoffentlich hälts.“ Bond sah auf Julies Gesäß. Anschließend blickte noch
einmal durch den Raum und gab Julie einen kräftigen Schubs. Ein kurzes
Aufschreien, das sich sicherlich länger gezogen hätte, wäre es nicht durch die
Wasseroberfläche abrupt unterbrochen worden.



Weiter oben stürzte die Decke ein. Bond stöhnte auf, ein Splitter hatte seinen
Arm gestreift. Bond stoß sich ab und tauchte in das warme Wasser ein, während
über ihm und Julie der komplette Raum zusammenfiel und Bonds geliebtes Sakko
unter sich begrub.






Die Unterwasserlandschaft der
kleinen Grotte bot ein wundervolles Bild: seltene Fische schlängelten
aneinander vorbei und das Licht wurde in seine einzelnen Farben geteilt. Jedes
mal vernahm Bond ein Strahlen in den Augen, als die Sonnenstrahlen an den
glatten Tropfsteinen zu funkeln begannen. Bond wollte diesen Augenblick
genießen und hielt an einem gewaltigen Schwarm von Neonfischen inne, ehe er an
die Wasseroberfläche auftauchte. Auch Julie, die ebenfalls die Unterwasserfauna
bewunderte, tauchte auf. Als sie die Grotte verließen, blickten beide auf die
Horora-Bucht. Jetzt, da sich der Tag langsam dem Ende entgegen neigte, bot sich
den beiden ein noch eindrucksvolleres Bild. Hinter einer kleinen von
Dornsträuchern bewachsenen Felsformation wanderte die Sonne langsam gen Boden
und ließ das smaragdgrüne Wasser nun rötlich-orange erscheinen. Doch viel Zeit
zum Bestaunen der wundervollen Aussicht blieb nicht. Völlig durchnässt, doch
frisch abgekühlt zog Bond Julie, nachdem beide ans Ufer geschwommen waren,
einen flachen Abhang hinauf, ehe sie sich auf einem kleinen Platteau befanden.
Von dort aus hielten beide Aussicht.



„Hier irgendwo muss sich der Mistkerl versteckt halten. Das er wahnsinnig war,
lag ja schon lange in der Luft, aber für so feige hielt ich ihn wirklich nicht.
War er schon immer so ein Mensch ?“



„Wir hatten eigentlich wenig miteinander zu tun. Ich stellte damals nur das
Sicherheitspersonal ein und kümmerte mich weiterhin um die Organisation.
Dreimal im Monat trafen dann alle Abteilungen, also Finanzen, repräsentiert
durch Dr. Morton, medizinische Betreuung, Dr. Bellevilles Aufgabengebiet und
die Sicherheit, durch mich vertreten, zusammen, um die aktuelle Lage zu
diskutieren und zu erörten. Zu viel mehr, als der Vertiefung des Verhältnisses
zwischen Stone und Belleville hat es meiner Meinung nach aber sowieso nicht
genützt. ‚Geld ist nie ein Problem’, sagte Stone ständig. Wir alle kauften es
ihm ab. Wir wurden gut bezahlt und lebten im Luxus. Und zur Deckung der Pläne
sprang auch einiges heraus, doch dieses Miststück hat mich einfach hintergangen
und hat mit Belleville alleinige Sache gemacht. Wenn ich ihn nur erwischen...“



„Julie !“ Bond stürzte sich auf Julie und riss sie zu Boden, als plötzlich eine
gigantisches Schnellboot über Julie und Bond hinwegflog. Darin befindlich der
Dr. Belleville und der Reverend, der eine gewaltige Salve aus seinem
Maschinengewehr auf die beiden abfeuerte.



„Hier entlang !“ Bond riss Julie am Arm und zog sie hinter einen gewaltigen
Felsen, der vorrübergehend Schutz vor dem wahnsinnigen Paar bot.



„Dort oben, ein gerissenes Versteck. Passt perfekt zum Reverend. Unscheinbar
und doch tödlich.“ Bond deutete auf einen kleinen Schuppen, getarnt durch
einige Dornbüsche und Sträucher, der sich auf einem noch höher gelegenem
Plateau befand. Im Schuppen konnte Bond gut auf einige Utensilien zur Wartung
von Schnellbooten blicken. So zum Beispiel einige Flaschen Motoröl, Politursets
und Ersatzteile.



„Ich weiß, wie wir die Verfolgung aufnehmen können. Allerdings bräucht ich dazu
ca. 8 Kilometer.“



„Schau doch mal da drüben, James. Besser als gar nichts, oder ?“



„Ich fahre. Geh Du schnell in Deckung und nimm auf der Beifahrerseite Platz.
Verstanden ?“



„Verstanden.“



Julie spurtete zu ein einem schwarzen Mini-Cooper älteren Baujahres, der ein
wenig verdeckt unter einer Stechpalme stand, suchte an der Beifahrerseite
Deckung und nahm Platz. Ebenso hastete aucgh Bond zum Wagen, schlug heftig die
Tür auf, ließ sich in die viel zu kleinen Sitze fallen. Der Schlüssel steckt !
Bond ließ den Wagen an, drückte das Gaspedal durch und quittierte das
parierende Verhalten des Coopers:



„Jaja, es geht doch nichts über britische Automobilbaukunst !“ Dann folgte er
dem Weg.



Doch wo war Stone und sein schwarzes Schnellboot ? Bond blickte aus dem
Fenster, konnte aber außer einigen Schwänen nichts weiter auf der
Wasseroberfläche erkennen.



„Vermutlich will er sich seine Beute genauestens zurechtlegen, aber bald werden
wir ihn mit ebenbürtigen Waffen schlagen können .“



„Wie kommst Du nur darauf, James ? Also einen Yachthafen seh ich hier nicht !



„Den brauchen wir auch nicht. Aussteigen. Wir sind da !“





Die Tauchschule lag im funkelnden Untergehen der Sonne, als Bond auf die
Veranda trat und Gilbert und Francis, die Blackjack spielten, begrüßte:



„Na, diesmal kein Backgammon ?“



„Guten Abend, James“ .



„Mr. Bond.“ Sowohl Francis als auch Gilbert wirkten sehr entspannt.



„ Nein, Gordon hat mir schon 5.000 £ abgenommen. Und Blackjack liegt mir
sowieso mehr.“ Gilbert schmunzelte ein wenig, als er seine
Backgammon-Niederlage eingestehen musste.



„Aber ich verdiene ja genug. Doch Sie sind doch sicherlich nicht hier, um mit
uns über Freizeitbeschäftigungen zu plaudern oder, James ?“



„Eher weniger ! Sagen Sie mal Francis, Sie fahren doch öfters raus auf die
Bucht, oder ?



„Ja, fast alle vier Stunden. Dann mache ich Aufnahmen von der Landschaft. Sehen
Sie. Da bietet sich wieder ein ganz exquisites Motiv an, wie die Sonne ganz
langsam hinter den Palmen untergeht.“



„Dann verfügen Sie doch sicherlich auch über ein schnelles Boot, oder ?



„Wenn Sie mal mitkommen möchten !? Einmal hier um die Ecke an den Steg. Ach,
Gilbert, spiel doch so lange etwas mit Ms äh...“



„Julie Zorbo. Wollen wir ?“ Bond folgte dem bejahenden Francis und begutachtete
das silberne Schnellboot. Nach einem kurzen Blick auf den Tacho lstreifte Bond
das Tau vom Pfahl ab und rief Julie zu sich.



„Also vielleicht bis heute Abend. Würde mich freuen, wenn Sie alle dabei wären.
Julie, na komm schon.“



„Warten Sie Julie. Ihre 200 £. Ich bring sie Ihnen dann heute Abend.“



Julie sprang auf das langsam fahrende Boot auf und fuhr mit Bond auf die Bucht
hinaus.



„Spielst Du öfters ?



„Wenn etwas für mich dabei herausspringt schon.“



„Ducken !“



Bond wendete das Boot und gab Vollgas. Gerade noch rechtzeitig, um
Beschädigungen am Fahrzeug zu vermeiden. Dr. Belleville hatte aus ihrer
Maschinenpistole eine Salve abgefeuert, während der Reverend das Boot aus dem
Schilf, welches als Tarnung diente, manövrierte und auf das Zentrum der
riesigen Bucht zusteuerte.

Bond nahm die Verfolgung auf und beauftragte Julie damit, in dem Boot nach
brauchbaren Waffen zu suchen. In einem kleinen Fach zu ihrer rechten wurde
Julie schließlich fündig und reichte Bond eine Walther P22.



„Halte die Walther mal kurz. Ich werde mich in der Zwischenzeit ein wenig sportlich
betätigen. Wenn ich jetzt rufe, gibst du mir Feuerschutz, klar ? Und immer
schön die jetzige Geschwindigkeit beibehalten. Julie wechselte ans Steuer und
fuhr weiter zum Boot des Reverends auf, bis beide Boote gleich auf lagen.



„Jetzt konstant bleiben. Bond kletterte zum Bootsrand und hielt sich an der
Kante der Windschutzscheibe fest. Sein Hemd flatterte stark im Wind. Nur noch
wenige Sekunden, drei, zwei, eins.



„Festhalten!“ Julie fuhr ein scharfe Kurve. Der Reverend verließ seine gebückte
Haltung und feuerte auf Julie, die sich allerdingshinter der Mittelkonsole
verschanzen konnte. Währenddessen klammerte sich Bond mit einer Hand am Boot
fest, während seine Beine die harte Wasseroberfläche touchierten.

Der Reverend streckte seinen Arm aus und zielte auf Bonds Kopf, als Julie den
Reverend mit einem Schuss in die Schulter zu Boden zwang.






(A) Der Reverend schrie auf und sank auf seine Knie.
Instinktiv fasst er er sich mit seiner Hand auf die Stelle von der in diesem
Moment ein stechender Schmerz ausging: seine Schulter! Stone brauchte einige
Zeit um die Situation zu realisieren. Ungläubig starrte er auf seine
blutverschmierte linke Hand, dann auf die Stelle an seiner Schulter, an der ihn
Julie mit der Walther getroffen hatte und schließlich auf Julie selbst. Sie
stand auf dem anderen Boot, die Waffe immernoch in der Hand und versuchte den
Reverend ein weiteres Mal zu treffen. Bond konnte ihr nicht helfen. Er hatte
größte Mühe, sich am Boot festzuhalten. Dr Belleville war eine ausgezeichnete
Fahrerin, die es verstand Bond das Festhalten so schwer wie nur möglich zu
machen. Mehrmals konnte er die Hand gerade noch so an der Reeling halten ohne
abzurutschen.





Stone blickte auf die blutige
Stelle an seinem Talar. Ihn packte eine unglaubliche Wut, die ihn seinen
Schmerz vergessen ließ. Dieses Miststück, das nun mit knappen 100km/h neben
seinen Boot herraste gehörte mal zu seiner Organisation. Sie hatten ihr das
Schiessen erst beigebracht, damals während Julies Ausbildung auf dem Landsitz
von Dr Morton bei Kapstadt. Und sie hatte ihn verraten, die Organisation
verraten. Nein, von ihr würde er sich seine jahrelang sorgfältig vorbereiteten
Pläne nicht zerstören lassen. Die Schmerzen waren vergessen. Der Reverend
richtete sich wieder auf. Stone stand felsenfest auf dem Deck des
Schnellbootes. Der Fahrtwind peitschte ihm ins Gesicht und ließ seinen
pechschwarzen Talar gespenstisch flattern und zucken. Julie erhob die Walther
wieder. Jetzt oder nie! Aufgerichtet gab Stone ein fabelhaftes Ziel ab. Diesmal
würde sie nicht nur die Schulter treffen!



Julie visierte den Reverend an. Ihre Augen formten sich zu entschlossenen
Schlitzen, die nur noch eins sahen: das Ziel, den Reverend! Er stand immernoch
ganz ruhig auf den anderen Boot, das Francine Belleville mit viel Geschick aber
auch mit viel Mühe durch die Wellen lenkte. Ein schauriges Bild, nichts und
niemand schien ihm etwas anhaben zu können. Ein Mann, dem es egal war, was als
nächstes passieren würde, der nichts mehr zu verlieren hatte. Seine starren
Augen zeigten nicht die Spur von Furcht. Wind und Wasser prallten einfach an
ihm ab.



Julie hörte durch den Fahrtwind die Wortfetzen, die der Reverend zu ihr
hinüberschrie: "Sie können mich nicht umbringen, Ms Zorbo! Wir haben die
letzten sieben Jahre ihres Lebens bestimmt. Ihnen ging es, anders als den
meisten Menschen hier, immer gut. Wem verdanken sie das - uns! Mir! Was wären
sie ohne uns - nichts! Wo wären sie ohne uns - nirgendwo! Denke sie nach! Sie
können es nicht!"



Die letzten Jahre bei der Organisation flogen im Zeitraffer an Julie vorbei.
Aber sie riss sich zusammen. Sie konnte ihn nicht umbringen?

Da hatte er sich aber geschnitten! Der Beweis dafür, dass sie es konnte lag nur
eine Fingerkrümmung entfernt! Sie würde es hier und heute zu Ende bringen!
Julie versuchte sich zu konzentrieren, sie hatte Stone genau im Visier.
Goodbye, Reverend! Julie drückte ab!



Ein lautes dämonisches Lachen hallte durch die Bucht. Er lachte! Archibald
Stone lachte! Ihre Augen waren weit aufgerissen. Julie starrte fassungslos auf
ihre Walther, die Stone den Tod bringen sollte. Sie hatte nur ein leise klicken
von sich gegeben!



"Keine Munition mehr, Julie?" sie hörte die hämischen Worte des
Reverends "Ich sagte doch sie können mich nicht töten! Aber beruhigen Sie
sich Ms Zorbo - Ich kann es!"



Mit einem kalten Lächeln hob der Reverend seine blutverschmierte aber
einwandfrei funktionstüchtige Pistole und schoss auf Julie. Sie war so
überrascht, dass sie sich nicht mehr rechtzeitig wegducken konnte. Stones Kugel
traf sie in die Magengegend und Julie sank zu Boden.



"Julie!" Bond hatte es gerade geschafft wenigtens ein Bein auf das
Boot zu bringen und sah nun gerade noch Julie auf dem anderen Boot auf die
Mittelkonsole sinken. Julie fiel über den Steuerungshebel für den Motor, so
dass das Boot immer langsamer wurde und Bond mitansehen musste, wie der Abstand
zwischen Julie und ihm auf dem Boot des Reverends immer größer wurde. Bonds
Aufschrei erinnerte Stone an den unliebsamen Mitfahrer. Er schoss zweimal auf
Bond, verfehlte ihn jedoch jedesmal knapp. Dann war auch sein Magazin
verbraucht. Wütend warf er seine Waffe über Bord ins Meer hinaus. Bond
kletterte mittlerweile über die Reeling und wollte gerade aufstehen, als er
etwas langes aus Metall an seiner Wange spürte. Stone hielt ihm eine etwa 70cm
lange Machete unter die Nase. "



„Wohin so eilig, Mr Bond? Legen sie wirklich so viel Wert darauf Ms Zorbo so
schnell in den Tod zu folgen?"



Blitzschnell griff Bond die Füße des Reverends und zog sie zu sich. Stone fiel
mit einem lauten Fluchen auf die Planken des Schnellbootes. Die Machete jedoch
zog noch einen langen Schnitt von Bonds Kinn bis fast an seine Stirn. Der
Schweiß brannte wie Feuer in der Wunde. Dann sah er sie, zwischen ihm und den
Reverend lag die Magnum, mit der Stone Bond noch vor kurzem bedroht hatte. In
diesem Momnent hatte sie auch Stone entdeckt. Beide sprangen auf den Gegenstand
zu. Jetzt ging es um alles! Sie erreichten die Waffe fast gleichzeitig - Bond
den Lauf, Stone das andere Ende! Sie kämpften verbissen um die einzige Chance,
den anderen zu beseitigen. Francine Belleville wusste, dass der Reverend Bond
körperlich unterlegen war. Daher versuchte sie durch gezielte Kurvenfahrten und
Beschleunigung, Bond diesen Vorteil zu nehmen. Das hatte den Nachteil, dass sie
sich voll und ganz auf das Fahrewn konzentrieren musste. Die Gegend um die
Horora Bucht war bekannt für ihre Untiefen. In einem geeiggneten Moment gelang
es jedoch Bond die Waffe an sich zu reissen. Sofort fand der erbitterte Kampf
ein Ende. Bond, wie auch Stone völlig außer Atem, stand langsam auf, wobei er
die Waffe immer auf dem Reverend gerichtet hielt. "Verdammt!"



"Sie wollen ein Mann der Kirche sein, Stone!" Bond blickte abfällig
auf den Reverend "Sie müssen noch viel lernen, Reverend! Lektion Nummer
eins: Du sollst nicht fluchen!"



Bond packte Stone am Kragen und zog ihn zu sich hoch "Das könnte ich ihnen
ja noch verzeihen. Aber was ich ihnen nicht verzeihen kann ist, dass sie mit
einer schlimmen Krankheit ihre skrupelosen Geschäfte machen wollten. Sie wollten
diesen Menschen nicht helfen, sie wollte sich bereichern. Ihnen wäre es egal
gewesen, wenn ale draufgegangen wären. Hauptsache sie hätte vorher gezahlt,
nicht wahr!Lektion Nummer zwei: Du sollst nicht handeln wider deinen
Nächsten!"



Bond zog ihn noch näher zu sich heran. Er flüsterte fast."Am wenigsten
verzeihe ich ihnen jedoch etwas, dass sie erst vor ein paar Minuten
fertiggebracht haben: Sie haben Julie auf dem Gewissen. Das wird ein wahrhaftig
schwarzer Tag für sie, Stone! Lektion Nummer drei, Reverend Archibals Stone: Du
sollst nicht töten!



Bond schlug ihm mit der Pistole ins Gesicht und Stone fiel nach hinten und
prallte auf das Deck des Schnellbootes!



Bond trat an den bewusstlosen Geistlichen, der so sehr vom rechten Weg
abgekommen war. Er empfand auch jetzt noch nichts als Abscheu für ihn
"Ruhe in Unfrieden, Archibald Stone!"



Im Spiegel der verchromten und polierten Reeling sah Bond, wie sich Dr
Belleville mit einem schweren Stahlanker in der Hand, scheinbar die letzte
verbliebene Waffe an Bord, an ihn heranschlich. Blitzschnell fuhr er herum und
richtete die Magnum auf sie.



"Sie kommen zu spät, Doktor! Der Patient war unheilbar geisteskrank! Aber
wo sie schon mal hier sind können Sie mir auch das Ding da geben!" Bond
zeigte mit der Waffe auf den Anker.






(Z) Belleville führte Bonds Befehl aus und ließ den Anker
krachend zu Boden fallen.



„Und jetzt schön in diese Richtung da. Na los.“ Bond deutete mit seiner Waffe
auf Julies Boot und presste seine Walther in Francines Nacken.



Belleville lenkte ein, erhöhte das Tempo und steuerte auf Julies Boot zu.



„Nach soviel Arbeit haben Sie sich eine kleine Verschnaufpause gegönnt, Doktor
!“
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 25. Mai 2013, 23:07

Bond ließ Belleville keine Zeit
zum Antworten, sondern streckte sie mit einem flachen Schlag ins Gesicht. Zehn,
vielleicht fünfzehn Minuten würde sie in dieser Situation verharren. Ob sie
noch mit dem Leben davon käme ließ Bond offen. Jedenfalls konnte sie jetzt erst
mal nicht ins Geschehen eingreifen, was Bond sehr recht war.



Bond drosselte die Geschwindigkeit und trieb langsam an Julies Boot. Bonds Mine
verdüsterte sich stark, als er auf den blutdurchtränkten Körper Julies starrte.
Ihre Augen waren schwer, die verschwitzten Haare hingen ihr in der Stirn, ein
Arm hing schlapp über der Reeling, doch sie war ansprechbar.



„Keine Angst, die beiden sind erst einmal außer Gefecht. Vorerst jedenfalls.“



Bond stieg hinüber und hievte Julie auf seinen Rücken, um anschließend mit
einem langen Schritt zurück auf sein Boot zu gelangen. Vorbei an der immer noch
schlummernden Francine und dem bewusstlosen Reverend schleppte Bond Julie in
die kleine Kombüse, die spartanisch ausgestattet war und nur ein kleines Bett
bot. Bond begab sich zurück zum Steuer und suchte unter dem Armaturenbrett nach
einem Erste-Hilfe-Kasten, den er auch fand. Seit einigen Jahren gehörte die
Mitführung eines Erste-Hilfe-Kastens für jegliche Bootseigner zur Pflicht.

Bond stoppte Julies Blutungen und untersuchte die Wunde genauer. Der Reverend
traf sie direkt oberhalb des Beckens, seitlich des Magens. Ob die Nieren
beschädigt wurden, konnte er nicht sagen.



„James“, Julie blickte mit schmerzverzerrtem Gesicht auf Bond. „Es sieht nicht
gut aus, oder?“



„Noch ist nichts vorbei. Noch nicht. Ruh Dich aus, wenn Deine Nieren nicht
getroffen wurden, ist alles halb so schlimm. Den Blutverlust hab ich erst
einmal gestoppt. Auf dem Festland werden sie Dich mit Blutkonserven versorgen
und alles ins Lot rücken. Glaub mir.“



Bond streichte ihr noch einmal kurz die Haare zurecht und verließ die Kombüse.
Er trat ans Steuer, beschleunigte und setzte Kurs aufs Festland, als er
plötzlich ein gläsernes Kratzen vernahm. Bond drehte sich um:

Dr. Belleville lag immer noch ein wenig benommen auf dem Boden, versuchte aber
den Anker mit den Füssen zu sich zu ziehen. Bond zog seine Waffe und richtete
sie direkt auf Bellevilles Kopf.



„Doch wie konnte sie nur so unvorsichtig sein. Sie wusste doch, dass sie Bond
schutzlos ausgeliefert sein würde, ohne Waffe, ohne physische Präsenz. Warum
also diese Aktion ?“



„Ahhh!“ Der Reverend drückte seine beiden Hände fest um Bonds Kehle. Immer
weiter, immer fester. Wie konnte er nur auf einen so dämlichen Trick hinein
fallen. Er hätte doch gleich sehen müssen, dass Stone sich wieder bester
Gesundheit erfreute. Und hätte er Francine mehr in die Augen gesehen, hätte er
bemerkt, dass sie zwar aufrecht stand aber erkennbar taumelte.



„Zu spät mein Lieber. Haben Sie wirklich geglaubt mich überlisten zu können.
Mich ? Ausgerechnet Mich ? Eigentlich spricht der Herr Gott die Urteile über
Leben und Tod. Aber in Ihrem Fall, Mr. Bond werde ich mich diesen Rechtes
befähigen. Noch etwas zu sagen, bevor ich noch fester zudrücke und Ihnen ihren
Lebensatem auspuste, ach nein, sagen wir ausdrücke ?!“



Bond hechelte, aber jeder Versuch seinerseits nur ein wenig Luft zu schnappen
wurde von Stone gnadenlos mit weiterem Druck geahndet



Aber, aber, Mr. Bond. Das ist wirklich sehr unhöflich. Ich würde wenigstens
eine Antwort erwarten.“



Bond japste nur einige Male auf und versuchte Luft zu holen, doch der Druck,
der auf seiner Kehle lastete schien immer größer zu werden. Jetzt war höchste
Zeit zu handeln. Ein kurzer, aber sehr effektiver Tritt gegen das Schienbein
ließen den Reverend kurzzeitig die Hände von Bonds Kehle nehmen. Bond drehte
sich blitzschnell um und langte mit seiner rechten mitten aufs Stone Nase, aus
der sich prompt eine große Portion Blut ergoß. Dann erblickte Stone den Anker:



Hastig stolperte, noch ein wenig benommen von Bonds Schlag, auf den Anker zu.
Bond reagierte sofort, konnte aber nicht verhindern, dass der Reverend den
Anker auf Bond richtete. Dieser suchte nach Hilfe, welche er in einem sich
unter einer Sitzbank befindlichen Brecheisen fand. Beide belauerten sich wie
Wildtiere in der Savanne. Bond schaute Stone tief in die Augen. Das Blut lief
ihm immer noch über die Wangen, aber sonst stellte Bond keinerlei Anzeichen von
Ermüdung auf Seiten Stones fest. Bond holte aus. Mit einem lauten Krachen
schlug er auf den Anker ein, den der Reverend zum Schutz seines Kopfes in die
Höhe gehievt hatte. Prompt drückte Stone mit aller Gewalt den Anker nach vorne,
doch Bond konterte und hielt dagegen. Die Kräfte schienen sich aufzuheben;
konnte der Reverend den Anker und damit das Brecheisen einmal an Bonds Kehle,
oder zumindestens in die Nähe, pressen, konterte der dieser und schob den Anker
in Richtung der blutenden Nase des Reverends.



Bond wich zur Seite, sodass Stone aufgrund der überschüssigen Stossenergie nach
vorne kippte und den Anker fallen ließ. Bond verlor daraufhin das
Gleichgewicht. Der Anker traf das Gaspedal und klemmte zwischen diesem und dem
Armaturenbrett fest. Das Boot beschleunigte drastisch. Das war Bonds Chance. Er
nahm das Brecheisen, welches zu Boden fiel, an sich und trat auf den Reverend
zu, der ein wenig benommen vor dem Anker hockte und wollte gerade zuschlagen,
als Stone ihn mit einem Tritt in die Kniekehle zu Boden schickte. Bond schrie
auf; der Reverend stürzte sich auf ihn und traf mit seiner Faust in Bonds
Gesicht. Bonds Lippe blutete stark, doch sämtliche Verletzungen spielten hier keine
Rolle.

Er wusste ja nicht, wie es Julie erging und ob sie überhaupt noch am Leben war.
Zeit war mal wieder Bonds größter Feind, wie so oft in den letzten Jahren.



Die beiden Kontrahenten wälzten sich am Boden, als Bond Stone von sich fern
trat und aufstand. Bond wollte Stone gerade in den Magen schlagen, als dieser
seinen Arm erhob und den Schlag abblockte. Stone hob serinen Ellebogen und
rammte in Bond in das Rückgrad, sodass er aufstöhnte und nun ein leichtes
Fressen für den Reverend darstellte. Stone packte Bonds Kopf und rammte ihn and
die Reeling. Bond hing nun wie ein nasser Sack an der Reeling, als Stone zum
finalen Schlag mit der Brechstange ausholte. Im letzten Moment konnte sich Bond
zur Seite drehen, immer noch benommen , aber trotzdem noch kampffähig. Mit
einem reaktionsschnellen Tritt in den Unterleib taumelte auch Stone in richtig
Armaturenbrett. Derweil nahm die Geschwindigkeit des Bootes immer weiter zu.
Durch den inzwischen hohen Wellengang wurde Dr. Bellevile wachgerüttelt. Sie
blickte auf das Deck des Bootes und sah, wie Bond nun die Initiative ergriff:
er fuhr sein Bein aus und traf das rechte Bein Stones. Der Reverend schrie auf
und fasste sich instinktiv an die Quelle des so sehr stechenden Schmerzes. Bond
drückte Stoine ganz nah ans Armaturenbrett, um ihn über den Bug zu werfen.,
doch der Reverend wehrte sich stark. Sein Rücken krachte nach einem erneuten
Tritt Bonds gegen seinen Oberschenkel gegen das Lenkrad. Das Boot begann auf
der Stelle heftigst zu schlingern, Bond und der Reverend verloren das
Gleichgewicht. Dr. Belleville blickzte hilflos auf dem Boot nach einer Waffe,
erspähte das Brecheisen und schritt auf Bond los, doch auch ihr machte die
schlingernde Fahrt zu schaffen. Sie stürzte. Bond drückte dem Reverebd derweil
die Luft ab., doch aus den Augenwinkeln vernahm er ein großes Schild.



„Vorsicht ! Furt in unmittelbarer Nähe.
Drosseln Sie das Tempo, nach wenigen Metern übliche Weiterfahrt !“




Es bleibe keine Zeit mehr zum reagieren, wie auch ? der Anker klemmte immer
noch zwischen Armaturenbrett und Gaspedal. Das Boot schlitterte über die Steine
und rutschte in Schräglage einige Meter weiter, bis es die tieferen Gewässer
erreichte. Der Aufprall auf die Steine hinterließ seine Spuren: ein gewaltiges
Leck fraß sich durch die Steuerbordwand des Bootes, woraufhin viel Wasser in
den Innenraum strömte. Das Boot begann zu sinken. Stone, Bond und Belleville
wurden durch Wasser, welches sie überströmte wachgerüttelt und auf die
bedrohliche Situation aufmerksam gemacht. Das Boot, oder was davon jetzt noch
zu erkennen war, richtete sich langsam auf, der Bug rammte sich langsam gen
Boden. Bordbücher, Rettungsringe und anderer nichtbefestigter Kleinkram
rutschte in Richtung Bug und über ihn hinaus auf den Grund. Bond hastete in
Richtung Kajüte, um sich nach Julie zu erkundigen, als der Reverend ihn in dne
Nacken schlug. Bond fuhr seinen rechten Ellebogen aus, um in dem Reverend in
den Bauch zu rammen, doch er verfehlte. Stone trat zurück und traf Bond mit
einem wuchtigen Tritt in den Rücken, sodass Bond gegen die Heckreeling
geschleudert wurde.



„Was surrte da ?“ Bond blickte sich misstrauisch um, und starrte erfürchtig auf
die Bootsschraube, die majestätisch aus dem Wasser ragte. Je weiter das Boot
kippte, desto näher bewegte sich die Schraube auf die Heckreeling zu. Stone
lachte auf, als er zu Bond schritt:



„Nun, Mr. Bond. Manchmal stellt sich das Glück erst nach einigem Warten ein.
Diesmal habe ich viel zu lange gewartet.“ Ein weiterer Faustschlag traf Bond.



„Aber jetzt ist es ja vollbracht.“ Stone zog Bond hoch und drückte ihn an die
Schiffschraube. Immer weiter, immer näher. Die Entfernung betrug vielleicht
gerade noch 10 Zentimeter, doch Bond fühlte, dass er wieder zu Kräften kam



„Jetzt werden Gottes Spenden gestückelt, Mr. Bond !“



Stone drückte Bond weiter hinaus, als dieser sein Knie erhob und es dem
Reverend ins Gesicht rammte.



„Sie haben vollkommen Recht Stone. Selig sind die, die Frieden stiften !“



Bond drückte den Reverend in die Schraube. Das Summen klang zunehmend ruppiger,
ehe die Schraube ganz verstummte.






„Archie !“ Dr. Belleville klammerte sich fest an die
Reeling, da das Schiff nun schon fast senkrecht zum Boden stand. Verzweifelt
versuchte sie zum zerfetzten Leichnam ihres Geliebten zu gelangen. Kurz
streichelte sie noch ein letztes Mal sein Gesicht, als sie sich Bond näherte,
der in gebückter Haltung im Eingang zur Kombüse stand.



„Ahhh !“ Ein Handkantenschlag Dr.Bellevilles traf Bond im Nacken. Er musste
kurz verschnaufen, verpasste Belleville dann aber doch eine Ohrfeige, sodass
diese stürzte. Bond witterte seine Chance und schritt auf Belleville zu, was
angesichts der Bootslage ein längeres und gefährliches Unterfangen darstellte.

Als Belleville wieder einigermaßen zu Kräften gekommen war, trat sie nach Bond
aus, um einen Treffer in seinem Gesicht zu landen, doch Bond blockte den Tritt
mit beiden Händen ab, und drückte Belleville, jetzt ja nur noch auf einem Bein
stehend, zurück, sodass diese über die Reeling fiel und ins Wasser platschte.



„Keine Zeit mehr nachzusetzten“, dachte Bond und begab sich zurück zur Kombüse,
in der Julie immer noch regungslos auf dem Bett ruhte. Bond hievte sie auf
seinen Rücken und konnte feststellen, das die Blutungen ein Ende genommen
hatten. Bond trat an die Backbord Reeling und wanderte mit seinen Augen durch
die Landschaft.

Dort ! Ein grauer Landrover, aus dem ein Mann mittleren Alters mit einem
kleinen Schlauchboot stieg, vermutlich wollte er Angeln gehen, was durch das
Tragen einer dunkelgrünen Angelhose und einer Dose Köder bestätigt wurde. Der
Herr parkte am Ufer, legte seine Utensilien beiseite und betrachtete das zu ¾
gesunkenen Boot, auf dem Bond an der Reeling stand und den Mann eifrig
herbeiwinkte.



Wenige Minuten später saßen Bond und Julie, welche ihren Kopf in Bonds Schoss
legte im Jeep des Mannes, der auffallend gut englisch sprach.



„Fahren Sie bitte weiter zur britischen Botschaft. Haben Sie ein Mobiltelefon
bei sich ?“



Der Herr grinste und reichte Bond .ein älteres Ericcson.



„Bond hier. Einen Krankenwagen zur britischen Botschaft. Eine im Bauchbereich
angeschossene Person, deren Blutungen vorerst gestoppt werden konnte.“



„Mr. Bond. Was ist da passiert ?“ Gilbert, der das Telefonat entgegengenommen
hatte, klang sehr beunruhigt, leitete aber sofort alle Maßnahmen ein.



Nach einer guten Viertelstunde hielt der Herr vor der Botschaft, an der schon
ein Krankenwagen auf Julie wartete. Bond, Julie auf seinen Schultern
befindlich, hastete aus dem Jeep und rannte zum Krankenwagen, wo Julie auf eine
Trage gelegt wurde. Ein Krankenpfleger trat hervor:



„Hören Sie Mr, wann wurde sie angeschossen ?“



„Vielleicht vor einer Dreiviertelstunde. Später jedenfalls nicht, warum fragen
Sie ?“



„Naja, ich konnte zwar erst einen kurzen Blick auf Mis, äh...“



„Zorbo.“



„Danke, auf Miss Zorbo werfen, aber allem Anschein nach ist noch einmal mit
einer tiefen Fleischwunde davongekommen, näheres aber erst nach OP und weiteren
Untersuchungen.“



„Danke. Ich komm dann heute am späten Abend mal vorbei.“ Bond war sehr
erleichtert. Julies Chancen durchzukommen waren doch recht gestiegen,
vermutlich hatten ihr die Binden aus dem Boot das Leben gerettet.



„Mr. Bond, Mr. Bond. Da sind Sie ja !“ Gilbert hielt kurz inne und musterte
Bond:



„Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber Ihre Aufmachung sieht schon ziemlich
mitgenommen aus.“



„Wirklich ? Dann sollte ich mal meinen Schneider anrufen und ihn darauf
hinweisen, dass die Latte der extremen Beanspruchung viel zu weit unten liegt.“
Bond lächelte Gilbert an, der sich denken konnte, was dort eben in den letzten
drei Stunden auf der Horora-Bucht vor sich gegangen war.



„Sind alle da ?“



„Jawohl Mr. Bond.“ Bond schritt durch die Eingangshalle inden Speisesaal, der
reichlich gefüllt war. Dienstmädchen deckten den Tisch ab, an dem noch vor
wenigen Minuten die erholt dreinblickenden Gesichter gespeist hatten, und nahm
zwischen Mr. Mbeki und Gilbert Platz. Bond schaute noch einmal kurz in die
Runde, als sein Blick auf einen gutgebauten Westeuropäer fiel, der sein Sakko
mit einem Abzeichen verzierte: OBE, Order Of The British Empire.



„Liebe Freunde, und Gentlemen !





Es ist mir als Botschafter des Britischen Königreiches eine besondere Ehre
Ihnen heute den Interimsminister für gesundheitliche Fragen, Mr. Edward Hughes
vorstellen zu dürfen. Nach dem Rücktritt unseres Freundes und Partners Mr.
Nelson Mbeki erklärte sich Mr. Hughes sofort dazu bereit, das Amt des
Gesundheitsministers bis zur offiziellen Wahl, zu der noch kein Gegenkandidat
gemeldet hat, zu bekleiden. Für die Zeit seiner Amtsausführung wünschen wir ihm
alles Gute und Gottes Segen. Und nun last uns unsere Gläser zu einem Toast
erheben.“ Harris, der die Ereignisse perfekt überspielte und sie auch nicht
ansprach, um weitere Gäste nicht zu beunruhigen, erhob sein Glas, doch Bond bat
Mbeki ihn in eine Ecke des Saales zu geleiten, wo beide ungestört reden
konnten.



„Warum Rücktritt Mr. Mbeki ? Sie mögen vielleicht eine gewisse Mitschuld am
Verlaufe der ganzen Sache tragen, aber ist dieser Schritt wirklich nötig ?
Immerhin haben Sie auch neue Krankenhäuser errichten lassen, Reformen auf dem
Weg gebracht und Spenden gesammelt.“



“Wissen Sie M. Bond“, Mbeki wischte sich mit einem Tuch den Schweiss von der
Stirn

“Für alle ist es sicherlich das beste. Vielleicht stehe ich in Zukunft Mr.
Hughes als Berater zur Verfügung, oder ich besuche die abendlichen
Blackjack-Runden hier in der Botschaft. Glauben Sie mir, ich habe es mir
reiflich überlegt.“



Nach weiterem Geplänkel verließ Bond die Botschaft, lieh sich Gilberts Wagen
und fuhr zum Hospital, welches sich gleich in der Nähe befand. Er betrat die
Eingangshalle und sprach die Rezeptionistin an: “Guten Abend. James Bond mein
Name. Universal Exports Vor einer guten Stunde wurde hier eine gewisse Ms.
Zorbo eingeliefert, eine unserer Mitarbeiterinnen. Könnte ich sie sehen?“





Die Rezeotionistin schaute in ihre
Akten und wies Bond den Weg. Er schritt den lichtdurchfluteten Gang entlang zur
Mitte des Korridors, klopfte an und betrat den Raum. Das Bett schien unberührt
zu sein. Wo war Julie ? Bond schritt weiter durch den Raum, öffnete die Tür,
die zur Terasse führte und traf auf Julie, deren Bauch mit einer dicken
Mullbinde versehen war.



„Eine tiefe Fleischwunde.’ Kein Problem’ sagte der Arzt. Ich hätte verdammtes
Glück gehabt. Ein wenig weiter links und ich könnte auf eine neue Niere warten,
oder befände mich jetzt in kühleren Gefilden. Bei der OP wurde mir nur die
Kugel entfernt. Eigentlich alles bestens, nur ein bisschen schwach fühle ich
mich noch.“



“Mein Gott bin ich froh!“ Bond küsste Julie, nahm sie an die Hand und schritt mit
ihr über den Korridor



„James, was hast Du vor ?“



“Ich bringe Dich hier raus, ich kenne da eine viel bessere Therapie !“



„Hey, was tun Sie da !“ Die Rezeptionistin wollte Bond zurückhalten und den
Sicherheitsdienst alarmieren, doch Bond konterte:



„Tja, Miss. Dringendes Kundengespräch.“



Bond und Julie stiegen in denWagen und fuhren zurück zur britischen Botschaft,
die sie durch den Hintereingang betraten. Leise schlichen sie sich die Treppe
hinauf zu Bonds ehemaligem Zimmer, indem jetzt Mr. Hughes zu residieren schien.



Derweil wurde Harris immer ungeduldiger und rief Gilbert zu sich:



„Wo ist eigentlich Mr. Bond ?“



„Nur kurz im Krankenhaus. Er sagte, er könne vielleicht die Heilungszeit
verkürzen.“



„Ach wirklich ? Er scheint ja für jeden Fall bestens gewappnet zu sein. Naja,
egal. Da schon einige Gäste gegangen sind, würde ich vorschlagen, die
allabendliche Kartenrunde heute mal im Gästezimmer zu veranstalten. Was halten
Sie davon, Gilbert ? Eine nette Runde auf dem Hauptbalkon?“



„Wirklich eine fabelhafte Idee, Mr. Harris“



Nacdem Harris die weiteren Gäste, darunter nur noch Mrs. Agnes Harris, Mr.
Mbeki, Mr. Hughes und Gilbert, nach oben bat, traten sie vor die wuchtige
Eichentür. Gilbert stutzte:



„Mr. Harris ! Hören Sie dasselbe wie ich ? Stöhnen, kichern ! Was geht da vor
?“



„Julius ? Was hat das zu bedeuten ?“ Obwohl Mrs. Harris einen eifersüchtigen
Blick aufsetzte, war ihr doch anzumerken, dass auch sie sich über die Situation
amüsierte.



Ungeniert klopfte Gilbert an und öffnete die Tür, ein überschwängliches Lächeln
aufsetzend:

„Die Blackjack-Runde einmal hier abzuhalten war wirklich eine gute Idee, Mr.
Harris!“



Um das gespielte Erstaunen perfekt erscheinen zu lassen, wandte sich Gilbert
der Tür ab, sah in den Raum und auf das breite Bett, auf dem sich Bond und
Julie vorsichtig amüsierten und Zärtlichkeiten austauschten.



„Mr. Bond.
Was tun sie da ?“ Harris setzte ein erstauntes
Gesicht auf, obwohl auch ihm anzumerken war, dass er die Sache mehr als locker
nahm. Stünde seine Frau nicht mit im Raum, hätte er sich sicherlich zu einem
schlüpfrigen Kommentar hinreißen lassen.



“Das sehen sie doch! Ich treibe den Heilungsprozess voran!“



Gilbert erkannte die Situation und zwinkerte Bond freundschaftlich zu



„Mr.Hughes. Vor Ihrem Amtsantritt sind noch einige wichtige Formalitäten zu
erledigen. Bürokram und so was. Wenn mir die Gentlemen bitte in die Bibliothek
folgen würden.“



Bond zwinkerte zurück, vernahm das Schließen der Tür küsste Julie noch einmal
kurz, und beäugte den Raum. Er stand auf, nahm ein längliches Bild des
Reverends auf der er sich für die Gastfreundschaft des Botschafterpaares und
deren Angestellten bedankte, von der Wand und klemmte es unter die Türklinke.
Dann stieg er ins Bett und widmete sich wieder Julie.



„Zu etwas war der Reverend doch gut, aber Du toppst Ihn bestimmt.“



„In welcher Hinsicht“



„Mit Deinem Willen zur Genesung !“



Dann intensivierten sie ihr Liebesspiel.





The End Of THE BLACK TRAP



but



JAMES BOND WILL RETURN


IN


DEATH ON ARRIVAL
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Count Villain« (16. Juli 2013, 19:10)