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  • »Mr. Fogg« ist männlich

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21

Freitag, 9. August 2013, 05:30

Die Beziehung Bond / Silva ist aber für mich nur unzureichend entwickelt. Hier will SF intelligent sein, bleibt aber alles schuldig was ihn intelligent machen könnte. Das da nicht viel ist zwischen Bond und Silva, bzw. so getan wird als sei da was, das ist eines der vielen Probleme von SF. Und deswegen ist SF am Ende nur ein OK Bond für mich.

Die erste Szene zwischen Bond und Silva verlangt nach einem anderen Film als das was dann danach noch so kommt.

Da ist zweifellos etwas dran. Davon hätte ich auch gern mehr gesehen - dennoch:
Die Konstruktion der Rolle des Silva in Abgrenzung zu Bond halte ich (wenn vielleicht auch nur im Ansatz) für sehr intelligent. Hier ist dann eben der Zuschauer gefordert, etwas dazu zu tun. Als Denkanstoss vielleicht.

Das kleine Fragezeichen, das das Drehbuch uns unterschiebt und sich tief in den Hinterkopf bohren kann, besteht dann aus dem Satz: "Wie kommen sie auf die Idee, das wäre mein erstes Mal?" Nur ein Versuch Bonds, cool und unbeeindruckt zu erscheinen? Das Ziel erreicht er ja: Silva ist überrascht und lässt von ihm ab.

Ich halte die Umsetzung der psychtherapeutischen Fragen in SF für vielleicht nicht geglückt, doch aber konsequent:
Man stelle sich Bond auf der Couch vor. Dr. Freud würde sich an ihm auch die Zähne ausbeissen. Mehr als die Antworten, die uns SF im weiteren Verlauf präsentiert, würde auch kein noch so erfahrener Psychologe aus ihm herauskriegen.
God save the Queen!

22

Samstag, 10. August 2013, 11:22

Meines Erachtens ist die wichtigste "Botschaft" von SF, dass sowohl Bond als auch Silva mit den gleichen Voraussetzungen beginnen:
a) Beide sind Waisen - d. h. völlig ohne Wurzeln. Sie kompensieren das, indem sie ihren ganzen Lebenssinn in den MI6, personifiziert durch M, hineinlegen. Ganz ohne Bindung, ganz ohne Sinn ist Leben eben nicht möglich.
b) Beiden wird dieser Sinn genommen, die "Nibelungentreue" wird an einem bestimmten Punkt nicht erwidert.

Nun aber die Verarbeitung dieser Krise:
Bond säuft, nimmt Tabletten, läßt sich gehen, ist desorientiert und ziellos.
Silva ist auf Rache und Selbstmord aus. Völlig zerbrochen und sinnentleert.
Bond ist dann in der Lage zu vergeben: "Ich war nie weg."
Silva nicht.

Wenn man so will, kann man hier echte Lebenshilfe ernten. Wie gehe ich mit der ganz großen Krise um? Welcher Weg ist besser?

Ich möchte mir an dieser Stelle gestatten, darauf hinzuweisen, dass ein ähnliches Typenpaar an klassischer Stelle anzutreffen ist:
In dem Spielfilm "Moby Dick" (1956):
Im Laufe der Handlung begegnen uns zwei Kapitäne, die beide vom selben Wal verstümmelt wurden.
Kapitän Ahab von der "Pequod" und Kapitän Boomer von der "Samuel Enderby".
Ahab sinnt auf Rache und setzt sein Leben und das seiner Mannschaft und sein Schiff aufs Spiel.
Boomer dagegen hätte den Wal "am liebsten umarmt und geküsst" für das schöne Stück Walknochen an Stelle seines Arms. "Wer noch alle Gliedmaßen hat, weiß gar nicht, was er versäumt."
Letzterer hat die Krise gemeistert, wahrscheinlich musste ja auch er daran arbeiten. Er konnte dem Wal "vergeben", Ahab hat das nicht geschafft.

Vergebung ermöglicht "Heilung"!
Das, meine ich, macht die Größe von Skyfall aus.
Mein erstes Posting seit über einem Monat möchte ich gerne dir widmen.

Es ist lange her, dass ich solch eine brillante und treffende Analyse eines Filmes gelesen habe.
Tatsächlich könnte man fast meinen, der Klassiker von Herman Melville bietet die Grundlage für diesen Film. Aus dieser Warte betrachtet ist es ein wahrhaftig literarischer Bond.
M, die sich nur der Natur ihres Schicksals entsprechend verhält, wird dabei zum Schicksal zweier Agenten von denen danach lediglich Bond noch seinen freien Willen benutzt und wählt, sich von den Rachegefühlen zu befreien.
Denn er erkennt, dass M von Ihrem Standpunkt aus gar keine anderen Optionen hatte. Sie folgte nur ihrer Natur.

Wozu mir ein schönes Zitat aus einer der besten Folgen von "Voyager" einfällt, in der Chakotay Janeway die für einen selbst oft irrationalen Entscheidungen von Lebewesen anhand eines Gleichnisses zu erklären versucht:
Ein Skorpion lief am Ufer eines Flusses entlang und wollte gerne hinüber auf die andere Seite.
Plötzlich sah er einen Fuchs. Er bat den Fuchs ihn auf seinem Rücken über den Fluss zu bringen.
Der Fuchs sagte:"Nein, wenn ich das tue, wirst du mich stechen und ich werde ertrinken."
Der Skorpion entgegnete ihm: "Wenn ich das täte, würden wir beide ertrinken."
Der Fuchs dachte darüber nach und willigte schließlich ein.
Der Skorpion kletterte also auf seinen Rücken und dann schwamm der Fuchs los.
Aber in der Mitte des Flusses stach ihn der Skorpion.
Als das Gift in seine Adern floß, fragte der Fuchs erstaunt: "Warum hast du das getan? Jetzt wirst du auch ertrinken!"
"Was sollte ich machen?" sagte der Skorpion, "Es ist meine Natur."
"That's one hell of a Pilot!"

Feirefiz

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23

Samstag, 10. August 2013, 12:08


Wozu mir ein schönes Zitat aus einer der besten Folgen von "Voyager" einfällt, in der Chakotay Janeway die für einen selbst oft irrationalen Entscheidungen von Lebewesen anhand eines Gleichnisses zu erklären versucht:
Ein Skorpion lief am Ufer eines Flusses entlang und wollte gerne hinüber auf die andere Seite.
Plötzlich sah er einen Fuchs. Er bat den Fuchs ihn auf seinem Rücken über den Fluss zu bringen.
Der Fuchs sagte:"Nein, wenn ich das tue, wirst du mich stechen und ich werde ertrinken."
Der Skorpion entgegnete ihm: "Wenn ich das täte, würden wir beide ertrinken."
Der Fuchs dachte darüber nach und willigte schließlich ein.
Der Skorpion kletterte also auf seinen Rücken und dann schwamm der Fuchs los.
Aber in der Mitte des Flusses stach ihn der Skorpion.
Als das Gift in seine Adern floß, fragte der Fuchs erstaunt: "Warum hast du das getan? Jetzt wirst du auch ertrinken!"
"Was sollte ich machen?" sagte der Skorpion, "Es ist meine Natur."
Und das stammt 1:1 aus "Mr. Arkadin" von Orson Welles, der besagte Fabel in dem Film auch selbst zum besten gibt.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Maibaum

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24

Samstag, 10. August 2013, 13:15

Nur das es ein Skorpion und ein Frosch ist. Wobei dann noch die Frage wäre ob Welles das selber erfunden hat. Brillant genug war er dafür.

Der Vergleich mit Moby Dick scheint mir etwas sehr weit hergeholt. Silvas Bessenheit äußert sich ganz anders als die von Ahab. Und findet im gediegenen Stil von SF ohnehin keine Entsprechung.

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25

Samstag, 10. August 2013, 15:22

Der Vergleich mit Moby Dick scheint mir etwas sehr weit hergeholt. Silvas Bessenheit äußert sich ganz anders als die von Ahab. Und findet im gediegenen Stil von SF ohnehin keine Entsprechung.
Tja, das läßt sich nicht bestreiten. Vielleicht liegt das aber daran, dass Ahab Kapitän eines Walfängers im 19. Jahrhundert war und Silva ehemaliger Geheimagent Ihrer Majestät. Wäre das möglich?
God save the Queen!

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26

Samstag, 10. August 2013, 16:12

Tatsächlich könnte man fast meinen, der Klassiker von Herman Melville bietet die Grundlage für diesen Film. Aus dieser Warte betrachtet ist es ein wahrhaftig literarischer Bond.
M, die sich nur der Natur ihres Schicksals entsprechend verhält, wird dabei zum Schicksal zweier Agenten von denen danach lediglich Bond noch seinen freien Willen benutzt und wählt, sich von den Rachegefühlen zu befreien.
Denn er erkennt, dass M von Ihrem Standpunkt aus gar keine anderen Optionen hatte. Sie folgte nur ihrer Natur.
Ich bedanke mich herzlich für Deine freundlichen Worte!
Wobei Du es m. E. doch noch etwas weiter gebracht hast als ich: Der Punkt, in dem alles kulminiert, die Fäden zusammenlaufen, ist - wie Du es formulierst - der freie Wille!
Das ist der Unterschied zwischen Bond und Silva - und schlußendlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Die von Dir angeführte Fabel illustriert das bestmöglich. Vielen Dank!
God save the Queen!

Maibaum

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27

Samstag, 10. August 2013, 21:07

Der Vergleich mit Moby Dick scheint mir etwas sehr weit hergeholt. Silvas Bessenheit äußert sich ganz anders als die von Ahab. Und findet im gediegenen Stil von SF ohnehin keine Entsprechung.
Tja, das läßt sich nicht bestreiten. Vielleicht liegt das aber daran, dass Ahab Kapitän eines Walfängers im 19. Jahrhundert war und Silva ehemaliger Geheimagent Ihrer Majestät. Wäre das möglich?


Kaum.
Es gibt ja immer wieder Werke die von Moby Dick inspiriert sind, und die können überall und zu jeder Zeit spielen. Aber da wird dann auch die Besessenheit der Figur nicht nur thematisiert, sondern sie schlägt sich auch im Stil nieder. Das wäre mir bei Silva zu allgemein um es mit Moby Dick zu verbinden.

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28

Samstag, 10. August 2013, 21:19

Der Vergleich mit Moby Dick scheint mir etwas sehr weit hergeholt. Silvas Bessenheit äußert sich ganz anders als die von Ahab. Und findet im gediegenen Stil von SF ohnehin keine Entsprechung.
Tja, das läßt sich nicht bestreiten. Vielleicht liegt das aber daran, dass Ahab Kapitän eines Walfängers im 19. Jahrhundert war und Silva ehemaliger Geheimagent Ihrer Majestät. Wäre das möglich?


Kaum.
Es gibt ja immer wieder Werke die von Moby Dick inspiriert sind, und die können überall und zu jeder Zeit spielen. Aber da wird dann auch die Besessenheit der Figur nicht nur thematisiert, sondern sie schlägt sich auch im Stil nieder. Das wäre mir bei Silva zu allgemein um es mit Moby Dick zu verbinden.
Wie speziell müßte es denn sein? In einer solchen Interpretation geht es doch gerade um substantielle Haltungen und Eigenschaften der Protagonisten:
Verlust des Lebenssinns, Verzweiflung, Rachegedanken, Resignation, Mut zum Neubeginn, Vergebung, mit der Verletzung leben,...

Das sind eben die Ver-allgemein-erungen, anhand derer sich solche Verbindungen ziehen lassen. Es würde mich sehr interessieren, was Dir fehlt, wenn Du sagst "zu allgemein".
Nichts für ungut. :)
God save the Queen!

Scarpine

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29

Montag, 16. September 2013, 14:46

James Bond Rewatched

# 23: Skyfall (2012)

OT: Skyfall; GB 2012; 143 Min.; R: Sam Mendes; D: Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénice Lim Marlohe, Albert Finney, Ben Whishaw, Rory Kinnear, Ola Rapace, Helen McCrory

Eigentlich wollten die Produzenten möglichst den Produktionsrhythmus wahren, aber die schwelende MGM-Krise verhinderte dieses Vorhaben. Als man schließlich endlich mit der Vorproduktion starten konnte, war der eigentlich für das Drehbuch vorgesehene britische Star-Autor Peter Morgan schon lange abgesprungen. Immerhin fand man in John Logan einen adäquaten Ersatz. Für die Regie verpflichtete man Sam Mendes. Rund vier Jahre nach dem letzten Bond-Abenteuer feierte "Skyfall" seine Premiere. Der Streifen wurde so enthusiastisch aufgenommen wie kein Bondfilm vor ihm. Zwar geriet das Werk tatsächlich überaus qualitätsvoll und erfolgreich, zeitgleich gehört es aber auch zu jenen Beiträgen der Serie, die am meisten überschätzt worden sind.

Das Ensemble präsentiert sich erstklassig. Der dritte Auftritt von Daniel Craig fällt abermals souverän aus und der Mime bekommt dieses Mal auch etwas mehr Raum für humorige Szenen, ohne auf emotional-ernste Passagen verzichten zu müssen. Ihm gegenüber sehen wir Naomie Harris, die als Eve Moneypenny schlagfertig und emanzipiert auftritt, allerdings erwartungsgemäß – aufgrund ihrer Charakterhistorie – kein waschechtes Bondgirl darstellen kann. Auch die Französin Bérénice Lim Marlohe, die einen tiefgründigen aber keinesfalls sonderlich relevanten Part verkörpert, steht nicht wirklich im Mittelpunkt. Als wahre Leading Lady des Films erweist sich Dame Judi Dench, die nach sieben Performances als M hier ihren Abschied nimmt. Die großartige Aktrice hat für ihren Ausstand wahrlich einen großen Auftritt von den Machern gewährt bekommen, der ihren immerhin siebzehn Jahre währenden, charismatischen Beitrag zur Reihe gebührend ehrt. Als Antagonisten erleben wir den spanischen Ausnahmemimen und Oscar-Preisträger Javier Bardem, der seinen Raoul Silva irgendwo zwischen kindischem Spieltrieb, irrer Abgedrehtheit, eiskalter Präzision und seelischer Verletzung verortet. Er erscheint wie der Geist der vergangenen Weihnacht, der für die Sünden der Vergangenheit Rechenschaft fordert. Als weiteres darstellerisches Schwergewicht ist Ralph Fiennes an Bord, der dem dienstbeflissenen Gareth Mallory die Aura des Unnahbaren verleiht, um in den entscheidenden Momenten der Handlung doch sympathische Züge zu offenbaren. Als Helfer können Ben Whishaw als nerdiger neuer Quartiermeister und Albert Finney als grantiger Wildhüter eine gute Figur machen. In den Nebenrollen bieten zudem Rory Kinnear, Helen McCrory und Ola Rapace solide Leistungen.

Mit Sam Mendes nimmt bereits der dritte Spielleiter innerhalb der Craig-Ära das Heft in die Hand und man merkt, dass beständig neue Impulse dem Franchise mehr als gut tun. Und Mendes bewältigt die Aufgabe mit der von ihm erwarteten Klasse. Die Action-Momente und Dialogszenen sprühen nur so vor knisternder Spannung und schaffen in den besten Teilen des Films Augenblicke von höchster Perfektion und Intensität. Was natürlich über weite Strecken fehlt ist eine visuelle Handschrift. In diesem Punkt kann Mendes nicht mit Marc Forster konkurrieren, was aber natürlich auch nicht die Maßgabe sein konnte. Ansonsten zeigt sich Mendes` Regie dem aktuellen Blockbuster-Kino, insbesondere dem Stile Christopher Nolans, verpflichtet, was dem düsteren Grundton der Geschichte allerdings merklich bekommt. Unterm Strich vollbringt Mendes auf dem Regiestuhl eine überdurschnittliche Leistung. Etwas kritischer muss da schon mit dem Drehbuch von Neal Purvis, Robert Wade und John Logan umgehen, das merklich von den ausführenden Kräften profitiert. Vielleicht hat Logan das Skript aber auch zu oft überarbeitet. Nicht weniger als dreizehn Revisionen sollen auf sein Konto gehen, was die Frage aufwirft, ob der Anteil des amerikanischen Autoren-Duos, das hier nach fünf Einsätzen ebenfalls seinen Abschied nimmt, sich nicht im Promillebereich bewegt. Kurzum: Das Skript ist zu episodisch geraten. Die einzelnen Handlungspassagen sind zu stark voneinander abgegrenzt, die Agentenliste als der eigentliche Plotaufhänger spielt nach der Hälfte der Spielzeit keine Rolle mehr und das Verhältnis der Schurken untereinander zeigt sich völlig wirr und unklar. Insgesamt kann man die Drehvorlage aber zu den besseren innerhalb der Reihe zählen, da sie doch über weite Strecken mit guten Wendungen und knackigen Dialogen aufwarten kann.

Thomas Newmans Score setzt in den knalligen Momenten auf eine rustikale Akustik und präsentiert ansonsten nachdenkliche Melodien. Dennoch gehört sein Soundtrack eher zu den schwächeren Arrangements der Reihe. Zu einem einzigartigen Highlight erhob Superstar Adele hingegen den Titelsong, den man sicherlich zu den eingängigsten und besten 007-Liedern zählen darf. Die Titelsequenz von Daniel Kleinman ist leider nur ein Sammelsurium an Elementen und es finden sich keine durchgehenden Hauptthemen wie bei seinen vorherigen Main Titles. Das Ganze ist ohne Frage grandios animiert, wirkt aber in der dargebotenen Form eher beliebig. Dennis Gassners Dekors präsentieren sich gut, können aber abgesehen von dem Macao-Casino keine großen Akzente setzen. Die Locations sind mit England, Schottland, der Türkei und Shanghai passend ausgesucht. Roger Deakins` Cinematographie gehört in optischer Hinsicht zu den allerbesten Kameraarbeiten des Franchise, muss ich in den Action-Szenen aber eindeutig der dynamischeren Kameraführung von Roberto Schaefer geschlagen geben.

Gesamtwirkung: Daniel Craigs dritter Einsatz kann als statthafter Mittel-Ära-Streifen mit starkem Klassik-Touch im Stile von "Goldfinger", "Thunderball" und "GoldenEye" aufwarten. Trotz des klassischeren Grundtons, sorgen die ernste Handlung, die weitgehend nüchternen Drehorte und das kühle Farbspektrum dafür, dass "Skyfall" als düstere, teils geerdete Agentengeschichte auftrumpfen kann. Mediale Verbreitung, Whistleblowing und digitale Schachzüge sorgen für einen modernen, zeitgemäßen Touch. Die Besetzung spielt grandios auf und die Regie weis rundherum für Frische zu sorgen. Auch die handwerklichen Bereiche zeigen fast durch die Bank hochqualitativen Einsatz. Ingesamt findet "Skyfall" die richtige Balance zwischen inhaltlicher Klasse und tagesaktueller Kolportage und zählt insgesamt zu den gelungensten Bondstreifen.

Meine Wertung: 4,5 von 5 Punkten
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Scarpine

Verschlagener Korse

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30

Montag, 16. September 2013, 15:20

James Bond Rewatched – Der Blick zurück:

Damit ist mein persönlicher Bond-Marathon beendet. Viele neue Eindrücke konnte ich gewinnen, aber die meisten Streifen konnten - wie erwartet - ihren Status verteidigen. "Casino Royale" hat die Spitzenposition zurückerobert und besonders "Goldfinger", "Licence to Kill" und "Dr. No" konnten sich zusätzlich steigern. Dagegen haben "The Living Daylights", "Quantum of Solace" und "A View to a Kill" etwas an Boden verloren. Jetzt werde ich mir aber erst einmal eine kleine Bond-Pause gönnen. Vielen Dank übrigens für die vielen positiven Reaktionen auf meine Review-Reihe. :thx:

Die Jahrzehnte-Rangliste:

Platz 01: 1960er Jahre mit 4,33 von 5 Punkten
Platz 02: 2000er Jahre mit 4,0 von 5 Punkten
Platz 03: 1980er Jahre mit 3,7 von 5 Punkten (mit NSNA 3,66 von 5 Punkten)
Platz 04: 1970er Jahre mit 3,5 von 5 Punkten
Platz 05: 1990er Jahre mit 3,16 von 5 Punkten


Die Gesamtrangliste:

Platz 01: Casino Royale - (5,0 von 5 Punkten)
Platz 02: Goldfinger - (5,0 von 5 Punkten)
------------------------------------------------------
Platz 03: Quantum of Solace - (4,5 von 5 Punkten)
Platz 04: Thunderball - ( 4,5 von 5 Punkten)
Platz 05: From Russia With Love - (4,5 von 5 Punkten)
Platz 06: On Her Majesty’s Secret Service - (4,5 von 5 Punkten)
Platz 07: Licence to Kill - (4,5 von 5 Punkten)
Platz 08: Skyfall - (4,5 von 5 Punkten)
Platz 09: The Spy Who Loved Me - (4,5 von 5 Punkten)
------------------------------------------------------
Platz 10: Dr. No - (4,0 von 5 Punkten)
Platz 11: Live And Let Die - (4,0 von 5 Punkten)
Platz 12: The Living Daylights - (4,0 von 5 Punkten)
Platz 13: For Your Eyes Only - (4,0 von 5 Punkten)
-------------------------------------------------------
Platz 14: Never Say Never Again - (3,5 von 5 Punkten)
Platz 15: You Only Live Twice - (3,5 von 5 Punkten)
Platz 16: The World is not Enough - (3,5 von 5 Punkten)
Platz 17: GoldenEye - (3,5 von 5 Punkten)
Platz 18: Moonraker - (3,5 von 5 Punkten)
-------------------------------------------------------
Platz 19: A View to a Kill - (3,0 von 5 Punkten)
Platz 20: The Man with the Golden Gun - (3,0 von 5 Punkten)
Platz 21: Octopussy - (3,0 von 5 Punkten)
-------------------------------------------------------
Platz 22: Diamonds Are Forever - (2,5 von 5 Punkten)
Platz 23: Die Another Day - (2,5 von 5 Punkten)
Platz 24: Tomorrow Never Dies - (2,5 von 5 Punkten)
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (23. September 2013, 22:30) aus folgendem Grund: Nachträgliche Einfügung von "Never Say Never Again" (3,5 von 5 Punkten) - siehe entsprechender Thread - Die Achtziger-Wertung wird aus genannten Gründen zweifach ausgewiesen, bleibt aber ohnehin auf dem gleichen Rang.


Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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31

Montag, 16. September 2013, 15:32

Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Deine Reviews waren stets grossartig und ich habe mich immer auf Deinen nächsten Bericht gefreut :flower:

Thunderball

Harry Palmer

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32

Montag, 16. September 2013, 18:22

Vielen Dank für die tollen Reviews! Jedes davon war ein "Lesegenuss"! :thumbsup:

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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33

Montag, 16. September 2013, 21:52

Auf der Website einer schottischen Künstlerin habe ich den folgenden Text gefunden (und übersetzt):

Skyfall und das Gemälde in Mallorys Büro


Von Judith I. Bridgland


(…) Unübersehbar befindet sich zwischen den zwei Charakteren ein Gemälde an der Wand. Wenn man das abschließende Gespräch zwischen den zwei Personen (Bond und Mallory) verfolgt, bewegen sich die Augen immer über das Bild.


(Szenen-Foto)


Es handelt sich um die HMS „Victory“, die schwer in die Schlacht von Trafalgar eingebunden ist, möglicherweise von Thomas Buttersworth (obwohl es eine Anzahl von ähnlichen Versionen von beiden Buttersworth und anderen Marine-Künstlern gibt).


(ähnliches Gemälde)


Wie auch immer, die Hauptsache ist, es handelt sich um die Schlacht von Trafalgar. Vorausgesetzt, dass die Gemälde in dem Film voll von Zeichenhaftigkeit gewesen sind, stellt sich die Frage, welche Bedeutung dieses Gemälde im Kontext eines James-Bond-Films hat.


Skyfall verwendet für Bond die Metapher eines alten Kriegsschiffes, das seine beste Zeit hinter sich hat und nicht länger gebraucht wird – vermittelt durch ein Gemälde von Turner: „Die kämpfende Temeraire“ („The Fighting Temeraire“). Turners Gemälde mit seinem Sonnenuntergang und seinen Spiegelungen, ruft ein Gefühl der Traurigkeit über das Ende einer Ära hervor (hier speziell der Ära von Britanniens Vorherrschaft zur See), welches übertragen wird auf den Bond in mittleren Jahren.



(Turners Gemälde: Joseph Mallord William Turner, 1839)


Und nun zum Gemälde, das die Schlacht von Trafalgar zeigt, mit dem der Film endet.

Die Geschichte der Schlacht erzählt uns, dass, nach einer langen und erfolglosen Jagd über den Atlantik und zurück, Lord Nelson endlich die franko-spanische Flotte vor Kap Trafalgar am Morgen des 21. Oktober 1805 stellen konnte. Zahlenmäßig unterlegen, erdachte Nelson einen unkonventionellen Plan um die feindliche Linie an zwei Stellen zu brechen. Es folgte ein Gemetzel.
Auf dem Höhepunkt der Schlacht traf ein französischer Scharfschütze, der vom Topp des Besanmasts der „Redoubtable" zielte, den heldenhaften Nelson.

Dies ist der Moment, der im Gemälde festgehalten wurde.


Nelson wurde verwundet unter Deck getragen.Wie auch immer, er lebte noch lange genug um zu hören, dass es ein überzeugender britischer Sieg war und die übriggebliebenen Franko-spanischen Schiffe noch Cadiz flohen.


Skyfall steckt voll von fahnenschwingender “Britishness”: Bond als seit 50 Jahren bewährte britische Ikone.


So wie Turners “The Fighting Temeraire” zum Lieblingsgemälde der Nation erwählt wurde, ist Bond der Lieblingsspion der Nation, der in diesem Fall den Bösewicht Silva überwindet, der von einem spanischen Schauspieler dargestellt wird.


Die Schlacht von Trafalgar ist der urenglische Sieg, mit Nelson, der die Franko-Spanische Flotte überwältigt anhand eines raffinierten neuen Manövers, sie teilt und aufreibt. Bond mag anfangs mit der Temeraire verglichen werden, im Schlepptau zur Verschrottung gezogen. Aber am Ende von Skyfall, wenn er seine neuen Befehle empfängt, hat der Handlungsbogen seine Wiedergeburt und Verjüngung erreicht.


Nun, hier kommt der schlaue Kniff mit dem Bild in Mallorys Büro…


Soll uns das Gemälde sagen, wie die Schlacht von Skyfall (dem Haus) zu interpretieren ist?


Es war tatsächlich die Schlacht von Trafalgar, bei der – gegen alle Chancen – Einfallsreichtum und unkonventionelle Taktiken zu einem großen britischen Sieg führten. Diese Lesart würde eben andeuten, dass M eine Nelson-Figur ist – man denke an ihre letzte Szene und die Parallelen mit Nelson (bis hin zum Kuss). (Nelson bat den Kapitän der "Victory", ihn zum Abschied zu küssen. Anm. d. Übers.)


Jedoch die vielleicht interessanteste Parallele ist, dass, als Nelson die HMS Victory zum Angriff des Feindes bei der Schlacht von Trafalgar führte, direkt hinter ihm (und jetzt aufgepasst!) die „Temeraire“ fuhr. (Durch den Beistand der britischen Temeraire wurde die "Redoubtable" in die Zange genommen und die "Victory" gerettet. Anm. d. Übers.)

Diese ist dieselbe “Temeraire”, die Turner malte und die früher im Film erscheint. Aber jetzt sehen wir sie in ihrer jugendlichen Blüte, verjüngt, wiedergeboren, zurück in voller Aktion, buchstäblich direkt hinter der britischen „Victory“ (dem britischen Sieg).


(Quelle: http://jibridgland.blogspot.de/2012/11/s…-ms-office.html)

Hier noch die Schlachtformation:
Die roten Schiffe sind die Britischen, die rechte senkrechte Reihe ist Nelsons Linie, ganz vorn (unten) die "Victory", gefolgt von besagter "Temeraire".



Ein Nachtrag:
Soeben fiel mir auf, dass auf dem Foto von Mallorys Büro die beiden Löwen auf dem Schreibtisch stehen, die schon früher im Film in seinem anderen Büro zu sehen sind. Es sind Miniaturen der 4 kolossalen Bronzelöwen, die um Nelsons Column auf dem Trafalgar Square stehen. Mallory trägt seinen Arm bandagiert und im Schulterband. Er steht - könnte man sagen - ebenfalls wie Nelson, flankiert von den Löwen und mit nur einem Arm vor Bond. Aber das nur am Rande.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mr. Fogg« (16. September 2013, 22:23)


Mister Bond

Felix Leiter

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Sonntag, 22. September 2013, 22:10

Momentan finde ich wohl als einziger SF als besten Craig Bond. Zum einen hat er mich überaus befriedigender im Kino zurückgelassen als QoS. Ich empfand endlich wieder eine Art Euphorie, die ich bei CR hatte, aber bei QoS eben gar nicht.
Zum anderen bevorzuge ich SF, eben weil Craig endlich auch mehr humorige Szenen hat. Das macht für mich einen Bond eben aus.
Mal abwarten wie es sich in den nächsten Jahren mit diesen drei Craig Bonds bei mir entwickelt.
Dennoch gehört SF für mich auch nicht zu den ganz Großen oder beliebtesten Bonds.
Kleinmans Main Title finde ich eigentlich ganz gut, wird für mich "nur" durch CR, GE und TWINE getoppt. Maurice Binders und Robert Browjohns Beiträge nicht berücksichtigt.

Martin

Brosnans Last Line of Defense

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Montag, 23. September 2013, 00:09

Ein Nachtrag:
Soeben fiel mir auf, dass auf dem Foto von Mallorys Büro die beiden Löwen auf dem Schreibtisch stehen, die schon früher im Film in seinem anderen Büro zu sehen sind. Es sind Miniaturen der 4 kolossalen Bronzelöwen, die um Nelsons Column auf dem Trafalgar Square stehen. Mallory trägt seinen Arm bandagiert und im Schulterband. Er steht - könnte man sagen - ebenfalls wie Nelson, flankiert von den Löwen und mit nur einem Arm vor Bond. Aber das nur am Rande.
Sehr interessante Recherchen, Phileas! Skyfall hat einige sehr schöne historische und literarische Bezüge. Sozuagen DAD für denkende Menschen. :D In dem Zusammenhang möchte ich auch auf einen Blogbeitrag meines verehrten Kollegen Benjamin Lind hinweisen, sowie einen thematisch etwas weiter entfernten von mir.

Spree

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Montag, 23. September 2013, 14:39

Lieber Phileas,
besten Dank für deine Recherche (und Übersetzungsarbeit?). Das ist wirklich alles sehr interessant und macht SF doch schon wieder um einiges "tiefgehender" als es auf den ersten Blick wirkt. :thx:

I never left!

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Donnerstag, 26. September 2013, 12:12

Bei der gestrigen Sichtung des Films ist mir eine weitere Referenz an GF aufgefallen: Beim erstmaligen Zusammentreffen mit dem neuen "Q" sagt Bond auf deutsch: "Das ist jetzt ´n´ Scherz, oder?" Original-Ton: "You must be joking." In GF ist das Bonds Antwort auf die Vorstellung des Schleudersitzes: "Schleudersitz? Das ist doch wohl ein Scherz." Original-Ton: "Ejector-Seat? You must be joking."
God save the Queen!

Mister Bond

Felix Leiter

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Donnerstag, 26. September 2013, 12:52

Nichts für Ungut, aber das war für mich nach dem Aston Martin die deutlichste Anspielung auf GF.

ollistone

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Donnerstag, 26. September 2013, 12:56

Najaaa... nun kann man sicherlich in 50 Jahren und 23 Filmen zweimal den Satz "You must be joking" verwenden, ohne dass das nun gleich als Referenz verstanden werden muss...
Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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Donnerstag, 26. September 2013, 13:44

Man lernt nie aus und immer mehr dazu: Über Filme, Technik und ... Menschen. Einer hält es für offensichtlich, ein anderer für gänzlich abwegig - faszinierend!
God save the Queen!