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Feirefiz

The Other Fellow

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61

Donnerstag, 22. Mai 2014, 22:52

Gewiss, lieber Daniel, aber das Rambo-Bond- bzw. Rambond-Klischee, das Du wohl gar nicht bedienen wolltest, das LTK aber seit 25 Jahren anhaftet - btw: Der Film feiert schon das Vierteljahrhundert! Das muss bald begangen werden :party: -, wollte LTK ja nicht anhand der oft übersehenen differenzierten Charakterzeichnung von First Blood preisen, die den ersten Rambo zu einem Action-Highlight der 80er erhebt, sondern knüpfte - nach zwei deutlich schlechteren Fortsetzungen, um mal freundlich zu bleiben - an die Duden-Definition an: Rambo - ugs. für brutaler Kraftprotz, und das wird schon dem originalen Rambo nicht gerecht, viel weniger aber noch Bond in LTK!
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Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

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62

Freitag, 30. Mai 2014, 17:04

So, LTK hat mich wie meistens gut unterhalten, bei näherem Hinsehen fallen einem immer wieder die Schwächen auf (harter Realismus gegen völlig überdrehte LKW-Stunts, der etwas billig wirkende 80er-Look, Message des Films etc.). Dalton gefällt mir hier etwas besser als in TLD, da hier seine Stärken besser zur Geltung kommen.

Einige Synchro-Fehler sind mir aufgefallen: Budweiser mit Limonade <-- with lemon, Mmmjam!, Gleich sind Sie tot! <-- You're dead.
Ein drittes hab ich wieder vergessen.

Beste Szenen: Pam im Barrelhead Bimini; Pam vs. Wayne Newton, Pam, wenn sie mit kurzem Kleidchen aus dem Flugzeug steigt, :heiss: alles mit Q, alles mit Sanchez, differenziertes Frauenbild bei den Girls
Schlechteste Szenen: mir fiel zum ersten Mal auf, wie unendlich schlecht Leiter in diesem Film ist (Overacting pur: PTS, Wir sehen uns in der Hölle! Endszene), LKW-Stunts, Friede-Freude-Eierkuchen-Finale mit Zwinkerfisch (fast so blöde wie das TLD-Finale), stereotype Sharkie-Figur

I never left!

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Andy007

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63

Montag, 2. Juni 2014, 10:57

Was habt ihr eigentlich immer mit dem Zwinkerfisch? 8)

Der gehört für mich schon mit zum Abspann und ich hatte damit noch nie Probleme.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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64

Montag, 2. Juni 2014, 15:47

Um auf die letzten beiden Postings einzugehen:

1. Leiter fand ich eigentlich tolerierbar. Es ist eher so, dass der Darsteller kein Jüngling mehr war und bereits über 15 Jahre zuvor in die Rolle schlüpfte.
Bei einem Felix spielt das Alter aber eine untergeordnete Rolle und der Herr der ihn in Goldfinger spielte, dürfte sich wohl auch nicht mehr gerade in den Lehrjahren befunden haben...

Aber ja: herausragen konnte die Figur des Felix in LTK wohl kaum, aber das liegt vielleicht eher an dem elektrisierend mitreißenden Schauspieltalent des Hauptdarstellers, sowie an den mehr als nur hübschen Bondgirls. Lupe ist eine Schönheit, das kann man nicht anders sagen. Und die Rolle der Pam wurde zwar meines Erachtens nach zeitweise zu kindlich bis trotzig verkörpert, passt aber praktisch perfekt ins Gesamtbild. Gegen die trotzig anmutende Interpretation der weiblichen Hauptrolle habe ich eigentlich nichts, aber es deckt sich keineswegs mit ihrer sonstigen selbstständig-kompetenten Pilotinnen-Art!

2. Was den Schluss des Films anbelangt, so sehe ich keinerlei Anlass zur Beschwerde. Ein vergnüglich fröhliches Ende nach einem unentspannten Hauptfinale und damit ein netter -fast schon niedlicher- Kontrast zu der sonst eher weniger harmlosen Erscheinung des Gesamtwerks. Man mag behaupten dürfen was man möchte, aber es ist wohl kaum abzustreiten, dass Dalton der Rolle gerecht wurde. Ich würde sogar sagen, dass er der Figur mehr tragenden und wichtigen Tiefgang verliehen hat. :)
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Samstag, 18. April 2015, 21:31

Tolle Bilder von meinem Lieblings-Bondfilm, danke!
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Bond '89 - Robert Davi

67

Samstag, 18. April 2015, 21:44

Tolle Bilder von meinem Lieblings-Bondfilm, danke!

Keine Ursache. ;) Der Film steht bei mir auch sehr hoch im Kurs. War mein erster "Kino-Bond".
Diese tolle Bildersammlung zeigt auch, wie nah man damals noch an den Set rangekommen ist und Fotos machen konnte. Der Eigentümer dieses Album war sogar noch Statist im Film. Selbst da waren sie total entspannt wegen der Fotos.

Natürlich habe ich diese Fotos auf meiner HD gesichert.

Feirefiz

The Other Fellow

  • »Feirefiz« ist männlich

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Montag, 10. Oktober 2016, 17:58

Ein Teil einerDiskussion im Roger-Moore-Thread gerät gerade arg Off-Topic, deswegen antworte ich mal hier:
Jenseits der von Martin genannten Verbissenheit denke ich nicht, dass Bonds Vorgehensweisen und Auftreten in LTK sich wirklich substantiell von seinem Handeln in den meisten anderen Filmen unterscheiden. Gerade seine Härte und sein Zynismus waren ja ein Markenzeichen gerade der frühen Connerys, namentlich in DN. Viele der brutalsten Szenen – namentlich die Tode von Dario und Sanchez – sind Notwehrsituationen: Bond bringt sie nicht aus Grausamkeit auf die jeweilige Art zu Tode, sondern weil er nur so sein eigenes Leben retten kann. Aber das nur nebenbei.


Von der Art und Weise seines Handelns stimmt das schon. Wobei man sich, wie Kronsteen mal anmerkte, auch darüber streiten könnte, dass er seine Gegner gegeneinander ausspielt, was er sonst eigentlich nur macht, wenn er in akuter Lebensgefahr ist (z.B. Beißer und Drax in MR). Was ich an LTK aber teilweise etwas 'out of character' finde, ist Bonds Emotionalität. Beispielsweise die Szene, als er Della findet. Das widerspricht manchmal etwas seiner Darstellung als absoluten Profi.

Vielleicht hätte LTK besser funktioniert, wenn man Daltons Bond nicht als erfahrenen, "alten" Fuchs dargestellt hätte, sondern ähnlich wie Craig noch relativ am Anfang seiner Karriere. Dann könnte man LTK als eine Erfahrung für ihn sehen, durch die er erkennt, dass der MI6 eben kein Country-Club ist und Alleingänge auch einige Kollateralschäden fordern, wie etwa die beinahe sabotierte Operation der Asiaten. Aber ist in dem Thread hier schon wieder sehr off-topic...

Das Gegeneinander-Ausspielen empfinde ich - abgesehen davon, dass es hochamüsant ist - nie als außergewöhnliches Vorgehen; man könnte es auch als Variation des Katz-und-Maus-Spiels sehen, das Bond eigentlich immer mit seinen Gegnern veranstaltet - teilweise sogar noch nach seiner Enttarnung, s. GF: Denn letztlich ist er ja weniger Sanchez' Gast als dessen Gefangener, und mit Krest schafft er auch jemanden aus dem Weg, der ihn enttarnen könnte, was einem Todesurteil gleichkäme - wie ja später das Wiedersehen mit Dario beweist. Und danach ist er ja definitiv in unmittelbarer Lebensgefahr, als er in Sanchez Zweifel gegen Heller und Truman-Lodge weckt.

Der Gedanke, dass Bonds Emotionalität plausibler wäre, hätte man Dalton als jungen Agenten eingeführt, ist interessant. Aber nicht umsonst war damals ja ein offenes Reboot bewusst verworfen worden - hätte es doch impliziert, dass Bond sich, wohl auch filmübergreifend, emotional entwickelt, und eben das wollte man damals offensichtlich nicht. Bonds Emotionalität ist einerseits wichtig, um sein Handeln ausreichend zu motivieren; und ob man der Figur das abnimmt, ist wohl entscheidend dafür, ob LTK für einen finktioniert oder nicht. Entsprechend fahren die Autoren auch einiges auf: die Buddy-Beziehung zwischen Bond und Leiter, das sehr innige Verhältnis zu Della, den Tracy-Bezug ...

Aber nach meinem Empfinden funktioniert das auch mit Bond als erfahrenem Agenten. Denn in den ersten Minuten nach dem Vorspann erleben wir etwas, was in den Filmen höchst selten ist: einen Einblick in Bonds Privatleben (jenseits von Schäferstündchen, die von M oder Moneypenny unterbrochen werden). Wir sehen ihn unbeschwert feiern, tanzen, im Umgang mit Freunden, die ihm ihre Zuneigung deutlich - um nicht zu sagen: plakativ - vermitteln. Es ist diese Welt, in die Sanchez eindringt, die er zerstört, nicht die Berufswelt, in der er auch Todesfälle ihm sympathischer Gefährten (Prototyp: Kerim Bey) schnell abhaken muss. In diesem Zusammenhang finde ich Bonds emotionale Reaktion plausibel und mit dem Charakter vereinbar - zumal ein gewisser Frust über die Bedingungen des Agentendaseins schon zu Beginn von TLD angedeutet wurde. Es ist nur die Frage, ob man diese Involviertheit des privaten Bond sehen möchte. Bei Lazenby wollte das Publikum es nicht. Und bei Dalton letztlich auch nicht.

Erst bei Craig wird diese Akzentuierung nicht nur akzeptiert, sondern z. T. sogar als Stärke empfunden, auch in den Filmen nach QOS, in denen er als gestandener Agent, als altes Eisen dargestellt wird. Also liegt es bei Craig nicht an seiner ursprünglichen Rolle des Jungspundes. Gleichzeitig sind etwa Craigs Tränen beim Tod von Judi Denchs M gerade bei den Traditionalisten ja auf starke Kritik gestoßen. Das deutet darauf hin, dass es sich eher um ein Zeitphänomen zu handeln scheint, das dem Blockbuster-Helden von heute eben auch ein Trauma und diverse Komplexe als Beweis charakterlicher Tiefe geradezu abverlangt. Das war - trotz des recht düsteren ersten Burton-Batman - Mainstream-Kino 1989 noch nicht der Fall. Als LTK startete, herrschte nicht nur außerhalb der Lichtspielhäuser Sommer.
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Martin

Brosnans Last Line of Defense

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69

Dienstag, 11. Oktober 2016, 02:16

Das Gegeneinander-Ausspielen empfinde ich - abgesehen davon, dass es hochamüsant ist - nie als außergewöhnliches Vorgehen; man könnte es auch als Variation des Katz-und-Maus-Spiels sehen, das Bond eigentlich immer mit seinen Gegnern veranstaltet - teilweise sogar noch nach seiner Enttarnung, s. GF: Denn letztlich ist er ja weniger Sanchez' Gast als dessen Gefangener, und mit Krest schafft er auch jemanden aus dem Weg, der ihn enttarnen könnte, was einem Todesurteil gleichkäme - wie ja später das Wiedersehen mit Dario beweist. Und danach ist er ja definitiv in unmittelbarer Lebensgefahr, als er in Sanchez Zweifel gegen Heller und Truman-Lodge weckt.


Hab ja auch nur erwähnt, dass es grundsätzlich streitbar ist, und auch schon kritisiert wurde. Da ich LTK immer als eine Hommage an Red Harvest/Yojimbo/Fistful of Dollars gesehen habe, kann ich auch ganz gut damit leben. Die entscheidende Frage im ursprünglichen Zusammenhang wäre aber auch, ob Flemings Romanfigur zu solchen Methoden greifen würde. Im Roman 'Live and Let Die', dem die Verstümmelung Leiters ja entnommen ist, reagiert er darauf jetzt zumindest nicht sehr viel anders als etwa auf den Tod von Quarrel in DN oder ähnlichen Situationen. Andererseits gibt es im Roman auch keinen Konflikt zwischen der Jagd auf die Hintermänner und dem offiziellen Auftrag.

Letztendlich geht es da wie bei den meisten Fragen wohl ums Bauchgefühl. Am ehesten vergleichbar in Flemings Gesamtwerk ist vielleicht die Kurzgeschichte FYEO, wo Bond auf Ms Bitte hin ohne offizielle Deckung die Mörder von Ms Freunden zur Strecke bringen soll. Aber auch da gibt es eben keinen wirklichen Konflikt zu seiner Loyalität.

Bonds Emotionalität ist einerseits wichtig, um sein Handeln ausreichend zu motivieren; und ob man der Figur das abnimmt, ist wohl entscheidend dafür, ob LTK für einen funktioniert oder nicht. Entsprechend fahren die Autoren auch einiges auf: die Buddy-Beziehung zwischen Bond und Leiter, das sehr innige Verhältnis zu Della, den Tracy-Bezug ...


Ja, das stimmt absolut. Und für mich ist diese Begründung seines Handelns nie zu hundert Prozent stimmig gewesen, weswegen der Film es wohl auch nie in meine Top 5 schaffen wird. Die Buddy-Beziehung zu Leiter sowie die Anspielung auf Tracy beziehen sich auf frühere Filme. Einerseits wird ja von Fans oft betont, wie eigenständig die Bondfilme sind, quasi jeder eine Art Mini-Reboot, und dass die angedeuteten Kontinuitäten nur Insidergags für Fans sind und keine Bedeutung haben. Andererseits ist hier dann plötzlich der Verweis auf einen früheren Film entscheidend für die gesamte Filmhandlung. Man baut hier auf einmal auf eine Kontinuität, um die man sich sonst nie geschert hat.

Darin zeigt sich eigentlich sogar eine gewisse Ironie. An LTK rächt sich, wie die Produzenten die Figur Felix Leiter bisher behandelt hatten. Ich hab sowohl bei LTK als auch bei GE immer ein bisschen Bauchschmerzen dabei, dass man Bond hier als Buddy-Typen verkaufen will, während er jahrzehntelang der klassische einsame Wolf war. Für den Otto-Normalzuschauer war Leiter sicher nie ein Charakter, der großartig in Erinnerung geblieben ist. Und OHMSS war auch schon satte zwanzig Jahre her. Und selbst ich als Fan, der die Zusammenhänge kennt, tue mich schwer damit, sie hier zu schlucken.

Meiner Meinung nach muss ein Film vollständig aus sich selbst heraus funktionieren. Das ist auch ein Prüfstein für gute Fortsetzungen. Wenn der Film in seiner Wirkung einbüßt, wenn ich als Zuschauer weder Leiter noch Tracy kenne, ist das für mich ein dramaturgischer Mangel. Vor allem, wenn er in Bezug auf die Hauptfigur solch ein Fass aufmacht.

Aber nach meinem Empfinden funktioniert das auch mit Bond als erfahrenem Agenten. Denn in den ersten Minuten nach dem Vorspann erleben wir etwas, was in den Filmen höchst selten ist: einen Einblick in Bonds Privatleben (jenseits von Schäferstündchen, die von M oder Moneypenny unterbrochen werden). Wir sehen ihn unbeschwert feiern, tanzen, im Umgang mit Freunden, die ihm ihre Zuneigung deutlich - um nicht zu sagen: plakativ - vermitteln. Es ist diese Welt, in die Sanchez eindringt, die er zerstört, nicht die Berufswelt, in der er auch Todesfälle ihm sympathischer Gefährten (Prototyp: Kerim Bey) schnell abhaken muss. In diesem Zusammenhang finde ich Bonds emotionale Reaktion plausibel und mit dem Charakter vereinbar - zumal ein gewisser Frust über die Bedingungen des Agentendaseins schon zu Beginn von TLD angedeutet wurde. Es ist nur die Frage, ob man diese Involviertheit des privaten Bond sehen möchte. Bei Lazenby wollte das Publikum es nicht. Und bei Dalton letztlich auch nicht.


Aber wenn jemand in seinem Beruf ein Vollprofi ist, dann beruht das doch auf Erfahrungen, die sein gesamtes Leben geprägt haben. Auch sein Privatleben. Wenn ein Arzt beispielsweise jeden Tag Schwerverletzte und Sterbende sieht, wird es ihn sicher auch nicht traumatisieren, wenn er nach Feierabend einen Unfalltoten sieht. Zumal es für einen Agenten ein echtes Privatleben wohl auch nicht geben kann.

Der entscheidende Punkt ist ja nicht, dass Bond die Ungerechtigkeit zum Handeln animiert, sondern dass er explizit und aktiv gegen die Interessen von M und der Regierung Ihrer Majestät handelt. Und da frage ich mich eben, ob das wirklich im Sinne Flemings wäre. In den Romanen ist M für Bond die einzig echte Bezugsperson. Abgesehen natürlich von Vesper und Tracy, wobei man sich da auch streiten könnte, wie dauerhaft das gewesen wäre. Die beiden Male, in denen er bei Fleming privat aktiv wird, sind in MR und FYEO auf die persönliche Bitte Ms hin.

Bonds Loyalität gegenüber seinen Verpflichtungen ist eine der Haupteigenschaften, die man vom Original übernommen hat, und die alle Film-Interpretationen verbindet, was Broccoli oder Wilson auch so mal im Interview gesagt haben. Und die gibt Bond in LTK vollständig auf zugunsten eines Kollegen, dem er mal in jedem dritten oder vierten Film 'Guten Tag' sagt, und der als Profi ebenfalls um die Risiken seines Berufes weiß. Und eine Situation, die an ein Erlebnis von anno dazumal erinnert. Nach OHMSS oder CR hätte mich ein Film wie LTK durchaus überzeugt, aber so finde ich die Motivation zu konstruiert.

Erst bei Craig wird diese Akzentuierung nicht nur akzeptiert, sondern z. T. sogar als Stärke empfunden, auch in den Filmen nach QOS, in denen er als gestandener Agent, als altes Eisen dargestellt wird. Also liegt es bei Craig nicht an seiner ursprünglichen Rolle des Jungspundes. Gleichzeitig sind etwa Craigs Tränen beim Tod von Judi Denchs M gerade bei den Traditionalisten ja auf starke Kritik gestoßen. Das deutet darauf hin, dass es sich eher um ein Zeitphänomen zu handeln scheint, das dem Blockbuster-Helden von heute eben auch ein Trauma und diverse Komplexe als Beweis charakterlicher Tiefe geradezu abverlangt. Das war - trotz des recht düsteren ersten Burton-Batman - Mainstream-Kino 1989 noch nicht der Fall. Als LTK startete, herrschte nicht nur außerhalb der Lichtspielhäuser Sommer.


Ich sehe es halt weniger so, dass das Publikum 1989 noch nicht reif dafür war, sondern dass es in den Craig-Filmen glaubwürdiger und begreifbarer umgesetzt ist. Ein entscheidender Aspekt ist dabei meiner Meinung nach auch nicht nur, dass Emotionen dargestellt werden, sondern um welche Emotionen es sich dabei handelt. Bei Craigs Bond sieht man Unsicherheit, Verzweiflung, Zorn und Trauer, aber eben auch Liebe, Vertrauen und Glück. Daltons Bond ist dagegen fast nur 'geladen'. Sein Ausdruck von Emotionen beschränkt sich so ziemlich auf alle negativen Formen. Und das wirkt sich eben auch auf die Empathie des Zuschauers aus. Bevor man mit dem Helden leidet und tötet, will man mit ihm lieben und lachen. Und da reicht es eben nicht aus, wenn der Held nur Gast bei der Hochzeit seines Kumpels war.

Feirefiz

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Dienstag, 11. Oktober 2016, 17:58


Der entscheidende Punkt ist ja nicht, dass Bond die Ungerechtigkeit zum Handeln animiert, sondern dass er explizit und aktiv gegen die Interessen von M und der Regierung Ihrer Majestät handelt. Und da frage ich mich eben, ob das wirklich im Sinne Flemings wäre. In den Romanen ist M für Bond die einzig echte Bezugsperson. Abgesehen natürlich von Vesper und Tracy, wobei man sich da auch streiten könnte, wie dauerhaft das gewesen wäre. Die beiden Male, in denen er bei Fleming privat aktiv wird, sind in MR und FYEO auf die persönliche Bitte Ms hin.

Bonds Loyalität gegenüber seinen Verpflichtungen ist eine der Haupteigenschaften, die man vom Original übernommen hat, und die alle Film-Interpretationen verbindet, was Broccoli oder Wilson auch so mal im Interview gesagt haben. Und die gibt Bond in LTK vollständig auf zugunsten eines Kollegen, dem er mal in jedem dritten oder vierten Film 'Guten Tag' sagt, und der als Profi ebenfalls um die Risiken seines Berufes weiß. Und eine Situation, die an ein Erlebnis von anno dazumal erinnert. Nach OHMSS oder CR hätte mich ein Film wie LTK durchaus überzeugt, aber so finde ich die Motivation zu konstruiert.

Erst bei Craig wird diese Akzentuierung nicht nur akzeptiert, sondern z. T. sogar als Stärke empfunden, auch in den Filmen nach QOS, in denen er als gestandener Agent, als altes Eisen dargestellt wird. Also liegt es bei Craig nicht an seiner ursprünglichen Rolle des Jungspundes. Gleichzeitig sind etwa Craigs Tränen beim Tod von Judi Denchs M gerade bei den Traditionalisten ja auf starke Kritik gestoßen. Das deutet darauf hin, dass es sich eher um ein Zeitphänomen zu handeln scheint, das dem Blockbuster-Helden von heute eben auch ein Trauma und diverse Komplexe als Beweis charakterlicher Tiefe geradezu abverlangt. Das war - trotz des recht düsteren ersten Burton-Batman - Mainstream-Kino 1989 noch nicht der Fall. Als LTK startete, herrschte nicht nur außerhalb der Lichtspielhäuser Sommer.


Ich sehe es halt weniger so, dass das Publikum 1989 noch nicht reif dafür war, sondern dass es in den Craig-Filmen glaubwürdiger und begreifbarer umgesetzt ist. Ein entscheidender Aspekt ist dabei meiner Meinung nach auch nicht nur, dass Emotionen dargestellt werden, sondern um welche Emotionen es sich dabei handelt. Bei Craigs Bond sieht man Unsicherheit, Verzweiflung, Zorn und Trauer, aber eben auch Liebe, Vertrauen und Glück. Daltons Bond ist dagegen fast nur 'geladen'. Sein Ausdruck von Emotionen beschränkt sich so ziemlich auf alle negativen Formen. Und das wirkt sich eben auch auf die Empathie des Zuschauers aus. Bevor man mit dem Helden leidet und tötet, will man mit ihm lieben und lachen. Und da reicht es eben nicht aus, wenn der Held nur Gast bei der Hochzeit seines Kumpels war.


Wie gesagt: Ob LTK für den Zuschauer funktioniert oder nicht, hängt wohl davon ab, ob man Bond seine Motivation abnimmt oder nicht. Nicht umsonst ist Loyalität ja das explizite Thema des Films – nur dass Bond hier in einen Loyalitätskonflikt gerät und sich hier gegen den Mi6 entscheidet. Allerdings stürzt er seinen Arbeitgeber mit seiner Entscheidung nicht in eine existentielle Krise, es geht ja zunächst nur um einen offensichtlich nicht allzu dramatischen Einsatz, für den M nun einen anderen Agenten benennen muss – so etwas ist ihm in der Vergangenheit auch nicht schwergefallen, 008 steht sicher schon in den Startlöchern. Trotz der Kündigung hat Bond ja auch kein Interesse, dauerhaft mit dem MI6 zu brechen. Und die Unruhe in Isthmus ist auch nicht schlimmer als z. B. seine Eskapade während des „Urlaubs“ zu Beginn von SP. Auch wenn das Franchise nie allzu seriellen Charakter bzgl. Kontinuität und Charakterentwicklung war, gibt es Versatzstücke, aus denen sich der Wiedererkennungswert der Figur ergibt und die bei allen Unterschieden der Interpretation der Rolle gewisse Konstanten bilden, die letztlich jeden Film mit jedem anderen verbinden (ich hab mal vor einiger Zeit hier versucht, das zu skizzieren). Bewegt sich Bond also innerhalb dieser Grenzen, dass man ihm sein Handeln abnimmt? Das ist wohl letztlich eher eine Frage des persönlichen Empfindens der Figur, als dass man es argumentativ auflösen könnte, und deshalb polarisiert der Film wohl auch so wie kaum ein zweiter.

Ob LTK durch inhaltliche Änderungen – wohlgemerkt: bei Beibehaltung der Ausgangsidee – 1989 publikumswirksamer hätte machen können – da bin ich eher skeptisch. Ich würde aber auch nicht darauf wetten wollen, dass CR damals viel besser angenommen worden wäre. Auch OHMSS wurde ja eher reserviert aufgenommen, und der nimmt sich am Anfang wirklich viel Zeit für die positiv besetzten Gefühle. Dabei geht es nicht um „mangelnde Reife“ des Publikums oder „seiner Zeit voraus sein“, als wenn die Leute damals zu blöd gewesen seien – vergleicht man nur die Qualität der jeweiligen Konkurrenz 1989 und z. B. 2006, werden ja nur die wenigsten 2006 für den stärkeren Blockbuster-Jahrgang halten; außerdem scheint sich der Wind auch wieder zu drehen und das unbeschwerte Abenteuer wieder mehr Fürsprecher zu erhalten (was man auch SP schon anmerkt) ... LTK war einfach nicht das, was man damals wollte. CR, zu Recht als ein Meilenstein gefeiert, mag für Bond-Verhältnisse innovativ gewesen sein; blicken wir aber über die Franchise-Grenzen hinaus, passte sich Bond hier – wie immer wieder seit den 70ern – einfach dem Zeitgeschmack an, und das ist ihm trotz allen Jubels von Traditionalisten durchaus vorgeworfen worden, als Anbiederung z. B. an Bourne und Nolan, als Absage an das vom klassischen Bond verkörperte Männerbild und dergleichen mehr. CR war bei allen Qualitäten einfach der richtige Bond zu richtigen Zeit. Über das Gelingen von LTK mag man unterschiedlicher Meinung sein, aber auch wenn man damals eine Modernisierung anstrebte, in dem Umfeld des Kinosommers 1989 war er denkbar deplatziert. Letztlich ist LTK mehr als jeder andere Bond-Film ein Western (dass Sanchez Drogenbaron ist, ist für den Plot ja völlig irrelevant) – und das Genre war damals so out, wie es nur möglich ist.
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Martin

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Mittwoch, 12. Oktober 2016, 06:34

Wie gesagt: Ob LTK für den Zuschauer funktioniert oder nicht, hängt wohl davon ab, ob man Bond seine Motivation abnimmt oder nicht. Nicht umsonst ist Loyalität ja das explizite Thema des Films – nur dass Bond hier in einen Loyalitätskonflikt gerät und sich hier gegen den Mi6 entscheidet. Allerdings stürzt er seinen Arbeitgeber mit seiner Entscheidung nicht in eine existentielle Krise, es geht ja zunächst nur um einen offensichtlich nicht allzu dramatischen Einsatz, für den M nun einen anderen Agenten benennen muss – so etwas ist ihm in der Vergangenheit auch nicht schwergefallen, 008 steht sicher schon in den Startlöchern. Trotz der Kündigung hat Bond ja auch kein Interesse, dauerhaft mit dem MI6 zu brechen. Und die Unruhe in Isthmus ist auch nicht schlimmer als z. B. seine Eskapade während des „Urlaubs“ zu Beginn von SP.


Bei SP ist er danach aber auch praktisch auf Eis gelegt. Dass er nach der Aktion in LTK einfach so weitermachen kann wie bisher, ist glaube selbst im Bonduniversum nicht unbedingt selbstverständlich. Man sieht ja schon während des Films eine Gefahr in ihm und versucht, ihn durch einen Agenten gewaltsam zurückzuholen. Selbst in einem Film wie MR muss er erstmal inoffiziell weitermachen, nachdem der Verteidigungsminister seine Kompetenz in Frage gestellt hat.

Ich denke, Bond ist in LTK bei seiner Entscheidung schon bewusst, dass er damit seine gesamte Karriere und auch sein Berufsethos aufs Spiel setzt. Echte Loyalität zeigt sich ja auch gerade in Konflikten. Das ist Anbetracht des ursprünglichen Bonds für mich eben genauso gewagt wie Bond in einer Hovercraft-Gondel über den Markusplatz fahren zu lassen.

Auch wenn das Franchise nie allzu seriellen Charakter bzgl. Kontinuität und Charakterentwicklung war, gibt es Versatzstücke, aus denen sich der Wiedererkennungswert der Figur ergibt und die bei allen Unterschieden der Interpretation der Rolle gewisse Konstanten bilden, die letztlich jeden Film mit jedem anderen verbinden (ich hab mal vor einiger Zeit hier versucht, das zu skizzieren). Bewegt sich Bond also innerhalb dieser Grenzen, dass man ihm sein Handeln abnimmt? Das ist wohl letztlich eher eine Frage des persönlichen Empfindens der Figur, als dass man es argumentativ auflösen könnte, und deshalb polarisiert der Film wohl auch so wie kaum ein zweiter.


Prinzipiell stimme ich dem ja zu, aber ich denke trotzdem, dass die Freundschaft zu Leiter oder die Hochzeit mit Tracy nicht zu den Versatzstücken gehören, die ein Durchschnittspublikum bei einem neuen Bondfilm ohne weiteres parat hat. Auch hier finde ich es deshalb eben gewagt, Bonds Handeln darauf aufzubauen.

Ob LTK durch inhaltliche Änderungen – wohlgemerkt: bei Beibehaltung der Ausgangsidee – 1989 publikumswirksamer hätte machen können – da bin ich eher skeptisch. Ich würde aber auch nicht darauf wetten wollen, dass CR damals viel besser angenommen worden wäre. Auch OHMSS wurde ja eher reserviert aufgenommen, und der nimmt sich am Anfang wirklich viel Zeit für die positiv besetzten Gefühle. Dabei geht es nicht um „mangelnde Reife“ des Publikums oder „seiner Zeit voraus sein“, als wenn die Leute damals zu blöd gewesen seien – vergleicht man nur die Qualität der jeweiligen Konkurrenz 1989 und z. B. 2006, werden ja nur die wenigsten 2006 für den stärkeren Blockbuster-Jahrgang halten; außerdem scheint sich der Wind auch wieder zu drehen und das unbeschwerte Abenteuer wieder mehr Fürsprecher zu erhalten (was man auch SP schon anmerkt) ... LTK war einfach nicht das, was man damals wollte. CR, zu Recht als ein Meilenstein gefeiert, mag für Bond-Verhältnisse innovativ gewesen sein; blicken wir aber über die Franchise-Grenzen hinaus, passte sich Bond hier – wie immer wieder seit den 70ern – einfach dem Zeitgeschmack an, und das ist ihm trotz allen Jubels von Traditionalisten durchaus vorgeworfen worden, als Anbiederung z. B. an Bourne und Nolan, als Absage an das vom klassischen Bond verkörperte Männerbild und dergleichen mehr. CR war bei allen Qualitäten einfach der richtige Bond zu richtigen Zeit. Über das Gelingen von LTK mag man unterschiedlicher Meinung sein, aber auch wenn man damals eine Modernisierung anstrebte, in dem Umfeld des Kinosommers 1989 war er denkbar deplatziert. Letztlich ist LTK mehr als jeder andere Bond-Film ein Western (dass Sanchez Drogenbaron ist, ist für den Plot ja völlig irrelevant) – und das Genre war damals so out, wie es nur möglich ist.


Ja, das ist wie so oft ein Fall von 'Hätte, wäre, könnte'. LTK hatte ja schon ein Problem mit dem Marketing. Zu wenig Werbung, unterdurchschnittliche Plakatmotive, ein nichtssagender Titel, der nicht gerade überbordende Kreativität versprach. Angesichts dessen waren inhaltliche Feinheiten wohl schon mal sekundär. Zusätzlich entsprach wohl auch die Attraktivität der Drehorte nicht den Erwartungen, vor allem für das US-Publikum.

Trotzdem sehe ich bei fast allen Filmen, die finanziell enttäuschen, Defizite bei der Hauptfigur. Ein Beispiel wäre da Blade Runner. In allen filmischen Aspekten ein absolutes Meisterwerk, aber der ansonsten extrem sympathische Harrison Ford wirkt hier wie ein schlecht gelaunter, quasi rassistischer Cop. Die Sympathie des Publikums ging hier teilweise zum Gegenspieler Rutger Hauer über, was tödlich für einen Film ist. Deshalb glaube ich auch, dass LTK besser angekommen wäre, wenn man in die Motivation für Bonds radikalen Bruch mit seinem bisherigen Leben mehr investiert hätte.

Beweisen kann man es aber leider nicht, deshalb bleibt es fröhliches Spekulieren. Sicher folgt CR dem Zeitgeist, andererseits wurde dieser Zeitgeist ja auch von Filmen mitgeformt, die bei ihrem Erscheinen etwas radikal neues hatten, aber trotzdem funktionierten und angenommen wurden. LTK hätte ja auch einer dieser Filme sein können.

Martin

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72

Dienstag, 25. Oktober 2016, 23:30

Hier mal eine sehr positive Meinung zum Ausgleich, dazu sogar noch von einer Dame: Lizenz zum Töten - Der vielleicht beste und mutigste Bond-Film. :)

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Mittwoch, 26. Oktober 2016, 11:48

Das hat sie hervorragend gemacht - und geht auch regelmäßig auf Kommentare ein.
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Mister Bond

Felix Leiter

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Mittwoch, 7. Dezember 2016, 13:04

Also der Rachefeldzug ist es nicht, weshalb LTK momentan eher tief in der zweiten Hälfte meiner Bestenliste steht.
Im Gegenteil, für mich sehr nachvollziehbar, entwickelt Bond doch schon frühestens seit TB, spätestens aber seit LALD ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Leiter. Die DAF- und TLD-Leiter werde ich wohl nie nachvollziehen können. Und dann ist der LTK-Leiter ja auch noch DER LALD-Leiter. Es ist doch nur logisch, dass ihn auch Dellas Tod sehr mitnimmt. Das ist nichts berufliches, das ist was sehr privates. Bonds Beweggründe sind meiner Meinung nach jederzeit nachvollziehbar.
Und Dario bringt er ja noch nicht mal um! Pam schießt auf Dario und er fällt in den Häcksler.

Es ist eher das drumherum, der Score, welcher zu sehr an "Die Hard" und "Lethal Weapon" erinnert. Da kam Michael Kamen wohl nicht herum.
Und eben doch eine gewisse Leichtigkeit, die aber in diesem Film falsch am Platz sein würde.
Vielleicht ist es aber auch nur der Fakt, dass ich momentan anderen Bondfilmen eher den Vorzug geben würde, die Disc in den Player zu schieben. Also auch Launebedingt.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Dienstag, 13. Dezember 2016, 18:38

Schön dass der Film auch in jüngster Zeit noch einmal im Forum besprochen wurde.
Hier nun meine gegenwärtige Rezension zu dem für mich (aber extrem KNAPP) besten Bondfilm überhaupt.



"Sie wollten es, also nehmen Sie es, alter Freund!" - Ungewöhnlich brutal, schonungslos ehrlich, zuweilen gar brachial!

Die 1980er Jahre neigen sich langsam dem Ende, welch dekadente Dekade der Genüsse und des Betruges zugleich! In den Darstellungen zeitweise "seiner Zeit voraus", im Rahmen der Handlung jedoch exakt in dieser Ära festsitzend: "James Bond 007 - Licence revoked".

Bereits im Rahmen der anfänglichen "Gunbarrel"-Einführung, werden wir von kämpferisch-kraftvollen Klängen empfangen, alles nur erdenklich Gute würden wir uns wünschen, doch schon die ersten Töne kündigen unschöne Folgen an, gar eine der ersten Szenen beinhaltet gleich einen Würgemord aus dem Hinterhalt, auf welchen später in einer geradezu ekelhaften Weise Bezug genommen wird ("Ich will doch nicht enden wie der Typ auf der Insel." - "Hat dir meine kleine Vorstellung gefallen?")
Michael Kamen's Sinn für perfekten Einsatz markanter Gitarrenklänge, wird bereits recht früh die Stimmung prägen, mit ebendieser Untermalung wird Sanchez' Einführung eingeleitet, eine den schrecklichsten Leiden - im wahrsten Sinne des Wortes - "unterliegende" Talisa Soto stellt gemeinsam mit Sanchez, dieser Gestalt des Grauens unter Beweis, dass dieser Bondfilm in seiner Offenheit deutlich bitterere und kritischere Töne anschlägt, als es bei irgendeinem der Vorgänger der Fall gewesen ist, gewissermaßen der erste Bond seit Liebesgrüße aus Moskau, der sich wahrlich ernstnimmt.
Die Umgebungen vermögen in ihrer visuellen Erscheinung zu verdeutlichen, dass wir es mit einer Art "Scarface- und Miami Vice"-Bond zu tun haben, wer die Eigenheiten der 80er Jahre nicht zu sehen oder gar zu erleben gewillt ist, braucht sich diesen Film unter Umständen gar nicht erst zu Gemüte zu führen.
Die stellenweise etwas merkwürdige Regie, setzt in der Pre-title-sequence auf einen seltsamen Einsatz von Slowmotion, eine künstliche Form der Dramatisierung, sie unterstreicht jedoch den fragwürdigen und des Menschen Sensationsgier ansprechenden "Showeffekt" bestimmter Geschehnisse.
Dass die Regie nicht nur in diesem Zusammenhang etwas "speziell" ist, spiegelt sich bei John Glen bedauerlicherweise auch darin wider, dass er es zulässt einen etwas eigentümlichen und in Anbetracht des Grundtons des Films deplatzierten Humor einzubinden ("let's go fishing" etc.)
Überhaupt offenbaren sich die Kontraste zwischen komischem Kitsch und brachialer Härte bereits zu Beginn, die Themen Hochzeit und Nähe zum Tode, scheinen von Anfang an vereint zu sein, sich gar Hand in Hand in eine gefährliche Richtung zu begeben, sich zu nahe zu stehen.
Der darauffolgende Titelsong ist einerseits ein klassisch anmutendes Kunstwerk, andererseits passt er aber durchaus in die 80er Jahre und lässt diese in Würde ausklingen.
Kurz darauf erleben wir - mit einem uns im Halse stecken bleibenden Lachen -, dass sich Sanchez gewissermaßen als eine Art "Entertainer" versteht, noch nachdem er verurteilt und abgeführt wird, grinst er einem Star gleichend in die Kamera, gleichwohl es sich hierbei auch durchaus um eine kompensatorische Komponente handeln kann, da ein vorübergehendes Gefangenendasein eine Art Demütigung darstellt.
Auf die bereits angesprochenen Miami-Vice-Parallelen, deuten nicht nur modische Akzente hin, sondern auch der allgemeine Hang zur besagten Dramatisierungskunst, jede Aufnahme der Gesichter muss besonders intensiven Eindruck hinterlassen - meist mag das erstaunlicherweise auch gelingen.
Kurz nach der Hochzeit kommt es zur ersten sehr sanften, jedoch im Detail umso schmerzhafteren Szene, wie sie relativ deutlich auf Tracy hinweist, Felix' Frau Della, ihr Gatte und Gemahl Felix sowie Bond, befinden sich in einer noch recht angenehmen Atmosphäre des leichtfüßigen Frohsinns, bis die Stimmung besagter Tracy wegen wird kippen müssen, Kenner der Reihe werden diesem Satz folgen können.
In Bälde wird das Werk bereits drastischer, Sanchez' "höflich-grausame" Art, ist im Grunde genommen dafür verantwortlich, dass dessen Diener und Untertanen nicht nur Respekt, sondern im Wesentlichen eher ANGST vor ihm haben dürften.
Die erweiterten Ansätze der Gewaltdarstellung (bedrohliche Klänge, Haifischangriffe sowie pervers-sadistische Sprüche von Sanchez himself) sind zwar alles andere als typisch für Bond, doch sie dienen mitnichten ihrem eigenen Selbstzwecke, sondern unterstützen die Aussagekraft der Grundgeschichte.
Da Bond diesmal nicht im Auftrage Ihrer Majestät wird unterwegs sein können, fährt er "nur" ein "kleines" Coupé von Lincoln, ich finde es erfrischend der Abwechslung halber mal nicht von solch gewollt sportlichen Lotus- und Aston Martin Klischees überhäuft zu werden.
Anthony Zerbe ist in einer etwas schmierig bis gar zwielichtig anmutenden Rolle zu sehen, zwar unangenehm, aber dass er gegen Ende von Bond in geradezu verlogener Weise verraten wird, sagt eher etwas über den Zorn Bond's aus, weniger über den zugegebenermaßen wenig vertretbaren Charakter von Zerbe's Protagonist, im Bezug auf Bond ließe sich somit sagen, dass das Phänomen der Selbstjustiz sehr eindeutig thematisiert wird.
Oftmals merkt man Timothy Dalton's Bond an, dass er seine Aufgabe äußerst ernst genommen hat, einerseits könnten ihm Kritiker diese geradezu verbissene schauspielerische Präzision in der Interpretation der Rolle vorwerfen und zur Last legen, andererseits half es Dalton dabei, sich gänzlich auf die ihm zugedachte Aufgabe einzulassen.
Normalerweise ist Bond ein eiskaltes Instrument der Regierung, hier jedoch widersetzt er sich seinen Arbeitgebern, macht von jenem ihn irgendwo auch auszeichnenden Charakterzug Gebrauch, im Ernstfalle einem eigenen Weg zu folgen.
Trotz aller Unannehmlichkeiten innerhalb der Filmgeschehnisse, gilt es auch äußeren Werten Aufmerksamkeit zu schenken, so etwa einer atemberaubenden Talisa Soto im zarten Alter von 21 Jahren, obgleich ihre Rolle durchaus mehr hergäbe, sie spielt ihre Lupe Lamora meiner Meinung nach mit mehr Tiefgang, als es auf den ersten Blick zu vermuten sei, ihr sanchezbedingter Unterdrücktseinszustand trägt dafür Sorge, dass man durchaus bereit wäre für sie Partei zu ergreifen, wenngleich klar wäre, dass Sanchez uns unter diesen Umständen sofort zu beseitigen gewillt sein könnte...
Bezüglich der Synchronisation war dieser Film etwas schwierig, seine südamerikanisch anmutenden Akzente erzeugen eine Stimmung, wie man sie selten gut in deutsche Texte einbindet, auch im Bezug auf Dalton war nicht alles einfach, so wurde beispielsweise aus einem sonoren "Make a sound and you are dead!" ein etwas unspektakuläres "Einen Mucks und Sie sind tot.", so gut Lutz Riedel seinen Job auch eigentlich macht.
Bedauerlich ist innerhalb dieses Films auch der vollkommene Verzicht auf Schneeszenen, im selben Atemzug kann ich aber auch auf positiver Ebene etwas erwähnen, nämlich den - wenn auch zeitlich begrenzten - Zauber der Unterwasseraufnahmen, diese sind selbst in den hektischsten Sequenzen noch von poetischer Schönheit geprägt, exotische Naturwunder erwarten uns somit auch hier.
Im Bezug auf korrupte Rauschgifthändler war Sanchez zweifellos ein extrem realistisches Abbild seiner Zeit, Robert Davi, der in Wahrheit äußerst sympathisch wirkt, hat seine sehr skrupellose Rolle im Vorfelde akribisch genau studiert, so hat der Film im Bezug auf seine glaubwürdigen Passagen schon fast eine Art "semi-dokumentarischen" Charakter, derart ehrlich und der Außenwelt entsprechend, war Bond bislang sehr selten, seine Rolle als Sanchez "erneut spielen", konnte Davi dann 2002 gewissermaßen bei der Synchronisation von Vice City, sowie 2006 bei "Scarface - the world is yours".
Die Besetzung ist selbst im Rahmen der Nebenrollen erstklassig, siehe etwa Benicio del Toro, der seinen Dario in einer kongenial-perfekt den Ton der Rolle treffenden Weise verkörpert.
Miss Lowell, welche die Rolle der Pam übernahm, kann das Geschehen zwar zweifellos wirksam ergänzen, spielt ihre Figur jedoch zeitweise etwas zu trotzig, obgleich das den Film nicht unrealistischer macht, wo doch Trotz auch im "echten Leben" eine relativ normale Verhaltensweise darstellen kann.
Ob man den von Sanchez engagierten Fernsehprediger benötigt hätte, d.h. ob er den Film bereichert, wird wohl wahrlich fraglich bleiben, aber immerhin unterstreicht er den "Korruptionsfaktor unserer Welt" - und für selbigen stünde Sanchez jawohl geradezu sinnbildlich.
Die "Chemie" zwischen letzterem und Bond scheint zu stimmen, Sanchez fragt ihn etwa nach seiner Berufung, Bonds Antwort darauf könnte genauso gut aus dem Munde von Sanchez selbst stammen:
"I help people with problems." - "Problem solver?" - "I am more of a problem eliminator."
Im Zuge der immer gefahrendurchfluteter werdenden Reise, erscheint alsbald auch noch der in diesem Film einen größeren Auftritt habende "Q", wohlwissend wie wichtig er für Bond sein kann, selbstverständlich würde 007 das abstreiten, aber dem war wohl schon immer so, Bond täte in der Tat gut daran diesen Tatsachen ins Auge zu sehen.
Erschreckend erscheint mir, dass sich Sanchez hinsichtlich seiner "Gastfreundschaft" fast schon als "sympathisch" erweisen wird, "Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld" ist schließlich sein Motto, gleichwohl dieser lobenswerte Spruch bei jemandem wie ihm leicht gesagt ist, wo er doch ohnehin im Gelde schwimmt und keines mehr benötigen wird.
Und so sagt er Bond später auch:
"Sie enttäuschen mich schwer!"
Drum habe ich gerätselt, ob er in Bond tatsächlich mehr oder weniger einen "Freund" oder zumindest einen "Artgenossen" gesehen hat?
Ferner gelang es John Glen in diesem seinem besten Film auch, erneut sein typisches kinematographisches Erkennungsmerkmal zum Einsatze zu bringen und dieses in eine spannende Szene einzubetten, die Rede ist von Bonds Aufscheuchen der Vögel, während er gerade unter keinen Umständen gesehen oder gar entdeckt werden darf.
Der bereits in Ansätzen angedeutete "Amigo"-Charakter bestimmter Szenen zwischen Sanchez und Bond, insbesondere auf des "Rauschgiftmeisters" Anwesen, kreiert mitunter einige der stärksten Dialoge des gesamten Films, für einen kurzen Moment könnte man sich fragen, ob Sanchez Bonds Vertrauen missbraucht, oder ob es nicht auch umgekehrt der Fall ist, die Ähnlichkeiten dieser beiden "für unterschiedliche Seiten" arbeitenden Herren sind äußerst frappierend und erschreckend allgegenwärtig.
Der lateinamerikanisch anmutende Touch dieses insgesamt wohl hauptsächlich auf den nordamerikanischen Markt zugeschnittenen Films, wird durch Sanchez' perfekt einstudierten Akzent untermauert, in Verbindung mit einer Zigarre und ebendieser Sprechweise, entspricht er wahrlich 1:1 dem kolumbianischen Kartell-Klischee vergangener Zeiten.
Auch auf musikalischer Ebene werden wir in wenigen Minuten erneut Großes erwarten dürfen, so offenbart, schenkt, beschert und gewährt uns dieser Film den vielleicht besten "Für-Elise"-Einsatz seit "Rosemary's Baby", all dies erleben wir in einer Szene zwischen Pam und dem "sie segnenden" Fernsehprediger.
Einige Szenen weiter, die Handlung zunehmend fortschreitend, erscheint Pam erneut, diesmal wie ein leuchtender Engel, in letzter Sekunde befreit sie Bond aus seinen 1000 Nöten, was Dario glücklicherweise das Leben kosten wird.
Nach einem fulminanten, durchaus auch schmerzhaften Finale dann der Bruch:
Zwei Stunden eines nahezu perfekten Films, zwar wurden - wie im Bonusmaterial zu sehen - einige gute Szenen herausgeschnitten, doch das Werk ist grandios!
Wäre da nur nicht dieses - zumindest einen Kontrast zum Film darstellende - Ende (auch einer Ära), dieser "Blinkfisch", Bond wie er sich für Pam "in die Fluten" wirft, erschwerend hinzu käme auch noch der kurz zuvor deutlich zu fröhlich agiert habende Felix, wo er doch vor nicht allzu langer Zeit seine Frau verlor - nun gut, Menschen trauern auf die unterschiedlichsten Arten...
Nein, hier hätte man - fürwahr - anders vorgehen können, DAS ist nicht Licence to Kill, die Abspannmusik noch weniger...
Was wir hier nun wahrnehmen, ist der grauenhaft-verkrampfte Versuch, einen etwas anderen Bondfilm im letzten Moment "konsumierbar" zu machen, entweder oder, aber so wie hier hätte man es nicht lösen sollen.

Im Gesamtbild ist Licence to Kill zweifellos mit der mutigste aller Bondfilme und obendrein ein schauspielerisch anspruchsvolles Meisterwerk, welches weit über die Genregrenzen hinausdenkt. Auf der anderen Seite wäre - ähnlich wie bei "The world is not enough" - ein gänzlich anderes Ende passender gewesen, zudem ist auch dieser mein liebster Bondfilm nicht gänzlich frei von Mängeln!
Zehn von zehn Punkten beziehungsweise fünf von fünf Sternen durchaus, da auch die wenigen Nachteile nicht (allzu) gravierend ausfallen, die Pluspunkte dagegen mehr als überwiegen!
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

Feirefiz

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Mittwoch, 14. Dezember 2016, 17:46

Eine schöne Würdigung für einen Film, der es wert ist, für ihn zu trommeln!

Die Schlussszene ist – wie auch diejenige in TLD – oft auch von Anhängern des Films (von den skeptischen Betrachtern sowieso) hart kritisiert worden. Sie ist auch schwerlich das Glanzstück des Films, dennoch ein paar Worte zur Ehrenrettung der Macher, wobei ich hier auch auf ein paar ältere Beiträge von mir aus einem anderen Thread zurückgreife:

Zunächst zu Felix: Seine offen zur Schau getragene gute am Ende wiederum ist formal wie inhaltlich durchaus erklärlich. Formal ist sie Bestandteil der Schlussharmonie, nachdem Bond Sanchez in die Hölle geschickt und damit die Ordnung wiederhergestellt hat. So bestätigt er den Erfolg von Bonds Mission, wie in den anderen Filmen oft M oder gleich die ganze MI6-Crew noch einmal einen „Commander, der Premierminister möchte sich persönlich - aber 007!“-Auftritt hat.

Doch auch inhaltlich ist der aufgeräumte Felix verständlich, je nach Wahl (oder auch zugleich): a) durch seine „Erlösung“ durch Bond Rache, b) durch Felix‘ Charakter: Der Mann ist Agent, der ungezählte Tote gesehen (und wahrscheinlich zu verantworten) hat, und weiß auch nach den schlimmsten Erfahrungen schnell wieder nach außen hin zu funktionieren und Haltung einzunehmen – ebenso wie Bond ja nur selten (und dann kurz) Einblicke in sein Innenleben zulässt, auch gegenüber Vertrauenspersonen. So unterschiedlich Leiter in all seinen Inkarnationen erscheint – ein wesentlicher Teil der gegenseitigen Wertschätzung Bonds und Leiters beruht stets auf dem Respekt vor der Professionalität des anderen.

Der Zwinkerfisch wird m. E. auch überbewertet – kein Aktivposten, sicher, aber in gewisser Weise passt er sogar fast schon wieder, denn mit ihm endet nicht nur LTK, sondern nimmt Bond auch Abschied von den 80ern – und das zu durchaus typischen Klängen.

Generell war der Schluss von der eigentlichen Handlung bei Bond bis zur Craig-Ära ja meist etwas abgesetzt – ähnlich wie die PTS. Deren weitgehende Unbeschwertheit auch bei LTK wird nun, nach Sanchez‘ Tod, wieder hergestellt. Also geradezu klassisch, und wenn die konkrete Gestaltung manche zum Fremdschämen bringt, befindet sich LTK selbst mit dieser Wirkung in bester Gesellschaft – von FRWL bis zum von Daniel angesprochenen TWINE. Aus einem Guss sind die wenigsten Bond-Filme, auch LTK ist es nicht (wenn auch in höherem Maße als die Mehrzahl seiner Brüder) - das macht einen Gutteil ihre Schwächen aus - und einen Gutteil ihres Reizes.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Mittwoch, 14. Dezember 2016, 18:40

Danke für die freundliche Würdigung.

Ich würde dir zustimmen, dass man natürlich auch nach dem Verlust der Ehegattin noch gute Gründe finden kann, weswegen Felix wieder damit beginnt sich dem Frohsinn hinzugeben, selbstverständlich hätte das theoretisch auch real so stattfinden können, dass jemand schnell wieder zu lachen beginnt und du hast mögliche Erklärungen hierfür ja bestens aufgeführt.
Dennoch bleibt es ja letztlich subjektiv und rein dem Gefühl nach zu urteilen, fühlt sich die Szene etwas unpassend an. Dass Felix diesmal der Bond lobende Mensch ist, nicht M oder jemand dieser Art, liegt bei diesem Film hier zwar in der Natur der Sache, aber man kann Bond gegenüber ja auch dankbar sein, ohne gleich zu wirken als sei einem nie Schlimmes widerfahren.
Im Übrigen kann er Todesfälle noch so sehr berufsbedingt kennen, Della ist hier nicht irgendjemand.
Wie dem auch sei, ich bin ja im Grunde genommen froh dass es auch Befürworter des LTK-Abschlusses gibt, ich - für meinen Teil - würde eher ein den persönlichen Ton des Films treffendes Ende begrüßen, OHMSS bleibt diesbezüglich somit einzigartig.
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Feirefiz

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Mittwoch, 14. Dezember 2016, 21:37

„Befürworter“ wäre zu viel gesagt, ich empfinde das Ende nur eben nicht als so „katastrophal“ oder „unwürdig“ wie viele andere. Bond kehrt eben in seine Welt zurück, der Rest ist 80er-Zeitzeugnis. Diese Zeit erlebt zu haben, hilft da sicher auch – aber nicht unbedingt, wie die überwiegenden Reaktionen auch von „Zeitzeugen“ belegen.

(Noch ein Wort zu Felix: Ich sage nicht, dass er wirklich wieder heiter ist, sondern dass er wieder „Haltung“ annimmt, ähnlich wie Bond in vergleichbaren Situationen (ich zitiere mal Vesper: „Du lässt mich nicht mehr an dich ran. Du steigst wieder in deine Rüstung.“). Die Szene spielt ja nicht unmittelbar nach dem Verlust.)

Man kann das Ende mit Fug und Recht bescheiden finden, auch wenn man einen klassischen Schluss zu akzeptieren bereit wäre. Aber eine prinzipiell andere Art von Schluss (also jenseits von Bond und Bondgirl in inniger Umarmung) hat erst die Craig-Ära etabliert und wäre wohl auch in LTK ein konzeptioneller Fremdkörper geblieben - gewissermaßen das andere Extrem im Vergleich zu Zwinkerfisch und Poolparty. (OHMSS war seinerzeit ja die große, durch Fleming höchstselbst vorgegebene Ausnahme - und wäre es sicher auch geblieben, wenn der Film der größte Hit aller Zeiten geworden wäre. Ihre z. T. bis heute verstörende und polarisierende Wirkung zieht die Szene ja auch daraus, dass sie einen ansonsten denkbar klassisch konzipierten und inszenierten Film beschließt - und das inhaltlich noch radikaler als je in der Craig-Ära, deren Schlussszenen Bond trotz allen Leids als Herrn des Geschehens inszenieren, während wir ihn in OHMSS als Geschlagenen verlassen. Nicht wenige scheinen das Lazenby ja fast schon persönlich anzulasten, als hätte das den anderen nie passieren können ...)

Denn das ist ja der Unterschied zwischen der Dalton- und der Craig-Ära. Beide Darsteller nahmen die Rolle als Charakter ernst wie keiner ihrer Kollegen. Doch während Craig die Standards der Vorgänger explizit hinter sich ließ, um sie ganz neu zu etablieren, bettete Dalton seinen Bond in die bestehenden Standards ein – auch in LTK. Für manche – so auch für mich – bedienten seine Filme so die Tradition und stießen die Tür zur Moderne auf, vereinen also denkbar gelungen beide Welten. Für die Mehrheit sind sie aber offensichtlich nicht Fisch, nicht Fleisch: nicht mehr so klassisch wie Connery und Moore, aber im Vergleich zu Craig dann doch altmodisch bzw. – wofür die Stilbrüche, namentlich die Schlussszenen dann Beispiele wären – inkonsequent oder zumindest nicht entschieden genug.

Wie schon bzgl. des LTK-Endes konstatiertest: alles eine Frage des subjektiven Empfindens.
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Mittwoch, 14. Dezember 2016, 22:15

Dem ist nichts hinzuzufügen, damit hast du deine Standpunkte noch einmal sehr gut untermauert.
Und da du das so treffend hast ausführen können, würde mich infolgedessen interessieren, ob sich bezüglich des LTK-Endes noch anderswer zu Wort wird melden wollen, denn so überzeugend deine Argumente auch sind, so gespalten wird dieses Ende für mich bleiben, ich weiß auch nicht ob sich die Macher all diese Gedanken gemacht haben, als sie das Ende "entworfen" haben. Ich bin ja ebenfalls gewillt mir diese Passage des Films sozusagen "schönreden" zu können, aber ich habe es ein Stück weit aufgegeben, denn wenn ich mir zu sehr selbst zusammenreime was wohl die Intention der Macher gewesen sein könnte, laufe ich Gefahr dass mir das Werk irgendwann zu gewollt wirkt, daher gebe ich mich hinsichtlich des LTK-Finales geschlagen und gebe mich zunehmend "mit der Unzufriedenheit zufrieden" ;)

OHMSS forever :)
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Feirefiz

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Mittwoch, 14. Dezember 2016, 22:46

Der Punkt ist ja eher zu akzeptieren, dass sich die Macher eben nicht so viel - vielleicht zu wenig - gedacht haben. Sie wollten Bond schon anders ausrichten, aber ohne mit dem Alten zu brechen. Da war ein Finale wie bei LTK eben naheliegend, ja geradezu vorgegeben - es war schließlich außer 1969 immer so gewesen. Ob man die daraus entstehenden Brüche als Franchsie-typisch akzeptiert oder als Schwäche empfindet, muss dann jeder für sich beurteilen - von Film zu Film neu ...

Erst nach DAD vollzog EON dann eine wirklich konsequente Trendwende, wenngleich auch nur erst einmal für einen Film. Dass es keinen darüber hinausgehenden Masterplan gab, wurde von Film zu Film immer klarer - und dass SP einen solchen nachträglich zu konstruieren versucht, ist m. E. einer der dicksten Nägel zu seinem Sarg. OT Ende.
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