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Martin

Brosnans Last Line of Defense

  • »Martin« ist männlich

Beiträge: 906

Registrierungsdatum: 31. Mai 2013

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81

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 03:31

Sehr schön zu lesende Rezension zu diesem ebenso mutigen wie polarisierenden Bondfilm, Daniel.

Doch auch inhaltlich ist der aufgeräumte Felix verständlich, je nach Wahl (oder auch zugleich): a) durch seine „Erlösung“ durch Bond Rache, b) durch Felix‘ Charakter: Der Mann ist Agent, der ungezählte Tote gesehen (und wahrscheinlich zu verantworten) hat, und weiß auch nach den schlimmsten Erfahrungen schnell wieder nach außen hin zu funktionieren und Haltung einzunehmen – ebenso wie Bond ja nur selten (und dann kurz) Einblicke in sein Innenleben zulässt, auch gegenüber Vertrauenspersonen. So unterschiedlich Leiter in all seinen Inkarnationen erscheint – ein wesentlicher Teil der gegenseitigen Wertschätzung Bonds und Leiters beruht stets auf dem Respekt vor der Professionalität des anderen.


Mir stellt sich da immer die Frage, ob ein Mann wirklich durch die stellvertretetende Rache eines anderen "erlöst" werden kann. Rache hat ja eigentlich nicht nur die "Funktion", die Gerechtigkeit wieder herzustellen, sondern auch ein bisschen, den eigenen Zorn und das lähmende Gefühl der Ohnmacht zu kanalisieren. Sicherlich ist Leiter froh zu hören, dass Sanchez und alle Beteiligten ihre gerechte Strafe erhalten haben, andererseits wurde ihm damit sozusagen ein weiteres Mal ein Stück seiner männlichen Identität und Initiative genommen. Er konnte Sanchez nicht selbst fangen, sozusagen seinen Beruf nicht erfüllen, er konnte die ihm frisch angetraute Frau nicht vor Vergewaltigung und Mord beschützen und wurde selbst körperlich verstümmelt, sozusagen kastriert. Und muss nun sogar hinnehmen, dass seine einzige Möglichkeit, Kontrolle und Aktivität durch Rache zurück zu erlangen, ebenfalls schon durch Bond erledigt wurde. Felix Leiter ist eigentlich die große tragische Figur im Bonduniversum, ein Nebendarsteller im eigenen Leben. Von echten "Buddies" auf Augenhöhe konnte man bei den Bondfilmen glaube ich nie wirklich sprechen. (Außer vielleicht im Finale vom GF, wo Leiter Bond mal den A... rettet. Insofern finde ich es interessant, dass der Buch-Leiter jetzt eine eigene Comic-Reihe erhält, die nach den Vorfällen in LALD spielt.)

Was vielleicht besser gewirkt hätte, wäre eine kurze Szene in Leiters Krankenzimmer gewesen. Ein stummes Handreichen und ein dankbares Nicken von Leiter, oder so. So am Telefon wirkt es auch etwas beiläufig, als ob es nur ein weiteres Abenteuer von James war. Aber gut, man sollte sich an dieser Szene vielleicht wirklich nicht zu sehr aufhängen.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

Beiträge: 1 602

Registrierungsdatum: 18. Februar 2014

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82

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 17:08

Danke auch Dir für die lieben Worte, werter Martin.

Und auch deinem Standpunkt kann ich beipflichten. Tatsächlich ist die Rolle von Felix in LTK erschreckend passiv. Nicht dass Felix jemals eine besonders AKTIVE Rolle gespielt hätte, aber wenn man bedenkt welch zentrale Bedeutung ihm in LTK im Grunde genommen beigemessen wird, wirkt es in der Tat etwas enttäuschend, zumindest aus seiner Perspektive.
Welch Leben hier im Forum, schon wieder ein guter Denkanstoß für unsere Interpretation des Films, danke, Martin.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

Dr. moVe

MI6 Staff

  • »Dr. moVe« ist männlich

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83

Montag, 17. April 2017, 19:55

Wie ich in anderen Threads schon mehrmals erwähnte, ist mein Verhältnis zu diesem Bondwerk ein recht kompliziertes, da ich viele Jahre brauchte um die speziellen Qualitäten und Stärken des Films in vollem Maße genießen zu können - obwohl ich als Angehöriger der 'Generation Dalton' eigentlich deutlich weniger Probleme wie die breite Publikumsmasse hätte haben sollen.
Daher freut es mich, das LTK bei meiner heutigen Wiederbegutachtung auf souveräne Weise seine volle Wirkungskraft entfalten konnte.
Er wird sicher nie mein Top-Favorit werden, aber dies ist wahrlich ein starker Bondjahrgang. So eigentümlich der amerikanisierte Stil und Grundton des Films innerhalb des Franchise auch wirken mag - wenig Bondwerke wirken im Gesamtbild so rund und schlüssig und dabei so stringẹnt inszeniert wie John Glen's Abschiedswerk von der Reihe. Größte Stärke des Film bleibt für mich weiterhin Dalton, dessen Performance-Leistung für mich zum besten gehört, was uns unsere 6 'Amtsinhaber' bisher präsentiert haben. Größte Schwäche von LTK ist für mich nach wie vor der heftige Brutalitätsgrad, der mir in den entsprechenden Einzelszenen etwas zu bestialisch für einen 'Vorzeige-Bondfilm' mit Hang zur Bestnote ist. Ein Hauch weniger 'Gore' hätte dem Film meiner Meinung nach nicht geschadet.

Am meisten Spaß hatte ich diesmal beim ersten Treffen Bond's mit Sanchez in dessen 'bescheidenen' Arbeitsräumlichkeiten. Großartig mit welcher subtilen Klasse die Film-Kontrahenten hier aufspielen. Am mitreißensten empfand ich die Unterwasseraction des Films, die meiner Meinung nach von der Allgemeinheit stets etwas unterbewertet wird.
Nebenbei will ich mich noch als Lupe Lamora-Verehrer outen. Das Fandom scheint ja bezüglich den unterschiedlichen Attraktiviäten der LTK-Damen Pam und Lupe stets recht zerstritten zu sein - wobei das Pam-Lager wohl eindeutig das deutlich größere ist.
Daher grüße ich hiermit alle Forumskollegen die ebenfalls eine klare Schwäche für die traumhaft schöne Lupe habe. Wäre ich Bond gewesen, hätte das 'Happy-End' vermutlich etwas anders ausgesehen... :blush:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dr. moVe« (17. April 2017, 22:52)


  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

Beiträge: 1 602

Registrierungsdatum: 18. Februar 2014

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84

Dienstag, 18. April 2017, 18:50

Dein Beitrag erheitert und hebt die Stimmung im Rahmen meines Gemütes, so sehr bin ich gar gewillt, dir vor allen Dingen bei den Punkten bezüglich Talisa Soto sowie jenen der Unterwassersequenzen beizupflichten, beide Aspekte halte ich für sagenhafte Stärken des '89er Jahrgangs, wohlgesonnen ist dir mein LTK-Herz auch dann, wenn du so schön hervorhebst, wie bemerkenswert das Spiel zwischen Dalton und Davi erscheint, ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Argumentationsträger auf der Pro-Seite.
Eine ähnlich grandiose Leistung liefert uns Dalton u.a. in dem äußerst unbekannten Werk "Framed" von '92/93, dies nur am Rande.

LG
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi