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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich

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41

Donnerstag, 24. Oktober 2013, 14:01

Schöne Auflistung, Chris!

V.a. bei 2 Szenen/Zügen vernehme ich diese "Menschlichkeit" bei Sanchez und Scaramanga:

Scaramanga:
Er hat persönlich nichts gegen Bond.

Sanchez:
Loyalität bedeutet ihm wesentlich mehr als Geld.

Diese beiden Punkte gehören zu den herausragenden Momenten der Villainhistorie im Bond-Franchise, da sie den allgemeinen Duktus des Klischee-Villains durchbrechen.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Count Villain

Schurkengraf

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42

Donnerstag, 24. Oktober 2013, 14:28


Scaramanga:
Er hat persönlich nichts gegen Bond.


Was wiederum ein interessantes Licht auf seine Beziehung zu Andrea Anders wirft. Andere Villains haben wenigstens einen Grund, persönlich etwas gegen Bond zu haben, wenn er ihnen ihre Freundinnen ausspannt. Also scheint sie für ihn auch nur Mittel zum Zweck zu sein ("Liebhaber nur bevor er tötet"). Die Frage ob er da auch einfach wie Kananga einem (Aber-)Glauben hinterherhängt ("Stierkämpfer machen das genauso, es soll das Auge schärfen") oder tatsächlich schon eine psychische Störung aufweist (Sex geht nur noch mit Mord oder umgekehrt) - hierzu sei auch nochmal auf die phallische Szene verwiesen, als er Andrea mit dem goldenen Colt streichelt - mag da jeder für sich selbst beantworten. Inwiefern man normal ist, wenn die größte Freude das Töten von Menschen darstellt, sei ebenfalls dahingestellt.

Scaramanga ist da schon ziemlich nah an der Grenze, was meines Erachtens die "normalen" Schurken auf Largo, Sanchez und LeChiffre begrenzt, die sich höchstens durch eine gewisse Brutaltät und/oder Grausamkeit auszeichnen.


- Greene: So wie er stellenweise reagiert definitiv ein Borderliner


Hast du da direkte Beispiele im Film? Würde mich sehr interessieren.
Vernichte alles, was wir bei uns haben. Man hat uns enttarnt.

43

Donnerstag, 24. Oktober 2013, 14:47

Es gibt Stellen:

- Der "kreative" Mord an Fields, weil Sie seinem Cousin ein Bein stellte
- Die Opferung des Selben nur kurze Zeit später
- Das Überlassen seiner Liebhaberin an den Vergewaltiger General Medrano als kleines "Incentive" zum Geschäft
- Das völlig gegen seinen bisherigen Charakter in QOS gezeichnete Ausrasten im brennenden Hotel (OK, sein Plan ist gescheitert...weshalb verpisst er sich nicht einfach, nein, er tritt gegen einen voll ausgebildeten Mi6 Agenten an, ohne Plan in blinder Wut)
"That's one hell of a Pilot!"

largo

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44

Samstag, 26. Oktober 2013, 19:13

Hi !
Der Mann mit dem goldenen Colt ist für mich persönlich nach Moonraker der schwächste Moore-Bond .Das meiste ist schon gesagt:
Schwächen:
-schlechtestes,weil dämlichstes Bondgirl aller Zeiten
-alberner Henchmen (mit verbrochenem Namen in der dt.Fassung )
- in die Länge gezogene,langweilige Handlung
-unspektakulärster Tod eines Villains aller Zeiten
-nervtötendes Titellied
Stärken
-Roger Moore
-Christopher Lee,den ich auch sonst einfach nur grandios finde
-Eröffnungssequenz ( mal was anderes )
-Andrea Anders,eine sehr tragische Figur
Fazit: Noch deutlich besser als der überkandidelte Monnraker,aber dennoch der zweitschwächste Moore-Bond und kein Glanzlicht der Reihe

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »largo« (25. Mai 2014, 09:32)


Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich

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45

Sonntag, 27. Oktober 2013, 00:52

Hi largo,

willkommen im Bondforum! :)

Kann mich Deiner Liste weitgehend anschließen, auch wenn ich die Schwächen nicht so drastisch sehe. Ich nehme an, dass Du mit dem unteren Block die Stärken und nicht nochmal die Schwächen gemeint hast. ;)
Bonds Brutalität stört mich, wie oben bereits erwähnt, auch nicht. Ich fand Moores TMWTGG-Bond beim letzten Schauen in seiner Härte sogar richtig gut, authentisch und glaubwürdig.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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46

Sonntag, 27. Oktober 2013, 06:22

(...) der schwächste Moore-Bond
(...) -schlechtester Tod eines Villains ever
Ich schätze diese kurze, klare und gegliederte Form der Kritik sehr! Auch wirkt sie auf mich sehr rational, ohne irgendwelche unfaire Gefühlsaufwallung. Dennoch kann ich mich ihr inhaltlich nicht anschließen. Ich sah mir daraufhin noch einmal meine Bestenliste an, die ich am 14.08. hier (erstmalig) erstellte und war selbst überrascht, dass TMTGG bei mir auf Platz 6 aller und auf Platz 1 von Moores Bondfilmen steht. Eine Überprüfung der Liste ergab, dass ich sie heute leicht verändert aufstelle: TMWTGG rückt auf Platz 5 vor!
Ich halte den Film tatsächlich für Moores Besten und kann nicht einmal genau sagen, warum. Ich will es aber versuchen:
Bond wirkt hier nicht ganz so über-lebensgroß wie in den meisten anderen Filmen. Ich meine, dem Dialog zwischen ihm und Goodnight im Hotel ("James! Junge, musst Du gut sein!" "Das muss doch rauszukriegen sein - das nächste Mal frage ich sie.") entnehmen zu können, dass er sich seiner Wirkung auf das andere Geschlecht nicht unbedingt bewusst ist. Goodnights Abfuhr nach dem Dinner trägt dazu bei, diesen Eindruck zu entwickeln. Auch spürt man seine Zerknirschung gegenüber M nach dessen Zurechtweisung, die darin kumuliert, dass Letzterer wünschte, Scaramangas Kugel hätte Bond gegolten.
Der Tod Scaramangas ist mir als ein Geniestreich des Drehbuchautors im Bewusstsein! Er findet auf der Ebene von Scaramangas privatem Kombat-Übungsfeld statt unter Ausnutzung von dessen vollkommener Ausstattung: Sogar die Walther PPK der Wachsfigur ist nicht nur echt, sondern geladen! Er hat hier sicher oft geübt, den Parcours aber nicht bestanden, als die Bedingungen in die Realität wechselten. Das Leben ist - so kann man daraus schließen - letztlich kein Spiel.
Einen Bewunderungsschub der besonderen Art erhielt der Film bei mir durch die Posts jüngeren Datums in diesem Thread. Bisher lastete ich dem Film ein liebloses Drehbuch an. Bonds ausbleibende Erwiederung von Scaramangas "Gastfreundschaft" hielt ich bislang für ein schweres Versäumnis. Ich sehe nun aber, dass man darin durchaus Methode erkennen kann: Das gänzliche Fehlen von Werten im Charakter des Villains MUSS Bond steif und angewidert wirken lassen - vielleicht gerade, WEIL Bond oberflächliche Ähnlichkeiten zu Scaramanga ausmacht. Aus der größten Schwäche des Films wurde so in meiner Wahrnehmung eine seiner größten Stärken! (Dafür nochmal meinen Dank an Mister Bond und Kronsteen!) Dieser letzte Dialog sorgte jetzt für eine Beförderung des Films auf Platz 5!
God save the Queen!

largo

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47

Sonntag, 27. Oktober 2013, 17:26

@Kronsteen
ja,es waren die Stärken gemeint :) Habe es jetzt auch noch geändert.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »largo« (22. Mai 2014, 20:51)


Mister Bond

Felix Leiter

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48

Montag, 28. Oktober 2013, 00:18

(...) der schwächste Moore-Bond
(...) -schlechtester Tod eines Villains ever
Ich schätze diese kurze, klare und gegliederte Form der Kritik sehr! Auch wirkt sie auf mich sehr rational, ohne irgendwelche unfaire Gefühlsaufwallung.

Das ist wohl die beste Antwort, die ich seit langem gelesen habe 8o :thumbsup:


Ich meine, dem Dialog zwischen ihm und Goodnight im Hotel ("James! Junge, musst Du gut sein!" "Das muss doch rauszukriegen sein - das nächste Mal frage ich sie.") entnehmen zu können, dass er sich seiner Wirkung auf das andere Geschlecht nicht unbedingt bewusst ist. Goodnights Abfuhr nach dem Dinner trägt dazu bei, diesen Eindruck zu entwickeln.

Also den Spruch nahm ich immer als Ironie Bonds auf. Und Goodnight hat ihm ja gar keine wirkliche Abfuhr gegeben. Direkt nach ihrem Spruch wurde Sie wuschig und hat sich schon mal in James' Suite nackig gemacht :)

Aber schön, dass TMWTGG, dank Kroni und mir, bei dir wohl noch steigen konnte, auch wenn es ironischerweise für mich der schwächste Moore-Bond bleibt. Dennoch mag ich seit jeher, Lees und Moores Performance im Film.

Mister Bond

Felix Leiter

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Samstag, 11. Januar 2014, 12:35

Nach dem letzten Sichten weiß ich gar nicht mehr ob TMWTGG für mich Moores schwächster Bondfilm bleibt.
Habe den Film zur Abwechslung wieder im O-Ton geschaut und da gewinnt er doch. TMWTGG und DAF haben ja eindeutig die größten Jux-Synchros spendiert bekommen.
Aber irgendwie passt das doch nicht ganz zu Moores Spiel, die hier, bis auf ein paar pointierten Sprüchen, eher geradlinig und kantiger angelegt ist.
Auch das TMWTGG der Moore-Bond ist, welcher am wenigsten Action bietet, sehe ich nicht ganz als Schwäche an.
Ich mag zum Beispiel wie Bond ermittelt wo er Scaramanga finden kann, bevor dieser ihn tötet. Und ab Andreas Tod finde ich den Film überwiegend gut. Bonds Ankunft auf Scaramangas Insel und das Finale finde ich sehr stark, wunderbar durch John Barrys Musik untermalt.
Den Score finde ich auch um einiges besser als die von MR, OP und sogar DAF.
An Moore und Lee hatte ich nie was auszusetzen, wie schon mein Beitrag vom Oktober bestätigt. Scaramanga gehört eh zu meinen Lieblings-Bösewichten und Moores Darstellung liegt hinter der von TSWLM vielleicht auf Platz 2!
Optisch finde ich Moore hier als Bond sogar am ansprechendsten.

Spree

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Samstag, 11. Januar 2014, 14:08

Ich mag zum Beispiel wie Bond ermittelt wo er Scaramanga finden kann, bevor dieser ihn tötet.
Scaramanga tötet Bond?! 8| War ich beim Anschauen immer so besoffen? :party:

I never left!

Mister Bond

Felix Leiter

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Samstag, 11. Januar 2014, 15:15

Pingel. Töten möchte :prof: :winke:

Spree

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Samstag, 11. Januar 2014, 16:14

Ach so, sorry, ich hatte es vorher wirklich nicht verstanden. :whistling:

I never left!

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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53

Sonntag, 12. Januar 2014, 20:36

Nach dem letzten Sichten weiß ich gar nicht mehr ob TMWTGG für mich Moores schwächster Bondfilm bleibt.
Habe den Film zur Abwechslung wieder im O-Ton geschaut und da gewinnt er doch. TMWTGG und DAF haben ja eindeutig die größten Jux-Synchros spendiert bekommen.
Aber irgendwie passt das doch nicht ganz zu Moores Spiel, die hier, bis auf ein paar pointierten Sprüchen, eher geradlinig und kantiger angelegt ist.
Auch das TMWTGG der Moore-Bond ist, welcher am wenigsten Action bietet, sehe ich nicht ganz als Schwäche an.
Ich mag zum Beispiel wie Bond ermittelt wo er Scaramanga finden kann, bevor dieser ihn tötet. Und ab Andreas Tod finde ich den Film überwiegend gut. Bonds Ankunft auf Scaramangas Insel und das Finale finde ich sehr stark, wunderbar durch John Barrys Musik untermalt.
Den Score finde ich auch um einiges besser als die von MR, OP und sogar DAF.
An Moore und Lee hatte ich nie was auszusetzen, wie schon mein Beitrag vom Oktober bestätigt. Scaramanga gehört eh zu meinen Lieblings-Bösewichten und Moores Darstellung liegt hinter der von TSWLM vielleicht auf Platz 2!
Optisch finde ich Moore hier als Bond sogar am ansprechendsten.

Eine Bewertung nach meinem Herzen! Die sensible Art, wie Du hier die darstellerische Leistung Moores betrachtest, hat ja schon früher eine große Wirkung auf meine eigene Bewertung gehabt. Bei mir ist es Moores Bester! Und nicht zuletzt aufgrund seines Spiels. Er sieht - wie Du sagtest - nicht nur perfekt aus, er trägt sogar (zum letzten Mal) die richtige Armband-Uhr!
God save the Queen!

Mister Bond

Felix Leiter

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Sonntag, 12. Januar 2014, 22:58

Ja, schade das EON danach auf Seiko umgestiegen ist. Ich trage zwar selber eine Seiko, aber keine digitale. Bin kein Fan von Digitalanzeiger. Aber das war damals wohl die Zeit, also musste ab TSWLM eben eine digitale Seiko her.
Rolex ist aber natürlich die Marke, da kommt Omega auch nicht ran.

Und nochmal zum Spiel Moores, für mich ist es auch völlig unverständlich, wenn ich manchmal lesen muss, dass Moore im Gegensatz zu Christopher Lee blass bleibt.
Im Gegenteil, irgendwie kann ich mir keinen anderen Bonddarsteller vorstellen. Gerade in den Gesprächen mit Lee (Scaramanga), zeigt Moore seine beste Seite.

Feirefiz

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Freitag, 31. Januar 2014, 23:49

Ein paar Eindrücke zu TMWTGG im Rahmen meines eigenen Bond-Marathons, in dem ich mir tatsächlich erstmals alle 007-Filme chronologisch ansehe (ohne dabei mal den einen oder anderen Bond zwischenzuschieben), was mir wirklich einen neuen Blick auf die Reihe beschert und zumindest in der unteren Hälfte der Rangliste für Bewegung sorgen dürfte:

Wie ich schon öfter erwähnte, hatte ich lange Zeit ein Problem mit dem Moore-Bond, das sich vor 1-2 Jahren schönerweise allmählich aufzulösen begann.Bei LALD und bei TMWTGG erlebte ich in den letzten Tagen nun sogar gewissermaßen die Umkehrung meiner bisherigen Eindrücke: Nicht die Filme tragen Moore, sondern Moore trägt die Filme. LALD fand ich von der Handlungsführung eher schwach und optisch wenig opulent, aber man begleitet Moores Bond gerne zu den etwas aneinandergereiht wirkenden Höhepunkten, die der Film fraglos bietet. Gerade im Vergleich zu LALD fiel mir mehr als je zuvor auf, wie schön TMWTGG fotografiert ist. All die Landschaften, bei denen im Vorgänger einfach nur die Kamera „draufgehalten“ wurde, entfalten hier stets ein klassisch-exotisches Flair. Wie LALD (und natürlich auch DAF) enthält Hamiltons Abschiedsvorstellung manche Albernheiten, dazu ist der Plot weniger episch als frühere (und unmittelbar folgende) Materialschlachten, fast schlicht, aber bei anderen Filmen loben wir das gerne als „geerdet“, und warum sollte man TMWTGG zum Vorwurf machen, was man an anderer Stelle lobt? Allenfalls muss man konstatieren, dass sich die Grundstimmung des Films mit seinen eher phantastischen und/bzw. absurden Szenen hier und da beißt, aber wer vereint die Gegensätze? Roger Moore, dessen Bond hier wirklich noch erstaunlich ernst und partiell auch grob ist! Erstaunlich, wie parallel sich Connerys und Moores Bond bei allen Unterschieden entwickelten! Beide starteten in einem exotischen Abenteuerfilm mit scheinbar übernatürlichen Elementen (Drache, Voodoo), um dann mit einem relativ „geerdeten“ Auftrag fortzufahren. In beiden Fällen ist Bond zwar schon für süffisante bzw. zynische Sprüche gut, dabei aber noch relativ ernst. Er ist nicht des Zuschauers Conférencier inmitten einer Action-Sause, sondern ein glaubhafter Agent. Connery entwickelte sich dann in GF und TB endgültig zum coolsten Mann unter der Sonne, Moore wurde der Über-Engländer, beide in jeweils zwei absoluten Stimmungskanonen! Ich bin gespannt, wie Moore in TSWLM auf mich wirken wird. Hielt ich diesen Film bisher für Moores generellen UND darstellerischen Bond-Zenit, könnte es sein, dass ich zumindest Moores frühen Bond seinen „klassischen“ Leistungen schauspielerisch vorziehen werde, auch wenn seine ersten beiden Filme als Ganzes bei mir sicher nicht für Spitzenplätze nominiert sind.

Allerdings ist es möglich, dass TMWTGG bei mir tatsächlich an LALD vorbeizieht: Wie gesagt sieht er besser aus, dramaturgisch ist er zumindest nicht schlechter, Christopher Lee ist ein Spitzen-Villain, der mit Moore hervorragend harmoniert (spontan – und ohne die kommenden Filmsichtungen vorwegnehmen zu wollen – hat Moore mit keinem seiner Gegenspieler bessere Szenen: Was Connery sein Fröbe war und Dalton sein Davi, das scheint für Moore Lee zu sein), Peppers Auftritt schmerzt weniger (in LALD zerstört er für mich die eigentlich tolle Boot-Szene: Er nimmt ihr die Spannung, macht sie aber nicht lustig), Schnickschnack ist prinzipiell albern, aber irgendwie auch eine klassische Hamilton-Skurrilität, dazu gut gespielt: "Aber Monsieur ..."); es gibt auch ein paar andere schöne Ideen (v.a. das MI6-Schiffsdomizil), Goodnight macht zumindest im Bikini viel her (soviel zu unserer derzeitigen PC-Debatte ;)), das Titellied ist schwach (gerade im Vergleich zu LALD), umso beeindruckender finde ich, was Barry im Score daraus zaubert (ähnlich wie bei AVTAK, dessen Refrain ich bei Duran Duran nicht besonders mag, aber in Barry Arrangements umso mehr). Uswusf …

TMWTGG wird bei mir nie Kandidat für die Top Ten werden, doch nachdem er bei mir jahrelang ganz weit hinten lag, sollte es mich wundern, wenn er am Ende meines Bond-Marathons nicht ein paar Plätze gut machen sollte. Und warum – nach dieser immerhin kleinen Eloge - nur ein paar? Das liegt einzig an der Konkurrenz … :thumbup:
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (1. Februar 2014, 00:28)


Mister Bond

Felix Leiter

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Samstag, 1. Februar 2014, 10:13

In der Tat neige ich auch zur Behauptung, dass Moore seine ersten beiden Filme eher trägt als andersrum.
Aber die fast generelle Meinung, dass LALD nicht so toll fotografiert wurde, teile ich ganz und gar nicht.
Ich kann mich nur wiederholen, nei sah ich US-Locations in einem Bondfilm besser, mit Ausnahme San Francisco/Golden Gate Bridge in AVTAK.
San Monique wirkt auf mich wie es sein soll: Exotisch! Und nicht weniger exotisch als Jamaica/Crab Key.
Von der Farbgebung halte ich LALD sogar für besser als TMWTGG.
Bei Pepper scheiden sich die Geister. Seinen Auftritt in LALD finde ich tatsächlich witziger und kultiger. "A Secret Agent??? On whose side???"
Andererseits bin ich wohl einer unter hundert, der Lulus Titellied toll findet. Nicht unter meiner Top 10, dennoch flott.
Und Lee gehört so wie so zu den besten Bondvillains überhaupt. Jede Szene mit ihm und Moore gemeinsam genoss ich beim letzten Ansehen.
Deshalb hat TMWTGG auch eines der besten Finals. Damit meine ich das Duell.
Das man schon in der PTS Scaramangas Fun House bewundern durfte, sehe ich sogar als Stärkung des Finales an.
Wie der große Hitch schon sagte: Spannung erzeugt man aus der Gefahr, die dem Zuschauer, aber nicht dem Helden bewusst ist. Alles andere wäre eine Überraschung.
Da ich nun auch alle Moore-Bonds chronologisch im O-Ton gesehen habe, bleibt es auch dabei, dass dies nach TSWLM Moores beste Bond-Performance ist.
Dennoch rangiert der Film von den ersten 15 Bondfilmen, welche ich zuletzt sah, eher hinten. Nur DN und DAF finde ich langweiliger.

kananga

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57

Samstag, 1. Februar 2014, 13:39

Nicht die Filme tragen Moore, sondern Moore trägt die Filme. LALD fand ich von der Handlungsführung eher schwach und optisch wenig opulent, aber man begleitet Moores Bond gerne zu den etwas aneinandergereiht wirkenden Höhepunkten, die der Film fraglos bietet.

Es freut mich vom Herzen, dass Du zu dieser Meinung gelangt bist, dass Moore die Filme trägt, Freund Feirefiz. Ich muss hier nochmals zur schauspielerischen Leistung von Moore Stellung nehmen und behaupten, dass er den understateten smart-ironischen britischen Gentleman, den er ja auch früher schon oft mehr oder weniger gut spielte, bei Bond zur Meisterschaft getrieben hat. Es kommt natürlich immer darauf an, was man von der Rolle erwartet, was eben immer subjektiv ist, aber ich persönlich erwarte von 007 eben kaum Tiefgang oder Facettenreichtum oder gar postmoderne Aufsplitterung des Helden. Moore, der bekanntlcih eine höchst renommierte Schauspielausbildung absolviert hat und in seiner langen Karriere ein sehr breites Spektrum von erstaunlich vielfältigen Rollen gespielt hat, die überhaupt nichts mit Bond zu tun haben, einige davon übrigens mit erstaunlicher Bravour, hat sich eben auf einen Typen spezialisiert, der ihm schon aufgrund seiner Physis am ehesten entgegenkam. Ich halte jedenfalls all jenen, die tatsächlich noch immer behaupten, Moore könne grundsätzlich nicht schauspielen (etwas, was ich persönlich von keinem einzigen 007 Schauspieler behaupten würde), meine persönliche Ansicht entgegen, dass kein anderer Schauspieler Bond gleichbleibend so souverän und überzeugend gespielt hat wie Moore, insofern bin ich tatsächlich nicht fähig, einen Bond zu nennen, in dem Moore seine Spitzenleistung abliefert. Zu TMWGG muss ich sagen, dass er mir persönlich einfach zu langsam ist, das Tempo, in dem das meiner Ansicht nach großartig fotografierte LALD inszeniert ist, finde ich einfach überzeugender. Ansonsteen stimme ich Deinen Meinungen zu Lee z.B durchaus zu, wiewohl mir auch Yaphet Kotto sehr gut gefällt.

Maibaum

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Samstag, 1. Februar 2014, 13:46

Moore ist mir ja sehr sympathisch, aber ein guter Schauspieler war er trotzdem nicht. Die Bond Rolle hat fast nichts von ihm verlangt als da zu sein und ein wenig Standard Schauspielerei. Moore hat trotzdem ein bestimmtes Charisma in die Roole reingebracht das beides trägt, Bond und die jeweiligen Filme. Aber groß gespielt hat er nicht.

kananga

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Samstag, 1. Februar 2014, 14:16

Moore ist mir ja sehr sympathisch, aber ein guter Schauspieler war er trotzdem nicht. Die Bond Rolle hat fast nichts von ihm verlangt als da zu sein und ein wenig Standard Schauspielerei.

Moore ist mir ja sehr sympathisch, aber ein guter Schauspieler war er trotzdem nicht. Die Bond Rolle hat fast nichts von ihm verlangt als da zu sein und ein wenig Standard Schauspielerei.

es wäre mir persönlich sehr lieb und recht, wenn Du mit mir zumindest übereinstimmen würdest, dass die Masstäbe, was gute Schauspielerei ist, zumindest subjektiv sind, geschätzter Kollege Maibaum. Was kann ein Akteur generell spielen? Was wird konkret von seiner Rolle erwartet? Ist overacting oder underacting die größere Gefahr? Was ist fürs Theater gut, was für den Film, was fürs TV? Ich bin natürlich selbst blutiger Laie und lediglich ein simpler Fan, doch ich weiß doch, dass bei Dikussionen über solche Fragen die Meinungen extrem auseinandergehen und dass es selbst über die Größten (dass Moore zu ihnen gehört, habe ich nie behauptet) extrem unterschiedliche Meinungen gibt. Ich behaupte nochmals: so wie Moore die Rolle angelegt hat, hat ein sehr namhafter Schauspieler es seinerzeit Sean Connery vorgeschlagen "Mach die ganze Zeit ein Gesicht, Junge, als ob dich die ganze Sache nicht wirklich interessieren würde" und gerade das hat Moore am konsequentesten durchgezogen, wobei es andererseits immer wieder zwischendurch Momente gab, wo er ganz kurz mit zum Teil extrem sparsamen Mitteln erstaunlich viel intensiv andeutete. Ich behaupte, wer das durchgehend so professionell und vor allem so kontinuierlich mit so viel Spielfreude macht wie Moore, wer so natürlich und souverän vor die Kamera tritt, der ist eben der perfekte SERIENSCHAUSPIELER. Dass dies eine völlige andere Sache ist als etwa postdramatisches Theater zu spielen und auch eine völlig andere Herangehensweise für den Mimen verlangt, aber deshalb durchaus nicht unbedingt leichter ist, sollte man doch wenigstens als vertretbare These zur Kenntnis nehmen. lg

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »kananga« (1. Februar 2014, 14:40)


Maibaum

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Samstag, 1. Februar 2014, 14:44

Nicht zu spielen ist aber schon generell leichter als viel zu spielen.
Trotzdem kann viel spielen auch nerven wenn man es als Übertreibung empfindet.
Und natürlich ist die Beurteilung auch von Schauspielerei ein weites Feld das auch viel mit persönlichen Vorlieben zu tun hat. Und jede Beurteilung ist selbstverständlich subjektiv.