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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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1

Donnerstag, 30. Mai 2013, 20:57

DER FILM: Im Geheimdienst Ihrer Majestät

In diesen Thread bitte alles rund um "OHMSS".



Hier der archivierte Thread im alten razyboard.

Und hier die letzten Beiträge von dort:

Zitat von »Django«

Da ich Freitag und Samstag krank zuhause bleiben musste (ausgerechnet jetzt, wo das Wetter nach gefühlten 28 Jahren endlich mal einen Frühling macht...), bot sich die Gelegenheit, noch ein bisschen Bond-DVDs zu gucken. Unter anderem habe ich mir OHMSS reingezogen. Für mich war dies lange Zeit der unbekannteste "klassische" Bond-Film und im Prinzip ist das bis heute so geblieben. Zu unrecht, wie ich feststellen musste. Was war doch OHMSS nach YOLT, das ich mir unmittelbar zuvor angeschaut hatte, für eine Wohltat (wobei für mich OHMSS ohnehin direkt an TB anschliesst, während DAF auf YOLT folgt - das sind sozusagen zwei verschiedene, voneinander unabhängige Dimensionen): Keine Logiklöcher, keine Science Fiction-Elemente (obwohl Blofelds Plan und insbesondere der Omega-Virus ziemlicher Blödsinn sind). Dafür eine spannende Story, der man folgen kann und wirklich eine herausragende Action. Da kann ich auch darüber hinwegschauen, dass bei den Ski- und Bobszenen zum Teil leider nur allzu offensichtlich vor Leinwand gedreht wurde (Nebenbei bemerkt: 12 Jahre später war dies bei FYEO immer noch der Fall). Auch besticht OHMSS - besonders zu Beginn - mit einigen echt harten Fights, Mann gegen Mann. Klasse gemacht und aufgenommen. Peter Hunt hat grossartige Arbeit geleistet.

Die Schauspieler in OHMSS sind sehr gut gewählt. Zwar finde ich Diana Rigg optisch jetzt nicht so der Knaller wie andere Leute hier im Forum, dafür sind Telly Savalas als Blofeld und Gabriele Ferzetti (den ich sonst eigentlich nur aus "Once Upon A Time In The West" kenne) als Draco sind ideal gewählt. Und um es hier ein für alle Mal festzuhalten: George Lazenby war die perfekte Wahl als Bond und es ist sehr bedauerlich, dass dies sein einziger Einsatz als 007 blieb. Und den Vorwurf, George Lazenby verfüge nur über unzureichende schauspielerische Fähigkeiten, kann ich auch nicht nachvollziehen. Auch hätte ich mir weder Roger Moore noch Sean Connery als Bond in OHMSS vorstellen können. Allenfalls Timothy Dalton oder Daniel Craig - aber ich denke, dass keiner an George Lazenby herangekommen wäre. Zudem finde ich es bemerkenswert und mutig, dass sich die Produzenten damals entschieden haben, mit George Lazenby ein absolut unbeschriebenes Blatt zu engagieren.

Natürlich ist auch OHMSS nicht perfekt. Da ist einerseits Boldfelds Plan, der eher einem Superheldencomic zu entstammen scheint. Andererseits hat mir der Film vor allem zu Beginn deutlich zu viel Kitsch. Bond als Seelenklempner ist einfach wenig glaubwürdig. Und Sprüche wie "What she needs is a man to dominate her" sind einfach nur lächerlich und zum Fremdschämen. Das ist allerdings weniger ein Vorwurf an den Film an sich als an die Romanvorlage, die diesbezüglich eher an einen Groschenroman erinnert, in dem irgendwelche Altherren-Fanatsien verarbeitet werden (Sorry Ian Fleming). Auch die Figur des Darco scheint mir doch viel zu naiv gezeichnet. Als Grossindustrieller, der nicht immer ganz saubere Geschäfte macht (ähnlich wie z.B. Milos Columbo), wäre der Charakter glaubwürdig durchgegangen - nicht aber als Mafiaboss...

Insgesamt dürfte OHMSS in meiner Rangliste demnächst wohl deutlich nach oben steigen .

PS: Solche peinliche Volksfeste, wie sie in OHMSS gezeigt werden, feiern wir in der Schweiz meines Wissens nicht (und erst recht nicht an Heiligabend). Da muss man wohl schon zur Konkurrenz nach St. Anton oder so gehen.

Noch zwei Fragen zu OHMSS (die hier sicher schon irgendwo besprochen wurden, verzeiht mir, dass ich zu faul bin, das rauszusuchen):
1. Was hat es mit den gelegentlichen Wechseln der Synchrostimme von George Lazenby auf sich? Ich meine mich erinnern zu können, dass diese Passagen in der Ursprungssynchro alle bereits vorhanden waren - also warum hat man dies nachsynchronisiert? Zumal ich in solchen Fällen die Originalversion mit Untertiteln eigentlich bevorzuge...
2. Diese Typen ganz am Anfang - waren das SPECTREs oder Dracos Leute?


Zitat von »Kronsteen«

Schöne Rezension, Django!
Mit Draco gebe ich Dir Recht: Den Mafiaboss habe ich ihm auch nie so ganz abgenommen. Eher ein zweiter Kerim Bey. Die deutsche Synchro gibt da natürlich den Rest.

Zu Deinen Fragen:
1. Ich dachte immer, dass die Szenen, die nachsychronisiert wurden, früher noch nie synchronisiert worden seien?! Zumindest habe ich diese Szenen (wie z.B. die mit dem inzwischen schon fast legendären Malone) erst auf der DVD erstmals gesehen.
2. Eindeutig Dracos Leute, da diese Tracy beschützen sollen.


Zitat von »Django«

Danke für die Rasche "Aufklärung":
Zu 1.: Also die nachsynchronisierte Szene, in der Bond im Bett auf Bunt "trifft" meine ich definitv so am TV gesehen zu haben - und zwar lange vor der DVD-Ära
Zu 2.: Warum halten sie ihr dann das Messer an den Hals? Zudem vermute ich, dass Bon zumindest einen dieser Typen ins Jenseits befördert hat... Irgendwie etwas unverhältnismässig, wenn es doch "nur" Darcos Männer waren.


Zitat von »Kronsteen«

zu 1. Stimmt, diese Szene wurde nachsychronisiert, obwohl sie schon mal synchronisiert war. Ich hatte eben mehr das gespräch zwischen Drace und Tracy während der Autofahrt im Kopf.

zu 2. Die Schlägerei in Tracys Hotelzimmer oder die "Entführung" Bonds waren auch unverhältnismäßig.
Ich denke, dass auch bei OHMSS (wie bei den anderen 60er-Bonds) gilt: Die Handlungslogik muss der Spannung weichen.


Zitat von »Spree«

Vieles von den nachsynchronisierten Szenen (wenn man das so nennen kann) gab es schon mit Originalstimme, jedoch pastte es dann nicht mehr zu den Hintergrundgeräuschen (Weihnachtsbaumsong etc.) oder es gab sonstige Anschlussprobleme, sodass das meiste der 2. Hälfte schlecht neu gemacht wurden. Auf deutsch kann ich mir OHMSS seitdem nicht mehr anschauen, muss mal meine SE wieder rauskramen.


Zitat von »Django«

Das erklärt so Einiges... Obwohl ich es recht billig finde: Mit den heutigen Tontechniken wäre es (mit einem gweissen Aufwand) ohne weitere möglich, eine Stimme von allen Hintergrundgeräuschen zu befreien und neu zu hinterlegen...




Zitat von »MisterBond«

Eben. Hat man bei den anderen Bondfilmen auch geschafft, nur hier versaut.

Django, dann kennst du wohl dein Land noch nicht so gut

Und noch was: Bond als Seelenklempner kommt nicht so gut...also hat es Lazenby doch nicht geschafft

Sorry, gegenüber den anderen Bonddarstellern versprüht Lazenby das Charisma einer Bratkartoffel.


Zitat von »Django«

Nein, ich denke, Lazenby hat das Beste aus seiner Seelenklempner-Rolle gemacht. Es liegt an der Story - nicht an ihm.

Was ich übrigens noch erwähnen wollte: OHMSS ist der Bond-Film, in dem Bond mit Abstand am peinlichsten angezogen ist (und ich meinen jetzt nicht den Kilt). Liegt einerseits womöglich daran, dass er sich als Sir Hillary Bray ausgeben musste, ist aber definitiv nicht optimal umgesetzt.




Zitat von »MilesM«

Zitat von »Django«


Nein, ich denke, Lazenby hat das Beste aus seiner Seelenklempner-Rolle gemacht. Es liegt an der Story - nicht an ihm.

Was ich übrigens noch erwähnen wollte: OHMSS ist der Bond-Film, in dem Bond mit Abstand am peinlichsten angezogen ist (und ich meinen jetzt nicht den Kilt). Liegt einerseits womöglich daran, dass er sich als Sir Hillary Bray ausgeben musste, ist aber definitiv nicht optimal umgesetzt.


Na, vergiss mal den netten blauen Einteiler aus GF nicht...


Zitat von »Django«

Ich seh's grad nicht vor mir. In welcher Szene war das?


Zitat von »Kronsteen«

Zitat von »Django«


Ich seh's grad nicht vor mir. In welcher Szene war das?



In Miami. ;)



Zitat von »Maibaum«

Ich würde sogar eher sagen daß OHMSS noch mit am coolsten und modernsten aussieht von allen Filmen vor 1990.


Zitat von »Kronsteen«

Eine der bestechendsten Eigenschaften OHMSSs ist für mich tatsächlich auch die Optik.
Das Farbenprächtige und Überladene ist für mich Popkultur in Reinform.
Angeblich wurde Mike Myers für seine "Austin Powers"-Filme v.a. durch OHMSS inspiriert.

Poppiger gehts nicht:

(poppig soll hier nicht zweideutig verstanden werden ;) )

OHMSS ist Zeitgeist, der auch heute noch wirkt.
Anders als z.B. der Nachfolger DAF, der (zwar mich auch heute noch begeistert aber) auf viele sehr schräg wirkt (wir haben dieses Thema ja im Moment im DAF-Diskussions-Thread).


Zitat von »Django«



Zitat von »Kronsteen«

Zitat von »Django«


Ach so - der Strampelanzug. Also so schlimm finde ich den jetzt nicht. Schaut zumindest bequem aus :)


Ja, zum Gucken der Sportschau auf der Couch im Jahre 1964.

Den größten modischen Faux-Pas gibts - wie sollte es anders sein - im schrillen DAF.
Die viel zu kurze rosafarbene Krawatte:




Zitat von »Django«

Stimmt (ist mir beim Anschauen von DAF gestern auch aufgefallen): Ganz übel :D


Zitat von »ollistone«

Zitat von »Kronsteen«


Poppiger gehts nicht


Flower Power und Hippie-Ära halt. Pop war als kulturelle Dimension noch nicht gebräuchlich. Austin Powers bedient sich m.M.n. auch eher an dem Look der Londoner Swinging Sixties als speziell bei OHMSS, insbesondere diese Rüschenhemd-Mode.


Zitat von »Andy007«

Zitat von »Kronsteen«


Den größten modischen Faux-Pas gibts - wie sollte es anders sein - im schrillen DAF.
Die viel zu kurze rosafarbene Krawatte:
[/quotet]

Na ja, Bonds Rüschenhemd oder der Schottenrock in OHMSS sind auch nicht gerade der Knaller. ;)

EDIT: Sorry, hatte gerade gesehen, dass es oben schon erwähnt wurde.


Zitat von »MisterBond«

Pah! Die rosa Krawatte ist DAS Übel :D


Zitat von »MilesM«

Stimmt schon, die rosafarbene Oliver Hardy-Gedächtnis-Krawatte ist schlimm. Allerdings spielt da der Zeitgeist eine entscheidende Rolle (das trug man eben so und ist 1971 nicht sonderlich aufgefallen), während der oben gepostete GF-Einteiler selbst damals übel war.


Zitat von »MisterBond«

Stimmt, ist damals nichtaufgefallen, trotzdem, nicht alle trugen 1971 solch scheußliche kurzen rosa Krawatten. Im restlichen DAF-Film geht es auch wieder.
Was anderes sind die Schlaghosen. Das trug damals wirklich jeder.


Zitat von »DrShatterhand«

Auch hier möchte ich meine Meinung zu OHMSS breittreten, Vorsicht: Viel Text!

Ich schließe mich dem generellen Lob für OHMSS an und finde ebenfalls, daß dies einer der kontroversesten Filme der Reihe ist. Übrigens: OHMSS ist auch der einzige Bond mit Bond im Kilt ...

Ich brauchte ebenfalls einige Zeit, bis der Film bei mir gezündet hat, was auch daran lag, daß die vorherigen Bondfilme, die ich gesehen hatte, actionreicher waren und nicht so in die Gefühlsecke abdrifteten. Die Längen, die der Film sicher hat, kamen mir damals zu lang vor.

Die Kritik, die OHMSS einstecken musste, bezieht sich hauptsächlich auf George Lazenby und darauf, daß der Film von der Linie abwich, die mit Goldfinger eingeschlagen wurde und mit YOLT ihren damaligen Höhepunkt fand. Peter Hunts Entschluss, zu den Wurzeln des Charakters bzw. der Romane zurückzugehen, ist mutig gewesen und zahlt sich heute m.E. aus.

Peter Hunt macht aus meiner Sicht eine gute Regiearbeit; der bisweilen geäußerte Einwand, daß man ihm seine Unerfahrenheit anmerkt, trifft meiner Meinung nach nicht zu, denn in vorherigen Filmen war er der "Director 2nd Unit" und konnte so Erfahrung sammeln. John Glen hatte die gleiche Karriereleiter erklommen, bevor er zum ersten Mal bei FYEO ans Ruder durfte.

George Lazenby hatte keinerlei Schauspielerfahrung, als er anfing, sich um die Rolle zu bemühen, er hatte lediglich als Model in Werbespots gearbeitet. Es standen auch andere, erfahrenere Kandidaten zur Auswahl, aber die Entscheidung für Lazenby ist ja nicht einfach so gefallen bzw. nur vor dem Hintergrund, daß ein blutjunger Schauspieler nur wenig Gage kostet. Er hat die Verantwortlichen mit seinem Auftreten und seiner forschen Art überzeugt. Daß Lazenby sehr viel Engagement in die Rolle gelegt hat, sieht man zum Beispiel an einem Vorfall während der Dreharbeiten, als er einen Kampf mit Yuri Burienko geübt hat und ihm dabei die Nase zerschlagen hat. Und auch beim echten Dreh hat er den Charakter glaubwürdig `rübergebracht, als er in der letzten Szene um Tracy getrauert hat und traurig in die Kamera geguckt hat. Man musste ihn ja sogar noch "zurückpfeifen", als er beim Dreh dieser Szene tatsächlich geweint hat, das aber dem Drehteam doch zu stark war und er die Szene "tränenfrei" nochmal spielen sollte.

Das fehlende Happy Ending ist sicher ebenfalls eine Krux, unter der der Film zu leiden hatte. Ein Bondfilm ohne Happy Ending? Unvorstellbar. Sowas konnte nur, glaube ich, an der Kinokasse untergehen.

Die Besetzung der Rollen ist durchweg gelungen. Gabriele Ferzetti verkörpert Marc-Ange Draco stilecht und glaubwürdig; Telly Savalas ist als Blofeld überzeugender als es Donald Pleasance war (wobei man allerdings nicht vergessen darf, daß Pleasance kurzfristig diese Rolle füllen musste, siehe mein Kommentar zu YOLT). Daß es nicht sein kann, daß Bond und Blofeld sich nicht erkennen, stimmt natürlich, aber um das Problem zu lösen, hätte man wahrscheinlich doch die Idee der plastischen Chirurgie hervorkramen müssen, und die wollte zu dem Zeitpunkt keiner. Ilse Steppat ist wunderbar als Wachhund Blofelds, der die Todesengel nie aus den Augen lässt und Kontakte mit ihnen auf ein Minimum beschränkt. Man zweifelt ihre Autorität gegenüber Blofelds Handlangern keine Sekunde an.

Etwas überraschend mutet jedoch Blofelds Ambition in diesem Film an. Erst will er die Welt mit SPECTRE unterwerfen, und nun genügt ihm die Anerkennung seines Adelstitels (salopp formuliert) zusammen mit einer Generalamnestie für frühere Verbrechen. Er ist entweder bescheiden geworden oder wirklich eitel.

Auch der Schauplatz bietet im Vergleich mit dem Vulkan in YOLT eine gute Angriffsfläche für Kritik, denn der Vulkan mit seinem technischen Innenleben wirkt natürlich erstmal viel imposanter als ein Berg mit Schnee drauf. Die Wahl des Schauplatzes spiegelt jedoch auch den "Back to the roots"-Aspekt wieder, dem OHMSS folgt, und sie lehnt sich ebenso eng an die Romanvorlage an wie der gesamte Film selbst. Ich wäre übrigens gerne selbst zum Piz Gloria gefahren, als ich in der Schweiz Urlaub gemacht habe, aber ich war zu weit weg, und die Zeit erlaubte leider keinen Tagesausflug zum Piz Gloria. Die Tatsache, daß der Piz Gloria immer viel von Touristen besucht wird, die eine Bond-Location sehen wollen und dabei die anscheinend hohen Preise vor Ort nicht scheuen, zeugt meiner Meinung nach davon, daß diese Kulisse doch sehr populär ist, und an Imposanz kann sie es mit dem Vulkanset von YOLT problemlos aufnehmen.

Auch die Musik finde ich sehr gut, allen voran das Thema, das sehr dynamisch gespielt ist. Louis Armstrongs "We have all the time in the world" ist in der Tat Geschmackssache; das Lied ist nicht mein Favorit, aber ich drücke auch nicht panisch die Skip-Taste, wenn das Lied kommt. Es passt sehr gut zu der Choreographie "Bond is falling in love with Tracy" und unterstreicht das gefühlsbetonte Element des Films. Es ist interessant, zu sehen, daß dieses Lied ein paar Jahre später (ich glaube, 1971) plötzlich als Nummer 1 in den italienischen Charts stand. Ich finde, das zeigt auch, daß an dem Film mehr dran ist als man 1969 dachte.

Daß Blofelds Bedrohung der Welt durch den Virus Omega sehr schwach wirkt, kann ich nicht behaupten. Biologische Kriegsführung als Waffe eines Bösewichts empfinde ich schon als ernste Bedrohung. Man hätte aber durchaus mehr daraus machen können, da man lediglich die Gruppe der Todesengel sah, die mit den Viren in Form eines Parfümsets in die Welt ziehen sollten. Deshalb bleibt das alles eher theoretisch. Die Sache hätte anders ausgesehen, wenn zuvor bereits eine von Blofelds Todesengeln in irgendeinem Teil der Welt den Virus verbreitet hätte, dann wäre die Bedrohung konkreter geworden. So ist es ja bei "Moonraker" geschehen, wo Drax ebenfalls mit biologischen Waffen gearbeitet hat. Da sind Menschen vor Bonds Augen durch Drax´ Biowaffe gestorben, und die Bedrohung wirkte konkret und real.

Ich weiß nicht, ob die alte Version ohne den "Safecracker" und dem Playboy noch im Umlauf ist, aber man sollte sich unbedingt die lange Version zulegen, damit man den Film komplett hat. Zur neuen Synchronisation der "Ultimate Edition"-DVD kann ich nichts sagen, da ich die deutschen Tonspuren seit Jahren ignoriere und nur die Originalversionen gucke. Ich nähme aber lieber ergänzte Szenen mit neuer Synchronisation hin als auf Szenen zu verzichten, die eventuell nur wegen der Filmlänge weggeschnitten wurden.

"On Her Majesty´s Secret Sevice" ist ein Goldstück in der Reihe, dessen Qualität sich aber erst nach einiger Zeit erschließt.


Zitat von »Count Villain«

Zitat von »DrShatterhand«


Etwas überraschend mutet jedoch Blofelds Ambition in diesem Film an. Erst will er die Welt mit SPECTRE unterwerfen, und nun genügt ihm die Anerkennung seines Adelstitels (salopp formuliert) zusammen mit einer Generalamnestie für frühere Verbrechen. Er ist entweder bescheiden geworden oder wirklich eitel.


Diesen verbreiteten Irrglauben wird man wohl nie aus den Köpfen bekommen. Blofeld wollte die Welt nie unterwerfen. Es ging ihm immer nur um das Geld (FRWL: Rückkauf der Lektor durch die Russen, TB: Atomare Erpressung mit Geldforderung, YOLT: Von einem asiatischen Land bezahlt worden). Und in OHMSS sind es eben Geld, Adelstitel und Amnestie.


Zitat von »MisterBond«

Eben. Stromberg und Drax sind die, die auf Geld pfeifen :D
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Spree

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Donnerstag, 30. Mai 2013, 23:46

Ich geb auch noch meinen Senf zu OHMSS:
Obwohl mir die Grundhaltung des Films durchaus zusagt, ergibt das Ergebnis für mich kein stimmiges Bild. Die Ernsthaftigkeit des Films überträgt sich die meiste Zeit nicht auf seinen Hauptdarsteller, dafür wirkt Tracy geradezu zu depressiv. DIe große Liebe kaufe ich den beiden im Film jedenfalls nicht ab, diese Geschichte ist aufgrund mehrerer Faktoren für mich einfach misslungen. Bei CR gelang dies deutlich besser, man kann nachvollziehen, was die beiden Protagonisten füreinander bedeuten. Erst am Ende gelingt das einigermassen, dann ist es aber auch schon wieder zu spät.
Dazu dauert der Film mir insgesamt einfach zu lange, nutzt die Zeit aber wie erwähnt zu wenig zur Charakterzeichnung.
Für mich also leider eher ein misslungener Versuch nach dem Motto: "Das Gegenteil von gut ist 'gut gemeint'."

Für den letzten negativen Punkt ist der deutsche Verleih verantwortlich, denn seit der Neusynchro kann ich mir den Film nicht mehr entspannt auf deutsch ansehen. :kotz:

PS: Kann mir jemand sagen, in welcher Version der Film inzwischen im Fernsehen läuft? Bringen die auch die verhunzte Neusynchro oder hat man da die Gelegenheit den Film unfallfrei auf deutsch zu sehen? ?(

I never left!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Spree« (1. Juni 2013, 01:58)


Mi6london

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Samstag, 1. Juni 2013, 17:48

Die letzte TV Ausstrahlung meine ich war auch die verhunzte!
Und auf bluray finde ich den ganzen Film Mies umgesetzt nicht nur die syncro auch die Farben! :cursing:
"Double 0 Seven reporting for Duty" "This Never Happend to the other Fella"

Spree

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Mittwoch, 10. Juli 2013, 18:29

Hab mir gerade OHMSS auf deutsch von meiner alten SE reingezogen (nur Hofmanns Synchro will mein Kopf für Lazenby irgendwie nicht akzeptieren).
Das Ende ist toll, aber die Liebesgeschichte ist m.E. einfach schlecht inszeniert: Bond wirkt den ganzen Film über weiterhin wie der kalte Schweinehund, dem letztlich wohl viel weniger an Tracy liegt als ihr an ihm. Man hätte stärker betonen müssen, dass Tracy für ihn das Happy End, der Ausstieg aus dem Geschäft gewesen wäre und was er an ihrem Wesen schätzt. Erst am Ende - als es zu spät ist - zeigt er Gefühle, was zugegenerweise die Tragik steigert, aber ich bin mir nicht sicher, dass das so gemeint war. Die Bedeutung einer echten Liebe für Bond hat erst CR 37 Jahre später eingefangen.
Überhaupt bin ich mit vielen Einfällen Hunts im Film nicht einverstanden, wobei ich die Grundtendenz des Films sehr schätze, alleine die Umsetzung gefällt mir nicht (s. mein Post oben).

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Maibaum

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Mittwoch, 10. Juli 2013, 20:21

Das sehe ich etwas anders. Ich habe mal meinen Beitrag aus dem toten Forum hier rüber gezogen:



Ein interessanter Aspekt in OHMSS ist die Gestaltung der Liebesgeschichte. Der 1. Bond in dem man Bond auch abnimmt daß er für das Bond Girl auch Gefühle empfindet. Und es wird auch der einzige bleiben bis zu den beiden Dalton Bonds.

Und das funktioniert glaube ich nicht trotz Lazenby, sondern wegen Lazenby, den ich mit jedem Ansehen in der Rolle mehr mag. So weit daß ich mir Connery in OHMSS schon gar nicht mehr vorstellen kann.

Leider macht Hunt einen ganz großen Fehler in dem er die Liebe schon in Portugal entstehen lässt, zu einem Zeitpunkt wo das bislang Gezeigte das noch gar nicht hergibt, zu einem Zeitpunkt als das dramaturgisch auch noch vollkommen überflüssig ist. Und dann wird das auch noch in einer jämmerlich kitschigen Montage von Rosamunde Pilcher Bildern gemacht, die nur deswegen nicht zu einer der schlechtesten Szenen in einem Bond wird, weil der hübsche Louis Armstrong Song das ganze noch erträglich macht.
Hier wäre es vernünftiger und ehrlicher gewesen nur eine vorsichtige Annäherung zu zeigen, die zu dem Interesse passt das die beiden an einander haben auf Grund ihres 1. Treffens. Dann wären Bonds Affären auf dem Piz Gloria auch kein Bruch gewesen.
Aber als die beiden sich dann wieder treffen, dann ist etwas spürbar, zunächst bei Tracy und dann auch bei Bond. Und das wird dann auch gemacht wie man das in einem Action Film machen sollte. Die Liebe wird spürbar in der Bewegung, in der Action. Die Einstellungen der beiden beim Skifahren machen viel deutlicher klar was die dämliche Pilcher Montage nur behauptet.
Das passt auch alles zum "richtigen Leben" wie ich es kenne. Erst die Distanz macht etwas bewusst was vorher nur zu ahnen ist, und was Bond dann emotional passiert hat auch mit seiner Erschöpfung zu tun. Tracy rettet ihn, und damit im übertragenen Sinn auch sich selber, und Bond gibt etwas auf von seiner Souveränität. Denn Tracy sitzt am Steuer bei der Autoverfolgung und in dem Stock Car Rennen. Die Gefahr dient nicht nur die Bewährung sondern sie bringt auch etwas zusammen.

Das Bond sich über die Bewegung der Actionszenen jemanden annähert wird dann auch die Ausnahme bleiben, und eigentlich nur in LTK und QoS wieder als Motiv auftauchen. In allen 3 Filmen ist etwas spürbar das keine Dialoge braucht um sich zu erklären.

Als nächsten logischen Schritt spielt dann beim Finale Blofelds Plan nur noch eine untergeordnete Rolle. Er wird nur noch am Rande erwähnt, der Angriff auf den Piz Gloria ist in Wahrheit nur noch Tracy gewidmet. Im Gegensatz zu dem was der Filmtitel behauptet ist Bond hier für sich selber unterwegs. Da ist es dann nur konsequent das auf die Bewährung durch die Gefahr die Heirat als Erlösung folgt. Und dann, da der Film zu einer Serie gehört die weitermachen will wie gehabt, auch logischerweise das Unhappy-End am Ende steht.

Kronsteen

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 08:55


Leider macht Hunt einen ganz großen Fehler in dem er die Liebe schon in Portugal entstehen lässt, zu einem Zeitpunkt wo das bislang Gezeigte das noch gar nicht hergibt, zu einem Zeitpunkt als das dramaturgisch auch noch vollkommen überflüssig ist. Und dann wird das auch noch in einer jämmerlich kitschigen Montage von Rosamunde Pilcher Bildern gemacht, die nur deswegen nicht zu einer der schlechtesten Szenen in einem Bond wird, weil der hübsche Louis Armstrong Song das ganze noch erträglich macht.
Hier wäre es vernünftiger und ehrlicher gewesen nur eine vorsichtige Annäherung zu zeigen, die zu dem Interesse passt das die beiden an einander haben auf Grund ihres 1. Treffens. Dann wären Bonds Affären auf dem Piz Gloria auch kein Bruch gewesen.


Grundsätzlich teile ich Deine Ansicht, dass man hier etwas vorschnell eine Liebesgeschichte heraufbeschwört, um dann doch nochmal in das bond-typische Single-Muster des Womanizers abzudriften.
Ich denke aber, dass es gerade auch dramaturgisch wichtig war, das so zu machen, da eine Liebesgeschichte, die erst in den letzten Minuten des Films (z.B. bei der Flucht durch das Schneegestöber) entsteht, sich zu wenig von der Geschichte anderer Bondgirls abheben würde. Tracy braucht eine andere Basis als "normale" Girls. Und diese wird durch die etwas überschnelle "Liebe auf den 2. Blick"-Geschichte vorangetrieben.
Ich schließe mich Dir an, dass die Liebesgeschichte WEGEN Lazenby funktioniert. Er spielt die Techtelmechtel mit den Girls auf dem Piz Gloria dermaßen überheblich gelangweilt, dass ich keinen Zweifel daran habe, dass Bond das nicht aus Spaß macht, sondern weil es nötig ist, um an Informationen zu kommen.
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Maibaum

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 13:56



Grundsätzlich teile ich Deine Ansicht, dass man hier etwas vorschnell eine Liebesgeschichte heraufbeschwört, um dann doch nochmal in das bond-typische Single-Muster des Womanizers abzudriften.
Ich denke aber, dass es gerade auch dramaturgisch wichtig war, das so zu machen, da eine Liebesgeschichte, die erst in den letzten Minuten des Films (z.B. bei der Flucht durch das Schneegestöber) entsteht, sich zu wenig von der Geschichte anderer Bondgirls abheben würde. Tracy braucht eine andere Basis als "normale" Girls. Und diese wird durch die etwas überschnelle "Liebe auf den 2. Blick"-Geschichte vorangetrieben.


Nö, das finde ich nicht. In Portugal ist die entstandene Liebe nur eine Behauptung, da ist nichts spürbar. Aber in dem Moment wo sie sich trennen in der Schweiz, da ist etwas spürbar von Tracys Seite her, in der kurzen Passage mit ihrem Vater im Auto. In dem Moment als sie mit ihren Schlittschuhen vor ihm auftaucht, und die Kamera mit Bonds Blick an ihr hochfährt, da kann ich in ihrem Gesicht lesen was sie fühlt. Da ist alles klar. Das passt, das ist auch dramaturgisch perfekt.

Das ist etwas was in FRWL nie spürbar ist, aber spürbar sein sollte, und auch etwas was in TB fehlt. Domino hätte da eine Szene benötigt die ihren emotionalen Wechsel auch inszeniert. Aber da bastelt Young lieber eine weitere Actionszene rein.

Kronsteen

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 14:15


Das ist etwas was in FRWL nie spürbar ist, aber spürbar sein sollte, und auch etwas was in TB fehlt. Domino hätte da eine Szene benötigt die ihren emotionalen Wechsel auch inszeniert. Aber da bastelt Young lieber eine weitere Actionszene rein.


Ich finde nicht, dass das in FRWL oder TB spürbar hätte sein müssen.
In FRWL ist Tanja im auftrag unterwegs und kann sich erst ganz am Schluss mit Zögern für Bond und gegen Klebb entscheiden, die zu diesem Zeitpunkt auch für sie offensichtlich eine Verräterin sein muss.
Und in TB ist Dominos Seitenwechsel eher mit der Liebe zu ihrem Bruder als mit Liebe zu Bond zu erklären.
Dieses "Feeling der Liebe", wie es sich bei Tracy und Bond in OHMSS einstellt, wäre für mich nur noch in CR mit Vesper sinnvoll. Diese beiden Frauen sind die einzigen, die es irgendwie "ernst" meinen und die auch zu Bond ein ehrliches gefühl aufbauen.
Bei all den anderen Girls ist es ein Nehmen und Geben: Weder Bond noch die Girls wollen mehr als das kurzfristige Vergnügen.

Zurück zu OHMSS:
Hätte eine Liebesgeschichte glaubhafter geklungen, wenn Tracy und Bond in ganz Portugal noch dieses gegenseitige Necken durchgezogen hätten und erst in der Schweiz bei der Eislaufbahn eine Nähe entwickelt hätten?
Ich denke nicht. Und daher war es wohl leider nötig, schon zu einem so frühen Zeitpunkt Tracy als ein besonderes Bondgirl in Szene zu setzen, auch wenn ich zugeben muss - und da gebe ich Dir recht - dass es noch etwas konstruiert wirkt.

Noch konstruierter wirkt für mich allerdings der Anfang.
Was macht Bond am Strand? Stößt er dort zufällig auf Tracy, als er gerade mit seinem Fernglas rumspielt (und sie ist praktischerweise ja dann, wie sich noch herausstellen wird, Dracos Tochter)?
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Martin

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 14:42

Leider macht Hunt einen ganz großen Fehler in dem er die Liebe schon in Portugal entstehen lässt, zu einem Zeitpunkt wo das bislang Gezeigte das noch gar nicht hergibt, zu einem Zeitpunkt als das dramaturgisch auch noch vollkommen überflüssig ist.


Naja, Tracy ist schwer depressiv und suizidgefährdet. Die Liebe zu Bond ist das, was sie da rausholt. Im Roman begibt sie sich während Bonds Schweizaufenthalt auch in psychologische Behandlung. (Das hat eine gewisse Ironie, beide befinden sich in einer Klinik) Es ist meines Erachtens dramaturgisch absolut notwendig, zu diesem Zeitpunkt eine echte Liebe zu zeigen, die einem depressiven Menschen Sinn und halt geben kann. In der Schweiz ist sie psychisch dann schon wieder völlig gesund und eine echte Hilfe für Bond. Ich finde den dramaturgischen Aufbau von OHMSS ehrlich gesagt brilliant, und plane dazu auch mal einen längeren Blogbeitrag.

MilesM

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 15:24

Noch konstruierter wirkt für mich allerdings der Anfang.
Was macht Bond am Strand? Stößt er dort zufällig auf Tracy, als er gerade mit seinem Fernglas rumspielt (und sie ist praktischerweise ja dann, wie sich noch herausstellen wird, Dracos Tochter)?
Ist doch DIE klassische Bond-Szene: Bond wird von einer Frau überholt und kann dies nicht auf sich beruhen lassen. Doch statt ihr die Reifen zu zerfetzen (wie in GF) oder ein Autoballett aufzuführen (wie in GE) folgt er ihr und wundert sich, dass es plötzlich herren-/damenlos rumsteht.

Spree

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11

Donnerstag, 11. Juli 2013, 16:56


Noch konstruierter wirkt für mich allerdings der Anfang.
Was macht Bond am Strand? Stößt er dort zufällig auf Tracy, als er gerade mit seinem Fernglas rumspielt (und sie ist praktischerweise ja dann, wie sich noch herausstellen wird, Dracos Tochter)?
Was ich v.a. am Anfang nie begreife: wer sind die beiden Knallköpfe, die Bond plötzlich töten und Tracy sonstwas antun wollen? Eins von vielen dramaturgisch eben doch unpassenden Dingen, die mich an dem Film so stören. Von einer perfekten Inszenierung ist der Film m.E. meilenweit entfernt. Der Zusammenhang zu FRWL und TB will mir auch nicht aufgehen, dassind doch ganz andere Beziehungen als mit Tracy.

Und wie Kronsteen auch sagt: diese Lovestory ist eben so nicht gut inszeniert: entweder kommt die große Liebe erst in der Schweiz, dann wirkt die frühe Portugalcollage aber wie eine kitschig geratene Kondomwerbung aus den 70ern ohne Abschluss, oder sie ist zwar von Anfang an gewollt, aber einfach durch Bonds herumalberndes Verhalten unglaubwürdig und schlecht inszeniert.
Dazu kommt: in beiden Fällen wirkt der Heiratsantrag in der Scheune verfrüht und aus der Hüfte geschossen (Nach dem Motto "Jetzt wo wir schonmal in dieser Scheune sind, wieso heiraten wir eigentlich nicht?").
Das ganze soll dann ernsthafter gemacht werden, indem Bond Tracy anschließend nicht flachlegt, was ungefähr 10 Sekunden aufrecht erhalten wird. Tracys Bedeutung für Bond ist auch hier unzureichend dargestellt. :ka:
Erst am Schluss bemerkt man auch an Bonds Gesicht, was er mit Tracy verloren hat, erst hier funktioniert das auch ohne Worte und kitschige Musik (sorry, ich mag WHATTITW einfach nicht). Bis dahin war alles nur ein witziges Spiel, nichts ernstes. Tränen hätten hier denke ich zwar nicht geschadet, aber wenn Bond sein Gesicht in Tracy drückt, kann man sie zumindest erahnen.

Und das bringt mich zu meinem letzten Punkt: Ich glaube, dass Lazenby eigentlich trotzdem eine gute Figur macht, auch wenn dieses herumalbernde "Dandyhafte", das ich oben beschrieben habe, sicher auch etwas auf ihn zurückgeht. Mit Connery hätte der Film jedenfalls nie funktioniert, da finde ich ihn schauspielerisch aber auch beschränkter als wohl die meisten hier, aber sei's drum. Schlimmer macht es m.E. Hunts Inszenierung und seine Regieanweisungen: einerseits will er einen realistischeren Bond, nah an der Romanvorlage haben, andererseits verstrickt er sich in unwirklichen Machofantasien (der ganze Piz-Harem fliegt auf ihn und der Spruch "James Bond doesn't cry"), benutzt unechte Synchronisation beim Sir Hilary-Teil, psychedelische Soundeffekte bei den Schlägereien und ganz üble Rückprojektionen bei der Bobfahrt. Diese Mischung und der oben beschriebene unglaubwürdige Ansatz der Liebesgeschichte sorgen bei mir dafür, dass der Film bei mir nie so recht zünden will und nicht über einen schlechten Mittelfeldplatz hinauskommt, obwohl ich die Grundintention absolut begrüße.
Das war mein bisher ausführlichstes Review zu OHMSS, ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken.

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Kronsteen

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12

Donnerstag, 11. Juli 2013, 17:10

Ich schließe mich nahezu komplett deinen Ausführungen an, Spree! :thumbup:

Aaaaber:

Mit Connery hätte der Film jedenfalls nie funktioniert, da finde ich ihn schauspielerisch aber auch beschränkter als wohl die meisten hier, aber sei's drum.


Du hältst Connery für limitierter in seiner Darstellungskunst als Lazenby? :pinch:

Ich hab das in der Anfangsszene immer so aufgefasst, dass die Typen am Strand Dracos Leute sind, die Tracy beschützen wollen (auch vor ihr selber und ihren Suizid-Phantasien). Und für diese Typen ist Bond eine Gefahr, da er in Tracys Leben einzudringen versucht. Meiner Meinung nach wollen sie Tracy nichts antun. :ka:

Nochmals zur Liebesgeschichte Bond + Tracy:

Wenn ich ehrlich bin und tief in mich hinein höre, dann wirkt die Liebesgeschichte zumindest für mich erst durch die Heirat. Bis dahin ist für mich der Unterschied zu den "normalen" Bondgirls gar nicht so sehr feststellbar. Da hilft die zwar notwendige aber dennoch konstruierte Romantik-Passage in Portugal auch nicht wirklich.
Die Hochzeit und die Todesszene sind für mich die Passagen, die sich wirklich absetzen von den anderen Filmen. Und gerade bei der Todesszene finde ich Lazenby stark - auch wenn ich beileibe nicht so weit gehen würde zu behaupten, dass Connery das nicht auch hinbekommen hätte. Es war alles in allem gut so, dass dieser Außenseiter-Film mit Lazenby, dem Außenseiter, gedreht wurde.
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Spree

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13

Donnerstag, 11. Juli 2013, 17:40

Du hältst Connery für limitierter in seiner Darstellungskunst als Lazenby? :pinch:
Mooooment, :stop: DAS hab ich nicht gesagt! Aber ich halte SC andererseits auch nicht für den Schauspielergott oder Bond schlechthin, v.a. nicht in seiner Verfassung vom Vorgänger YOLT.
Und ich bin mir nicht sicher, ob SC gerade die Schlussszene so gut hinbekommen hätte. Was ich sagen wollte: der Grund, warum OHMSS bei mir nicht ganz zündet liegt nicht an Lazenby.

Ich halte SC insgesamt schauspielerisch für etwas überschätzt, das heißt nicht, dass ich GL besser finde, aber in OHMSS passt George für mich definitiv besser.
Interessant wäre es zweifelsohne gewesen, wie sich ein Sean mit Lust in OHMSS geschlagen hätte.

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 20:29

Guten Morgen!
Natürlich blühen Bonds und Tracys erste Gefühle füreinander bereits in Portugal.
Könnt ihr nicht Gesichter lesen und ist Armstrongs Song nicht ein Wink mit dem Zaunpfahl? :vogel: :D

Bei FRWL und TB gebe ich Kroni absolut Recht. Tanya schwärmt für Bond, aber es ist mehr ein Techtelmechtel. Zum Schluss sieht Sie, dass Klebb ein Scheusal ist.
Domino ist wohl auch von Bond inszeniert, aber weil Largo es ihr als Liebhaber nicht bringt (Zitat: "die Art wie du mich hältst") und hat eben wegen ihrem toten Bruder Rachegelüste.

Und auch wenn ich Connery für begabter als Lazenby halte, Connery hätte ich die Szenen mit Rigg wohl weniger abgenommen. Da musste ein neuer Bond her.
Unser Sean war halt zu sehr macho 8)

Martin

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15

Freitag, 12. Juli 2013, 00:58

Noch konstruierter wirkt für mich allerdings der Anfang.
Was macht Bond am Strand? Stößt er dort zufällig auf Tracy, als er gerade mit seinem Fernglas rumspielt (und sie ist praktischerweise ja dann, wie sich noch herausstellen wird, Dracos Tochter)? Was ich v.a. am Anfang nie begreife: wer sind die beiden Knallköpfe, die Bond plötzlich töten und Tracy sonstwas antun wollen? Eins von vielen dramaturgisch eben doch unpassenden Dingen, die mich an dem Film so stören. Von einer perfekten Inszenierung ist der Film m.E. meilenweit entfernt.


Was soll daran so mysteriös sein? Bond macht Urlaub am Meer und wird von einer schönen Frau überholt. Kurz darauf sieht er ihren Wagen am Straßenrand, wird neugierig und sieht, wie sie mit verheulten Augen ins Meer marschiert. Er zählt eins und eins zusammen und will sie abhalten. Die Männer könnten von Spectre sein oder noch vom vorigen Auftrag stammen, ist doch egal. Bond hat eben einige Feinde. In Skyfall wird auch nicht erklärt, warum Patrice in Shanghai einen Kunsthändler ermorden soll.

Schlimmer macht es m.E. Hunts Inszenierung und seine Regieanweisungen: einerseits will er einen realistischeren Bond, nah an der Romanvorlage haben, andererseits verstrickt er sich in unwirklichen Machofantasien (der ganze Piz-Harem fliegt auf ihn und der Spruch "James Bond doesn't cry"), benutzt unechte Synchronisation beim Sir Hilary-Teil, psychedelische Soundeffekte bei den Schlägereien und ganz üble Rückprojektionen bei der Bobfahrt. Diese Mischung und der oben beschriebene unglaubwürdige Ansatz der Liebesgeschichte sorgen bei mir dafür, dass der Film bei mir nie so recht zünden will und nicht über einen schlechten Mittelfeldplatz hinauskommt, obwohl ich die Grundintention absolut begrüße.
Das war mein bisher ausführlichstes Review zu OHMSS, ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken.


Warum sollte ein realistischerer Bond keine überdurchschnittliche Wirkung auf Frauen haben? Er ist der einzige verfügbare Mann da oben, und es ist 1969, nicht 1989. Free love, Woodstock, etc. Ich bezweifle, dass das damals als so utopische Machophantasie wahrgenommen wurde. Und die Rückpros sind mindestens genauso übel wie die im Finale von TB. Ich finde sie sogar mindestens genauso gut wie die von OP 14 Jahre später.

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Freitag, 12. Juli 2013, 01:57

Einer der Männer am Strand ist aber Raphael (Terence Montain) der später im Film (Angriff auf Dem Piz Gloria) nochmal zusehen ist.
Er arbeitet für Draco.

Ich sehe das ganze so. Er und der andere sind die Bodyguards von Tracy. Tracy überlistet beide und fährt mit ihrem Wagen an Bond vorbei. Da sie sich das Leben nehmen möchte. Bond sieht das und will sie davon abhalten. In der zwischen Zeit tauchen die beiden auf, sehen Bond, interpretieren die Rettung falsch und greifen ein.

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Freitag, 12. Juli 2013, 08:57

Einer der Männer am Strand ist aber Raphael (Terence Montain) der später im Film (Angriff auf Dem Piz Gloria) nochmal zusehen ist.
Er arbeitet für Draco.

Ich sehe das ganze so. Er und der andere sind die Bodyguards von Tracy. Tracy überlistet beide und fährt mit ihrem Wagen an Bond vorbei. Da sie sich das Leben nehmen möchte. Bond sieht das und will sie davon abhalten. In der zwischen Zeit tauchen die beiden auf, sehen Bond, interpretieren die Rettung falsch und greifen ein.


Exakt! :thumbup:
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Freitag, 12. Juli 2013, 14:56

Einer der Männer am Strand ist aber Raphael (Terence Montain) der später im Film (Angriff auf Dem Piz Gloria) nochmal zusehen ist.
Er arbeitet für Draco.

Ich sehe das ganze so. Er und der andere sind die Bodyguards von Tracy. Tracy überlistet beide und fährt mit ihrem Wagen an Bond vorbei. Da sie sich das Leben nehmen möchte. Bond sieht das und will sie davon abhalten. In der zwischen Zeit tauchen die beiden auf, sehen Bond, interpretieren die Rettung falsch und greifen ein.

Aber ist es dann nötig, Tracy das Messer an den Hals zu halten obwohl Raphael Bond breits mit der Waffe bedroht?

Ich glaube, man vergisst oft, dass der Film fast 45 Jahre alt ist. Dass vielleicht ein ‚ausgestatteter‘ Vulkan mehr her macht als ein schnödes Bergrestaurant mag ja auf den ersten Blick stimmen, aber Hunt hat den Piz Gloria so toll in Szene gesetzt, dass es für mich keinen Unterschied macht. Wir haben heute Häuser die über 800m hoch. Ende der 60er war aber das Empire State Building (381m) das grösste Gebäude der Erde. Ich will damit sagen, dass 1969 ein Restaurant auf einem 3000er bestimmt imposanter war als heute.

Des Weiteren verstehe ich nicht, warum die Rückprojektionen bei den alten Filmen immer wieder Anlass zu Kritik sind. Das war damals gängige Praxis. Ich habe eine Rückprojektion lieber als heutzutage ein schlecht vom Computer generiertes Bild (bestes Beispiel ‚Titanic II‘).

Ansonsten gehört für mich OHMSS zu den Juwelen der Reihe. Nicht wegen Lazenby, nicht wegen der Story und auch nicht wegen der oft zitierten etwas anderen Beziehung Bonds zu einer Frau sondern wegen der einzigartigen Mischung all dieser Komponenten.
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Freitag, 12. Juli 2013, 15:14


Des Weiteren verstehe ich nicht, warum die Rückprojektionen bei den alten Filmen immer wieder Anlass zu Kritik sind. Das war damals gängige Praxis.

Rischtisch :). Und gerade ins OHMSS finde ich die Rückprojektionen jetzt nicht sooo schlimm. Da stören mich eher noch die "Amerikanischen Nächte" bei Bonds nächtlicher Flucht von Piz Gloria.
Störend finde ich die Rückprojektionen in Bond-Filmen hingegen insbesondere in FYEO und OP. Das wäre zu vermeiden gewesen... Ach ja: DN ist diesbezüglich auch ganz übel.

JamesBond

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Freitag, 12. Juli 2013, 16:45

Das Messer ans Tracys Hals könnte auch bedeuten, das Bond aufgeben soll. Sie werden sich ja nicht so schnell erkenntlich zeigen, das sie Ihre Bodyguards sind.

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