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Feirefiz

The Other Fellow

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21

Donnerstag, 5. September 2013, 21:35

Dass TLD noch für Moore konzipiert gewesen wäre, ist eine dieser Bond-Urban-Legends, die Charles Helfenstein in seinem Buch zu widerlegen wusste. Dass die Gags hier bedeutend alberner wären als in den letzten Moore-Filmen, kann ich auch nicht erkennen, im Gegenteil empfinde ich die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit als durchaus ausgewogen.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
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Made weak by time and fate, but strong in will
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ollistone

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22

Freitag, 6. September 2013, 10:27

Gerade in der Autoverfolgung, die in TLD wie ein Fremdkörper wirkt, ist das sehr extrem. Gehört auch zu den Tiefpunkten der Actionszenen in der Serie.

Ihr meint die Szene am Weißensee, die mit der Rodelfahrt endet ("Nur ein Cello... Cello... Cello...")? Ist ja irre - ich liebe diese Szene von A bis Z. Genau das macht Bond-Filme einzigartig.

Thunderball

Harry Palmer

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23

Freitag, 6. September 2013, 10:33

Ihr meint die Szene am Weißensee, die mit der Rodelfahrt endet ("Nur ein Cello... Cello... Cello...")? Ist ja irre - ich liebe diese Szene von A bis Z. Genau das macht Bond-Filme einzigartig.

Geht mir ebenso. Ich habe nie auch nur im Entferntesten darüber nachgedacht, daran irgendetwas zu kritisieren. Klasse Szene für mich!

Zardoz

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24

Freitag, 6. September 2013, 12:03

Geht mir auch so. Gerade der "neue" Aston Martin, gefahren vom neuen 007-Darsteller - ziemlich bondig und alles andere als ein "Fremdkörper".
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Mister Bond

Felix Leiter

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25

Sonntag, 8. September 2013, 12:05

Für mich ein super Bondfilm! MAg den noch lieber als LTK und ist momentan auch in meinen Top 5!
Deshalb gibt es von mir für diesen Streifen 4,5/5 und ist derzeit knapp vor FYEO mein liebster 80er Bondfilm.
Mit Timothy Daltons Spiel habe ich mich auch nach langer Zeit angefreundet. Manchmal scätze ich ihn sogar recht hoch ein, nur an die beiden Sirs kommt er nicht ran.
TLD hat aber eine gut konstruierte Story, da ist es mir egal, oder es fällt kaum auf, dass auch Necros hätte Pushkin sofort töten können.
Es geht ja auch darum, dass Koskov hat "glaubwürdig" flüchten müssen, weil er von Pushkin beschattet wurde. Deshalb auch das ganze Brimborium. Man dachte sich, nun gut, nach der erfolgreichen Flucht, kann der MI 6 auch die restliche Drecksarbeit erledigen.
Die Actionsequenzen sind auch toll in Szene gesetzt. Der Kampf von Necros und dem MI 6 Wachmann i. Blayden Castle ist erste Sahne und spannend, obwohl Bond gar nicht involviert ist.
Nur Kara finde ich bieder und die aufgesetzte deutsche Synchro bei ihr und Koskov hätte nicht sein müssen. Pushkin spricht auch nicht mit so einem extremen Akzent und Khan spricht ja schon "hochdeutsch". Kann damit aber auch leben.
Der Score von John Barry rangiert bei mir auf Platz 3 und ich mag auch A-HAs Titelsong. Bin auch so ein 80er Kind, wenngleich der Titelsong für mich nur um Platz 10 schwirrt.
Die beiden Pretenders-Lieder finde ich auch sehr gleungen, gerade in Beziehung mit John Barrys Score.

kananga

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26

Samstag, 14. Dezember 2013, 12:38

Der letzte rundum gelungene u. erfreuliche Bondfilm rangiert für mich jedenfalls unter den Top 10. Dies liegt vor allem auch an der tadellosen Arbeit der Drehbuchautoren .. Es liegt darin, dass eine der besten Fleming-Kurzgeschichten erstaunlich werkgetreu in einen intelligenten, aktuellen Plot eingearbeitet wurde. Es liegt darin, dass dass zudem reichlich originelle Einfälle hinzugefügt wurden: Pipeline in den Westen, dass genug augenzwinkernde, humorvolle Action (Celloszene) vorhanden ist, die rasant und schnörkellos umgesetzt wurde. Eines der größten Vorzüge des immer noch unterschätzten Regisseurs John Glen, der hier nach FYEO seinen besten Bondfilm abliefert.
Es liegt daran, dass reichlich Flair verströmt wird, wobei es kein bißchen stört, dass das Österreichbild sehr fantastisch ist: von der slowakischen Grenze kommt man niemals durch alpines (?) Gebiet nach Wien, das Riesenrad konnte bzw. kann wohl hoffentlich doch nicht einmal der damals bzw. der heutige amtierende Wiener Bürgermeister aus romantischen Gründen anhalten. Auch die Afganistan-Folklore ist als Zeitdokument nicht weiter störend, denn man kann Cubby Brocoli u.Co gewiss viel vorwerfen, aber ihnen nun auch vorzuhalten, den 11.9.2001 nicht vorausgesehen zu haben, wäre wohl etwas übertrieben. Zudem hat sich eben auch Fleming häufig aktuelle politsche Szenarien als Hintergrund seiner meist übersteigert-märchenhaften Actionplots bedient. Es liegt schließlich daran, dass reichlich Serienelemente beibehalten werden: zum letzten Mal hört man einen (prachtvoll gelungenen) Score des großen Bond-Meisters John Barry, Q, Felix Leiter, Martini geschüttelt nicht gerührt, Bond, James Bond untermalt mit der klassischen Melodie. Es liegt nicht zuletzt auch an der Darstellung Timothy Daltons, obgleich ich dessen grundsätzliches Rollenverständnis für falsch halte. Aber eingebettet in so viele klassische Elemente aus den alten Filmen und aus Flemings Büchern wirkt dies nicht weiter störend. Man nimmt dem kantigen Waliser den Durchschnittsbriten von der Straße ab, der Lederjacke und Pullover trägt, wie auch den gefährlichen Actionhelden mit knochentrockenem Humor und nicht zuletzt den romantischen Liebhaber, zudem sieht er dem Bond aus Flemings Büchern tatsächlich ähnlich. Von allen Annäherungen an einen "menschlichen, harten, realistischen Bond", ist dies die gelugenste - sowenig ich auch mit diesem Rollenverständnis und vor allem dem Dogmatismus, mit dem seine Verfechter beanspruchten, alleinbefugte Ausleger der orthodoxen Bondlehre zu sein, anfangen kann.

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AnatolGogol

Supernase

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Samstag, 14. Dezember 2013, 12:46

Auch die Afganistan-Folklore ist als Zeitdokument nicht weiter störend, denn man kann Cubby Brocoli u.Co gewiss viel vorwerfen, aber ihnen nun auch vorzuhalten, den 11.9.2001 nicht vorausgesehen zu haben, wäre wohl etwas übertrieben. Zudem hat sich eben auch Fleming häufig aktuelle politsche Szenarien als Hintergrund seiner meist übersteigert-märchenhaften Actionplots bedient.
Ich sehe das durchaus kritischer. Man hat sich damals politisch schon recht weit aus dem Fenster gelehnt durch die romantische Verklärung der Mujahedin. Einen recht komplexen Sachverhalt wie den sowjetischen Afghanistan-Krieg aus dramaturgischen Gründen in eine striktes Gut-gegen-Böse-Szenario einzudampfen ist im besten Falle sorglos-naiv, im schlimmsten Falle fahrlässige Propaganda. Da hilft auch die obligatorische "Versöhnungsszene" am Ende mit der üblichen Friedenstaube Gogol nix, die Darstellung der sowjetischen Besatzer (man denke an den sadistischen Gefängniswärter) und ihrer edlen freiheitsliebenden Gegenüber hat einen faden Beigeschmack, nicht erst seit den Erkenntnissen des 11. September.
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Samstag, 14. Dezember 2013, 13:24

(...) Darstellung Timothy Daltons, obgleich ich dessen grundsätzliches Rollenverständnis für falsch halte. (...)- sowenig ich auch mit diesem Rollenverständnis (...) anfangen kann.
In dem Punkt bin ich etwas unsensibel: Wie lautet denn sein Rollenverständnis?

Auch die Afganistan-Folklore ist als Zeitdokument nicht weiter störend, denn man kann Cubby Brocoli u.Co gewiss viel vorwerfen, aber ihnen nun auch vorzuhalten, den 11.9.2001 nicht vorausgesehen zu haben, wäre wohl etwas übertrieben. Zudem hat sich eben auch Fleming häufig aktuelle politsche Szenarien als Hintergrund seiner meist übersteigert-märchenhaften Actionplots bedient.
Ich sehe das durchaus kritischer. Man hat sich damals politisch schon recht weit aus dem Fenster gelehnt durch die romantische Verklärung der Mujahedin. Einen recht komplexen Sachverhalt wie den sowjetischen Afghanistan-Krieg aus dramaturgischen Gründen in eine striktes Gut-gegen-Böse-Szenario einzudampfen ist im besten Falle sorglos-naiv, im schlimmsten Falle fahrlässige Propaganda. Da hilft auch die obligatorische "Versöhnungsszene" am Ende mit der üblichen Friedenstaube Gogol nix, die Darstellung der sowjetischen Besatzer (man denke an den sadistischen Gefängniswärter) und ihrer edlen freiheitsliebenden Gegenüber hat einen faden Beigeschmack, nicht erst seit den Erkenntnissen des 11. September.
Bei James-Bond-Filmen handelt es sich jedoch nicht um Dokumentationen, sondern um die Erlebnisse eines klar positionierten Beamten Ihrer Majestät. Dessen Handlungsfähigkeit resultiert allein aus einer kontrastierenden Schwarz-Weiß-Sicht der Welt, mit sehr scharfen Konturen. Ein ständiges Suchen nach Fürs und Widers würde dessen Bewegungsfreiheit dermaßen behindern, dass er vermutlich von Beginn an keinen Gebrauch von seiner Lizenz hätte machen können. Der Gegner IST der Gegner! Jeder und alles, der/das ihm momentan bei dessen Bekämpfung helfen könnte, ist akzeptabel. Das betrifft sogar Mujahedin. Wie es dann ein paar Jahre später aussehen könnte, ist eine ganz andere Frage.
God save the Queen!

AnatolGogol

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29

Samstag, 14. Dezember 2013, 13:45

Bei James-Bond-Filmen handelt es sich jedoch nicht um Dokumentationen, sondern um die Erlebnisse eines klar positionierten Beamten Ihrer Majestät. Dessen Handlungsfähigkeit resultiert allein aus einer kontrastierenden Schwarz-Weiß-Sicht der Welt, mit sehr scharfen Konturen. Ein ständiges Suchen nach Fürs und Widers würde dessen Bewegungsfreiheit dermaßen behindern, dass er vermutlich von Beginn an keinen Gebrauch von seiner Lizenz hätte machen können. Der Gegner IST der Gegner! Jeder und alles, der/das ihm momentan bei dessen Bekämpfung helfen könnte, ist akzeptabel. Das betrifft sogar Mujahedin. Wie es dann ein paar Jahre später aussehen könnte, ist eine ganz andere Frage.
Mir geht es ja aber auch nicht um die Tatsache, dass Bond mit den Mujahedin gemeinsame Sache macht, dagegen ist im Interesse der Mission nichts zu sagen. Mir geht es um die Art und Weise wie im Film politische Schwarz-Weiss-Malerei betrieben wird, wie die Mujahedin passend zu Barrys majestätischen Klängen und den von Mills pittoresk festgehaltenen Panoramen romantisch verklärt werden als edle Freiheitskämpfer und die Sowjets (wohlgemerkt: die Rote Armee, nicht Einzeltäter) als barbarische Invasoren dargestellt werden. Das ist innerhalb der Bondfilme dann schon eine Besonderheit, da gerade die Filme ja immer bemüht waren ja niemanden auf die Füsse zu treten. Dass man dies ausgerechnet im Klima von Perestroika und Glasnost getan hat verwundert etwas. Man stelle sich vor, Lazenby wäre 69 zur Mission nach Vietnam gejettet und hätte gemeinsame Sache mit dem Vietcong gemacht, wärend Hunt alle Register gezogen hätte die Amis als wüste Kriegstreiber zu inszenieren. ;)
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Maibaum

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30

Samstag, 14. Dezember 2013, 13:52

Die Mudjahedin waren aber damals die Freiheitskämpfer, und die Russen die von dem Großteil der Bevölkerung nicht erwünschten Besatzer.
Es ist auch nicht richtig die Mudjahedin mit den Taliban gleichzusetzen. Nach dem Ende des damaligen Krieges und dem Sturz der kommunistisch geprägten afghanischen Regierung in 1992 versuchten die Mudjahedin immerhin eine Demokratie zu etablieren. Die Taliban gründeten sich erst danach und bekämpften mit pakistanischer Hilfe diese islamisch geprägte Demokratie. Ende der 90ger hatten die Taliban dann den Großteil des Landes besetzt, jedoch war der Norden weiterhin in der Hand der ehemaligen Mudjahedin, die auch weiterhin die offiziell anerkannte Regierung von Afghanistan war.

Natürlich waren die Mudjahedin sicherlich nicht so durchweg liebe Leute wie im Film dargestellt, das war der richtige CIA aber auch nie im Vergleich zum Bondschen CIA.

Jedenfalls, diese in TLD idealisierten Freiheitskämpfer waren letztendlich eher die Gegner von Taliban und von Al Quaida und haben nach 9.11. mit Hilfe der Amerikaner den Großteil Afghanistans zurückerobert, und dort wieder eine islamische Demokratie errichtet, auch wenn diese sicherlich kaum mit den westeuropäischen Demokratien vergleichbar ist.

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  • »Mr. Fogg« ist männlich

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Samstag, 14. Dezember 2013, 14:39


(...) Mir geht es um die Art und Weise wie im Film politische Schwarz-Weiss-Malerei betrieben wird, wie die Mujahedin passend zu Barrys majestätischen Klängen und den von Mills pittoresk festgehaltenen Panoramen romantisch verklärt werden als edle Freiheitskämpfer und die Sowjets (wohlgemerkt: die Rote Armee, nicht Einzeltäter) als barbarische Invasoren dargestellt werden. Das ist innerhalb der Bondfilme dann schon eine Besonderheit, da gerade die Filme ja immer bemüht waren ja niemanden auf die Füsse zu treten. Dass man dies ausgerechnet im Klima von Perestroika und Glasnost getan hat verwundert etwas. Man stelle sich vor, Lazenby wäre 69 zur Mission nach Vietnam gejettet und hätte gemeinsame Sache mit dem Vietcong gemacht, wärend Hunt alle Register gezogen hätte die Amis als wüste Kriegstreiber zu inszenieren. ;)Was die interessante Frage aufwirft,
Was die interessante Frage aufwirft, ob Bond-Filme eher eine auktoriale oder Bonds individuelle Perspektive einnehmen (sollten).

Der Vergleich mit ´69 ist aber etwas dürftig: a) Bond alliiert mit den Vietcong??? b) Amerikaner (immerhin Verbündete!) ´69 als Äquivalent zu Russen ´87? In beiden Fällen: Kein Gedanke!!!
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kananga

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Samstag, 14. Dezember 2013, 14:43

Geschätzter Mr. Fogg: zu Daltons Rollenverständnis ist zu sagen, dass ihm ja unglückseligerweise die Fleming-Bücher in die Hand fielen und er daraus den Schluss zog, Bond müsse "menschlicher" gemacht werden, da Fleming ihn als "ganz realen Menschen" darstelle. Schon das von Fleming im Eigentlichen erfundene Genre des Actionhelden ansich, das wiederum eigentlich herzlich wenig mit dem Geheimdienstwesen verbunden ist, hat aber für mich herzlich wenig mit Realität zu tun, ebensowenig die Punkte Bondschurke, Bondgirl usw. Es wurde ja im übrigen treffend gesagt, dass Bondromane zumindest auf der symbolischen Ebene wie moderne Märchen funktionieren. Es ging Fleming wie schon mehrmals beschrieben eben darum, "realistische" Details als Identifikationsmöglichkeit für seinen Leser einzustreuen, dies gelang meisterhaft durch einen reportagehaften Stil, der aber wohl filmisch nicht umsetzbar ist. Dieser partielle Flemingsche Realismus zeigt sich aber für mich viel glaubwürdiger und überzeugender bei den Reisebeschreibungen , sowie bei der Schilderung des nun einmal aristokraitsch angehauchten Bondlifestyles als bei irgendwelchen psychoanalytisch-tiefsinnigen Erkundungen des Bondschen Gefühlslebens, die von Fleming ja selbst nicht ernst genommen wurden . Fleming hat, mit einer Reihe von Aussagen, die man bequem nachlesen kann, diese Auffassung seines eigenen Werkes auch untermauert.

Was Dalton fatalerweise mit seiner Rollenauffassung ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt erreichte, war keinesfalls das Vordringen zum Flemingschen Urbond sondern vielmehr, dass man nun seinerseits von mehr oder weniger durchschnittlichen amerikanischen Actionfilmen kopierte. Diese sind nun aber im Kern selbstverständlich ebensowenig "menschlich" oder "realistisch" wie Bondfilme, propagieren nur einen anderen Lifestyle und eine andere Dimension der Gewaltdarstellung. (wobei ich manchen dieser Amerikaner zu Gute halte, dass sie mit
mehr Augenzwinkern und Selbstironie zu Werke gingen als gewisse
007-Darsteller) Ein stumfpsinniger "Held schaut böse, beleidigt u. brutal u. ballert alles nieder was sich ihm in den Weg stellt" Racheplot wie etwa in LTK oder QOS ist für mich an Unbritishness nicht zu überbieten.

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AnatolGogol

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Samstag, 14. Dezember 2013, 15:52

Die Mudjahedin waren aber damals die Freiheitskämpfer, und die Russen die von dem Großteil der Bevölkerung nicht erwünschten Besatzer.
Es ist auch nicht richtig die Mudjahedin mit den Taliban gleichzusetzen. Nach dem Ende des damaligen Krieges und dem Sturz der kommunistisch geprägten afghanischen Regierung in 1992 versuchten die Mudjahedin immerhin eine Demokratie zu etablieren. Die Taliban gründeten sich erst danach und bekämpften mit pakistanischer Hilfe diese islamisch geprägte Demokratie. Ende der 90ger hatten die Taliban dann den Großteil des Landes besetzt, jedoch war der Norden weiterhin in der Hand der ehemaligen Mudjahedin, die auch weiterhin die offiziell anerkannte Regierung von Afghanistan war.

Natürlich waren die Mudjahedin sicherlich nicht so durchweg liebe Leute wie im Film dargestellt, das war der richtige CIA aber auch nie im Vergleich zum Bondschen CIA.

Jedenfalls, diese in TLD idealisierten Freiheitskämpfer waren letztendlich eher die Gegner von Taliban und von Al Quaida und haben nach 9.11. mit Hilfe der Amerikaner den Großteil Afghanistans zurückerobert, und dort wieder eine islamische Demokratie errichtet, auch wenn diese sicherlich kaum mit den westeuropäischen Demokratien vergleichbar ist.
Es liegt mir auch fern hier Mujahedin mit Taliban gleichzusetzen, mir ging es um die generelle Kritik an einer politischen Stellungnahme, die wie du ja auch selbst schreibst nicht wirklich die Realität abgebildet hat. Ich halte es für unangebracht und gefährlich innerhalb von Unterhaltungsfilmen solche Sujets aufzugreifen, grob zu vereinfachen und tendenziell darzustellen. Warum ich dann im Krassen Widerspruch dazu durchaus meinen Spass mit Filmen wie Rocky IV oder Rambo II habe kann ich dir ehrlich gesagt aber auch nicht sagen. :ka: Vermutlich auch deshalb, weil ich so etwas bei Bondfilmen nicht gewohnt bin und es hier auch nicht sehen möchte. In Stallonescher 80er Jahre-Propaganda gehört es dagegen ja quasi zum Grundkonstrukt der Filme dazu.
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kananga

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Samstag, 14. Dezember 2013, 16:30

Genosse Gogol: ich halte die Darstellung der Russen in TLD generell nicht sehr unterschiedlich von der in OP oder AVTAK. General Puschkin ist ja wie sein Vorgänger Gogol ein ausgesprochener Symphat und einzig Koskov stellt eine gerissene und zweideutige Figur da, wie Orlov in OP, der aber am Schluss von Sowjets und Briten gemeinsam liquidiert wird. Zudem beansprucht die Darstellung ja nicht, die allerdings etwas komplexe Ausgangssituation der sowjetischen Afghanistaninvasion darzustellen, wobei man schon auch die Befürchtungen des Westens in dieser Frage verstehen muss. Denn die ursprünglich eindeutig pazifistische und ganz auf Appeasment u.a. gegenüber den Sowjets eingestellte Regierung Carter wurde hier kräftig unter Zugzwang gesetzt, als das ohnehin schon von den USA geduldete prokommunistische Regime gestürzt wurde und eine offene sowjetische Annektion begann. (Siehe auch die gleichzeitigen Ereignisse, die zum NATO-Doppelbeschluss führten.) Hier wurde allgemein eine Welle neuer kommunistischer Aggression und eine Überschreitung der ansich systemerhaltenden, bewahrenden Breschnew-Doktrin befürchtet. Vgl. auch der Boykott der Olympischen Spiele 1980. Diese Ereignisse waren in weiten westlichen, antikommunistischen Kreisen noch kräftig in Erinnerung, während die Gorbimania auch noch nicht richtig ausgebrochen war.

Maibaum

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Samstag, 14. Dezember 2013, 16:47

Schon das von Fleming im Eigentlichen erfundene Genre des Actionhelden ansich,


Ohne groß drüber nachzudenken würde ich das erst mal anzweifeln. Schon weil es da laaange vorher Jungs wie Tarzan oder Die 3 Musketiere und viele, viele andere gab. Für einen in der modernen Welt verankerten ActionHelden war Spillanes Mike Hammer wahrscheinlich bedeutsamer als der literarische Bond.

Du scheinst ja Fleming generell sehr hoch einzuschätzen, ich finde ihn mittlerweile zu oft nur noch schwer lesbar,

Zitat


Ein stumfpsinniger "Held schaut böse, beleidigt u. brutal u. ballert alles nieder was sich ihm in den Weg stellt" Racheplot wie etwa in LTK oder QOS ist für mich an Unbritishness nicht zu überbieten.


Sehr britisch sind die beiden Filme wahrscheinlich nicht, aber das waren die frühen Bonds genau so wenig. Und Stumpfsinnigkeit vermag ich bei beiden überhaupt nicht festzustellen, bei Dalton definitiv nicht. Und LTK ist doch insgesamt kaum verschieden von TLD in seiner Zeichnung der Bond Figur.

Wobei ich aber auch zu denen gehöre die meinen daß Dalton dem Roman Bond am nächsten kommt.

kananga

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Samstag, 14. Dezember 2013, 17:01

Ich denke, dass die Bondfilme für die Entwicklung des Genre Actionfilm schon sehr prägend waren. Ja, Fleming ist in den literarischen Gebieten, auf die er sich bewusst beschränkte, m.E. absolut meisterhaft und auch für eine ganze Reihe von Unterhaltungsautoren wegweisend. Siehe Forsyth u.v.m.
Ich meinte natürlich nciht, dass Dalton "stumpfsinnig" ist, im Gegenteil, ich halte ihn für einen außergewöhnlich talentierten Schauspieler . Vermutlich ist er sogar an der Rolle gescheitert, weil er am ehrgeizigsten war und am meisten erreichen wollte. Aber er hat dabei eben m.E. ganz wesentliche Dinge übersehen, siehe meine vorherigen Statements. P.S. auch die früheren Bonds waren demnach nicht britisch? Eine interessante Auffassung. lg

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Feirefiz

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Samstag, 14. Dezember 2013, 17:45

Dann widerspreche ich mal der Ansicht, Dalton sei an der Rolle gescheitert. In seinen beiden Filmen bietet er einen absolut überzeugenden Bond. Dass er, wie gelegentlich vertreten wird, in seinen Filmen gänzlich verschiedene Bonds verkörpert, kann ich nicht erkennen. Zwar spielt er Bond in LTK „grimmiger“ als in TLD, aber das ist keine Frage der Charakterisierung, sondern der Mission. In TLD geht Bond seiner „normalen Arbeit“ nach, in LTK ist er im Eigeninteresse unterwegs, ist m.E. aber auch dabei stets als Bond erkennbar. Gewiss hat Dalton Bond menschlicher bzw. realistischer angelegt als seine Vorgänger, seine große Leistung wie die seiner Filme als Gesamtpakete ist es nach meinem Empfinden aber, dass in beiden Fällen hier eine Neuausrichtung der Bond-Figur perfekt in die inhaltlichen und formalen Standards eingebunden waren, dass sie sowohl für die Traditionalisten wie auch für die „Reformer“ bestens goutierbar sind – wenngleich mir bewusst ist, dass ich hier zumindest für LTK eine Mindermeinung vertrete.

Kommerziell hat LTK bei allen schwarzen Zahlen nicht so funktioniert wie von den Beteiligten erhofft. Das gilt aber auch (um OHMSS mal auszuklammern) z.B. für TMWTGG. War Moore damals also als Bond gescheitert, oder war es der Film, der damals einfach nicht so recht den Nerv des Publikums traf? TSWLM gab die Antwort. Dalton hätte ohne den bekannten Rechtsstreit Bond vielleicht für die Allgemeinheit ebenso seinen Stempel aufdrücken können wie Connery, Moore oder inzwischen Craig (und wer sich an Craig reibt, soll nicht vergessen, was sich Moore von vielen Seiten bis zu seinem Abschied hat anhören müssen), aber selbst seine beiden Filme sind wichtige Beiträge des Franchise: TLD ist die Brücke von der Tradition in die Moderne (klassischer Film, neuer Bond), LTK ist die (weitausweniger radikale) Blaupause der Craig-Ära und hat auch schon bei Brosnan durchaus Spuren hinterlassen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt keinen gescheiteren Bond-Darsteller – und das gilt ausdrücklich auch für Lazenby. Was nicht heißt, das man jede Bond-Interpretation genießen muss.
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Samstag, 14. Dezember 2013, 18:26

seine große Leistung wie die seiner Filme als Gesamtpakete ist es nach meinem Empfinden aber, dass in beiden Fällen hier eine Neuausrichtung der Bond-Figur perfekt in die inhaltlichen und formalen Standards eingebunden waren, dass sie sowohl für die Traditionalisten wie auch für die „Reformer“ bestens goutierbar sind – wenngleich mir bewusst ist, dass ich hier zumindest für LTK eine Mindermeinung vertrete.

und gerade da sind wir eben anderer Meinung, aus von mir oben ausführlich ausargumentierten Gründen. Ich gebe aber natürlich zu, dass generell die Frage, wann ein Schauspieler an der Rolle gescheitert ist oder nicht auf absolut subjektiven Urteilen beruht, gerade Dalton kann man füglich an seinen selbst gesteckten Ansprüchen und Absichten messen, die Rolle back to the roots zu führen und muss feststellen, dass er dieses Ziel mit LTK verfehlt hat. Nur zur Klarstellung: die kommerzielle Verwertbarkeit hat für mich mit dieser Frage nichts zu tun,, selbstverständlich weiß ich, dass die Craig Filme CR oder SF sehr erfolgreich waren und halte trotzdem eher wenig von ihnen.

Feirefiz

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Samstag, 14. Dezember 2013, 18:51

gerade Dalton kann man füglich an seinen selbst gesteckten Ansprüchen und Absichten messen, die Rolle back to the roots zu führen und muss feststellen, dass er dieses Ziel mit LTK verfehlt hat. Nur zur Klarstellung: die kommerzielle Verwertbarkeit hat für mich mit dieser Frage nichts zu tun,, selbstverständlich weiß ich, dass die Craig Filme CR oder SF sehr erfolgreich waren und halte trotzdem eher wenig von ihnen.
Ja, jenseits der Frage, was der kommerzielle Erfolg eines Bond-Films über dessen Qualität aussagt, sind wir anderer Meinung, aber eben das macht dieses Forum ja auch so interessant. Meiner Ansicht nach ist Dalton gerade in LTK grandios, aber natürlich muss man seine Darstellung in dem Film ebensowenig goutieren wie z.B. Connery in seinen letzten EON-Filmen (in denen er m.E. oft missverstanden wird). Die Frage ist halt, wie weit man die Bond-Charakterisierung mitzutragen bereit ist. Will man den Superhelden? Will man den Menschen? Wie weit ist man dazwischen willens zu gehen? Ich bin eher ein Freund des etwas menschlicheren Bond, trotzdem kann ich Over-The-Top-Beiträge wie YOLT, MR und sogar DAD in der richtigen Stimmung absolut genießen. Natürlich muss sich auch niemand dafür rechtfertigen, wenn er eine gewisse Bond-Interpretation ablehnt, doch generell kann ich nur ein weiteres Mal ein Credo wiederholen, das ich schon fast zu meiner Signatur machen könnte: Wohl dem, der Beides haben kann ...
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (14. Dezember 2013, 18:58)


kananga

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Samstag, 14. Dezember 2013, 19:02

Natürlich muss sich auch niemand dafür rechtfertigen, wenn er eine gewisse Bond-Interpretation ablehnt, doch generell kann ich nur ein weiteres Mal ein Credo wiederholen, das ich schon fast zu meiner Signatur machen könnte: Wohl dem, der Beides haben kann ...
gut gesprochen, Kollege Feirefiz;)! Ich bin ja auch der Meinung, der Streit über unterschiedliche Rollenauffassungen darf nicht dazu führen, zu vergessen, dass wir alle Bondianer letztlich durch dasselbe Hobby/Spezialinteresse geeint sind und deshalb im selben, hoffentlich von Q mit einigen Extras versehenen Bondboot sitzen;).

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »kananga« (14. Dezember 2013, 19:09)