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kananga

MI6 Staff

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101

Dienstag, 3. Dezember 2013, 19:30

Spree: da gebe ich Dir natürlich tlw. recht. Aber ich meinte damit ja vor allem die Gesamtknozeption des Filmes. Aber ich bin neugierig, ob mir jemand der anderen Kenner hier erklären kann, worauf der Film jetzt eigentlich hinaus will...für mich stehen der sich selbst problematisierende Anti-Held und der finale Vorzugsschüler Ms irgendwie erratisch nebeneinander und neben diesen Elementen wieder irgendwo einsam und verloren die Rückentwicklungs-Szenen in den Serienheld. Wenn dies alles stimmiger darauf hinausliefe, dass Bond wieder der Alte würde, wäre ich wohl zufriedener gewesen.

Spree

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102

Dienstag, 3. Dezember 2013, 19:37

Zu 90% stimme ich deinem letzten Post ja auch zu ;), aber es endet doch genau damit, dass Bond - in mehrerlei Hinsicht - wieder der "Alte" ist. ?(
Was ich sagen will, auch mich lässt der Film etwas ratlos zurück, das gilt jedoch bisweilen auch für deine Kritik an den Craig-Bonds (von denen ich SF bisher für den schwächsten halte). Zudem halte ich es für arg vermessen, zu behaupten, Fleming würde - bei welchem Film auch immer - im Grab rotieren, nix für ungut.
a) ist es Spekulatius (auch wenn die Jahreszeit passt),
b) ließe sich das zur Not auch von allen anderen Filmen behaupten (mit Connery war IF ja erst gar nicht einverstanden).

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Feirefiz

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103

Dienstag, 3. Dezember 2013, 19:48

@ kananga: Nun, spätestens ab Beginn der 70er Jahre haben sich die Bond-Filme stets dem Zeitgeist angepasst, und allerspätestens nach Moores Abschied gilt das auch für die Bond-Figur (Lazenby lassen wir mal außen vor). Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung wurde Daltons relativ geringer Frauenverschleiß bekanntlich mit AIDS-Angst in Verbindung gebracht, Brosnan durfte dann nicht mehr Zigaretten rauchen, obwohl das zu seinem Bond noch durchaus gepasst hätte. Natürlich ist auch Craigs Bond Kind seiner Zeit, aber wieder warne ich vor einer Überinterpretation. Aus angegebenen Gründen sehe ich in SF weder vorder- noch hintergründig bei Bond eine latente Homosexualität (auch wenn ich mich ebenfalls an die von dir genannten (angeblichen?) Äußerungen Craigs erinnere); Bond bleibt auch in diesem Film ein vergleichsweise aggressiver Hetero, und das beweist gerade die von Dir kritisierte Szene mit Sévérine, die er nicht zum Therapeuten, sondern bei erster Gelegenheit ins Bett zerrt. Ich erinnere auch an die ersten Szenen mit Bond nach seinem Abschuss in der Türkei: Was macht er? Er säuft, er vögelt, er riskiert sein Leben (bei dem Trinkspiel), und bei erster Gelegenheit zeigt er seine Loyalität gegenüber dem UK und dem MI6 (kaum erfährt er von Silvas Attentat, ist er schon in Ms Wohnung): Das ist, überspitzt gesagt, Bond in nuce. Und wie Spree ja eben schon sagte, läuft im Film ja alles darauf hinaus, dass Bond am Ende wieder der Alte wird. Und das dürfte nicht zuletzt die Intention von SF sein. Ob man diese für konsequent umgesetzt hält, liegt dann wieder im Auge des Betrachters.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

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104

Dienstag, 3. Dezember 2013, 20:04

(...) zu "problematisieren"(...)

(...) der Film, der doch so einen radikalen Anti-Bond zeichnet, wieder eine Rückentwicklung 007s zum ursprünglichen Serienhelden vornehmen(...)

Eine ausgesprochene Gratwanderung ist dieses Intimwerden 007s und auch des Publikums mit M. Ms Beziehung zu ihrem besten Mann beruht doch seit jeher auf der frostigen Distanz, die die latente Zuneigung der beiden, sowie auch ihre unleugbare Seelenverwandschaft, im Keime erstickt.(...)

Sehr ärgerlich finde ich, dass die einzige namentlich bekannte Erotik-Partnerin ausgerechnet eine ehemalige Sexsklavin ist. Hier wäre die bekannte Craigsche Prüderie ausnahmsweise am Platz gewesen.

(...) Ich bin aber nach wie vor eher der Ansicht, dass er eher als Henchman als als Gentlemanagent geeignet ist. Das "Outing" bezüglich der homosexuellen Erfahrungen finde ich auch etwas schwer einzuordnen. Gewiss könnte man da auf pubertäre Internatserfahrungen hinweisen. Aber warum habe ich hier irgendwie den Eindruck, dass da auf der Signalebene irgendwie doch mehr dahintersteckt? (...)

Die Hochlandszenen und die Rückkehr zu Bonds Wurzeln finde ich als Ansatz eine ausgesprochen reizvolle Sache. Leider ist das Finale, es wurde hier schon erwähnt, für Bondsche Verhältnisse ausgesprochen mager. Der Vergleich mit MacGyver und A-Team wurde schon gezogen, böse Zungen sprachen sogar von einem Aufgreifen des "Kevin allein zuhause" Motivs.

(...) Jedenfalls bin ich mir in einem sicher: Ian Fleming selbst hätte dieser Film nicht gefallen.
Du sorgst für Gesprächsstoff, mein Lieber! Alle Achtung! Vielleicht darf ich Dir einige meiner eigenen Antworten, die mich SF hoch bewerten lassen, anbieten.
(Jeder Absatz hier bezieht sich auf einen Absatz aus dem o. a. Zitat-Block.)

In gewisser Weise ist "problematisieren" richtig. Vielschichtiger, tiefergehend, nach Problemen, Ursachen und Lösungen suchend. Ich habe mir immer einen Bond-Film gewünscht, der den Hintergründen dieses faszinierenden Charakters versucht, auf den Grund zu gehen. SF ist eine gute Antwort darauf. Keine Lösung, aber er regt an, weiter zu denken.

Vielleicht kann ich eine kurze Erläuterung bekommen, was Du damit meinst, wenn Du sagst "radikaler Anti-Bond". Wieso wird nach Deiner Meinung ein solcher in SF gezeichnet?

Die Bond-M-Beziehung ist in die größte Krise hineingezeichnet, die M (vielleicht auch der Agent Bond) je hatte. Wenn sich ein Drama so zuspitzt, ändern sich die Regeln, die sonst immer gegolten haben (frostige Distanz, etc.). Ich finde die Mutation ihres Verhältnisses hier stimmig. Ich habe mich oft gefragt, wie sich ein Schiffbruch z. B., der nur mich und meinen Arbeitgeber in einem Rettungsboot überleben lässt, auf unser Verhältnis auswirken würde.

Ich gestehe, dass ich Deinen Ärger über Bonds Tete-a-tete mit Severine nicht verstanden habe. Warum ist ihr Vorleben in diesem Zusammenhang für Dich von Bedeutung? Und - glaube mir - mein Unverständnis resultiert nicht aus wie auch immer gearteten (politisch-korrekten oder moralischen) Skrupeln.

Eine weitere Frage: Was lässt den Craig-Bond besser für den Part eines Henchman geeignet sein als für Bond?

Zum Highland-Showdown: Die Symbolkraft, die darin steckt, dass Bond und seine (gebrechlichen) Partner mit primitivsten Mitteln gegen einen zahlenmäßig und technisch überlegenen Gegner anzutreten haben, müsste m. E. Deinem Hinweis auf den Konservatismus des geistigen Umfelds ersterer entsprechen. In Bezug auf das ungleiche Verhältnis dachte ich sofort an Marshall Will Kane in High Noon oder den legendären Rio Bravo, in welchem dem Sheriff nur ein alter Mann und ein Säufer zur Seite stehen.

Deinen letzten Satz nehme ich besonders ernst, da ich - wie schon mehrfach betont - Dich in diesem Punkt für einen echten Experten mit Naturtalent halte. Ich würde Deinem Urteil vielleicht sogar beipflichten. Aber: SF stellt eine Weiterführung der Flemingschen Gedanken dar. Er macht da weiter, wo es bei Fleming endet. Er sucht nach Antworten auf Fragen, die bei Fleming offen geblieben sind. Ich bin sicher, dass Fleming, wäre er nicht so früh "abkommandiert" worden, diese Richtung auch eingeschlagen hätte. Und von da, wo er jetzt ist, wird er dem Film bestimmt zujubeln. :)

@ kananga: Bezüglich der "Outing"-Szene darf ich einen meiner Beiträge aus dem alten Forum variieren, der ihr vielleicht etwas von ihrem Irritationspotenzial zu nehmen vermag:

Ich würde den homoerotischen Aspekt während der ersten Begegnung zwischen Bond und Silva, gerade Bonds Reaktion, nicht überinterpretieren. Was Silva angeht, hält er sich immerhin Sévérine als Gespielin/Handlangerin; seine Faszination für Bond kann man zwar homoerotisch sehen, aber auch – neben anderen hier erörterten Motiven – als psychologisches Spiel: In dieser Szene geht es Silva vor allem darum, Bond zu verunsichern. Dazu gehört vielleicht nicht nur, Bonds Glauben an den MI6 im Allgemeinen und M im Besonderen zu erschüttern, sondern auch sein Selbstbild als geradezu aggressiver Hetero (Silva kennt ja Bonds Akte). Bonds Antwort ist nach meiner Sicht kein Bekenntnis zur Bisexualität, sondern einfach eine extrem trockene Spitze, um Silvas Angebot/Provokation sofort jeden Wind aus den Segeln zu nehmen – das hätte Roger Moore nicht schlagfertiger sagen können.
Dieser Deutung möchte ich mich anschließen. Bonds Antwort auf Silvas "Übergriff" ist eine Flucht nach vorne, er verblüfft den Gegner so, dass dieser ablässt von weiteren "Bemühungen". (Mir fällt da spontan die Strategie Moores in "Sprengkommando Atlantik" ein: Um den Terroristen daran zu hindern, die Bohrinsel zum Ultimatum zu sprengen, empfiehlt ffolkes (Moore), eine Explosion kurz vor Ablauf der Frist zu simulieren. Man kann nicht mehr sprengen, wenn es nichts mehr zu sprengen gibt.) Der Erfolg gab sowohl ffolkes (Sprengkommando) als auch Bond (SF) Recht.
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kananga

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105

Mittwoch, 4. Dezember 2013, 11:00

Da habe ich in der Tat wieder für Gesprächsstoff gesorgt. An alle Craigianer: ich möchte Euch wie gesagt keineswegs provozieren, sondern es ist mein ehrliches Anliegen, die Probleme, die ich eben subjektiv mit Craig habe, einfach so klar und präzise wie mir möglich herauszuarbeiten und auf der Sachebene zu artikulieren. Es gibt bei SF und CR immerhin einige sehenswerte Szenen, und ich würde auch bei Connery und Moore einige Bonds als nicht rundum gelungen einstufen. Nur gefällt mir bei den beiden Urbonds eben generell die Rollenauffassung besser. Der letzte rundum erfreuliche Bond ist für mich TLD, nicht nur aus Lokalpatriotismus, weil ich Österreicher und Wiener bin. Dies aber vor allem deshalb, weil hier eben ein radikaler Stilbruch mit den klassischen Filmen VERMIEDEN wurde.

Lieber Mr. Fogg: diese metaphysisch-literarische Ebene, die Du bei SF ansprachst, blieb mir wie gesagt verschlossen, aber so betrachtet, gewinnt der Film vielleicht auf der Ebene der gelehrten Analogie und der literarisch-anspruchsvollen Parabel völlig neue Reize.
Craig ist für mich schon sehr Anti-bondig in diesem Film,einerseits weil ihm, wie ja in diesem Thread bereits dargelegt wurde, so wenig wie selten gelingt. Andererseits wirkt er immer so, als würde er Antidepressiva benötigen. Es fehlt mir hier völlig die Unbekümmertheit und Munterkeit der Connery-Moore Ära sowie natürlich auch das selbstironische Augenzwinkern, das dieses klassische Bond-Feeling der Filme bei mir erst richtig aufkommen lässt. Die Aston-Szene und die Schlusszene gehen in die richtige Richtung, sind aber des Guten zu wenig.
Dabei ist das Ganze ja radikal geheimdienstkritisch und somit, ich bleibe dabei, den Intentionen von Fleming, oder auch seinem würdigen literarischen Epigonen und Weiterentwickler Frederick Forsyth, radikal entgegengesetzt. Bardem unterminiert ja durch sein Attentat radikal die Glaubwürdigkeit von Ms parlamentarischer Botschaft Botschaft über die Notwendigkeit der Geheimdienste in unserer Zeit (ansich ja eine imponierende, bühnenreife Szene), indem er demonstriert, dass die größte Bedrohung der freien Welt aus den Verfehlungen ihrer getreuen Wach- und Schließterrier resultieren. Das ist doch allen jenen aus dem Herzen gesprochen, die für ihre grundsätzliche antiwestliche/antiangloamerikanische Haltung nicht erst George Doppel U/Tony Blair und hinterlistige Attentate auf Angela Merkels Privatsphäre benötigten. Fleming würde Bond heute einfach Islamisten jagen lassen, da bin ich sicher. Wie gesagt, man muss nicht mit dieser Haltung einverstanden sein (ich selbst bin es ja partiell auch nicht). Dem steht, soweit ich es erkennen kann, kein Positiva gegenüber, außer dass M und Bond als geschundene Seelen auf verlorenem Posten zueinander finden (möglich, dass zwischen meinem Chef und mir auch in einer derartigen Lage Intimität aufkäme. Andere Frage ist, ob dieses Szenario für mich wert ist, ausgemalt zu werden).
Thailändische Sexsklavin - ok, ein weiterer Europäer, der mit einer solchen in die Kiste will, das ist für mcih etwas sehr gedankenlos. Habe da Dokus gesehen, die ziemlich aufrütteln, sonst kenne ich mich mit diesem Thema nicht weiter aus, war auch selbst noch nie in Thailand u. weiß nicht, wie das wirklich funktioniert. Sexszenen zwischen Bond und der neuen Moneypenny wären hier wohl approbater gewesen;), wenngleich ich hier wohl in Gefahr gerate, einen neuen Craigschen Stilbruch vorzuschlagen;).
Noch eine letzte Bemerkung zu dem Thema Bond/Homosexualität. Ich denke, man kann diese Szene auf zwei Ebenen betrachten. Sieht man nur die Ebene Bardem/007, dann ist es hier natürlich klar, dass Bond die "Annäherungsversuche" souverän abblockt. Aber dann kann man dies ja als ein radikales Hinterfragen vom heterosexuellen Bondmythos interpretieren, und da eröffnet Bond, dass es sowas ja ohnehin nicht gibt, und es bleibt völlig offen, warum nicht. Zusammen mit Craigs seinerzeitigen Äußerungen, dass ein schwuler bzw. vielmehr bisexueller Bond sogar wünschenswert wäre lässt das schon ein wenig nachdenklich werden, wobei wie gesagt, der Punkt für mich eher nebensächlich ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »kananga« (4. Dezember 2013, 11:19)


Django

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 11:50

Der Bond-Film-Anschau-Thread ist gestern in eine Diskussion abgedriftet, über das Thema "Tradition vs. Modernisierung" und die Frage, wie gut sich SF hier schlägt. Diese Diskussion möchte eich hier noch fortführen:

Ich denke, dass die Ära der "klassischen" Bond-Filme mit TLD abgeschlossen wurde. Was danach folgte, wirkte mit Ausnahme von CR und QOS irgendwie leicht "orientierungslos" - vor allem GE und DAD und eben auch SF fallen mir diesbezüglich negativ auf.

Klar, SF ist um Längen besser als der Totalausfall DAD, aber dennoch halte ich hier die Vermischung einer extrem düsteren Psycho-Atmosphäre mit klassischen, humorvollen (albernen...?) Elementen für wenig geglückt. Wo soll das hinführen? Ich fürchte, in die stilistische Belanglosigkeit, wie wir sie in der PB-Ära hatten.

CR und QOS hingegen wirken extrem erfrischend, weil sie einen klaren Stil haben und gar nicht erst versuchen, zwanghaft irgendwelche Traditionen aufzunehmen, deren Zeit längt abgelaufen ist (die aber natürlich vor 30, 40 Jahren bestens funktionierten).

Hier im Forum wird übrigens von vielen kritisiert, OP gelinge der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor nicht. Dann muss ich aber sagen: SF gelingt dieser Spagat genauso wenig.

Trotzdem: SF ist kein schlechter Bond-Film. Nur leider auch kein überragender. Was ich SF jedoch übel nehme ist, dass er das in CR und QOS Aufgebaute als Sackgasse erscheinen lässt, aus der nun ein glücklicherweise Ausweg gefunden wurde. Es nimmt mich wunder, wie man SF in 20 Jahren beurteilen wird. Vielleicht so, wie wir heute GE beurteilen?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Django« (15. Januar 2014, 13:11)


Kronsteen

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 12:02

Ich denke, dass die Ära der "klassischen" Bond-Filme mit TND abgeschlossen wurde.

Für mich war das schon mit TLD der Fall, da ab LTK immer irgendwelche persönlichen Bindungen Bonds ins Spiel kamen (in TND mit Paris Carver). DAD war da vielleicht noch am klassischsten angelegt, aber wegen seiner Schwächen eben besonders misslungen.

humorvollen (albernen...?) Elementen

Bei SF alberne Momente? Fallen mir jetzt nicht wirklich viele ein. Höchstens die Unterredung mit Q, aber die fand ich eher unterschwellig lustig als albern.

Es nimmt mich wunder, wie man SF in 20 Jahren beurteilen wird. Vielleicht so, wie wir heute GE beurteilen?

Da SF heute schon sehr hoch im Kurs steht, halte ich eine ähnliche Entwicklung wie bei GE für unwahrscheinlich, da dieser sich ja eher von unten nach oben gekämpft hat, nachdem er lange Zeit eher schwach betrachtet wurde.

Grundsätzlich teile ich aber durchaus den einen oder anderen Deiner Kritikpunkte an SF und mag ihn auch weniger als CR. Das "Erfrischende" bei QOS hingegen ist eben vermutlich besonders extreme Geschmackssache. Love it or hate it. Und ich liebe es nicht. Ist mir zu unbondig. Aber das gehört in einen anderen Thread. ;)
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Django

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 13:10

Für mich war das schon mit TLD

Oops - sorry. Meinte natürlich TLD (hab mich vertippt).

Maibaum

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109

Mittwoch, 15. Januar 2014, 13:23

"Orientierungslos" trifft es ganz gut.

SF möchte modern und gleichzeitig traditionell sein, aber Mendes hat da zu oft beides nicht organisch verbinden können, oder das Eine auf Kosten des Anderen in den Film gequetscht.

Spree

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 13:27

Ich sehe SF schon auch wie Django (s. Humorspagat und OP, gerade letzterem Film gelingt dieser Spagat zumindest meiner Meinung nach unnachahmlich gut), v.a. Djangos letzten Absatz kann ich voll unterschreiben: Nach CR und QOS hat mich SF überrascht, diesen Weg nicht weiter gegangen zu sein (stilistisch und inhaltlich). Nachdem der Film ein bißchen sacken konnte, muss ich sagen, dass die Überraschung dann doch negativ ausfällt.

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Maibaum

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111

Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:03

Der Humor in SF ist aber doch eher dezent, während er in OP und einigen anderen oft ziemlich grob ist. Und ziemlich flach. Aber passend ist es in SF trotzdem nicht. Dieses Zurechtrücken der Krawatte z.B., das wirkt bei Craig unpassend.

Django

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112

Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:14

SF mit Brosnan als Nachfolgefilm oder noch besser anstelle von DAD hätte m.E. besser funktioniert als mit Craig nach QOS und CR. Das meine ich ganz im ernst.

Ahab

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113

Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:22

Also ich sehe schon, es wird definitiv mal Zeit die drei Craig-Bonds mehr oder weniger am Stück zu schauen. Hab das bisher noch nicht gemacht. Und ganz ehrlich, mir fällt es momentan schwer nachzuvollziehen, wo CR jetzt so viel revolutionärer sein soll als SF. Sicher, im Vergleich zum direkten Vorgänger ist CR mehr als revolutionär. Aber für sich betrachtet (also filmisch) halte ich SF nicht für rückwärts gewandter als CR.
Natürlich ist in CR die Sache mit Vesper die den Film einzigartig bzw. neuartig macht. Vielleicht auch der Einstieg in s/w und die Folterung Bonds.
In SF gibt es außer den sehr ungewöhnlichen Abschnitten mit dem Umzug und die Neuausrichtung des kompletten MI6, oder auch die Szenen auf Silvas Insel die ihresgleichen in der Bond Historie suchen, außerdem eine bisher kaum da gewesene Intensität und Komplexität der Beziehungen vieler Figuren untereinander. Beispiele: Bond/M, M/Mallory, Bond/Eve, Bond/Silva/M, Mallory/Q/Tanner. Dagegen hat CR in dieser Qualität lediglich Bond/Vesper und Bond/Mathis zu bieten.

Also nochmal zur Klarheit: Ich wäre Dankbar für eine Erklärung, was an CR euch im Gegensatz zu SF so revolutionär erscheint, wenn man den jeweiligen Vorgänger mal ausblendet.

Maibaum

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114

Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:38

Die Komplexität der Figuren in SF sehe ich jetzt kaum. Gerade da behauptet SF viel, aber liefert nur wenig. Die Einführung des neuen M habe ich als sehr flach empfunden, gleiches gilt für Eve die fast gar nicht in der Handlung integriert ist, die nur noch mitläuft um sich am Ende als Moneypenny zu outen. Das Verhältnis Bond Silva löst nicht mal ansatzweise das ein was die erste Szene der Beiden erhoffen lässt.
Da ist noch mehr was nicht wirklich entwickelt wird.

Nach CR und QOS empfinde ich SF ebenfalls als Rückschlag.

Kronsteen

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:51

Dieses Zurechtrücken der Krawatte z.B., das wirkt bei Craig unpassend.


Und gerade dieses Zurechtrücken der Manschettenknöpfe in der PTS wirkt bei mir 100 mal besser als jenes Zurechtrücken von Brosnan in der Panzer-Sequenz in GE. Dort wirkt es sowas von aufgesetzt.
Komischerweise ist gerade diese Szene aus GE für das breite Publikum sehr kultig (die Szene wurde während des "James Bond in Concert"-Konzerts eingeblendet und war ein Riesenlacher - da hab ich das Gefühl, dass es eine jener Szenen ist, die für Nicht-Hardcore-Fans elementar für Bond zu sein scheint, während die Bondfans sie öde finden).
Bei Craig wirkt die Manschettenknopfszene auf mich nicht aufgesetzt, sondern kompromisslos und gradlinig.



Wenn ich mir allgemein hier nun die Reaktionen zu SF so durchlese, dann scheint der erste Lack ja doch bei vielen schon abzugehen. Wenn man überegt, dass dieser Film auf Platz 6 in der Bondelsliga gelandet ist und bis zum vorletzten Spieltag auf Platz 4 lag...
Da bin ich ja jetzt noch eher ein Befürworter. Und auch ich sehe ihn im bondfilmweiten Vergleich eher nur im mäßigen Mittefeld.
Bin da wirklich mal auf die nächste Saison im der Bondesliga gespannt. Ich denke, dass SF fallen und dafür QOS steigen wird.
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Django

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 14:59

Ich wäre Dankbar für eine Erklärung, was an CR euch im Gegensatz zu SF so revolutionär erscheint, wenn man den jeweiligen Vorgänger mal ausblendet.

Schwer zu sagen. Ich hatte damals bei CR einfach dieses "Wow!"-Feeling, das mir bei SF abgeblieben ist.

Ich versuch's mal in Worte zu fassen: CR (und auch QOS) haben sich erfolgreich von alten Zöpfen getrennt, wirken direkt, ehrlich und (verhältnismässig) realistisch. Bond kämpft alleine und weiss nie, wem er trauen kann. SF hingegen ist im Grunde genommen nichts Anderes, als ein weiterer Over-The-Top-Bondfilm (und davon gibt's nun definitiv viel Bessere) mit M, Q und Moneypenny, die Bond das Händchen halten. Nur dass hier der Supervilain nicht für irgendetwas, sondern gegen den MI6 kämpft, ist neu. Auch die ganze sekundengenaue Planung von Silva ist einfach lächerlich und überbietet in ihrer Unwahrscheinlichkeit sogar DAD. Bonds Sinneswandlungen in SF wirken zudem schon fast wie eine Karikatur: Zuerst schmollt er, säuft sich zum Frack und ist dann im Nullkommanichts wieder da, um sein Mami zu retten (was ihm dennoch misslingt).

Ahab

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 16:50

Na gut, also der Plan Silvas ist tatsächlich eine Schwäche des Films die durchaus Angriffsfläche bietet. Ich persönlich störe mich jetzt nicht so arg daran, weil ich es in dem Film (so sonderbar es klingen mag) für einen Nebenschauplatz halte. Dass Bond es jedoch nicht schafft M zu retten finde ich gerade in Anbetracht seiner allgemeinen Verfassung für völlig konsequent und schlüssig. Es lässt zumindest Raum zur Spekulation, ob er M in Normalform hätte retten können. Wobei die Situation im Film sowieso weit von Normalität entfernt ist. Nach meinem Empfinden weiter noch als in CR in der die Sache mit Vesper zwar durchaus auch eine Schräglage von Bond Kosmos verursacht, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Wobei ich zugebe, dass dies ein rein subjektives Empfinden meinerseits ist.

Was sich SF am ehesten ankreiden lassen muss ist, dass der Craig-Bond schon in seinem dritten Leinwandabenteuer dermaßen alt und ausgedient dargestellt wird. Das bringt eine leichte Unwucht in die eigentlich noch neue Reihe (nach dem Reboot). Rein gefühlt hätte das wohl eher ans Ende der Ära Craig gepasst. Daher wird für mich die Frage wie Mendes mit dieser Situation im nächsten Film umgeht noch interessanter als die Frage, ob Quantum wieder aufgegriffen wird.

118

Mittwoch, 15. Januar 2014, 17:29

.
Und gerade dieses Zurechtrücken der Manschettenknöpfe in der PTS in "Skyfall"


... habe ich immer als direktes Zitat gegenüber "You only live twice" (1967) angesehen. Selbige Szene folgt, nachdem James Bond scheinbar vor Osatos gedungenen Helfershelfern im Hafen von Kobe entkommen ist, bevor er dann von einem Hafenarbeiter hinterrücks niedergeschlagen wird.


Das Zurechtrücken der Krawatte betreiben selbst Bonds Gegner wie etwa Jaws, nachdem dieser in „The spy who loved me“ (1977) aus einem fahrenden Zug geworfen wurde.


.

Maibaum

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 17:43

Na gut, also der Plan Silvas ist tatsächlich eine Schwäche des Films die durchaus Angriffsfläche bietet. Ich persönlich störe mich jetzt nicht so arg daran, weil ich es in dem Film (so sonderbar es klingen mag) für einen Nebenschauplatz halte. Dass Bond es jedoch nicht schafft M zu retten finde ich gerade in Anbetracht seiner allgemeinen Verfassung für völlig konsequent und schlüssig. Es lässt zumindest Raum zur Spekulation, ob er M in Normalform hätte retten können. Wobei die Situation im Film sowieso weit von Normalität entfernt ist. Nach meinem Empfinden weiter noch als in CR in der die Sache mit Vesper zwar durchaus auch eine Schräglage von Bond Kosmos verursacht, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Wobei ich zugebe, dass dies ein rein subjektives Empfinden meinerseits ist.



Nicht retten? Bond hat sie doch erst in die Falle geführt, bzw eine Falle aufgestellt in der er selber drin sitzt. Was ist denn das für ein Plan in dem Bond eine Spur zu sich legt und dann dort alleine auf eine Übermacht zu wartet, und dann vor allem noch M dabei zu haben die er eigentlich in Sicherheit bringen müsste.
Nur daß das dem Film das selber gar nicht bewußt ist. Konsequent betrachtet wäre Bond an Ms Tod schuld. Das ist eigentlich mit der dickste Logik Klops im Bondiverse, und in einem Film wie SF kaum entschuldbar. In MR wäre es mir wurscht, da ist die Handlung ja auch sonst egal.

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Mittwoch, 15. Januar 2014, 19:49

(...) Was sich SF am ehesten ankreiden lassen muss ist, dass der Craig-Bond schon in seinem dritten Leinwandabenteuer dermaßen alt und ausgedient dargestellt wird. Das bringt eine leichte Unwucht in die eigentlich noch neue Reihe (nach dem Reboot). Rein gefühlt hätte das wohl eher ans Ende der Ära Craig gepasst. Daher wird für mich die Frage wie Mendes mit dieser Situation im nächsten Film umgeht noch interessanter als die Frage, ob Quantum wieder aufgegriffen wird.
Auch dieser Punkt ist - neben vermutlich einigen hundert anderen - für mich ein großer Pluspunkt: In dem Film "Der Schneider von Panama" sagt Brosnan über das Agenten- Milieu: "Mit 40 landet man bei uns auf dem Müll." Craig war bei Dreh von SF 44 Jahre alt. Die mehrfache Erwähnung seiner mangelnden Eignung ("Das ist ein Job für junge Männer." (Malory)) passt dazu. Nach mehreren Dekaden, die uns einen unschlagbaren Superman präsentiert haben, leistet SF etwas, was ich mir nach inzwischen 34 Jahren Bond-Begeisterung nicht hätte träumen lassen: Er sieht auf verschiedenen Ebenen, besonders aber in Bezug auf das Altern, der Realität ins Auge und erlaubt meinem Jahrgang ( ich bin ein Jahr älter als Craig ) eine fortgesetzte Identifikation mit der Figur Flemings. Sicher, Moore war 57 als er seine Abschiedsvorstellung gab - aber von altersbedingtem Mangel an Eignung war nie die Rede! Gerade die Behandlung dieses Aspekts finde ich aber im Umfeld einer Figur wie Bond höchst interessant. In SF wurde der Boden bereitet für einen Bond, der in "Echtzeit" altern könnte, zumindest solange Craig dabei ist.
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