Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Das James Bond Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

  • »Mr. Fogg« ist männlich

Beiträge: 902

Registrierungsdatum: 4. August 2013

  • Nachricht senden

81

Dienstag, 26. November 2013, 11:22

(...) ein unterhaltsamer Bond-Film (...)

Insgesamt ist SF in meiner Rangliste irgendwo im Mittelfeld (...)
Die Wirkung verschiedener Perspektiven:
als "unterhaltsamer Bond-Film": Mittelfeld
als mythologiebasierte, tiefenpsychologische Studie des menschlichen Wesens: Top 4!

Zumindest zahlt sich der Eintrittspreis durch Letztere wohl besser aus.
God save the Queen!

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

82

Dienstag, 26. November 2013, 12:53

Ich muss mich hier Django anschließen. Irgendetwas liegt über diesem Film. Er hat seine ganz eigene, aber auch schwermütige Aura. Ich kann es auch nicht ganz erklären, aber ich würde "Skyfall" spontan als den sperrigsten und am schwierigsten zu konsumierbaren Bondfilm ansehen, was vielleicht darauf hindeutet, dass den Machern die forcierte Symbiose aus Unterhaltung und tiefenpsychologischer Studie doch nicht komplett gelungen ist. Das muss den Streifen als solchen nicht schmälern, aber es würde auch die Reaktion der Zuschauerfraktion erklären, die den Film als weitgehend lahm und trist wahrgenommen hat. Ich bin mit "Skyfall" eigentlich recht zufrieden. Ich finde nur, dass ein paar Plotholes weniger, ein bisschen weniger Nolan-Inspiration, weniger Pathos, ein einprägsamerer Score und eine Involvierung des Brückenelements zwischen "You Only Live Twice" und "The Man with the Golden Gun" den Streifen noch besser gemacht hätten.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

  • »Mr. Fogg« ist männlich

Beiträge: 902

Registrierungsdatum: 4. August 2013

  • Nachricht senden

83

Dienstag, 26. November 2013, 13:39

(...) als den sperrigsten und am schwierigsten zu konsumierbaren Bondfilm ansehen, was vielleicht darauf hindeutet, dass den Machern die forcierte Symbiose aus Unterhaltung und tiefenpsychologischer Studie doch nicht komplett gelungen ist.(...)
Leichte Konsumierbarkeit ist selten ein Zeichen für Tiefgang - im Gegenteil: Sie ist oft sein Tod!
God save the Queen!

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich

Beiträge: 4 314

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

84

Dienstag, 26. November 2013, 13:42

Tolle Zusammenfassung, Django! Kann mich dem in fast allen Punkten anschließen. Auch bei mir schafft es SF nicht über das hintere Mittelfeld hinaus, auch wenn er definitiv extrem starke Momente hat. Ich bin aber überrascht, dass er dermaßen hoch im Kurs steht - sowohl beim "normalen" Kinogänger (über 1Mrd. $ Einspielergebnis), als auch bei den Kritikern (viele Preise inkl. 2 Oscars) und den Fans (s. Bondesliga: Lange Platz 4, am Ende Platz 6).

Ich hab hier mal vor kurzem im Zusammenhang mit SF den Begriff "Blender" gelesen (ich weiß leider nicht mehr von welchem User - vielleicht ja sogar von Dir, Django?!). Das trifft's meiner Meinung nach ganz gut. Nach mehrmaligem Anschauen fallen einem v.a. die angesprochenen Plotholes erst auf, die anfänglich hinter einem anspruchsvollen und ambitionierten Film verborgen bleiben.

@Scarpine
Was meinst Du mit Brückenelementen zwischen YOLT und TMWTGG genau?
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

  • »Mr. Fogg« ist männlich

Beiträge: 902

Registrierungsdatum: 4. August 2013

  • Nachricht senden

85

Dienstag, 26. November 2013, 13:57

(...) Nach mehrmaligem Anschauen fallen einem v.a. die angesprochenen Plotholes erst auf, die anfänglich hinter einem anspruchsvollen und ambitionierten Film verborgen bleiben. (...)
Ich erlebte es umgekehrt: Nach mehrfacher Sichtung fügte sich alles zusammen.
Es irritiert möglicherweise, dass SF vom Zuschauer mehr verlangt, als der durchschnittliche Bond-Film.
God save the Queen!

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

  • »Don-Corleone« ist männlich

Beiträge: 964

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

86

Dienstag, 26. November 2013, 14:05

Mich überrascht es überhaupt nicht, das der Film sowohl Bondfans, Kritiker als auch den Gelegenheitsbondfilmschauer überzeugt. Skyfalls Stil entspricht dem Zeitgeist (ein bisschen Nolan), hat eine gewissen Anspruch ohne das ich den überbewerten würde, ist trotzdem relativ leicht konsumierbar, hat einen herrvoragenden Cast, sieht verdammt gut aus (Deakins sei Dank) und der Film schlägt wie ich finde eine schöne Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Klar gibt es ein paar Plotholes die mir auch nicht zu 100% zusagen, der Faktor Zufall ist diesem Film bei Silvas Gefangennahme und seiner Flucht ein bischen zu extrem, trotzdem überzeugt der Film mich noch immer und er hat seinen Platz bei mir um Platz 7 / 8 sicher.
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

Beiträge: 632

Registrierungsdatum: 30. Mai 2013

  • Nachricht senden

87

Dienstag, 26. November 2013, 14:36

Irgendetwas liegt über diesem Film. Er hat seine ganz eigene, aber auch schwermütige Aura.

Genau das ist es. Diese schwere, düstere, triste Aura passt hervorragend zu einer Le Carré-Verfilmung, aber irgendwie nicht so recht zu einem Bond-Film. CR und QOS waren ja im Vergleich mit den meisten anderen Bond-Filmen auch viel ernster und zeigten eine dunkle Seite Bonds, die wir bisher nicht kannten. Dennoch haben selbst diese beiden Filme einem Hauch von Leichtigkeit, was SF hingegen völlig abgeht. In SF sehen wir zum ersten Mal, wie nicht nur dem MI6, sondern auch Bond die Kontrolle über die Situation völlig entgeht. Nennt mich seicht, aber so was will ich in einem Bond-Film nicht sehen...

@ Kronsteen: Ja, ich habe SF neulich als "Blender" bezeichnet (glaub im Silva-Thread)

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

Beiträge: 970

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

88

Dienstag, 26. November 2013, 14:50

@Kronsteen: Mit der Brücke zw. YOLT und TMWTGG dürfte Scarpine die Romane gemeint haben, da YOLT ja mit dem vermeintlich totgeglaubten Bond unter Amnesie endet, welcher dann in TMWTGG zurückkehrt, um nach einer Gehirnwäsche M zu töten. Ich weiß allerdings nicht, ob das für diesen Film SF oder den Filmbond überhaupt passend gewesen wäre (auch wenn der Gedanke an eine Verfilmung dieses Stoffs natürlich reizvoll ist). Entschuldigung, dass ich hier dazwischen geprescht bin.

I never left!

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

89

Dienstag, 26. November 2013, 16:09

@ Spree

Kein Problem. Du hast es ja passend erklärt.

Ich teile jedoch nicht ganz deine Meinung. Ich finde, dass dieses Element durchaus mit dem Filmbond vereinbar ist, aber eben eher nicht - wie Fleming es getan hat - als Cliffhanger über zweite Teile hinweg, sondern innerhalb einer Story bzw. eines Films. Das hätte sich bei der Story von "Skyfall" perfekt angeboten. Hätte Bond sein Gedächtnis verloren und zudem von seinen Feinden manipuliert selbst ein Attentat auf den MI6 verübt, so hätte dies seiner Jagd auf Silva, seiner Rehabilitierung und seinem finalen Trip weit in die Vergangenheit eine ganze andere Motivation und Tiefe verliehen. Sogar das Frage-Antwort-Spiel hätte richtig Sinn ergeben.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

Beiträge: 970

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

90

Dienstag, 26. November 2013, 17:24

Witzig, dass du das sagst, ich dachte nämlich beim 1. Trailer, sie hätten genau das getan. Es wäre mit Sicherheit möglich gewesen, jedoch wäre SF MIT diesem Plot zusätzlih noch voller/länger geworden. Da hätte man an anderer Stelle kürzen müssen. Wahrscheinlich hast du sogar recht und das hätte die logischere/interessantere Handlung ergeben.

I never left!

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

91

Dienstag, 26. November 2013, 19:17

Leichte Konsumierbarkeit ist selten ein Zeichen für Tiefgang - im Gegenteil: Sie ist oft sein Tod!


Im Allgemeinen würde ich dir hier sogar zustimmen, aber nicht bezogen auf das Bond-Franchise. Da beweisen Filme wie "On Her Majesty’s Secret Service" und "Casino Royale" das Gegenteil. Und genau das meine ich: Die besten Bonds können Anspruch und gute Unterhaltung/leichte Konsumierbarkeit miteinander verbinden. Über den Grad des Tiefgangs kann dabei natürlich vortrefflich streiten, aber bei "Skyfall" finde ich die Balance weit weniger geglückt als bei den zwei genannten Beispielen. Vielleicht war das von den Machern aber auch so gewollt. Who knows?
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Maibaum

00-Agent

Beiträge: 818

Registrierungsdatum: 27. Mai 2013

  • Nachricht senden

92

Dienstag, 26. November 2013, 20:14

(...) Nach mehrmaligem Anschauen fallen einem v.a. die angesprochenen Plotholes erst auf, die anfänglich hinter einem anspruchsvollen und ambitionierten Film verborgen bleiben. (...)
Ich erlebte es umgekehrt: Nach mehrfacher Sichtung fügte sich alles zusammen.
Es irritiert möglicherweise, dass SF vom Zuschauer mehr verlangt, als der durchschnittliche Bond-Film.

Da würde ich glatt widersprechen.
Ich finde nicht daß SF viel verlangt. Weniger als seine direkten Vorgänger finde ich. Ich betrachte SF nach CR und QoS als einen großen Rückschritt. Tiefgang wird meiner Meinung nach nur angedeutet oder behauptet, während SF tatsächlich meist in ziemlich flachen Wasser umständlich lange herumpaddelt, wobei der aufgewirbelte Sand nicht wirklich verbergen kann daß er sich lediglich über einer Untiefe befindet. ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Maibaum« (26. November 2013, 22:40)


Zardoz

MI6 Staff

  • »Zardoz« ist männlich

Beiträge: 405

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

93

Dienstag, 26. November 2013, 22:25

Genau das ist es. Diese schwere, düstere, triste Aura passt hervorragend zu einer Le Carré-Verfilmung, aber irgendwie nicht so recht zu einem Bond-Film. CR und QOS waren ja im Vergleich mit den meisten anderen Bond-Filmen auch viel ernster und zeigten eine dunkle Seite Bonds, die wir bisher nicht kannten. Dennoch haben selbst diese beiden Filme einem Hauch von Leichtigkeit, was SF hingegen völlig abgeht. In SF sehen wir zum ersten Mal, wie nicht nur dem MI6, sondern auch Bond die Kontrolle über die Situation völlig entgeht. Nennt mich seicht, aber so was will ich in einem Bond-Film nicht sehen...


Schön, dass du dies so schriebst, dann muss ich es nicht machen. :thumbup:
"Fuck you, I'm going to Hollywood!"

Ahab

MI6 Staff

Beiträge: 342

Registrierungsdatum: 30. Mai 2013

  • Nachricht senden

94

Mittwoch, 27. November 2013, 00:01

Leichte Konsumierbarkeit ist selten ein Zeichen für Tiefgang - im Gegenteil: Sie ist oft sein Tod!


Im Allgemeinen würde ich dir hier sogar zustimmen, aber nicht bezogen auf das Bond-Franchise. Da beweisen Filme wie "On Her Majesty’s Secret Service" und "Casino Royale" das Gegenteil. Und genau das meine ich: Die besten Bonds können Anspruch und gute Unterhaltung/leichte Konsumierbarkeit miteinander verbinden. Über den Grad des Tiefgangs kann dabei natürlich vortrefflich streiten, aber bei "Skyfall" finde ich die Balance weit weniger geglückt als bei den zwei genannten Beispielen. Vielleicht war das von den Machern aber auch so gewollt. Who knows?
Also, die Einspielergebnisse von SF sind für mich ein unübersehbares Zeichen dafür, dass den Machern ein sehr eingängiger Film gelungen sein muss. Ich selbst halte SF zwar auch nicht für besonders eingänig, aber die Kasse lügt in dem Fall nicht. Bei allen begünstigenden Faktoren (Jubiläum, ein Hit als Bond-Song, positive Kritiken, Star-Aufgebot...) erklärt das für mich noch nicht das Ausmaß des Erfolges. Gerade wenn man sich das Echo unter den Fans hier ansieht. Kann ja kaum sein, dass ein paar wenige Leute den Film zwölfmal gesehen haben nur weil sie auf der Suche nach einer Botschaft waren (die sie evtl. nicht gefunden haben). ;)

Wie gesagt, das erklärt sich für mich nicht so ganz. Interessant könnte auf jeden Fall sein, wie der Film in einigen Jahren gesehen wird. QoS hat ja nach anfänglicher Euphorie auch einen deutlichen Abstieg erlebt, wobei die Besucherzahlen dort ja nicht annähernd in vergleichbaren Regionen waren.

Der Begriff 'Tiefgang' ist so eine spezielle Sache. Für mich gibt es verschiedenste Arten von Tiefgang. Da wäre der von Mr. Fogg verehrte literarische oder auch mythologische Unterbau der gewiss als eine Art davon zu bezeichnen ist. Ich sehe allerdings auch das was QoS mit seiner intelligent aufgegriffenen aktuellen Wasser/Umwelt-Thematik bietet als Tiefgang an. Ein perfekt durchdachtes Drehbuch welches Handlungen auf mehreren Ebenen ablaufen lässt und Charaktere auf mehreren Ebenen agieren lässt ist für mich auch Tiefgang, obwohl man das auch nur als Handwerk bezeichnen könnte.
Und wo fängt leichte Konsumierbarkeit an? The Dark Knight ist für mich einer beeindruckendsten Filme überhaupt, weil eben dieser auf so vielen Ebenen gleichzeitig funktioniert und nebenbei eine unfassbare Menge von Menschen angesprochen hat. Bei dem Film werden wir uns auf einigermaßen leichte Konsumierbarkeit einigen können. Aber wie ist das bei Fight Club? Für mich persönlich spielt der qualitativ in einer ähnlichen Liga wie TDK und ist ähnlich leicht zu konsumieren. Natürlich war Fight Club nicht ansatzweise ähnlich erfolgreich an der Kasse wie TDK, ist er deswegen weniger eingängig oder hat mehr Tiefgang? Ich glaube nicht... Beide Filme agieren nur auf ziemlich unterschiedliche Arten. Ich hoffe ihr versteht, was ich meine. :)
Ich freue mich auf weitere Beiträge zu dem Thema um dem Mythos SkyFall auf den Grund zu gehen!

Feirefiz

The Other Fellow

  • »Feirefiz« ist männlich

Beiträge: 560

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

95

Mittwoch, 27. November 2013, 04:02

Schlagt mich blau, aber natürlich ist SF ein leicht konsumierbarer Bond-Film! Seine Grundstimmung mag recht düster sein, aber hierin folgt er den momentanen Blockbuster-Standards nicht weniger als seinerzeit z.B. MR. Was Fans und Gelegenheits-Bond-Gucker angeht, hatte ich vom ersten Kinobesuch an den Eindruck, dass SF von allen Craig-Filmen der konsensfähigste Beitrag ist. Trotz Bonds Abschuss in der PTS und des Trips in die Vergangenheit erleidet Bond keine wirkliche Identitätskrise (ich begrüße auch, dass auf einen etwaigen Gedächtnisverlust-Plot analog zu den erwähnten Romanen verzichtet wurde), anders als der MI6 ist Bond sich seiner stets sicher, eben das trennt ihn ja von Silva. Die Bond-Werdung von CR und QOS ist bereits zu Beginn abgeschlossen und wird mit der finalen Bildung des neuen, alten Teams formal beendet, Silvas Katz-und-Maus-Spiel ist, solange man es nicht logisch hinterfragt, spannend, die Bezüge auf die Franchise-Geschichte sind so zahlreich wie zuletzt in DAD und erschöpfen sich anders als in den Vorgängern nicht in der Negation. Der Erfolg von SF hat m.E. nicht viel mit dem Jubiläum zu tun – das interessiert doch nur die Hardcore-Fans, die sowieso ins Kino gehen -, sondern damit, dass SF eben gerade auf den ersten Blick extrem packend ist. Dass er beim Wiedersehen logiktechnisch Federn lässt, sehen wir vielleicht kritischer als der Durchschnittsgucker, der Bond in dieser Beziehung generell einiges nachsieht oder aber gar nicht weiter über den Film reflektiert, während wir an einen Bond-Film, der so ernst sein will wie SF (bei aller Verspieltheit), andere Ansprüche stellen als an Comic-Bonds wie eben MR, YOLT etc.

Bei mir hat SF übrigens auch ein paar Federn lassen müssen, auch wenn sich das im Ranking kaum abzeichnet. Er stieg ein auf Platz 9 und belegt derzeit einen sicheren Rang 10.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Mister Bond

Felix Leiter

Beiträge: 1 222

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

96

Mittwoch, 27. November 2013, 23:21

Schlagt mich blau, aber natürlich ist SF ein leicht konsumierbarer Bond-Film!

Das stimmt. Der ist für mich leicht konsumierbarer als QoS, DN, DAF oder die letzten drei Brosnan-Bonds.
Das aus unterschiedlichen Gründen. Konsumierbar bedeutet nicht, dass der Film keine düsteren Grundtöne haben darf. Die Dark Knight Trilogie ist, was ja auch eine Stärke der Reihe ist, trotz der düsteren Aspekte um Waynes/Batmans Charakter, leicht goutierbar.
Warum die oben genannten Bondfilme für mich weniger konsumierbar sind? Da liegen ganz andere Gründe vor.
DN: hat im Gegensatz zum Rest nicht mehr dne Pep, wirkt als einziger Film der Reihe auf mich etwas angestaubt.
DAF: Für viele leichte Kost, aber für mich etwas zu sehr campy und mit deutlich weniger Thrill und Action als der große Rest.
Die letzten drei Brosnan-Bonds: irgendwie immer das Gleiche...Baller, baller, rumms.
QoS: Bildschnitt, Storygerüst, mangelnder Humor, machen die ganze Angelegenheit für mich zum zähen Erlebnis.

kananga

MI6 Staff

  • »kananga« ist männlich

Beiträge: 108

Registrierungsdatum: 26. November 2013

  • Nachricht senden

97

Dienstag, 3. Dezember 2013, 17:24

Also hier wurden schon derartig viele gute und richtige Gedanken geäußert und schon so viel Treffendes gesagt, dass ich mir eine großangelegte Kritik eigentlich ersparen kann. Besonders interessant fand ich natürlich auch die vielen gelehrten Andeutungen und Parallelen, die vor allem Du, Mr. Fogg, zu ziehen verstandest. Ich persönlich muss gestehen, ich wäre auf diese nicht nur nicht gekommen, sondern ich bin auch nach drei Sichtungen nicht ganz sicher, was dieser Film eigentlich will. Einerseits wirkt es fast schon so, als hätte man einen jedenfalls immerhin literarisch sehr versierten Bond-Kritiker beauftragt, den Bond-Mythos (der aber immerhin wenigstens richtig erkannt wird) auf LeCarre-Manier zu "problematisieren"), andererseits soll M einem dann regelrecht ans Herz wachsen und alles Wonne und Eierkuchen zwischen ihr und 007 sein, während andererseits Javier Bardem einen derartig tuntig-schrägen (DAF lässt fast grüßen) und andererseits auch generell grausam-unsymphatischen Bondschurken spielt, dass seine anklagende Botschaft jedwede Glaubwürdigkeit verliert.
Logiklücken, die hier auch angesprochen wurden, sind gerade bei so einer auf ernsthaft getrimmten Handlung m.E. sehr schmerzhaft. Dann will der Film, der doch so einen radikalen Anti-Bond zeichnet, wieder eine Rückentwicklung 007s zum ursprünglichen Serienhelden vornehmen, was ganz nett im Fall von Q als jugendlicher Angehöriger der Generation Nerd, gelingt. Ralph Fiennes vermag ich mir jedoch eher nicht als M vorstellen. Eine ausgesprochene Gratwanderung ist dieses Intimwerden 007s und auch des Publikums mit M. Ms Beziehung zu ihrem besten Mann beruht doch seit jeher auf der frostigen Distanz, die die latente Zuneigung der beiden, sowie auch ihre unleugbare Seelenverwandschaft, im Keime erstickt. Das ist jetzt einmal ein Punkt, den ich völlig unabhängig von Ms Geschlecht ansprechen will. Sie und ihr Verhältnis zu Bond derartig zu "problematisieren" ist eine zumindest ausgesprochen zwiespältige Sache. Ich denke, ob die klassische Nebenfigur M und mit ihr auch Dame Dench, die in den ersten Brosnan Bonds einen guten Job machte, nicht ein wenig "überfordert wurde", nicht etwa in ihren schauspielerischen Fähigkeiten, die ja bekannt brilliant sind, aber einfach durch den ihr von den Drehbuchautoren zugeschriebenen Part.
Sehr ärgerlich finde ich, dass die einzige namentlich bekannte Erotik-Partnerin ausgerechnet eine ehemalige Sexsklavin ist. Hier wäre die bekannte Craigsche Prüderie ausnahmsweise am Platz gewesen.
Zu Craig selbst: er hat die Rolle seit jeher über seine physische Präsens angelegt und läuft hier, als alternder Bond, durchaus zur Höchstform auf. Ich bin aber nach wie vor eher der Ansicht, dass er eher als Henchman als als Gentlemanagent geeignet ist. Das "Outing" bezüglich der homosexuellen Erfahrungen finde ich auch etwas schwer einzuordnen. Gewiss könnte man da auf pubertäre Internatserfahrungen hinweisen. Aber warum habe ich hier irgendwie den Eindruck, dass da auf der Signalebene irgendwie doch mehr dahintersteckt? (Ich rede da ausschließlich von der Interpretation der Filmfigur, Mr. Craigs - ja angeblich ohnehin heterosexuelles Privatleben - ist mir in diesem Zusammenhang völlig egal).
Die Hochlandszenen und die Rückkehr zu Bonds Wurzeln finde ich als Ansatz eine ausgesprochen reizvolle Sache. Leider ist das Finale, es wurde hier schon erwähnt, für Bondsche Verhältnisse ausgesprochen mager. Der Vergleich mit MacGyver und A-Team wurde schon gezogen, böse Zungen sprachen sogar von einem Aufgreifen des "Kevin allein zuhause" Motivs.
Fazit: Ich tue mir sehr schwer, diesen Film mit Schulnoten zu beurteilen. Ich würde dann doch wohl eine Durchschnittsnoten geben, aber nur um meiner Ratlosigkeit Ausdruck zu verleihen. Ich fühle mich aber, nebenbei bemerkt, auch deshalb so in meiner Reserve bestärkt, weil eine m.E. paradoxe Allianz aus den letzten Mohikanern der Anti-Roger Moore Fronde bzw. den Befürwortern des "härteren, menschlichen, realistischen Bond" (gegen den ich ja ansich überhaupt nichts habe) und aus Leuten, die traditionell mit 007 aber auch schon garnichts am Hute haben (was ich ja, aus ihrer Perspektive, auch verstehe) dazu neigt, alle Craig Bonde alsinguläre Meisterwerke in den Himmel zu jubeln. Jedenfalls bin ich mir in einem sicher: Ian Fleming selbst hätte dieser Film nicht gefallen.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »kananga« (3. Dezember 2013, 18:09)


Feirefiz

The Other Fellow

  • »Feirefiz« ist männlich

Beiträge: 560

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

98

Dienstag, 3. Dezember 2013, 18:46

@ kananga: Bezüglich der "Outing"-Szene darf ich einen meiner Beiträge aus dem alten Forum variieren, der ihr vielleicht etwas von ihrem Irritationspotenzial zu nehmen vermag:

Ich würde den homoerotischen Aspekt während der ersten Begegnung zwischen Bond und Silva, gerade Bonds Reaktion, nicht überinterpretieren. Was Silva angeht, hält er sich immerhin Sévérine als Gespielin/Handlangerin; seine Faszination für Bond kann man zwar homoerotisch sehen, aber auch – neben anderen hier erörterten Motiven – als psychologisches Spiel: In dieser Szene geht es Silva vor allem darum, Bond zu verunsichern. Dazu gehört vielleicht nicht nur, Bonds Glauben an den MI6 im Allgemeinen und M im Besonderen zu erschüttern, sondern auch sein Selbstbild als geradezu aggressiver Hetero (Silva kennt ja Bonds Akte). Bonds Antwort ist nach meiner Sicht kein Bekenntnis zur Bisexualität, sondern einfach eine extrem trockene Spitze, um Silvas Angebot/Provokation sofort jeden Wind aus den Segeln zu nehmen – das hätte Roger Moore nicht schlagfertiger sagen können.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

Beiträge: 970

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

99

Dienstag, 3. Dezember 2013, 19:11

@kananga: Mit deinem letzten Satz würde ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Flemings Geschichten sind vom Erzählerischen her ähnlich gestaltet wie das SF-Finale, sehr bodenständig und abenteurlich, meistens nur Bond und "das Mädchen" auf der Flucht vor den Bösen, förmlich schon auf dem Zahnfleisch und jedes kleine Hilfsmittel, das man findet, nutzend. Kommt dir das bekannt vor?

I never left!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Spree« (3. Dezember 2013, 19:29)


kananga

MI6 Staff

  • »kananga« ist männlich

Beiträge: 108

Registrierungsdatum: 26. November 2013

  • Nachricht senden

100

Dienstag, 3. Dezember 2013, 19:21

Feirefiz: ja, in der vordergründigen Interpretation der Filmszene für sich gebe ich Dir recht, obwohl Javier Bardem generell schon ziemlich "tuntig" spielt. Ich finde das Ganze jetzt auch nicht als "schlimmster" Stilbruch Craigs . Es gab aber einmal, 2006 glaube ich, Aussagen Craigs in die Richtung, er würde sehr gerne einen Bond mit homosexuellen Tendenzen spielen. Auch wenn er später dementierte, von diesem Hintergrund sehe ich da schon ein wenig unterschwelliges Liebäugeln mit einem 100% zeitgeistigen Bond, der auch für Homosexualität offen ist. Aber es ist nicht das Hauptproblem seiner Interpretation der Rolle und des Films SF.