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Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich
  • »Scarpine« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 469

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

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Montag, 13. Oktober 2014, 11:38

Das beste Drehbuch?

Das Thema hatten wir auch im alten Board. Siehe hier.

Die letzten Beiträge:

Zitat von »Scarpine«

Als jemand der hobbymäßig Drehbücher verfasst, muss ich mal konstatieren, dass ein Bond-Drehbuch für einen professionellen Autor wohl eines der schwierigsten Unterfangen überhaupt in seiner Laufbahn darstellen dürfte.

Bei Bond ist man kreativ ziemlich eingeschränkt. Man kann nicht alles mit den Charakteren machen. Schon gar nicht mit Bond. Die Story muss immer einem bestimmten Schema folgen (Bond-Formel) und trotzdem kreativ sein (nach bisher 22 Variationen dieses Themas). Man braucht jede Menge gute Einfälle (u.a. für den Plan des Schurken, Charaktere, Gadjets etc.) und muss sich innovative Action-Sequenzen aus den Fingern saugen, die so noch nicht in den 22 Vorgängerfilmen bzw. in Konkurrenz-Action-Franchises zu sehen waren. Dann muss das Skript noch den Ansprüchen Michael G. Wilsons, Barbara Broccolis und des jeweiligen Regisseurs genügen, einen zeitgenössichen Bezug haben und idealerweise noch dem Geiste Ian Flemings verhaftet sein. Respekt an den, der es unter diesen Umständen schafft mal ein "meisterhaftes" Drehbuch abzuliefern. Genau an dieser Schwierigkeit dürfte es wohl auch liegen, dass an jedem Bond stets mindestens 3 Autoren werkeln.

Bei der Bewertung der Drehbücher, muss man den Autoren, die seit den 80er Jahren im Einsatz waren, zugute halten, dass sie sich nicht wie in den Sechzigern und Siebzigern auf die jeweiligen Buchvorlagen beziehen konnten, sondern sich Plots auf Basis von Kurzgeschichten bzw. völlig frei ausdenken mussten. Spannend sind in diesem Zusammenhang natürlich auch, die vielen unverfilmten Skripte, wie etwa das "Dalton #3/Bond 17"- bzw. das "GE-Michael France"-Skript. Mich persönlich würde ja das 160 Seiten starke Skript von Purvis & Wade zu "Bond 22" interessieren, dass Marc Forster ja gar nicht gefiel. Woraufhin er durch Paul Haggis dann ein neues Drehbuch schreiben ließ. Allein die Tatsache, dass dieser Film rund 170 Minuten lang gewesen wäre, wirft die Frage auf, was es alles nicht in "Quantum of solace" geschafft hat.

Ein bestes Drehbuch kann ich innerhalb der Franchise dagegen nicht küren. Es gibt sicher ein paar Highlights, aber auch diese Skripte haben Stärken und Schwächen. Müsste ich nach den Jahrzehnten urteilen, so würde ich diese Skripts als am gelungensten einstufen:

60er Jahre

- FRWL (Richard Maibaum & Johanna Harwood nach dem Roman von Ian Fleming)
FAZIT: Effektiver und schnörkeloser Agententhriller im besten Hitchcock-Stil. Der Kalte Krieg ist allgegenwärtig. Darüber hinaus ist das Drehbuch nahe am Roman. Größte Schwäche dieses Skripts ist wohl, dass es im Hinblick auf den ausgeflippten Bombast der späteren Franchise ein wenig zu sachlich wirkt.

- OHMSS (Richard Maibaum & Simon Raven nach dem Roman von Ian Fleming)
FAZIT: Ebenfalls eine gelungene Roman-Adaption. Die (fast) einzigartige Tragik dieser Bond-Geschichte machen Skript und Film zu einem Unikat unter den Bonds. Die bondtypische Gigantomie ist größtenteils vorhanden und auch abseits der Lovestory bekommt Bond genug Ermittlungsbedarf. Eine Schwäche des Drehbuchs ist, dass die Liebesgeschichte doch ein wenig zu ausgewalzt ist und dass ebendiese im Hinblick auf Tracys Verhalten nicht immer ganz glaubwürdig bzw. rund erscheint.

* Die Skripte von DN, GF und TB sind zwar auch weitgehend gelungen, sind aber insgesamt nicht so flüssig im Handlungsablauf und haben in den letzten beiden Fällen zum Ende hin zunehmend Schwächen. Das Drehbuch zu YOLT lässt unverständlicherweise einige interessante Ideen des Romans außer acht und gibt den interessanten Nebencharakteren (Henderson, Osato, Helga Brandt) wenig Handlungsspielraum.

70er Jahre

- LALD (Tom Mankiewicz nach dem Roman von Ian Fleming)
FAZIT: Zwar hat das Skript nur noch wenig mit dem Roman von Fleming zu tun, dafür ist es aber zeitaktueller und bietet jede Menge Thrill und viel spannende & spektakuläre Action. Die Voodoo-Thematik passt gut zur ernsteren Stimmung des Films und macht im Kontext des Villain-Plans Sinn. Schwächen finden sich dagegen bei den Charakteren. Während Kananga im Vergleich zu seinen Handlangern etwas beliebig erscheint (von dem Original-Charakter bleibt kaum etwas übrig), ist die Figur der Rosie Carver zu wiedersprüchlich angelegt, um glaubwürdig zu sein.

- TSWLM (Richard Maibaum & Christopher Wood)
FAZIT: Das Drehbuch hat nichts mehr mit dem Originalroman zu tun, was angesichts der actionarmen Geschichte Flemings auch nicht verwunderlich ist. Die Bedrohungslage wird geschickt in der Story aufgebaut und mit gigantomischen Leckerbissen angereichert. Schurken, Handlanger und Bondgirls sind einprägsam und interessant ausgestaltet. Der Beißer geriet aber etwas zu comichaft. Schwächen hat der Film auch bei der Motivation einiger Figuren. Die Rachethematik Amasovas wirkt oberflächlich und nebensächlich, während Strombergs Vergangenheit im Hinblick auf seinen irren Plan einige interessante Aspekte hätte liefern können.

* DAF und MR sparen leider ebenfalls einige gute Ideen ihrer Buchvorlagen aus. Bei DAF sind Bedrohungslage und Hauptschurke (inklusive Abgang) zu halbherzig umgesetzt. MR schießt in der zweiten Filmhälfte über das Ziel hinaus. Die vielen Actionsequenzen wirken in der Folge beliebig. TMWTGG gehört in die Kategorie der Skripte mit dem meisten Potzenial bzw. besten Thema (Bond kontra Profikiller). Auch geriet die Umsetzung leider zu unentschlossen.

80er Jahre

- TLD (Richard Maibaum & Michael G. Wilson)
FAZIT: Ein gelungener Agententhriller, der geschickt die Motive der titelgebenden Kurzgeschichte aufgreift. Die Action entwickelt sich außer der Geschichte heraus und wirkt nicht aufgesetzt. Schurken und Verschwörung sind sehr geschickt angelegt. Zu den Schwächen des Films gehört die recht bemüht wirkende Allianz mit den Afgahnen, sowie die Tatsache, dass eine "Smiert Spionem"-Operation für 1987 schon sehr unrealistisch war. Auch der Kara-Charakter will im Hinblick auf Koskovs Intrigen nicht so recht in die Story passen.

- LTK (Richard Maibaum & Michael G. Wilson)
FAZIT: Ein knallharter Rachethriller ohne Kompromisse. Im Vergleich zum Vorgänger noch ernster und bodenständiger. Charaktere und Story wissen zu überzeugen. Spannung und Action sind garantiert. Nur das etwas zu zuckersüße Happy End will nicht so richtig ins Bild passen.

* FYEO ist ohne Zweifel auch gut geschrieben, aber für einen Bond der 80er ist das Skript ein wenig zu nüchtern geraten. Der Schurke ist wenig einrägsam angelegt und er verfolgt auch keinen wirklichen Plan. Vielmehr kommt ihm ein Zufall zu Hilfe. ATAC und Heroinschmuggel halten als Aufhänger den Film zusammen. OP bietet da eine bessere Bedrohungslage. Dafür ist der Plot um die Faberge-Eier reichlich verwirrend und in Verbindung mit dem Hauptplan doch ziemlich unrealistisch. Die Story ist insgesamt zu durchwachsen. Auch AVTAK bietet ein gutes Bedrohungsszenario, wenngleich auch hier wie im Vorgänger die Spuren, die Bond zur Aufdeckung der Verschwörung führen, unwahrscheinlicher nicht sein könnten. Auch die Finals hätten teilweise interessanter getstaltet sein können.

90er Jahre

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* Kein Skript der 90er hat es bei mir unter die besten geschafft. GE wirkt an vielen Stellen zu unrund. In der Mitte herrscht ziemlich viel Leerlauf. Die emotionale Verbindung Natalyas zu Bond ist nicht glaubhaft, die interessante Figur Ourumov wird verheizt und der Trevelyan-Charakter hätte noch viel, viel mehr Potenzial geboten. TND gehört neben TMWTGG & TWINE zu jenen Skripten, dennen ich das meiste (ungenutzte) Potenzial zurechne. Charaktere und Story wirken zu bliebig. Auch hier vermag die emotionale Komponente zwischen Bond und Paris nicht zu überzeugen. Das Thema Medienmacht hätte interessanter und tiefgehender behandelt werden können. TWINE hat ein gutes Konzept und einige facettenreiche Charaktere zu bieten. Bondgirl und Henchmen sind hingegen austauschbar. Auch hier hätte man weit mehr aus dem Themenkomplex machen können.

00er Jahre

- CR (Neal Purvis & Robert Wade und Paul Haggis)
FAZIT: Das Skript schafft den gewagten Spagat zwischen Vorlagentreue und Aktuallisierung. Die Story hat aktuelle Bezüge, wirkt keinesfalls altbacken und atmet zudem über weite Strecken den Geist der flemingschen Vorlage. Ein Bravourstück. Die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen zueinander sind sehr gut ausgestaltet. Vor allem der Vesper-Charakter ist wunderbar vielseitig, aber auch Bond selbst ist hier komplexer als in früheren Tagen angelegt. Großartig sind auch die Dialoge. Gelungen ist ebenso der Schluss. Zu den Schwächen ist zu rechnen, dass es insgesamt zu viele kleinere Nebencharaktere ohne große Storyrelevanz gibt. Auch die Liebesgeschichte ist wie bei OHMSS zu ausgewalzt. Vor allem die Etappe von Le Chiffres Abgang zum Venedig-Finale ist reichlich lang.

* DAD wirkt wie seine Vorgänger in Teilen beliebig und auch die Charaktere sind weitgehend profilos. Aus Bonds Folterung wird ebensowenig Kapital geschlagen wie aus Mirandas Doppelspiel. Größter Fauxpass der Autoren dürfte hingegen der Zwitter-Charakter Moon-Graves sein, der dem halbherzigen Skript völlig den Boden entzieht. QOS folgt als eindeutige Fortsetzung seinem Vorgänger nach mit dem Problem dessen offene Fragen zu klären, was das Skript in zufriedenstellender Form leistet. Auch die Hauptcharaktere werden wieder sehr gut beleuchtet, während einige Nebenfiguren zu kurz kommen. Eine weitere Schwäche ist, dass der Schurke und die Realisierung seines Plans hinter die emotionale Vorgeschichte des Helden zurücktreten müssen. Hier hätte etwas mehr Ausgestaltung gut getan.[quote/]



Zitat von »Spirit54«

Sehr interessanter Beitrag, Scarpine! Sehe das im Prinzip genauso.

Das interessante bei den Bond-Drehbüchern ist ja, dass die Initiative von Anfang an vom Produzenten ausgeht. Normalerweise schreibt ein Autor ein Buch und wendet sich an eine Produktionsfirma, also ein Bottom-up-Prozess. Bei Bond ist es eher Top-down. Hier bestimmen die Produzenten von vornherein Grundton, Thematik etc. des neuen Films. Sogar zentrale Handlungselemente wie die Entführung Willard Whytes in DAF oder die Erdölthematik in TWINE gingen oft von den Produzenten aus. Der einzelne Autor steht da eher am Ende der Entwicklungskette. Und insofern lastet wohl auch nicht so viel Verantwortung auf ihm. Gefallen seine Ideen nicht, schadet es seiner Karriere kaum, hat er gute Ideen, werden sie verwendet, und sei es für den übernächsten Bond, wie die Sägehelikopter aus Michael France´s GE-Script.

Ein Musterbeispiel dafür ist TSWLM. Die Entwicklung des Drehbuchs finde ich hier absolut faszinierend. Es gab mehrere komplette Story-Entwürfe, von denen teilweise nur eine einzige Idee übernommen wurde, wie etwa das U-Boot-Ortungssystem. Zwischendurch gab es dann mal so kuriose Ideen wie ein Showdown mit Terroristen in einem norwegischen Fjord. Am Ende kam jedoch ein sehr stimmiges Drehbuch heraus, das überlebensgroße, teilweise cartoonhafte Elemente mit ernsteren Tönen verbindet. TSWLM ist für mich auch der Film, der die Bedrohung eines Atomkrieges am besten einbindet. Wär für mich auf jeden Fall ein Kandidat für die Top 5.

Aber die Einteilung nach Jahrzehnten ist für eine Beurteilung schon sehr sinnvoll, da jedes seine eigene Herausforderung hatte. Die Drehbücher der Sechziger waren bis auf YOLT praktisch Romanadaptionen. Als solche aber zum Teil sehr gut. GF und OHMSS gelang es, Schwächen des jeweiligen Romans durch gute Ideen auszubügeln. Bei GF zum Beispiel der Einsatz des Lasers und die Verstrahlung der Goldreseren anstelle des Diebstahls. Aber ich glaube, die Adaption eines guten Romans ist trotzdem leichter als die Erfindung einer komplett neuen Handlung. Insofern kann man die Drehbücher der 60er auch schwer mit denen der 90er vergleichen...

Bei FRWL sehe ich eine Schwäche in den dem Orientexpress-Finale angehängten Actionszenen, zumal die Hubschraubersequenz sehr stark an Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" erinnert. Die Konfrontation zwischen Bond und Grant ist der Höhepunkt, auf den der gesamte Film zusteuert, alles danach ist Auflösung, die hier aber zuviel Raum einnimmt. Eigentlich sollte das Finale der eigentlichen Handlung, also der Kampf im Orientexpress, auch das Highlight des Films sein, und in Bezug auf Aufwand und Action nicht mit nachfolgenden, dramaturgisch untergeordneten Szenen konkurrieren müssen.

YOLT mag ich sehr als konsequenten Außenseiter. Roald Dahls Script setzt bewusst auf den surrealen und märchenhaften Aspekt, den die Reihe zu dem Zeitpunkt eh hatte.

In den Siebzigern finde ich, wie schon erwähnt, TSWLM herausragend.

Die besondere Herausforderung in den Achtzigern war wohl die Verknüpfung und Einbindung verschiedener Kurzgeschichten und Romanelemente. Das gelang in allen Glen-Filmen sehr gut, finde ich. Ein Merkmal der meisten 80er-Filme ist auch eine komplizierte Handlungskonstruktion um einen MacGuffin herum. Teilweise etwas zu kompliziert, wie in OP und TLD. Trotzdem waren es sehr gute Drehbücher, und ich finde es eigentlich schade, dass sich Michael G. Wilson nicht mehr am Schreibprozess beteiligt.

LTK ragt für mich hier heraus durch die Art, wie Bond auf eigene Faust vorgeht, mit Anleihen an Kurosawas Yojimbo.

Bei den Neunzigern stimme ich zu, dass es hier kein wirklich herausragendes Script gibt. TND finde ich schon fast strafbar in Bezug auf ungenutztes Storypotential. TWINE muss man zugute halten, dass hier versucht wurde, echte Wendungen zu erzeugen und mit Genrekonventionen zu spielen. Von der Grundkonstellation erinnert TWINE sogar ein bisschen an Noir-Filme. Dass es unterm Strich nicht so ganz funktioniert, würde ich noch nicht mal dem Drehbuch allein anrechnen.

Bei den Nullern sehe ich auch CR ganz klar vorn. Die Umsetzung eines 50 Jahre alten Romans finde ich wirklich sehr gelungen und würdig, nach der TV-Sparversion und der durchgeknallten Persiflage. Der Film ist auf der Höhe der Zeit, und schafft es trotzdem, Fleming-Feeling zu erzeugen (sozusagen den Spirit51 )

Insgesamt würde ich also sagen: OHMSS, TSWLM, TLD, LTK und CR.[quote/]



Zitat von »felixleitner«

Sehr schöne Beiträge.

Im Grunde genommen hatte die Serie spätestens nach GF das Problem, einzelne, sensationelle Höhepunkte zu einem flüssigen Ganzen verbinden zu müssen. Je flüssiger und plausibler die Verknüpfungen, umso besser das Script. Mit dieser Vorgabe sind natürlich keine Drehbuch-Oscars zu gewinnen, aber man kann Märchen erzählen, die um den halben Globus führen.

Aber gerade diese Epik stellt ein weiteres Problem in Sachen Storyfluss dar: Wenn Bond wieder irgendwo im Flugzeug landet, beginnt ein neuer Abschnitt, für kurze Zeit ist die Spannungs-Luft raus und Postkarten-Ansichten von Rio oder Kuba müssen diese Pausen füllen. Trotzdem bleibt dieses Globetrotter-Element wichtig, wenn man keine konzentrierte Story alà FRWL oder LTK zur Verfügung hat: Man eröffnet der Handlung bzw. der Action mehr Möglichkeiten und die Optik bleibt prägnant. In TB hat man gesehen, was passiert, wenn die Aktionen zu oft an gleichen Schauplätzen stattfinden.

Was nun diese flüssige wenn auch nicht immer plausible Verknüpfung von einzelnen Knüllern betrifft, so halte ich die 70er Jahre mit ihrem kunterbunten Irrsinn für die Erfolgreichste - jede Drehbuchschwäche wurde mit pfiffigen Ideen kaschiert, "Larger-than-Life" sorgte immer für gute Unterhaltung, mit Abstrichen bei TMWTGG. Trotzdem hat Scarpine recht, wenn er LALD und TSWLM als die Highlights anführt.

Probleme sehe ich da mehr in den 80ern mit dem Versuch, ernsthaft konstruierte Plots mit episodischer Action zu verbinden:

* Das ATAC in FYEO ist der McGuffin schlechthin und eigentlich hätte eine sofortige Tauchaktion für Bond doch Priorität haben sollen. Stattdessen mäandert der Film von "Spanien" zur Schweiz mit extrem episodischen Action-Einlagen

* OP: Wie Scarpine schon geschrieben hat: Der Ei-Plot wirkt weit hergeholt, der Zuschauer tappt die meiste Zeit komplett im Dunkeln, dafür entschädigt eine spannende Bomben-Jagd

* AVTAK beschäftigt sich viel zu lang mit nur lose zusammenhängenden Neben-Plots. Der Verzicht auf Skurrilitäten und Eye-candy im Stil der 70er macht sich bei dieser Erzählweise besonders negativ bemerkbar.

* TLD holt ebenfalls weit aus und kommt nicht ganz ohne Abstriche ans Ziel, die einzelnen Elemente wurden aber zu einem überzeugenden Ganzen verbunden, wenn man, wie Scarpine schon angesprochen hat, "smiert spionem" und Karas Rolle schluckt.

* LTK: Straight und zweckdienlich. Hier ist kein Gramm Fett zuviel, das beste Drehbuch der 80er.


Zu den unstimmigen Charakteren: Im Bond-Universum laufen schon seit Anbeginn eine Menge merkwürdiger Typen rum, deren Handlungsweisen nicht immer nachvollziehbar und glaubhaft erscheinen. Besonders beliebt sind die unschlüssigen Bond-Girls, die mal tough und professionell, dann wieder doof, mal gut und dann wieder böse sind. Manchmal wirkt das ambivalent, meistens aber unglaubwürdig. Und dann noch Typen wie Willard Whyte, bei dem man sich fragt, was er eigentlich die ganze Zeit in seinem Haus gemacht hat...[quote/]
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Scarpine

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Montag, 13. Oktober 2014, 12:04

Mir kam letztens der Gedanke, dass Eon neben ihren regulären Drehbuchautoren vielleicht auch mal einen Schriftsteller als "special consultant" engagieren sollten. Romanautoren haben in der Regel ein gutes Gespür für einen logisch durchdachten und gut strukturierten Handlungsaufbau, da man sich Logiklücken und Ungereimtheiten bei einem Roman weniger erlauben bzw. diese weniger durch spektakulären Bühnenzauber kaschieren kann. Mag man die Gastspiele von bekannten Autoren wie Roald Dahl ("You Only Live Twice") und George MacDonald Frazer ("Octopussy") auch mit gemischten Gefühlen sehen, so haben sie die Serie mit ihrem Ideenreichtum doch durchaus bereichern können. Frazer hatte auch nur einen geringen Anteil an "Octopussy", da das Script, das er mit Albert R. Broccoli & John Glen geschrieben hatte, durch ein anderes von Michael G. Wilson und Richard Maibaum ersetzt wurde. Immerhin kamen seine Story-Ideen so gut an, dass Glen den Schotten auch für "A View To A Kill" verplichten wollte, was aber leider aufgrund von Terminproblemen scheiterte.

Was das Threadthema angeht, so hat sich meine Meinung kaum geändert:

Die besten Franchise-Drehvorlagen sind für mich: "From Russia With Love", "On Her Majesty’s Secret Service", "Live And Let Die", "The Spy Who Loved Me". "The Living Daylights", "Licence To Kill", "Casino Royale" und "Skyfall".

Die Top-3 wären für mich: "Casino Royale", "On Her Majesty’s Secret Service", "The Spy Who Loved Me".
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"